Curcuma und Polyneuropathie: Was Studien sagen

Die Polyneuropathie ist eine Erkrankung des peripheren Nervensystems, die durch Schädigung der Nerven verursacht wird. Symptome sind oft Kribbeln, Schmerzen oder Taubheitsgefühle in Händen und Füßen. Verschiedene Faktoren können diese Nervenschäden verursachen, darunter Diabetes, Alkoholmissbrauch und Krebstherapien. Im Fokus der Forschung stehen zunehmend auch pflanzliche Mittel zur Behandlung von Polyneuropathie, insbesondere Curcuma.

Curcuma: Ein Überblick

Curcuma, auch Gelbwurzel genannt, gehört zur Familie der Ingwergewächse und stammt aus den tropischen Regionen Asiens. Das Rhizom der Pflanze, welches dem Ingwer ähnelt, zeichnet sich durch seine intensive gelbe Farbe aus. Kurkuma wird oft als Gewürz verwendet und ist ein Bestandteil von Currypulver. In der traditionellen asiatischen Medizin wird Kurkuma seit Jahrtausenden eingesetzt. Es wird ihm eine verdauungsfördernde Wirkung zugeschrieben, die leichte Beschwerden wie Blähungen oder Völlegefühl nach dem Essen lindern kann.

Neben der Verwendung als Gewürz sind auch Nahrungsergänzungsmittel mit Kurkuma oder dem Extrakt Curcumin erhältlich, meist in Form von Kapseln oder Pulver. Curcumin wird eine Vielzahl von positiven Wirkungen zugeschrieben, darunter entzündungshemmende und antioxidative Eigenschaften. Es wird diskutiert, ob Curcumin bei Erkrankungen wie Arthrose, Diabetes, Parkinson, Alzheimer, Makuladegeneration (AMD) und sogar Krebs helfen kann. Allerdings sind die meisten Fragen trotz intensiver Forschung noch offen.

Curcuma und Wechselwirkungen mit Medikamenten

Ein wichtiger Aspekt bei der Verwendung von Curcuma ist die mögliche Wechselwirkung mit Medikamenten, insbesondere bei Brustkrebspatientinnen, die eine antihormonelle Therapie mit Letrozol oder Tamoxifen erhalten. Viele Patientinnen stoßen bei ihren Recherchen auf Informationen zu möglichen Wechselwirkungen mit Curcumin oder Piperin (aus schwarzem Pfeffer).

Im Fall von Letrozol erfolgt der Abbau überwiegend über die Enzyme CY-P3A4 und CYP2A6. Curcumin kann diese Enzyme in Laborversuchen hemmen, was theoretisch dazu führen könnte, dass Letrozol langsamer abgebaut wird und dadurch in höherer Konzentration im Blut verbleibt. Ob dies in der Praxis tatsächlich passiert und in einem klinisch bedeutsamen Ausmaß, ist bislang nicht durch belastbare Studien am Menschen belegt. Bei konzentrierten Präparaten mit hohen Dosen von Curcumin, insbesondere wenn zusätzlich Piperin enthalten ist, ist jedoch Vorsicht geboten.

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Für Tamoxifen ist die Lage noch sensibler: Dieses Medikament muss im Körper zunächst durch das Enzym CYP2D6 in seine aktive Form umgewandelt werden. Piperin und möglicherweise auch Curcumin können dieses Enzym hemmen. Wird CYP2D6 blockiert, kann Tamoxifen nicht ausreichend aktiviert werden, was theoretisch die Wirksamkeit der Behandlung beeinträchtigen könnte.

Es ist wichtig zu betonen, dass Curcuma als Gewürz bei einer antihormonellen Therapie mit Letrozol oder Tamoxifen unproblematisch ist. Wer jedoch hochdosierte Nahrungsergänzungsmittel mit Curcumin und Piperin einnehmen möchte, sollte dies vorher mit dem behandelnden Arzt besprechen. Besonders bei Tamoxifen kann es sonst zu Wechselwirkungen kommen, die möglicherweise die Wirksamkeit beeinträchtigen.

Curcuma in der Ayurveda-Medizin und Forschung

Die ayurvedische Sicht auf die pharmakologischen Wirkungen von Pflanzen folgt logisch nachvollziehbaren Kriterien und lässt sich daher nicht nur auf indische Kräuter anwenden, sondern ebenso auf westliche Heilpflanzen. Ein langfristiges Ziel ist es, vermehrt heimische Pflanzen bei Ayurveda-Therapien in Europa einzusetzen, um eine Versorgung nach westlichen Qualitätsstandards sicherzustellen, sowie die indische Flora und Umwelt durch kürzere Transportwege zu schützen. Dabei werden Pflanzen aus Deutschland mit indischen Pflanzen aus der gleichen Pflanzenfamilie hinsichtlich ihrer Inhaltsstoffe verglichen. Auf diese Weise lassen sich neue Wirkweisen der in Europa wachsenden Pflanzen erforschen.

Weitere Ernährungsaspekte bei Polyneuropathie

Neben der potenziellen Rolle von Curcuma gibt es weitere Ernährungsaspekte, die bei Polyneuropathie berücksichtigt werden sollten.

Omega-3-Fettsäuren

Einige kleinere Studien deuten darauf hin, dass Omega-3-Fettsäuren die Symptome der Polyneuropathie bei Diabetikern verbessern können. Die in Fischöl enthaltenen Docosahexaensäure (DHA) und Eicosapentaensäure (EPA) scheinen dabei wirksamer zu sein als die in vielen Pflanzenölen enthaltene Alpha-Linolensäure. Da eine tägliche Einnahme von Fischölen notwendig ist, um die Polyneuropathie zu bremsen, ist es oft sinnvoll, Fischölkapseln zu sich zu nehmen.

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Entzündungshemmende Ernährung

Bei vielen Formen der Polyneuropathie sind entzündliche Prozesse an der Schädigung der Nerven beteiligt. Eine Ernährungsweise, die Entzündungen hemmt, kann daher potenziell die Schwere der Polyneuropathie beeinflussen. Geeignete Lebensmittel sind beispielsweise Tee aus Kamille, Salbei oder Grüner Tee. Eine entzündungshemmende Ernährung ist auch abgesehen von der Polyneuropathie förderlich für die Gesundheit.

Vitamin D

Menschen mit niedrigen Spiegeln an Vitamin D entwickeln laut einiger Studien häufiger Polyneuropathie. Es ist jedoch wichtig, vor der Einnahme von Vitamin D-Präparaten den Vitamin D-Spiegel im Blut messen zu lassen, um einen Mangel auszugleichen. Experimente mit sehr großen Mengen Vitamin D zur Verbesserung der Polyneuropathie werden nicht empfohlen.

Alpha-Liponsäure

In wissenschaftlichen Studien wurde die Wirkung von Alpha-Liponsäure bei diabetischer Polyneuropathie untersucht. Eine starke Wirkung zeigte sich allerdings nur, wenn die Alpha-Liponsäure als Infusion gegeben wurde. Es ist wichtig zu beachten, dass es zu Wechselwirkungen mit manchen Medikamenten kommen kann.

B-Vitamine

Ein Mangel an B-Vitaminen kann eine Polyneuropathie verursachen. Bei einer normalen, nicht veganen Ernährung nimmt man in der Regel genügend B-Vitamine auf. Vegane Ernährung kann jedoch zu einem Mangel führen.

Salz

An vielen Stellen wird empfohlen, sich salzarm zu ernähren. Bei Polyneuropathie besteht aber die Gefahr, sich damit zu schaden. Tierversuche und epidemiologische Studien deuten darauf hin, dass eine salzreiche Ernährung sogar einen Schutz vor Polyneuropathie bieten könnte. Allerdings sollte man Salz nicht meiden.

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Heilfasten

Heilfasten kann bei Polyneuropathie unter Umständen sinnvoll sein, vor allem wenn Diabetes die Ursache der Nervenschäden ist. Es sollte aber mit Fachleuten abgesprochen werden. Es gibt inzwischen einige wissenschaftliche Daten die zeigen, dass Heilfasten einen positiven Effekt auf das Nervensystem haben kann. Deshalb wird vermutet, dass Heilfasten auch bei Polyneuropathie positive Auswirkungen auf die Nerven und damit die Erkrankung haben könnte. Heilfasten sollte ausschließlich dann durchgeführt werden, wenn man kein Untergewicht hat. Mangel an Vitaminen und Spurenelementen sollte unbedingt vermieden werden um die Polyneuropathie nicht noch weiter zu verschlimmern.

Mutterkraut und Neuropathie

Forscher der Universitätsklinik Düsseldorf haben die heilende Wirkung von Mutterkraut untersucht. Die Pflanze wird bereits als traditionelles Migränemittel eingesetzt. Neuropathie-Patienten soll sie helfen, indem sie die normalerweise sehr langsame Regeneration geschädigter Nervenfasern beschleunigt.

Die Wissenschaftler behandelten Mäuse mit geschädigten Ischiasnerven mit dem Wirkstoff Parthenolide, der in Mutterkraut steckt. Nach weniger als einer Woche konnten die Tiere ihre durch die Krankheit gelähmten Zehen wieder bewegen - im Gegensatz zu Tieren, die den Wirkstoff nicht bekamen.

Ob Mediziner den Wirkstoff auch für eine Therapie beim Menschen einsetzen können, muss sich erst noch zeigen. Studienleiter Dietmar Fischer erklärt: „Dieser therapeutische Ansatz ist völlig neu. Bis zur Entwicklung zu einem einsatzfähigen Medikament sind allerdings noch weitere Untersuchungen notwendig."

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