Mein Kampf: Eine Zusammenfassung von Hitlers Ideologie und deren Rezeption

Adolf Hitlers "Mein Kampf" ist ein Buch, das sowohl berühmt als auch berüchtigt ist. Nach dem Ablauf des Urheberrechts im Jahr 2015 und der Veröffentlichung einer kommentierten Ausgabe durch das Institut für Zeitgeschichte (IfZ) im Januar 2016, ist es wichtig, sich mit diesem Werk auseinanderzusetzen, um die Ideologie des Nationalsozialismus zu verstehen und einem ideologisch-propagandistischen sowie kommerziellen Missbrauch entgegenzuwirken.

Entstehung und Inhalt

"Mein Kampf" entstand in den Jahren 1924 bis 1926 in zwei Bänden. Der erste Band, der hauptsächlich während Hitlers Haftzeit in Landsberg am Lech geschrieben wurde, zeichnet stark stilisiert Hitlers Biografie sowie die Frühgeschichte der NSDAP und ihrer Vorläuferorganisation, der Deutschen Arbeiterpartei (DAP), nach. Der zweite Band, der nach seiner Haftentlassung auf dem Obersalzberg entstand, konzentriert sich auf die Programmatik der Nationalsozialisten.

Hitler nutzte seine Haftzeit, um seine bisherigen Erfahrungen, Lektüren und Ideen zu einer schriftlich fixierten Ideologie zusammenzuführen und um für seine verbotene Partei eine neue Perspektive und eine neue Strategie zu entwickeln. In "Mein Kampf" entwirft Hitler detailliert seine außenpolitischen Pläne, mit denen er in Osteuropa und der Sowjetunion "Lebensraum" für das deutsche Volk erobern und dafür die einheimische Bevölkerung ermorden wollte. Diesen Plan setzte er später tatsächlich in die Tat um.

Das Buch erörtert alle Bereiche der Politik, beschreibt aber mit besonderer Deutlichkeit im 4. Kapitel des ersten Bandes und im 13. und 14. Kapitel des zweiten Bandes das Programm einer künftigen deutschen Außenpolitik. Das Buch enthält ferner Hitlers antijüdisches Programm. Während er seit 1919 zunächst nur die "Entfernung" der Juden gefordert und damit meist ihre Auswanderung oder Ausweisung aus Deutschland gemeint hatte, forderte er nun ihre Tötung, der eine Bedeutung für die ganze Welt zukomme.

Hitlers Weltanschauung und Verschwörungstheorien

Hitlers Weltanschauung, wie sie in "Mein Kampf" dargelegt wird, ist geprägt von einem zerfallenden multikulturellen Reich, den Nationalitätenkämpfen in Österreich-Ungarn und der sozialen Frage. Er war der Ansicht, dass der Marxismus eine Lehre aus Lüge und Hass sei und dass die Juden die Führer der marxistischen Sozialdemokratie seien.

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Hitler glaubte, dass die Juden ein Volk mit zähem Überlebenswillen seien, das sich in andere Völker einschleicht, um diese auszubeuten und von innen her zu zersetzen. Er sah die Juden als die Ursache allen Übels und glaubte, dass sie mit ihrer Geldmacht die entscheidenden Kräfte einer Gesellschaft in ihre Abhängigkeit bringen und Ideologien erfinden, die den Kampf als etwas moralisch zu Ächtendes darstellen.

Rasse und Kampf

Für Hitler ist die "Rasse" von zentraler Bedeutung, da er in der "Rassen"reinheit den Weg zur seelischen Einheit sieht, die für den Kampf mit anderen Völkern unabdingbar ist. Er deutet die gesamte Geschichte als Geschichte von "Rassen"kämpfen und glaubt, dass diese Kämpfe im Sinne der Natur sind.

Hitler war der Ansicht, dass die Juden das Volk sind, das die natürliche Ordnung stört, da sie Theorien wie den Internationalismus oder Marxismus vertreten, die die Demoralisierung derer zum Ziel haben, die bereit sind, sich dem offenen Kampf zu stellen. Er glaubte, dass dieses Denken den Juden wesensmäßig eigen ist und dass es nur vernichtet werden kann, indem er seine Träger ermordet.

Hitlers Plan und die Umsetzung

"Mein Kampf" enthält nicht nur Hitlers Weltanschauung, sondern auch den Plan, nach dem Hitler sein Denken in die Tat umzusetzen gedachte. Nach der Machtübernahme sollte ein innenpolitischer Fahrplan greifen, anschließend sollte ein außenpolitisches Programm durchgeführt werden.

Rezeption und Kontroversen

"Mein Kampf" ist ein viel zitiertes, aber wenig gelesenes Buch. Nach dem Krieg wurde der Erlass, der die Städte und Gemeinden veranlassen sollte, Hitlers Buch allen Neuvermählten zum Geschenk zu machen, oft als Beleg dafür herangezogen, dass "Mein Kampf" ein ungelesenes, weil zwangsverordnetes Buch gewesen wäre. Unberücksichtigt bleibt dabei, dass es nie zu einer vollständigen Umsetzung dieses Erlasses gekommen ist.

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Die Frage, ob das für die NS-Ideologie zentrale Buch 70 Jahre nach Ende der Diktatur in Deutschland wieder verkauft werden soll, führte in der Öffentlichkeit zu erheblichen Kontroversen. Das Bayerische Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst zog mit Rücksicht auf die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft die Teilförderung des Projektes zurück.

Die kommentierte Ausgabe des IfZ

Um zu verhindern, dass kommerzielle Verlage und Rechtsradikale ein Geschäft mit Hitlers Buch machen, unterstützte der bayerische Landtag das "Institut für Zeitgeschichte" (IfZ) in München mit einer halben Million Euro dabei, eine wissenschaftlich kommentierte Fassung herauszubringen. Fünf Wissenschaftler und mehrere Hilfskräfte untersuchten unter der Leitung des Historikers Dr. Christian Hartmann "Mein Kampf" Satz für Satz, um jedem Kapitel eine ausführliche Einleitung voranzustellen und einzelne Passagen mit Anmerkungen zu kommentieren.

Die Kommentierung von „Mein Kampf“ ist nicht nur eine wissenschaftliche Aufgabe. Es gibt kaum ein Buch, das mit so vielen Mythen überfrachtet ist, das so viel Abscheu und Ängste weckt, Neugier und Spekulation hervorruft und nicht zuletzt mit der Aura des Geheimnisvollen, des Verbotenen wirbt. Ein Tabu, an dem sich auch gut verdienen lässt. Daher versteht sich diese kritische Edition von „Mein Kampf“ auch als Beitrag zur historisch-politischen Aufklärung. Es gilt, Hitler und seine Propaganda nachhaltig zu dekonstruieren und damit der Symbolkraft dieses Buchs den Boden zu entziehen. Auch auf diese Weise lässt sich einem ideologisch-propagandistischen wie kommerziellen Missbrauch von „Mein Kampf“ entgegenwirken.

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