Die Zytomegalie, verursacht durch das humane Cytomegalievirus (CMV), ist eine weit verbreitete Viruserkrankung. Während sie bei gesunden Menschen oft unbemerkt bleibt oder nur geringe Beschwerden verursacht, kann sie bei Personen mit geschwächtem Immunsystem und ungeborenen Kindern schwerwiegende Folgen haben, insbesondere für das Nervensystem. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte von CMV-Infektionen und ihre potenziellen Auswirkungen auf das Nervensystem.
Was ist das Cytomegalievirus (CMV)?
Das Cytomegalievirus (CMV) gehört zur Familie der Herpesviren und wird auch als Humanes Herpesvirus 5 (HHV-5) bezeichnet. Wie alle Herpesviren verbleibt CMV nach einer Infektion lebenslang im Körper des Wirts. Es persistiert in einem Ruhezustand (Latenz) in verschiedenen Zellen und kann unter bestimmten Umständen reaktiviert werden. Die Mehrheit der Erwachsenen, etwa 70 Prozent, trägt CMV in sich, oft ohne es zu wissen.
Übertragung und Verbreitung
Die Übertragung des CMV erfolgt hauptsächlich durch Tröpfchen- oder Schmierinfektion. Das Virus kann in verschiedenen Körperflüssigkeiten wie Speichel, Tränenflüssigkeit, Urin, Genitalsekreten, Blut und Muttermilch enthalten sein. Enge Körperkontakte wie Küssen und Geschlechtsverkehr sowie das Stillen eines Kindes können zur Übertragung führen. Kleinkinder, insbesondere bis zum dritten Lebensjahr, können das Virus in erhöhter Konzentration ausscheiden und somit eine Ansteckungsquelle darstellen.
Symptome einer CMV-Infektion
Bei immunkompetenten Personen verläuft eine CMV-Infektion oft asymptomatisch oder mit milden, grippeähnlichen Symptomen wie Abgeschlagenheit, Fieber, Husten, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Lymphknotenschwellungen. Die Inkubationszeit beträgt in der Regel vier bis sechs Wochen.
Bei Personen mit geschwächtem Immunsystem, wie z.B. nach Transplantationen oder bei HIV-Infektionen, können schwerwiegendere Komplikationen auftreten, darunter:
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- Pneumonie (Lungenentzündung): Insbesondere die Cytomegalievirus(CMV)-Pneumonie ist akut bedrohend für immunsupprimierte Patienten.
- Hepatitis (Leberentzündung)
- Ösophagitis (Entzündung der Speiseröhre)
- Retinitis (Netzhautentzündung): Insbesondere bei AIDS-Patienten kann eine CMV-Retinitis zur Erblindung führen.
- Kolitis (Entzündung des Dickdarms)
- Enzephalitis (Gehirnentzündung) und Meningitis (Hirnhautentzündung): Diese können zu neurologischen Schäden führen.
Zytomegalie und das Nervensystem
CMV kann das Nervensystem auf verschiedene Weisen beeinträchtigen. Bei immungeschwächten Patienten kann es zu einer Meningoenzephalitis kommen, einer Entzündung von Gehirn und Hirnhäuten. Dies kann zu einer Vielzahl neurologischer Symptome führen, darunter Kopfschmerzen, Fieber, Nackensteifigkeit, Verwirrtheit, Krampfanfälle und Bewusstseinsstörungen.
Bei ungeborenen Kindern, die sich während der Schwangerschaft mit CMV infizieren (kongenitale CMV-Infektion), kann es zu schweren Schädigungen des Gehirns und Nervensystems kommen. Diese Schäden können sich in Form von:
- Mikrozephalie (zu kleiner Kopf)
- Gehirnverkalkungen
- Entwicklungsverzögerungen
- Geistiger Behinderung
- Krampfanfällen
- Hörverlust
- Sehstörungen
- Lähmungserscheinungen äußern.
Es ist wichtig zu beachten, dass viele Kinder mit kongenitaler CMV-Infektion bei der Geburt keine Symptome zeigen. Dennoch können bei etwa 10-15% dieser Kinder später CMV-bedingte Schäden auftreten, hauptsächlich Hörschädigungen und gelegentlich milde Entwicklungsverzögerungen. Daher ist eine regelmäßige Kontrolle des Gehörs bei kongenital infizierten Kindern unerlässlich, um eine eventuell verzögert auftretende Hörstörung frühzeitig zu erkennen und das Kind gezielt zu fördern.
Kongenitale CMV-Infektion: Eine besondere Gefahr für Ungeborene
Die kongenitale CMV-Infektion ist die häufigste angeborene Virusinfektion. Sie entsteht, wenn sich eine Schwangere während der Schwangerschaft mit CMV infiziert und das Virus auf das ungeborene Kind überträgt. Das Risiko einer Übertragung ist höher, wenn die Mutter während der Schwangerschaft eine Erstinfektion mit CMV hat.
Die Folgen einer kongenitalen CMV-Infektion können vielfältig sein. Einige Kinder sind bei der Geburt symptomatisch, während andere erst später im Leben Symptome entwickeln. Zu den möglichen Symptomen bei der Geburt gehören:
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- Geringes Geburtsgewicht
- Gelbsucht
- Vergrößerte Leber oder Milz
- Hautblutungen
- Zu kleine Ausbildung des Kopfes (Mikrozephalie)
- Gehirnverkalkungen
- Schädigungen der Augen oder des Hörsinns
Nicht alle Kinder, die sich im Mutterleib mit CMV infizieren, zeigen Symptome bei der Geburt. Etwa 85 Prozent der Kinder werden scheinbar gesund geboren. Jedoch entwickeln 10 bis 15 Prozent davon im Laufe der ersten drei Lebensjahre Spätschäden, wobei Hörstörungen am häufigsten festgestellt werden.
Diagnose einer CMV-Infektion
Die Diagnose einer CMV-Infektion kann entweder direkt durch den Nachweis des Virus oder indirekt durch den Nachweis von Antikörpern erfolgen. Der direkte Nachweis kann beispielsweise im Urin, Speichel oder Blut erfolgen. Der indirekte Nachweis erfolgt mittels Antikörpertest im Blut. Anhand der Art der Antikörper gegen CMV kann unterschieden werden, ob die Infektion vor Kurzem oder vor längerer Zeit stattgefunden hat.
Bei Schwangeren wird häufig ein Antikörpertest durchgeführt, um festzustellen, ob bereits eine CMV-Infektion stattgefunden hat. Wenn keine Antikörper vorhanden sind (Seronegativität), ist die Schwangere anfällig für eine Erstinfektion.
Bei Kindern, die sich während der Schwangerschaft mit Zytomegalie angesteckt haben, sind regelmäßige Hörtests wichtig, da Hörstörungen mitunter erst spät diagnostizierbar sind.
Behandlung einer CMV-Infektion
Menschen mit einem gesunden Immunsystem benötigen bei einer CMV-Infektion in der Regel keine spezifische Behandlung. Bei Personen mit erhöhtem Risiko für einen schweren Verlauf, wie z.B. immungeschwächten Patienten und Neugeborenen mit kongenitaler CMV-Infektion, werden virushemmende Medikamente (Virostatika) eingesetzt. Zu diesen Medikamenten zählt beispielsweise Ganciclovir.
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Haben sich Neugeborene bereits vor der Geburt mit CMV angesteckt, dann sollten virushemmende Medikamente nur nach Absprache mit einem kompetenten Neugeborenen-Zentrum eingesetzt werden.
Prävention von CMV-Infektionen
Da es keine Schutzimpfung gegen CMV gibt, ist die Prävention von CMV-Infektionen besonders wichtig für Risikogruppen wie Schwangere ohne Antikörper gegen CMV, Frühgeborene und Menschen mit geschwächtem Immunsystem.
Für Schwangere ohne Antikörper gegen CMV werden folgende Hygienemaßnahmen empfohlen:
- Gründliches und häufiges Händewaschen mit Seife unter warmem Wasser - vor allem nach dem Windelwechsel, Waschen, Füttern, Tränenabwischen und Naseputzen von Kindern, sowie bei Kontakt mit Spielzeug, das von Kindern in den Mund genommen wurde.
- Gegenstände und Oberflächen, die mit Urin oder Speichel von Kleinkindern in Kontakt gekommen sind, mit Schutzhandschuhen reinigen oder durch andere Personen reinigen lassen.
- Säuglinge und Kleinkinder nicht auf Mund und Wangen küssen.
- Geschirr, Besteck, Handtücher und Waschlappen nicht gemeinsam mit anderen Personen benutzen.
- Keine Schnuller in den Mund nehmen oder Essensreste der Kinder verzehren.
Frauen, die beruflich Kinder im Alter von unter 3 Jahren betreuen, haben ein erhöhtes Risiko sich mit CMV anzustecken. Im Einzelfall muss geprüft werden, ob Schwangere ohne Antikörper gegen CMV von bestimmten beruflichen Tätigkeiten freigestellt werden.
Umgang mit cCMV-infizierten Kindern
cCMV-infizierte Kinder haben die Besonderheit, dass sie das CMV-Virus über einen längeren Zeitraum ggf. in einer erhöhten Konzentration vor allem im Urin ausscheiden. Trotzdem ist zu beachten, dass ca. die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland bereits mit dem CMV-Virus durchseucht ist. Andere Länder weisen eine noch wesentlich höhere Durchseuchung mit 80% und mehr auf. Jeder, egal ob Kind oder Erwachsener, der das CMV-Virus in sich trägt ist von Zeit zu Zeit wieder ansteckend, da sich das Virus reaktivieren kann, ohne dass man dies merkt.
Kleinkinder mit einer nachgeburtlichen CMV-Infektion bis zum 3. Lebensjahr können das CMV-Virus in einer siebenfach erhöhten Konzentration ausscheiden, sodass Kindergärten, Pekip-Kurse, Babymassage, Babyschwimmen, Kinderturnen o.ä. für seronegative Schwangere oder immunkranke Menschen systematisch CMV-gefährdend sind.
Ein cCMV-infiziertes Kind ist daher grundsätzlich nicht anders zu behandeln als jedes andere Kind und somit als Spielgefährte, Kindergartenkamerad, Patenkind oder Gast auf jeder Feier eine Bereicherung. CMV-seronegative Schwangere, d.h. Schwangere die noch keine CMV-Antikörper haben, sollten die gelisteten Hygienemaßnahmen grundsätzlich sehr ernst nehmen und auf das Wickeln, Naseputzen u.ä. von Kindern wenn möglich verzichten. Sollte dies nicht vermeidbar sein, dann kann durch gute Handhygiene oder Einmalhandschuhe das CMV-Infektionsrisiko minimiert werden.
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