Horrorbilder von Menschen, die sich in kürzester Zeit in Wracks verwandeln - das verbindet man mit Crystal Meth. Die abschreckenden Fotos tauchen immer wieder in Presse und sozialen Medien auf. Doch in vielen Fällen geht das Bild vom kaputten Meth-Junkie an der Realität vorbei und verfehlt dadurch teils sein abschreckendes Ziel. Crystal Meth, auch bekannt als Crystal Methamphetamin, Crystal, Crystal-Speed oder Meth, ist eine Form der Droge Methamphetamin. Die Droge hat ein hohes Suchtpotenzial und wirkt neurotoxisch.
Was ist Crystal Meth?
Crystal Meth ist eine weiße, kristalline Droge, die synthetisch hergestellt wird. Chemisch ist die Droge eng mit Amphetaminen verwandt, beide wirken aufputschend. Meth wird geschnieft, geraucht oder in Wasser aufgelöst injiziert.
Wie wirkt Crystal Meth?
Meth kann die sogenannte Blut-Hirn-Schranke leicht überwinden und wirkt daher besonders gut im Gehirn. Durch die Droge werden vermehrt Neurotransmitter, vor allem Dopamin, ausgeschüttet. Das Nervensystem wird aktiviert und die Herzfrequenz steigt. Zudem wird die Durchblutung im Körper gefördert, die Augen weiten sich. Konsumenten erleben einen sogenannten "Flash" oder "Rush", ihnen wird heiß, sie spüren plötzliche Euphorie und Leichtigkeit. Das Selbstvertrauen der Konsumenten wächst, viele fühlen sich unbesiegbar.
Nach der Einnahme kommt es zu einer erhöhten Ausschüttung der Botenstoffe Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin im Gehirn. Es wird jedoch damit keine Energie im Körper freigesetzt, sondern der Organismus gerät zunehmend in Dauerstress. Hungergefühle, Durst, Schmerzempfinden und Müdigkeit werden nicht mehr wahrgenommen, ebenso gefährliche Nebenwirkungen wie beispielsweise Herzrasen.
Die Wirkung ist abhängig von der Dosis, dem Wirkstoffgehalt, der Verabreichungsform sowie der individuellen körperlichen und seelischen Verfassung des Konsumenten. Wer die Droge konsumiert, verspürt ein starkes Verlangen, mehr davon zu nehmen. Crystal Meth löst Gefühle wie Glücklichsein, Wohlergehen, Zuversicht aus und setzt Energie frei. Ebenso wird eine Art Hyperaktivität ausgelöst. Man fühlt sich leistungsfähiger.
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Crystal wirkt im Körper je nach Konzentration und Qualität zwischen vier und zehn Stunden, manchmal sogar über einen Tag lang. Wie bei anderen Drogen auch sinkt nach dem Rausch die Grundaktivität des Körpers, Konsumenten erleben ein sogenanntes "Comedown".
Das Teuflische daran: Es übernimmt Aufgaben, die dem Sympathikus als Teil des zentralen Nervernsystems vorbehalten sind und setzt Dopamin und Noradrenalin frei. Die Konsumenten fühlen sich stundenlang glücklich, wach und leistungsfähig. Ist die Wirkung aufgebraucht, fehlen dem Körper die Glückshormone. Die Eigenproduktion ist herabgesetzt - und die Sucht nach dem nächsten Kick da.
Dopamin-Wirkung im Detail
Dopamin spielt eine wichtige Rolle im so genannten Belohnungssystem des Gehirns und wird bei positiv erlebten Verhaltensweisen ausgeschüttet wie beispielsweise beim Sex oder bei sportlichen Betätigungen. Auch auf den Konsum von Drogen springt das Belohnungssystem an. Eine Ausschüttung von Dopamin geht oft mit Glücksgefühlen oder erhöhtem Wohlbefinden einher. Dopamin hat auch andere Funktionen. Beispielsweise spielt es für die Bewegungssteuerung eine zentrale Rolle.
Eine Untersuchung des Hirngewebes ergab, dass die Ratten der Methamphetamin-Gruppe nach Ablauf der acht Tage deutlich niedrigere Dopaminwerte aufwiesen als die Vergleichsgruppe. Dieses Ergebnis zeigte sich auch bei den Ratten, die erst 14 Tage später seziert wurden. Zudem ließ sich ein eindeutiger Zusammenhang mit der Menge des verabreichten Methamphetamins erkennen: Je mehr die Ratten mittels Knopfdruck abriefen, umso niedriger waren ihre Dopaminwerte nach Abschluss der Untersuchung.
Das Forschungsteam schlussfolgert in ihrem Fachartikel, dass der Konsum von Methamphetamin deutliche und nachhaltige Schäden im Belohnungssystem des Gehirns hinterlassen kann. Je höher die Dosis, umso weitreichender die Auswirkungen. Dies deckt sich mit Ergebnissen aus psychologischen Studien, in denen starker Methamphetaminkonsum mit einem vermehrten Auftreten von Ängsten, Niedergeschlagenheit und Problemen mit der Bewegungskoordination in Zusammenhang gebracht werden konnte.
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Die Suchtgefahr
Je schneller und stärker sich eine Droge im Gehirn anflutet, umso höher ist ihr Abhängigkeitspotential. Bei Methamphetamin kommt hinzu, dass es im Gegensatz zu Speed oder Kokain zu einer sehr schnellen Gewöhnung kommt. Schon ein einmaliger Konsum von einigen Milligramm der Droge kann abhängig machen. Da Crystal Meth anfangs euphorisierend wirkt, das Selbstwertgefühl steigert und Ängste unterdrückt, sind besonders Menschen, die unter hohem Leistungsdruck stehen, für diese Droge anfällig. Crystal Meth zehrt die Ressourcen des Körpers sehr schnell auf. Nach einem Rausch führt sie zu einem schmerzhaften Verlangen nach mehr - nur durch weiteren Drogenkonsum kann dieser gefährliche Drang temporär gestillt werden. Der Teufelskreis beginnt.
Die Entzugssymptome sind durch Dopamin-, Noradrenalin- und Serotoninverbrauch zu erklären: Anhedonie, Antriebslosigkeit, psychomotorische Verlangsamung im Wechsel mit hyperkinetischen Phasen, ein generelles Schwächegefühl, gereizt/depressive Stimmung mit reduziertem Selbstwertgefühl und Suizidgedanken sowie Kopfschmerzen. All das führt zum Craving und erneutem Konsum, um oben genannte Symptome zu lindern.
Risiken und Folgen des Konsums
Crystal Meth ist eine gefährliche und hochpotente chemische Substanz, die auch als starkes Nervengift gilt. Studien zeigen, dass durch die Droge die Ausläufer der Nervenzellen zerstört werden. Dadurch kann es zu schweren Schädigungen im Gehirn kommen, die zum Beispiel zu Gedächtnisverlust, Aggressivität oder psychotischem Verhalten führen können. Außerdem sind durch den Dauerstress des Organismus schwere Herz- und Kreislaufschädigungen möglich.
Die Folgen von Crystal Meth sind Depressionen, Halluzinationen, Psychosen sowie Akne, Zahn- und Mundprobleme, Herz-Leber- und Nierenschäden, langfristig auch Krebs.
Methylamphetamin hat erhebliche Nebenwirkungen. Konsumenten spüren lange Zeit keine Müdigkeit oder Hunger, sie schlafen, essen und trinken nicht. Die Droge unterdrückt auch Schmerzen. Langfristig leiden viele Abhängige unter Schlafstörungen, Depressionen, Wahnvorstellungen. Viele langjährige Konsumenten magern stark ab. Durch den Flüssigkeitsverlust wird die Haut trocken und grau, Karies und Zahnausfall sind typische Crystal-Schäden. Da die Droge über die Nieren verstoffwechselt wird, kann ein dauerhafter Konsum zu Nierenschäden führen. Nebeneffekt der durch die Droge ausgelösten Hemmungslosigkeit sind Verletzungen und Infektionen, vor allem mit HIV. Bei einer Überdosierung sind plötzliche Blutdruckabfälle möglich, die mitunter tödlich sind.
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Regelmäßiger Drogenkonsum gehört für Menschen aus den unterschiedlichsten Lebenssituationen zum Alltag. Der Rausch lässt viele den grauen Alltag und den Stress vergessen, während der Körper von regelrecht euphorischen Glücksgefühlen überschwemmt wird. Aber schon der einmalige Konsum von Crystal Meth kann zu irreversiblen körperlichen und psychischen Schäden führen.
Langzeitwirkungen beeinflussen Körper und Geist. Der regelmäßige Crystal-Konsum zehrt den Körper sehr stark aus. Dabei verstärken sich die Nebenwirkungen gegenseitig und die Persönlichkeit vieler Konsumenten verändert sich. Eine permanent anhaltende Depression kann hervorgerufen werden.
Langzeitnebenwirkungen von Crystal Meth können sein:
- starker Zahnverfall
- chronische Hautentzündungen und Akne
- Unterernährung und starker Gewichtsverlust
- irreversible Schäden der Blutgefäße und des Gehirns
- Hirnblutung
- Schlaganfälle mit plötzlichen Lähmungen
- Bluthochdruck und Herzinfarkt
- Epilepsie
- Schädigung der Leber, der Nieren und der Lunge
- Magenschäden
- Zerstörung der Nasenschleimhaut
- Depressionen und Paranoia
- Schwächung des Immunsystems
Im Drogenrausch sinken die Hemmschwellen, Betroffene fühlen sich übermütig und sind bereit, extrem hohe Risiken einzugehen. Ungeschützter Sex, riskante Sexualpraktiken oder mangelnde Injektionshygiene sind oft die Folgen. Bei regelmäßigem Konsum von Crystal steigt somit auch das Risiko für eine Infektionskrankheit wie HIV oder Hepatitis.
Schon der einmalige Konsum kann drogeninduzierte Psychosen wie Halluzinationen, Wahnvorstellungen oder Schizophrenie auslösen. Diese psychischen Erkrankungen können über Monate hinweg andauern oder sogar lebenslang bestehen. Neben den psychischen Folgeerkrankungen kann der Drogenkonsum auch schwerwiegende soziale Folgen haben. Oft wird die Schule oder der Beruf vernachlässigt. Betroffene verschulden sich, werden arbeits- oder gar obdachlos. Strafrechtliche Konflikte sind oft vorprogrammiert, da bereits der Besitz und Konsum von Crystal Meth illegal ist. Das führt häufig auch zu Beschaffungskriminalität.
Warnzeichen einer Abhängigkeit
Der Körper gewöhnt sich rasch an Crystal Meth, sodass folglich bei jedem Konsum die Dosis erhöht werden muss. Nur so kann der Körper den Rausch weiter spüren. Mediziner sprechen von einer Toleranzentwicklung. Dieser Effekt trägt zur Abhängigkeit bei - und nicht zuletzt zu einer Überdosierung.
Warnzeichen für eine Abhängigkeit können sein:
- erhöhtes Mitteilungsbedürfnis
- starker Bewegungsdrang
- grundlose Streitsucht
- Verlust von Unrechtsbewusstsein, Empathie und Emotionen
- Sprachstörungen wie Stottern oder motorische Störungen
- Appetitlosigkeit
- Konzentrationsschwierigkeiten
Der Weg aus der Drogensucht
Der Weg zu einem drogenfreien Leben kostet viel Kraft und Zeit. Ziel der Crystal-Meth-Therapie ist es, die Kontrolle über den eigenen Körper zurückzugewinnen. Gleichzeitig werden dabei neue Strategien vermittelt, mit Stress und Konflikten im Leben umzugehen. Drogenberatungsstellen und Suchtkliniken bieten Betroffenen Unterstützung an, um zurück in einen drogenfreien Alltag zu finden.
Um der Sucht zu entfliehen, ist der erste Schritt der eigene Wille, mit dem Konsum aufzuhören. Beweggründe dafür sind oft die unerwünschten körperlichen Schäden oder die Sorge von Angehörigen. Je früher der Konsument einen Entzug beginnt, desto milder fallen die Folgeschäden aus. Drogenberatungsstellen online oder vor Ort bieten dabei Hilfe und Unterstützung an.
Ziel des Crystal-Entzugs ist es, den Körper zu entgiften. Die Suchtberatung und der Hausarzt können den Entzug betreuen. Die Erfolgschancen sind am besten, wenn der Konsument freiwillig und aktiv mitwirkt und ihm eventuell auch Angehörige zur Seite stehen. Die Symptome eines Crystal-Entzugs ähneln den Nebenwirkungen nach einem Rausch - nur meist stärker ausgeprägt:
- Kopfschmerzen
- schmerzende Glieder und Gelenke
- Angstgefühle
- Schlafstörungen und Nachtschweiß
- verstärkte Reizbarkeit
- Übelkeit und Erbrechen
Je nach Abhängigkeitsgrad kann der Entzug einige Tage oder auch Monate dauern. Bei einer stärkeren Crystal-Sucht ist der Drogenentzug in einer spezialisierten Suchtklinik essenziell. Ihr Hausarzt kann zusammen mit einer Drogenberatungsstelle einen Antrag für eine Entzugsklinik stellen. In der Suchtklinik untersucht der betreuende Arzt die betroffene Person körperlich und psychisch. Dabei veranlasst er Laboruntersuchungen und fragt nach eingenommenen Substanzen. Die Entgiftung kann medikamentös unterstützt werden, um die Entzugserscheinungen zu lindern. Bei Depressionen, Schlafstörungen oder Ängsten kann der behandelnde Arzt zum Beispiel Antidepressiva wie Bupropion verschreiben. Neuroleptika wie Risperidon können helfen, Methamphetamin-induzierte Psychosen zu behandeln. Die Entgiftung kann durch Psycho- und Hypnotherapie unterstützt werden.
Auf die Entgiftung folgt die Reha, in der Betroffene sowohl psychologisch als auch sozial Unterstützung erhalten. Ziel hierbei ist es, in ein normales Leben zurückzukehren.
Verbreitung von Crystal Meth
In Deutschland sind verlässliche Daten zur Verbreitung der Droge bislang rar. Eine Befragung von 400 Drogenkonsumenten im Auftrag der Bundesregierung ergab, dass Meth-Nutzer vor allem in der Nähe zur tschechischen Grenze leben, dort wird die Droge billig produziert. In Norden des Freistaates Bayern, Sachsen, Thüringen und zum Teil auch Sachsen-Anhalt soll Crystal Meth besonders verbreitet sein.
In erster Linie wird Crystal auf Partys konsumiert, jeder zweite putscht sich mit der Droge auch im Berufsleben und im Haushalt auf. Ein Viertel der Befragten nimmt die Kristalle bereits in der Schule oder einer anderen Ausbildungsstätte. Für 15 Prozent ist Crystal die erste illegale Droge, 40 Prozent haben zuvor bereits Cannabis konsumiert. In der EU probiert laut der europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht jeder 30. Erwachsene mindestens einmal den Rausch mit Amphetaminen.
Fernse warnt allerdings davor, das Crystal Meth-Problem nur auf die Bundesländer in Ostdeutschland zu beziehen. Zwar wird der Stoff hauptsächlich in Laboren in Tschechien produziert und gelangt zunächst in die angrenzenden deutschen Regionen. Von dort habe es sich aber längst im ganzen Land ausgebreitet.
Krankenhausdaten zeigten, dass praktisch in ganz Deutschland jedes Jahr mehr Menschen in der Folge von Crystal-Meth-Konsum ins Krankenhaus kommen. Auch die Drogenmenge, die jährlich in Deutschland beschlagnahmt wird, spricht für eine flächendeckende Zunahme: 2014 wurden laut BKA in Deutschland 74 Kilogramm des kristallinen Methamphetamins beschlagnahmt. Zum Vergleich: Noch 2009 entdeckten die Beamten nur 7,2 Kilogramm des Stoffes.
Zur großen Ausbreitung trägt wohl auch der vergleichsweise niedrige Preis bei: Dieser schwankt stark und liegt laut Ferse zwischen 20 und 70 Euro pro Gramm.