Das männliche Gehirn: Einblicke in die Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Männer und Frauen sind laut Grundgesetz gleichberechtigt, doch die Unterschiede in ihrem Fühlen, Leben und Verhalten sind unübersehbar. Louann Brizendine, eine amerikanische Psychiaterin und Neurobiologin, beleuchtet in ihrem Buch die neurobiologischen und hormonellen Grundlagen des männlichen Verhaltens und Denkens. Sie analysiert, wie sich das männliche Gehirn im Laufe des Lebens entwickelt und welche Auswirkungen dies auf Verhalten und Gefühle hat.

Die biologische Grundlage männlichen Verhaltens

Brizendine erklärt, dass viele Verhaltensweisen von Männern, die oft zu Missverständnissen führen, auf geschlechtsspezifischen Unterschieden im Gehirn beruhen. Entgegen gängiger Vorurteile zeigt sie, dass Männer komplexer reguliert sind, als viele annehmen. Die Autorin verknüpft wissenschaftliche Erkenntnisse mit Erfahrungen aus ihrer Praxis und ihrem Privatleben, um die Eigenschaften des "starken Geschlechts" auf neurobiologische und hormonelle Ursachen zurückzuführen.

Testosteron und seine Auswirkungen

Die Rolle des Testosterons ist dabei zentral. In den ersten Lebenswochen sind die Gehirne von Jungen und Mädchen noch sehr ähnlich. Doch dann beginnt bei Jungen die Produktion von Testosteron, was zu erheblichen Veränderungen im Gehirn führt. Bestimmte Hirnbereiche, wie der Hypothalamus, werden größer. Im ersten Lebensjahr erreicht der Testosteronspiegel Werte, die denen eines erwachsenen Mannes entsprechen. Auch in der Pubertät steigt der Testosteronspiegel stark an und beeinflusst das Verhalten und die Entwicklung von Männern maßgeblich.

Unterschiede in der Hirnaktivität

Auch die Hirnaktivität unterscheidet sich bei Männern und Frauen. Bei der Fähigkeit, ein dreidimensionales Objekt in Gedanken zu rotieren, zeigen sich deutliche Unterschiede. Im Gehirnscanner ist sichtbar, dass bei Männern die neuronale Aktivität bei solchen Aufgaben schnell in den Cortex verlagert wird, während bei Frauen ein Umweg über eine tiefer liegende Hirnregion erfolgt. Männer tendieren dazu, bei der Lösung von Aufgaben nur eine Hirnhälfte zu nutzen, während Frauen eher beide Hirnhälften gleichzeitig aktivieren.

Die Entwicklung des männlichen Gehirns im Lebensverlauf

Brizendine schildert chronologisch jede Epoche im Leben eines Mannes, vom kleinen Jungen bis zum Großvater. Sie geht dabei auf typische Verhaltensweisen und Herausforderungen ein, die in den jeweiligen Lebensphasen auftreten.

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Kindheit und Jugend

In der Kindheit und Jugend prägt das Testosteron die Entwicklung des Gehirns und beeinflusst das Verhalten der Jungen. Sie sind oft aktiver, risikobereiter und haben ein stärkeres Bedürfnis nach Wettbewerb. Die Mutter, die Mühe hat, ihren Sohn vom Computerspiel zu den Hausaufgaben zu holen, fragt sich: Muss das sein? Ist es ein Erziehungsfehler, oder sind Männer einfach so?

Erwachsenenalter

Im Erwachsenenalter beeinflusst das Testosteron weiterhin das Verhalten von Männern. Sie kämpfen um ihren Platz in der Rangordnung, versuchen, Frauen zu beeindrucken, und denken häufig an "das Eine". Die Partnerin, die ohne ihren eifersüchtigen Begleiter keinen Schritt vor die Haustür tun darf, oder die schockierten Damen, die sich gerade als die Ursache für eine Prügelei ihrer Anbeter erkennen, fragen sich: Muss das sein?

Vaterschaft

Brizendine zeigt auch, wie sich das Gehirn eines Mannes im Laufe der Vaterschaft verändert. Bereits während der Schwangerschaft der Partnerin sinkt der Testosteronspiegel des Mannes deutlich. Gleichzeitig erhöht sich die Konzentration des weiblichen Hormons Prolaktin. Gehirnscans zeigen, dass Väter das Schreien von Babys viel besser selektiv wahrnehmen können.

Evolutionäre Ursachen für Unterschiede

Die Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Gehirnen haben sich im Laufe der Evolution entwickelt. Über Hunderttausende von Jahren waren die Aufgaben von Männern und Frauen sehr verschieden. Frauen haben die Kinder bekommen und sie großgezogen, während Männer gejagt und ihre Familien beschützt haben. Diese unterschiedlichen Aufgaben haben offenbar Spuren im Gehirn hinterlassen.

Nutzen der Erkenntnisse über das männliche Gehirn

Das Verständnis der Funktionsweise des männlichen Gehirns kann besonders für Mütter von Jungen hilfreich sein. Es kann auch dazu beitragen, Missverständnisse und Konflikte in Partnerschaften und Familien zu reduzieren. Zum Beispiel kann das Wissen, dass das Lustzentrum des Mannes ihn automatisch dazu veranlasst, einer attraktiven Frau nachzuschauen, den Alltag in Partnerschaft und Familie ruhiger und angenehmer gestalten. Oder dass er unter Einfluss von Testosteron dazu neigt, auch neutrale Gesichter seiner Geschlechtsgenossen als unfreundlich oder aggressiv wahrzunehmen.

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Kritik und Kontroversen

Obwohl Brizendines Buch viele positive Rückmeldungen erhalten hat, gibt es auch Kritik. Einige Wissenschaftler bemängeln, dass sie die Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Gehirnen überbetont und die Rolle von sozialen und kulturellen Faktoren vernachlässigt. Andere kritisieren, dass sie ihre Thesen nicht ausreichend mit wissenschaftlichen Daten belegt.

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