Die Reaktion des männlichen Gehirns auf Lob: Eine umfassende Analyse

Lob ist eine mächtige psychoaktive Substanz, die unser Gehirn flutet und Glücksgefühle auslöst. Es ist ein grundlegendes menschliches Bedürfnis, das unsere Motivation, unser Selbstwertgefühl und unsere Beziehungen beeinflusst. Doch wie reagiert das männliche Gehirn spezifisch auf Lob, und welche Auswirkungen hat dies auf ihr Verhalten und ihre Entwicklung? Dieser Artikel untersucht die vielfältigen Aspekte des Lobes und seine Auswirkungen auf Männer, von den neurobiologischen Grundlagen bis hin zu den gesellschaftlichen und psychologischen Implikationen.

Die Neurobiologie des Lobes

Wenn wir gelobt werden, springt unser internes Belohnungszentrum an und schüttet Endorphine aus, körpereigene Opiate, die uns glücklich machen. Der Neurobiologe Henning Scheich vom Leibniz-Institut in Magdeburg betont, dass Lob "extrem wirksam" ist und zu den stärksten psychoaktiven Stimulanzen gehört, die der Mensch kennt. Lob unterstützt uns effektiver beim Erlernen neuer Kenntnisse als Tadel, da es das Lernen im Gehirn mit positiven Gefühlen verknüpft.

Der Ort in unserem Gehirn, der uns nach Anerkennung lechzen lässt, ist derselbe, der Menschen auch nach Drogen süchtig werden lässt: eine Struktur in der Mitte des Hirns, deren Nervenzellen den Botenstoff Dopamin ausschütten. Er löst ein Gefühl von Glück und Stärke aus, das für den Rausch typisch ist; wir wollen Dinge angehen und Ziele erreichen. Schon bei einem freundlichen Blick oder Lob schütten die Nervenzellen Botenstoffe aus, neben Dopamin auch körpereigene Opiate und Oxytocin, was uns entspannt macht und Lebensfreude auslöst. Je stärker ein Signal der Zuneigung, desto mehr Botenstoffe werden freigesetzt - bei Liebe oder einem Orgasmus explodiert das Netzwerk förmlich. "Unser Gehirn giert nach Anerkennung", erklärt Bauer.

Studien haben gezeigt, dass beim Austausch von Komplimenten unter Lebensgefährten das Belohnungszentrum im Gehirn des Lobenden aktiviert wird. Bestimmte Regionen im Gehirn, die an der Verarbeitung von Empathie und Belohnung beteiligt sind, geraten nicht nur in Wallung, wenn ein Lob oder Kompliment eintrifft, sondern auch, wenn man selbst eine positive Nachricht an die Partnerin oder den Partner verschickt: Auch dann werden dort das Bindungshormon Oxytocin und das Glückshormon Dopamin ausgeschüttet. Beim Versenden solcher Nachrichten waren die Gehirnregionen sogar noch aktiver als beim Empfangen von Komplimenten. Und auch eine positive Nachricht an sich selbst setzte die Belohnungsmaschinerie in Gang.

Die historische und kulturelle Bedeutung des Lobes

Die Bedeutung des Lobes lässt sich bis in die Antike zurückverfolgen. In der griechischen Antike war die Lobrede, das Enkomion, die Krönung der Rhetorik. Die Redner der römischen Kaiserzeit gedachten in ihren Laudationes prominenter Toter und übten sich ansonsten im überschwänglichen Herrscherlob - im Verherrlichen. Im Mittelalter galt öffentliches Lob als Zeichen der Unterwerfung, formulierte aber auch einen Anspruch und eine Erwartung.

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Die Christen übertrugen alles Preisen auf Gott: Lobet den Herren, lautet ihre Grundaussage. Die Karriere des gegenseitigen Lobens beginnt in der Renaissance mit der Entdeckung des Individuums. Künstler wie Leonardo da Vinci arbeiten nicht mehr anonym, sie wollen in ihrer Einzigartigkeit beachtet werden. Eine sich neu entwickelnde Kunst, die Pädagogik, setzt Lob und Tadel als Instrumente der Erziehung ein.

In vielen anderen Gesellschaften ist das Loben, wie wir es kennen, bis heute fremd. Die Psychologin und Kulturwissenschaftlerin Heidi Keller und ihre Kollegen von der Universität Osnabrück beobachteten Familien in Asien, Afrika und der westlichen Welt. Während sich viele Mütter aus der deutschen Mittelschicht überschlagen mit Kommentaren wie „Super!“ und „Das hast du aber toll gemacht!“, mussten die Forscher bei den Bäuerinnen in Indien und Kamerun nach einem aufmunternden Lächeln suchen. Schülerinnen in Indien reagieren verunsichert, wenn sie gelobt und damit herausgestellt werden. Dort wo Kinder innerhalb von festen Clan- und Dorfstrukturen leben, wachsen sie imitierend auf, geleitet von Zurechtweisungen in die ihnen zugedachte Rolle. „Offenbar ist Loben ein Zeichen dafür, dass das grundsätzliche Gefühl der Aufgehobenheit verloren gegangen ist“, spekuliert Heidi Keller.

Lob und männliche Identität

Das männliche Selbstbild und die Erwartungen an Männer in der Gesellschaft prägen die Reaktion des männlichen Gehirns auf Lob. Traditionell werden Jungen und Männer für ihre Leistungen, ihre Stärke und ihren Erfolg gelobt. Dieses Lob kann ihre Identität und ihr Selbstwertgefühl stark beeinflussen.

Die US-Psychologin Carol Dweck von der Stanford University warnt jedoch vor den negativen Auswirkungen von übermäßigem Lob. Sie argumentiert, dass permanentes Lob Kinder und Jugendliche davor bewahren soll, sich selbst gering zu schätzen, aber genau der gegenteilige Effekt trete ein. Dweck unterscheidet zwischen zwei Arten von Selbstbildern: dem statischen Selbstbild, bei dem Eigenschaften als angeboren und unveränderlich angesehen werden, und dem dynamischen Selbstbild, bei dem an Veränderung und Entwicklung geglaubt wird. Sie empfiehlt, nicht die Intelligenz, sondern die Anstrengung zu loben, um ein dynamisches Selbstbild zu fördern.

Die Bedeutung von ehrlichem und konkretem Lob

Übertriebenes oder unehrliches Lob kann bei Männern Misstrauen und Ablehnung hervorrufen. Es ist wichtig, dass Lob ehrlich, authentisch und konkret ist. Männer schätzen es, wenn ihre Bemühungen und Fortschritte anerkannt werden, aber sie wollen nicht für etwas gelobt werden, das sie nicht verdient haben.

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Der Pädagoge Hans-Jörg Neubert betont, dass Lob ehrlich und authentisch sein muss und nicht übertrieben sein darf. Außerdem soll man mit einem Lob wirklich die Person meinen, nicht indirekt sich selbst. Er formuliert eine zweite Lob-Regel: "Lob muss klar sein." Ein konkretes Lob klingt immer anders, sodass die Person die Aufmerksamkeit spürt.

Lob in Beziehungen

In Beziehungen ist Lob eine wichtige Form der Wertschätzung und kann dazu beitragen, die Bindung und das Vertrauen zu stärken. Männer schätzen es, wenn ihre Partnerinnen ihre Bemühungen, ihre Unterstützung und ihre positiven Eigenschaften anerkennen.

Paartherapeut Sina Haghiri betont, dass Lob eine der Grundzutaten für eine gelingende Beziehung ist. Er rät, es im Zweifel eher auszusprechen, als für sich zu behalten. Viele Beziehungsfachleute empfehlen, eine kritische Bemerkung mit fünf Lobs auszugleichen, die sogenannte Fünf-zu-Eins-Regel. Es geht natürlich nicht genau um 5 auf 1, sondern um ein deutliches Übergewicht positiver Interaktionen zu negativen. Das kann an manchen Tagen, über Wochen und Monaten auch mal anders sein. Es muss nicht nur Lob sein. Es gibt sehr viele andere Arten und Weisen positiver Interaktion: Sich zuhören, aufmerksam sein, sich helfen, gemeinsam lachen, Berührungen, Kuscheln, das gehört alles dazu.

Die Auswirkungen von fehlendem Lob

Ein Leben ohne Zuspruch kann verheerende Folgen haben. Ein altes und grausames Experiment, zugeschrieben dem Stauferkaiser Friedrich II., zeigt, wie wichtig Lob für die Entwicklung von Kindern ist. Friedrich II. übergab Ammen zwei Neugeborene. Sie sollten die Kinder mit Nahrung und Kleidung versorgen, aber keinesfalls zu ihnen reden. Beide Kinder starben.

Nach Ansicht des Medizinsoziologen Johannes Siegrist entsteht emotionaler Stress vor allem dann, wenn es eine Kluft gibt zwischen großer Anstrengung und geringer Anerkennung. Wo das Anerkennen fehlt, fühlen sich Menschen irgendwann unsichtbar. Sie werden nachlässig, unzufrieden, antriebslos oder gar krank.

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Lob als Motivator

Lob kann ein starker Motivator sein, der Männer dazu anspornt, ihre Ziele zu erreichen und ihr Potenzial auszuschöpfen. Wenn Männer für ihre Anstrengungen und Erfolge gelobt werden, fühlen sie sich wertgeschätzt und motiviert, weiterhin ihr Bestes zu geben.

Der Neurowissenschaftler Professor Emrah Düzel von der Universität Magdeburg hat geforscht, dass durch Lob im Gehirn das Belohnungszentrum angeregt wird, das heißt, es wird Dopamin ausgeschüttet. Dieser Botenstoff motiviert zum Lernen neuer Dinge. Kommt ein Lob zu schnell, zu leicht oder zu oft, stumpft das System ab. Und wenn es dann unerwartet ausbleibt, können sogar Entzugserscheinungen auftreten - Frust, Selbstzweifel oder sogar Depressionen.

Die Kunst des Lobens

Komplimente sind nicht nur etwas zwischen zwei Menschen. Vielmehr haben sie in ihren Augen das Potenzial, das gesamtgesellschaftliche Miteinander zu verbessern. Aber die positiven Auswirkungen von Komplimenten würden vielfach unterschätzt, so die Psychologin von der Deutschen Hochschule für Gesundheit und Sport in Berlin. Dabei gebe es Belege dafür, dass Komplimente Stress abbauen, das Selbstbewusstsein steigern und die Kommunikation verbessern können.

Evelyn Siller, Inhaberin der Akademie für Stil & Wirkung in Stuttgart, empfiehlt, vom schönen Kleid oder dem schicken Anzug zu sprechen, nicht von der Figur darin. Komplimente kämen ihres Erachtens nie aus der Mode, "denn sie machen das Miteinander doch einfach so viel netter und freundlicher".

Selbstlob: Ein wichtiger Baustein für ein gesundes Selbstwertgefühl

Unabhängig davon, ob man gelobt wird oder nicht, sollte man sich selbst loben. Das eine hat nichts mit dem anderen zu tun, sich selbst sollte man nicht aus einem Mangel heraus loben, sondern regelmäßig und selbstverständlich. Wenn wir nicht selbst die Sachen sehen und benennen, die uns gut gelingen, warum sollten andere sie dann anerkennen?

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