Die Kirmeszeit ist für viele Menschen eine Zeit der Freude, des Vergnügens und der Gemeinschaft. Bunte Lichter, aufregende Fahrgeschäfte und der Duft von gebrannten Mandeln locken Jung und Alt an. Doch hinter der fröhlichen Fassade lauern auch potenzielle Risiken, insbesondere für Menschen mit Epilepsie. Dieser Artikel beleuchtet die spezifischen Herausforderungen, denen sich Epilepsie-Betroffene auf der Kirmes stellen müssen, und untersucht, welche Maßnahmen ergriffen werden können, um die Sicherheit und Inklusion dieser Personengruppe zu gewährleisten.
Feuerwerk, Lasershows und Drohnen: Ein Sicherheitsdilemma
Traditionell gehört das Feuerwerk zu den Höhepunkten einer jeden Kirmes. In Mühlhausen musste man jedoch aus Sicherheitsgründen darauf verzichten. Die Mühlhäuser Feuerwehr appelliert schon seit Langem dringend, auf das Abbrennen von Feuerwerkskörpern in der Altstadt und dem angrenzenden Umfeld zu verzichten. Das Risiko eines Brandes in der historischen Altstadt ist einfach zu groß. Denn aufgrund der engen Bebauung, der erschwerten Zugänglichkeit und der Beschaffenheit der Gebäude ergeben sich sowohl ein deutlich erhöhtes Risiko zur Entstehung eines Brandes als auch ein sehr großes potentielles Schadensausmaß im Brandfall. Dies ist auch der Grund dafür, dass es ein solches Verbot ja inzwischen auch für Silvester gibt.
Die Suche nach Alternativen zum klassischen Feuerwerk gestaltete sich schwierig. Die Prüfung von Alternativen zum klassischen Feuerwerk hat bisher leider zu keinem Erfolg geführt. Eine Drohnenshow kann auf dem Blobach nicht stattfinden, da die vorgeschriebenen Sicherheitsabstände zum Starten und Landen sowie für den Schwarmflug der Drohnen nicht eingehalten werden können. Auch für eine Lasershow ist der Blobach laut übereinstimmender Einschätzung mehrerer angefragter Anbieter ungeeignet.
Epilepsie: Eine Volkskrankheit im Überblick
Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte epileptische Anfälle gekennzeichnet ist. Dabei ist Epilepsie eine Volkskrankheit, die genauso häufig ist wie Diabetes und Gelenkrheuma. Rund fünf Prozent aller Menschen haben einmal im Leben einen epileptischen Anfall. 600.000 leben in Deutschland ständig mit der Krankheit. Die Ursachen für Epilepsie sind vielfältig und reichen von genetischen Faktoren über Hirnverletzungen bis hin zu Entwicklungsstörungen des Gehirns.
Die Anfälle selbst können sich sehr unterschiedlich äußern. Einige Betroffene erleben nur kurze Bewusstseinsaussetzer (Absencen), während andereGeneralisierte Anfälle mit Krämpfen und Bewusstseinsverlust haben. Die Diagnose und Behandlung von Epilepsie erfordert eine sorgfältige Abklärung durch einen Neurologen.
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Herausforderungen und Risiken auf der Kirmes
Für Menschen mit Epilepsie kann der Besuch einer Kirmes mit spezifischen Risiken verbunden sein:
- Reizüberflutung: Die Kombination aus lauter Musik, blinkenden Lichtern und vielen Menschen kann bei manchen Betroffenen Anfälle auslösen.
- Schlafmangel: Durch die ungewohnten Zeiten und die Aufregung kann es zu Schlafmangel kommen, was ebenfalls ein Anfallsrisiko darstellt.
- Alkohol und Drogen: Der Konsum von Alkohol oder Drogen kann die Anfallsschwelle senken und Anfälle provozieren.
- Stress: Die ungewohnte Umgebung und die vielen Eindrücke können Stress verursachen, der sich negativ auf die Anfallskontrolle auswirken kann.
- Fahrgeschäfte: Schnelle Drehungen, abrupte Bewegungen und starke Beschleunigungen in Fahrgeschäften können bei manchen Menschen mit Epilepsie Anfälle auslösen.
Sicherheit geht vor: Maßnahmen zur Risikominimierung
Um die Sicherheit von Menschen mit Epilepsie auf der Kirmes zu gewährleisten, sind verschiedene Maßnahmen erforderlich:
- Information und Aufklärung: Kirmesbetreiber und Personal sollten über Epilepsie informiert sein und wissen, wie sie im Falle eines Anfalls reagieren müssen.
- Ruhebereiche: Es sollten ruhige Bereiche auf dem Kirmesgelände eingerichtet werden, in die sich Betroffene bei Reizüberflutung zurückziehen können.
- Erste-Hilfe-Personal: Geschultes Erste-Hilfe-Personal sollte vor Ort sein, um im Notfall schnell und kompetent helfen zu können.
- Anpassung der Fahrgeschäfte: Bei Fahrgeschäften sollten die Betreiber darauf achten, dass die Sicherheitsvorkehrungen ausreichend sind und dass die Fahrten nicht zu abrupt oder zu intensiv sind.
- Verzicht auf Feuerwerk: In Anbetracht der potenziellen Gefahren für die historische Altstadt und der Belastung durch Lärm und Lichtblitze sollte auf Feuerwerke verzichtet werden.
- Alternative Darbietungen: Stattdessen könnten alternative Darbietungen wie Lasershows oder Drohnenshows in Erwägung gezogen werden, wobei jedoch die Sicherheitsaspekte für Menschen mit Epilepsie berücksichtigt werden müssen.
Inklusion und Akzeptanz: Ein wichtiger Schritt
Neben den Sicherheitsmaßnahmen ist es wichtig, dass Menschen mit Epilepsie auf der Kirmes nicht diskriminiert oder ausgegrenzt werden. Die Leute hier im Dorf, auch unsere Nachbarn, die können mit der Krankheit von der Jenny nicht umgehen. Die meinen, die Jenny ist behindert. Sie wird dann auch so, als "ach das arme Kind, die kann nicht”, sie wird dann so als doof im Kopf, wie man hier so sagt, das kommt dann….weil sie was am Kopf hat. Und die Leute hier, die wissen gar nicht so genau, was mit der Jennifer los ist, aber sie stempeln die so regelrecht ab. Und das kann man denen auch gar nicht so erklären, die haben dafür kein Verständnis. Aber Jenny ist ja gar nicht so, sie ist in keinster Weise behindert und für das was sie hat kann sie absolut nichts für. Und wahrscheinlich ist das von den Kindern, die hier leben, die werden von ihren Eltern nicht richtig aufgeklärt. Aber die Eltern sind ja selbst nicht richtig aufgeklärt. Und die gehen dann hin und hänseln die Jennifer…und das sind dann Sachen, da ist man schneller dran als man denkt. Und jeder ist davon schnell betroffen dann.
Eine offene Kommunikation über die Erkrankung und der Abbau von Vorurteilen sind entscheidend, um eine inklusive und akzeptierende Umgebung zu schaffen.
Eigenverantwortung und Unterstützung
Letztendlich liegt es auch in der Verantwortung jedes Einzelnen, auf seine Gesundheit zu achten und Risiken zu vermeiden. Menschen mit Epilepsie sollten ihre Grenzen kennen und sich nicht überfordern. Es ist ratsam, Begleitpersonen dabei zu haben, die im Notfall helfen können. Kinder und Jugendliche mit einer Epilepsie brauchen eine gute Unterstützung durch Familie, Freundinnen und Freunde.
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Die Rolle der Kirmesbetreiber
Die Kirmesbetreiber spielen eine zentrale Rolle bei der Gewährleistung der Sicherheit und Inklusion von Menschen mit Epilepsie. Sie sollten sich ihrer Verantwortung bewusst sein und die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um Risiken zu minimieren und eine positive Erfahrung für alle Besucher zu ermöglichen. Der Betreiber hat immer eine Garantenstellung bei der er die Ordnung und Sicherheit des Betriebes sicherstellen muss.
Breakdance und Co.: Diskussionen um die Sicherheit von Fahrgeschäften
Die Sicherheit von Fahrgeschäften, insbesondere von Rundfahrgeschäften wie Breakdance, Musikexpress oder Polyp, ist ein viel diskutiertes Thema. Bei sämtlichen Rundfahrgeschäften (Breakdance, Musikexpress, Polyp, Flipper, Magic) müssten die Aufgänge während der Fahrt gesperrt sein. Es gibt unterschiedliche Meinungen darüber, ob die Aufgänge während der Fahrt gesperrt sein sollten oder ob die Eigenverantwortung der Besucher ausreichend ist. So ein Quatsch. Jeder Gast hat Eigenverantwortung. Und letztlich ist es genau das, was einen Volksfestbesuch ausmacht - ich habe Musik, Lichter und kann kostenlos den ganzen Tag auf dem Gammelgitter sitzen. Wenn es mir zu voll wird, muss ich handeln und ggbf.
Einige befürworten eine Sperrung, um Unfälle zu verhindern, während andere betonen, dass jeder Gast für sein Handeln selbst verantwortlich ist. Bei starkem Betrieb von hinten (un-)absichtlich auf eine drehende Breakdance-Platte gestoßen zu werden, genau das macht einen Volksfestbesuch aus. Kein Nothalt der Welt kann so schnell das Geschäft zum Halten bringen. Und nebenbei wäre eine Absperrung auch für den Betreiber eine Beruhigung.
Epilepsiezentren: Anlaufstellen für Betroffene
In Deutschland gibt es spezialisierte Epilepsiezentren, die eine umfassende Diagnostik, Behandlung und Beratung für Menschen mit Epilepsie anbieten. In Deutschland hat das Epilepsiezentrum in Bonn die meiste Erfahrung mit dieser Technik. Hier können Epilepsiepatienten operiert werden, die andere Zentren bereits abgelehnt haben. Nur in Bonn wird die Operation durch so eine große Anzahl an aufwendigen Untersuchungen vorbereitet.
Diese Zentren sind wichtige Anlaufstellen für Betroffene und ihre Angehörigen.
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Forschung und Innovation: Auf dem Weg zu besseren Therapien
Die Epilepsieforschung hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Wissenschaftler arbeiten an neuen Medikamenten, innovativen Therapieverfahren und Frühwarnsystemen, um die Lebensqualität von Menschen mit Epilepsie zu verbessern. Das Ziel unserer Arbeit ist es Anfälle vorher zu sagen, mit Hilfe verschiedener mathematisch, physikalischen Verfahren, und zwar geht es darum, nicht nur bei einem möglichst kurzem Zeitraum vor einem Anfall eine Dedektion zu haben, sondern möglichst lange vorher, um den Patienten warnen zu können, oder durch entsprechende Verfahren die gesamte Anfallsentwicklung zu unterbrechen.
Ein Frühwarnsystem für epileptische Anfälle: Das könnte ein implantierbarer Chip sein, der die Aktivität des Gehirns vor Ort ständig misst und den Patienten vielleicht schon Stunden vor einem herannahenden Anfall warnt. Vielleicht aktiviert dieser Chip auch eine Mikropumpe, die ein Medikament freisetzt, das den Anfall unterdrückt. Oder der Chip erzeugt selbst einen kleinen elektrischen Reiz, der die Hirnzellen kurzfristig blockiert, und damit den Anfall verhindert. All das ist bereits jetzt theoretisch denkbar.