Darmspastik bei Multipler Sklerose: Ursachen, Symptome und Behandlung

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems, bei der körpereigene Immunzellen fälschlicherweise Bestandteile der Nerven angreifen. Diese demyelinisierende Erkrankung betrifft überwiegend junge Frauen. Die Ätiologie der MS ist unklar, jedoch wird angenommen, dass sowohl genetische als auch Umweltfaktoren eine Rolle spielen. Das klinische Erscheinungsbild variiert stark je nach Lokalisation der Läsionen.

Im Laufe der Erkrankung können sich die Symptome verändern, sowohl in ihrer Ausprägung als auch in der Häufigkeit. Eine frühzeitige und konsequente Behandlung der MS ist wichtig, um die Krankheitsaktivität so gering wie möglich zu halten und das Gehirn zu schützen.

Ursachen von Darmproblemen bei MS

Darmprobleme bei MS können verschiedene Ursachen haben. Die Hinweise mehren sich, dass zwischen MS und Darmbakterien ein Zusammenhang bestehen kann. Die Bakterien-Mischung im Darm heißt Mikrobiom oder Darmflora. Dass Darmflora und Immunsystem generell zusammenhängen, gilt als sehr wahrscheinlich. Allerdings befindet sich die Forschung speziell bei der Frage vom Verhältnis Mikrobiom - Multiple Sklerose noch sehr am Anfang. Niemand kann zurzeit zuverlässig einschätzen, ob bestimmte Substanzen oder Diäten das Verhältnis Darmflora - MS in eine günstige oder eher ungünstige Richtung verändern.

Werden bei MS entsprechende Nervenzellen in den Zentren des ZNS angegriffen oder zerstört, können Störungen im Darm entstehen. Ist durch die Multiple Sklerose der Darm zu stark angeregt, bewegt er sich schneller, der Stuhl wird zügiger weitertransportiert und Durchfall kann entstehen. Ist der Darm weniger angeregt, transportiert er den Stuhl langsamer weiter und der Stuhl dickt ein, was zu Verstopfung führt. Auch kann über diesen Vorgang eine MS Blähungen verursachen.

Symptome von Darmstörungen bei MS

Darmprobleme bei MS können sich vielfältig äußern:

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  • Verstopfung: Der Darm ist weniger angeregt, transportiert den Stuhl langsamer weiter, und der Stuhl dickt ein.
  • Durchfall: Der Darm ist zu stark angeregt, bewegt sich schneller, und der Stuhl wird zügiger weitertransportiert.
  • Blähungen: Der Darm ist weniger angeregt, er transportiert den Stuhl langsamer weiter und der Stuhl dickt ein. Auch kann über diesen Vorgang eine MS Blähungen verursachen.
  • Inkontinenz des Darms: Unkontrollierter Stuhlabgang.

Die Symptome der Obstipation sind größtenteils subjektiver Natur und hängen stark von den Eigenempfindungen des Patienten ab. Eine Obstipation muss ernst genommen werden. Zum einen kann die Verstopfung Symptom einer organischen Erkrankung im Verdauungsbereich sein (z.B. ein Tumor).

Chronische Verstopfung ist häufiger als die akute Verstopfung und liegt vor, wenn bei 25 % der Toilettengänge oder häufiger mindestens zwei der folgenden Symptome zutreffen:

  • Eindruck einer unvollständigen Darmentleerung
  • Gefühl der Blockade im Darm (Stuhldrang, aber keine Entleerung)
  • Starkes Pressen beim Stuhlgang
  • Harte oder klumpige Stuhlkonsistenz
  • Gelegentlich Hilfsmittel zur Entleerung notwendig (Klistir)
  • Langfristig weniger als dreimal pro Woche Stuhlgang (optionales Kriterium; die Stuhlfrequenz kann auch normal sein)

Diagnose von Darmstörungen bei MS

Wenn Sie erste Anzeichen für eine Funktionsstörung des Darms bei einer MS-Erkrankung spüren, vereinbaren Sie einen Kontrolltermin bei Ihrem Neurologen. Die Basisdiagnostik basiert auf einer Anamnese mit Analyse des Stuhlverhaltens, der Medikamenteneinnahme, der Begleitsymptome und -erkrankungen sowie möglicher verursachender Erkrankungen. Die Verzehrsgewohnheiten (Ballaststoffe, Flüssigkeit) und zusammenhängende Faktoren sollten vorzugsweise in einem Ernährungs-Beschwerde-Tagebuch über 7 bis 14 Tage erhoben werden. Hierzu eignet sich vorzugsweise ein Ernährungstagebuch über mindestens 7 Tage, in dem zusätzliche Angaben zu Beschwerden und zum Stuhlverhalten notiert werden.

Behandlung von Darmstörungen bei MS

Die Behandlung der Multiplen Sklerose erfolgt in drei Phasen, die sich nach dem Krankheitsverlauf und dem jeweiligen Stadium richten: Schubtherapie, verlaufsmodifizierende Therapie und symptomatische Therapie.

Die Behandlung von Darmstörungen bei MS zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Es gibt verschiedene Ansätze, die je nach Art und Schwere der Beschwerden eingesetzt werden können:

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Allgemeine Maßnahmen

  • Ernährungsumstellung: Eine ballaststoffreiche Ernährung mit Vollkornprodukten, Obst und Gemüse kann bei Verstopfung helfen. Lösliche und unlösliche Ballaststoffe unterscheiden sich in ihrer Wirkung auf den Darm, was bei der Ernährungstherapie zu beachten ist. Unlösliche Ballaststoffe wie Zellulose, Hemizellulosen und Lignine finden sich vor allem in Vollkornprodukten und Weizenkleie. Diese binden Wasser und erhöhen hierdurch das Stuhlvolumen. Lösliche Ballaststoffe wie Pektin kommen vor allem in Gemüse, Obst und der Samenschale von Lein- sowie Psylliumsamen vor. Diese binden weitaus mehr Wasser als unlösliche Ballaststoffe und bilden Gele, die dem Stuhl eine gute Gleitfähigkeit verleihen.
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Trinken Sie mindestens 1,5 Liter Flüssigkeit pro Tag, um den Stuhl weich zu halten und Verstopfung vorzubeugen. Eine hohe Trinkmenge ist insbesondere bei der Verwendung von ballaststoffreichen Präparaten wie Leinsamen, Flohsamenschalen oder Weizenkleie erforderlich. Ohne ausreichende Flüssigkeitsmenge entziehen diese der Darmschleimhaut Wasser, die Gleitfähigkeit der Darmwand sinkt und die Obstipation wird gefördert.
  • Regelmäßige Bewegung: Körperliche Aktivität kann die Darmtätigkeit anregen und Verstopfung reduzieren. Obstipierten Patienten wird häufig eine vermehrte körperliche Bewegung nahegelegt, da diese bekanntermaßen beim gesunden Menschen die Darmentleerung fördert.
  • Regelmäßiger Stuhlrhythmus: Versuchen Sie, einen regelmäßigen Stuhlrhythmus zu entwickeln, indem Sie beispielsweise jeden Morgen nach dem Frühstück die Toilette aufsuchen. Bei vielen Patienten ist es hilfreich, einen regelmäßigen Stuhlrhythmus zu erlernen, um den Stuhlgang anzukurbeln. Hierbei kann zum Beispiel direkt nach dem Frühstück die Toilette aufgesucht werden, um den Darm an diese feste Uhrzeit zu gewöhnen. Bei ausbleibender Entleerung sollte aber nicht länger als 5 Minuten gewartet werden.
  • Bauchmassagen: Bauchmassagen können den Weitertransport des Stuhls unterstützen.

Medikamentöse Behandlung

  • Abführmittel: Bei starker Verstopfung können Abführmittel oder ein Einlauf (Klistier) helfen. Neurogene Darmfunktionsstörungen: Lactulose, Macrogol, Glycerinzäpfchen, Klistiere; bei schmerzhafter Sphinkterspastik: Botulinumtoxin (s. a.
  • Stopfende Mittel: Bei Durchfall können stopfende Mittel eingesetzt werden.
  • Medikamente gegen Harnwegsinfekte: Medikamente können bei Harnwegsinfekten helfen.

Weitere Maßnahmen

  • Analtampons: Bei Inkontinenz des Darms können MS-Erkrankte Analtampons nutzen.
  • Probiotika: Vereinzelt zeigen kleinere Studien positive Effekte von Probiotika auf Transitzeit, Stuhlfrequenz und -konsistenz. Milchsauer vergorene Lebensmittel können unter Umständen die Obstipationsbehandlung unterstützen. Sauermilchprodukte wie Naturjoghurt, Buttermilch und Kefir sowie Sauerkraut fördern die Ansiedlung von Milchsäure- und Bifidobakterien im Dickdarm. Hierdurch wird einerseits die Biomasse und folglich das Stuhlvolumen erhöht. Die enthaltene Milchsäure senkt den Darm-pH-Wert. Darüber hinaus enthalten Milchprodukte Laktose, die eine leicht abführende Wirkung hat. Ob der Verzehr von milchsauer vergorenen Produkten ausreichend ist oder zusätzlich ein probiotisches Präparat aus der Apotheke sinnvoll ist, muss für den Einzelfall individuell entschieden werden.

Psychologische Unterstützung

Störungen der Funktion von Blase und Darm bei MS sind für viele Betroffene nicht nur ein hygienisches Problem, sondern auch mit starken Schamgefühlen verbunden. Über Inkontinenz redet man nicht gerne. Weder mit dem Partner noch mit einem Freund, einer Freundin oder Ärzten. Lieber geht man in die Isolation und versucht selbst, das Problem zu lösen. Besonders die Inkontinenz beeinträchtigt die Lebensqualität erheblich. Schamgefühl, Isolation und Depression sind oft die Folge. Wer Probleme mit der Blasenentleerung oder der Darmfunktion bei sich entdeckt, sollte sich daher vertrauensvoll an einen Arzt oder seine MS-Schwester wenden. Mit der MS-Schwester können Patienten nicht nur über ihre Gedanken und Sorgen im Umgang mit diesen schambesetzten Themen sprechen. Eine qualifizierte Beratung und Behandlung durch Experten auf diesem Gebiet unterstützen dabei, die Lebensqualität und Selbstständigkeit zu erhalten.

Ballaststoffoptimierte Ernährung

Eine ballaststoffarme Ernährung spielt bei einem großen Teil der Patienten mit chronisch funktioneller Obstipation eine entscheidende Rolle. Eine Steigerung der Ballaststoffzufuhr auf das allgemein empfohlene Maß kann bei diesen Patienten zu einer Linderung der Beschwerden beitragen.

Lebensmittel mit stopfender Wirkung

Im Volkswissen ist eine Reihe von Lebensmitteln bekannt, die eine stopfende Wirkung haben. Diese können unter Umständen eine funktionelle Obstipation begünstigen, so dass deren sparsamer Verzehr ratsam ist. Im Gegenzug sind auch Lebensmittel bekannt, die als natürliche Abführmittel bereits in der Volksheilkunde eingesetzt wurden. Obwohl deren Wirkung nur spärlich wissenschaftlich untersucht ist, können diese möglicherweise zu einer Besserung der Beschwerden beitragen.

  • Pflaumen: Pflaumen gelten als altes Hausmittel gegen Verstopfung. Zu Beginn sollte der Patient möglichst nur ein halbes Glas naturtrüben Pflaumensaft zum Frühstück trinken, da die Wirkung nicht sofort eintritt. Noch besser geeignet als Saft sind eingeweichte getrocknete Pflaumen. Hierfür werden 5 Dörrpflaumen über Nacht in Wasser eingeweicht.
  • Weintrauben: Weintrauben mitsamt der Schale verzehrt wirken in Mengen ab etwa 300 Gramm ebenfalls abführend.
  • Feigen: Getrocknete Feigen können ebenso wie Dörrpflaumen abführend wirken.

Zusätzliche Informationen

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