Arbeiten mit Parkinson: Ein umfassender Leitfaden

Parkinson, im Volksmund oft als "Schüttellähmung" bekannt, ist eine neurodegenerative Erkrankung, die das Leben der Betroffenen in vielfältiger Weise beeinflussen kann. Die Krankheit ist durch das Absterben bestimmter Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet, was zu einem Mangel an Dopamin führt, einem wichtigen Botenstoff für die Bewegungssteuerung. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte des Lebens und Arbeitens mit Parkinson, von den Symptomen und Diagnose bis hin zu Behandlungsmöglichkeiten und Unterstützung am Arbeitsplatz.

Was ist Parkinson?

Morbus Parkinson ist eine langsam fortschreitende Erkrankung, die vor allem bestimmte Hirnregionen betrifft. Durch das Absterben von Nervenzellen entsteht ein Mangel an Dopamin, einem Botenstoff, der für die Steuerung von Bewegungen wichtig ist. Die Krankheit beginnt meist zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr, kann aber auch jüngere Menschen betreffen. Weltweit hat sich die Zahl der Parkinson-Patienten von 2,5 Millionen im Jahr 1990 auf etwa 6,1 Millionen im Jahr 2016 erhöht.

Ursachen und Symptome

Die Ursache für den Zelltod bei der Parkinson-Krankheit ist noch nicht eindeutig nachgewiesen. In den betroffenen Nervenzellen bilden sich Ablagerungen (Lewy-Körperchen), die hauptsächlich aus Verklumpungen des Eiweißmoleküls Alpha-Synuklein bestehen und als Ursache für den neurodegenerativen Prozess diskutiert werden.

Die Symptome von Morbus Parkinson entwickeln sich schleichend. Zu den typischen Symptomen gehören:

  • Zittern (Tremor)
  • Steifheit der Muskeln (Rigor)
  • Verlangsamte Bewegungen (Bradykinese)
  • Gleichgewichtsstörungen

Zusätzliche Symptome können das „Einfrieren“ von Bewegungen (Freezing), Schwierigkeiten beim Sprechen und Schlucken sowie Störungen der vegetativen Funktionen sein. Vorboten der Krankheit sind oft vegetative, psychisch-kognitive Störungen und Beeinträchtigungen der Sinnesorgane.

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Diagnose

Die Diagnose Parkinson kann eine Herausforderung sein, da die Symptome vielfältig sind und sich langsam entwickeln. Oft werden die ersten klinischen Zeichen zuerst vom Umfeld der Betroffenen entdeckt. Eine frühzeitige Diagnose ist wichtig, da eine zügig eingeleitete Therapie den Krankheitsverlauf mildern und verlangsamen kann.

Leben mit Parkinson

Die Diagnose "Parkinson" bedeutet nicht, dass sich Ihr Leben über Nacht von Grund auf ändert. Es ist jedoch wichtig, sich auf die Veränderungen einzustellen und Strategien zu entwickeln, um mit den Herausforderungen umzugehen.

Umgang mit der Diagnose

Nach der Diagnose "Parkinson" kämpfen Sie möglicherweise mit Gefühlen der Wut oder Angst. Es ist wichtig, diese Gefühle anzuerkennen und sich Unterstützung zu suchen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, Ihrer Familie und Freunden über Ihre Sorgen. Selbsthilfegruppen können ebenfalls eine wertvolle Unterstützung bieten.

Selbsthilfe und Therapieansätze

Betroffene können in der Regel selbst vieles tun, um ihren Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass körperliche und auch geistige Aktivitäten sehr förderlich dafür sind. Jürgen Bonnes, ein Parkinson-Patient, berichtet: „Ich gehe jede Woche zur Ergo-, Physio- und Logopädie, bin viel mit Gartenarbeit beschäftigt, kümmere mich um meine Hühner, spiele mit meinen Enkelkindern und engagiere mich als Vorsitzender im Motzener Heimatverein.“

  • Bewegung und Sport: Treiben Sie, soweit es geht weiter Sport, denn durch sportliche Aktivitäten können Bewegungsabläufe geübt und die motorischen Fähigkeiten gefördert werden. Optimal für Menschen mit Haltungsproblemen ist Nordic Walking, da es die rhythmische Bewegung und die Aufrichtung fördert, die gerade bei Parkinson sehr wichtig sind.
  • Geistige Aktivität: Um sich geistig fit zu halten, sind Kartenspiele und Rätselspiele oder auch Kino- und Theaterbesuche hilfreich.
  • Ernährung: Achten Sie auf eine ballaststoffreiche Ernährung und ausreichend Flüssigkeitszufuhr, um Verdauungsproblemen entgegenzuwirken.
  • Schlafhygiene: Schaffen Sie sich eine angenehme Atmosphäre in Ihrem Schlafzimmer, damit Sie sich auf das Zubettgehen freuen.

Medikamentöse Behandlung

Parkinson wird in erster Linie mit Medikamenten behandelt. Dabei wird die Therapie von einem Spezialisten für neurologische Bewegungsstörungen individuell an den Patienten angepasst, denn die Beschwerden können variieren und unterschiedlich schnell fortschreiten. Die Parkinson-Symptome lassen sich durch einen Ausgleich des Dopaminmangels lindern, indem man Dopamin als Medikament zuführt.

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Tiefe Hirnstimulation (THS)

Manchmal kann auch ein hirnchirurgischer Eingriff sinnvoll sein, die sogenannte Tiefe Hirnstimulation (THS). Dazu werden Elektroden ins Gehirn eingesetzt, die durch elektrische Impulse bestimmte Hirnregionen positiv beeinflussen.

Arbeiten mit Parkinson

Wie lange ein Mensch mit Parkinson seinen Beruf ausüben kann, ist vom Krankheitsverlauf und den speziellen beruflichen Anforderungen abhängig. Grundsätzlich sollten Sie versuchen, Ihre berufliche Tätigkeit möglichst lange fortzusetzen. Die Arbeit darf jedoch durch die Symptome oder durch mögliche Nebenwirkungen der Medikamente nicht beeinträchtigt werden.

Offenheit am Arbeitsplatz

Es ist eine persönliche Entscheidung, ob und wann man die Erkrankung anderen mitteilt. Jedoch kann Offenheit anderen gegenüber auch Verständnis wecken. Erst wenn andere davon wissen, lässt sich gemeinsam überlegen, wie die Arbeit auch künftig angemessen gestaltet werden kann. Zudem kann es den Druck nehmen, die Krankheit verbergen zu wollen. In größeren Firmen können der Betriebsrat oder eine Schwerbehindertenvertretung unterstützen.

Anpassung des Arbeitsplatzes

Wie bei Rike Sonnenschein: Sie, die einen „Schreibtisch-Job“ hat, schaffte es, weiter zu arbeiten. Ihr Arbeitsplatz ist zuhause. Das ist wichtig für sie, denn aufgrund der zyklischen Medikamenten-Einnahmezeiten und -Wirksamkeit gibt es „On-“ und „Off-“Zeiten im Tagesverlauf: Zeiten, in denen sie gut arbeiten kann, und Zeiten, in denen die Leistungsfähigkeit reduziert ist - etwa kurz vor der nächsten Medikamenten-Einnahme. Deshalb braucht sie wie andere Betroffene häufigere Pausen, die sie nach Bedarf verteilen kann. Neben der organisatorischen geht es auch um die ergonomische Anpassung des Arbeitsplatzes. Zentral ist ein höhenverstellbarer Schreibtisch, denn durch den Wechsel der Haltung werden die Motorik gefördert, die muskulären Aktivitäten positiv stimuliert und der drohenden Verkrampfung und Versteifung entgegengewirkt.

Weitere Hilfsmittel können sein:

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  • Ein Stift mit Griffverstärkung
  • Eine Gewichtsmanschette am Handgelenk
  • Ein Telefon mit großen Ziffernfeldern
  • Eine spezielle Tastatur

Rechtliche Aspekte

Sichern Sie sich gegenüber Ihrem Arbeitgeber ab, falls Sie die Beendigung des Arbeitsverhältnisses befürchten. Voraussetzung dafür ist, dass Sie einen Behindertenausweis beim Versorgungsamt beantragen. Mit einem Schwerbehindertenausweis des Versorgungsamts haben Parkinson-Erkrankte Anspruch auf verschiedene Schutz-, Hilfs-, und Fördermöglichkeiten, z.B. einen verbesserten Kündigungsschutz sowie Anspruch auf technische Hilfsmittel, welche die Arbeit erleichtern/möglich machen.

Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM)

Im Rahmen des Betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM) wird geschaut, ob der Arbeitsplatz weiterhin geeignet ist, wie sich die persönliche Situation darstellt, was das bestehende Arbeitsverhältnis bislang beinhaltet und welche Maßnahmen das Klinikum ergreifen kann, um Sabine Born weiterhin zu beschäftigen. Viele ist beispielsweise nicht bekannt, dass das BEM auch ohne vorangegangene Fehlzeiten angeboten werden kann.

Berufskrankheit durch Pestizide

Am 20.03.2024 wurde vom Ärztlichen Sachverständigenbeirat Berufskrankheiten (ÄSVB) beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) eine wissenschaftliche Empfehlung für eine neue Berufskrankheit "Parkinson-Syndrom durch Pestizide" beschlossen. Die Anerkennung als Berufskrankheit kommt bei Personen in Betracht, die Herbizide, Fungizide oder Insektizide langjährig und häufig im beruflichen Kontext angewendet haben. Wird eine Krankheit als Berufskrankheit anerkannt, erhalten Versicherte Leistungen der Unfallversicherung.

Reisen mit Parkinson

Kein Mensch mit Parkinson muss auf das Verreisen verzichten. Vor der Planung eines größeren Urlaubs sollten Sie jedoch mit Ihrem Arzt sprechen, damit eine ausreichende Versorgung mit allen notwendigen Medikamenten sichergestellt ist. Vorsicht ist in Ländern mit heißerem Klima geboten, da die Temperaturregulation des Körpers eingeschränkt sein kann. Schließen Sie eine Reiserücktrittsversicherung ab, falls sich Ihr gesundheitlicher Zustand zwischen Buchung und Reiseantritt in unvorhersehbarer Weise verändert. Nehmen Sie ausreichend Medikamente mit und führen Sie sie immer bei sich - beim Reisen am besten im Handgepäck.

Unterstützung und Ressourcen

Es gibt zahlreiche Organisationen und Ressourcen, die Menschen mit Parkinson und ihre Familien unterstützen. Dazu gehören:

  • Selbsthilfegruppen
  • Beratungsstellen
  • Parkinson-Vereinigungen
  • Integrationsämter
  • Betriebsräte
  • Schwerbehindertenvertretungen

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