Sprechen im Alltag bei Parkinson: Therapieansätze und Übungsmaterialien

Parkinson ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die nicht nur die Beweglichkeit beeinträchtigt, sondern auch die Fähigkeit zu sprechen und zu schlucken. Eine leisere Stimme kann ein frühes Anzeichen sein, das oft unbemerkt bleibt. Dieser Artikel beleuchtet, wie Parkinson-Patienten durch gezieltes Sprechtraining und andere Therapieansätze ihre Kommunikationsfähigkeit und Lebensqualität verbessern können.

Die Bedeutung des Sprechtrainings bei Parkinson

Parkinson betrifft die Beweglichkeit der am Sprechen beteiligten Organe. Eine optimale Funktion von Atmung, Stimme und Lautbildung ist entscheidend für normales Sprechen. Natürliche Sprechweise beinhaltet Betonung, Sprechmelodie, Sprechtempo, Sprechrhythmus und Sprechpausen.

Frühzeitiger Therapiebeginn:

Es ist ratsam, bei ersten Veränderungen der Stimme oder des Sprechens eine Therapie zu beginnen. Ein früher Behandlungsbeginn ermöglicht es, den Körper optimal bei den Übungen zu nutzen und die Übertragung in den Alltag zu erleichtern. Zudem kann einer Gewöhnung an einen leisen, monotonen Stimmklang vorgebeugt werden.

Ambulante und stationäre Therapie:

Logopädische Therapie kann sowohl ambulant als auch stationär erfolgen. Spezielle Therapien wie LSVT® LOUD sind für den ambulanten Bereich konzipiert. Andere Therapieformen, wie Atemtherapie, sind ebenfalls ambulant sinnvoll. Häufig ist eine Kombination aus ambulanter und stationärer Therapie ideal, abhängig vom individuellen Fall.

Übungsmaterialien und Therapieansätze

Es gibt verschiedene Übungsvarianten, um das Sprechen zu trainieren:

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  • Individueller "Fahrplan": Ein Übungsplan mit selbst zusammengestellten Übungen.
  • "Kurzprogramm": Für schnelle Übungseinheiten.
  • "Stimmtraining": Konzentriert sich auf die Verbesserung der Stimmqualität.
  • Übungs-CD: Für das Training zu Hause.

Ein umfassendes Buch zum Thema bietet Parkinson-Patienten Übungsmaterial, um möglichst lange, individuell und selbstständig zu trainieren. Es enthält Informationen zu sprachtherapeutischen Schwerpunkten, Schlucken und Konzentration. Die Inhalte sind über ein Stichwortverzeichnis leicht zugänglich.

Die LSVT® LOUD-Therapie:

Die LSVT® LOUD-Therapie, entwickelt von Dr. Lorraine Ramig und Carolyn Bonitati, ist eine effektive Methode, die Patienten mit Parkinson hilft, wieder verständlicher zu sprechen. Sie konzentriert sich auf das lautere Sprechen und ermöglicht intensives Üben mit vielen Wiederholungen. Die Komplexität der Übungen wird schrittweise gesteigert und an die Alltagsbedürfnisse des Patienten angepasst.

Eigentraining für den Alltag

Nach einer logopädischen Therapie und ausreichender Routine können Patienten das Training alleine fortführen. Es ist ratsam, sich anfangs auf einen Übungsschwerpunkt zu konzentrieren und diesen auf allen Sprechebenen einzusetzen.

Tipps für das Eigentraining:

  • Erinnerungshilfen für das laute Sprechen anbringen.
  • Ein persönliches Übungsprotokoll erstellen.
  • Eine Routine für das Üben in den Tagesablauf integrieren.
  • Nachbarn, Mitbewohner und Angehörige über das Stimmtraining informieren.

Beispiele für Übungen:

  • Jede Silbe mit großer Mundöffnung 10 x laut tönen.
  • Bei kratziger Stimme MO - / HO - / O tönen.
  • Sätze laut sprechen: "Was willst du schon wieder?" oder "Was wir schon alles gemeinsam erlebt haben!"

Warming-up am Morgen:

  • Die erste Äußerung laut sprechen: z. B. "Guten Morgen".
  • Sich vor dem Spiegel mit einem lauten "Ich starte mit einer kräftigen Stimme in den Tag!" motivieren.
  • Kraftvoll 3 x ein HEK tönen.
  • Einen Tagesabreißkalender mit kurzen Sprüchen laut vorlesen.

Extratraining:

  • Kurze Artikel aus einer Zeitung oder Illustrierten laut vorlesen.
  • Die ersten drei Zeilen jeder Buchseite laut lesen.
  • Die Zubereitung des Essens laut kommentieren oder ein Kochrezept laut vorlesen.
  • Laut singen.

Situationstraining:

  • Passanten laut nach der nächsten Haltestelle, Post oder der Uhrzeit fragen.
  • Wünsche beim Metzger, Bäcker, Verkäuferin usw. laut äußern.
  • Fragen oder kurze Antworten mit Freunden, Familienmitgliedern, der Sekretärin, Arbeitskollegen, bei Versammlungen etc. laut sprechen.

Weitere Aspekte der Parkinson-Therapie

Neben dem Sprechtraining sind auch andere Therapieansätze wichtig, um die Lebensqualität von Parkinson-Patienten zu verbessern.

Medikamentöse Therapie:

Im Vordergrund steht der Ersatz bzw. Erhalt des Botenstoffes Dopamin. Medikamente wie L-Dopa können gegeben werden, oder der Abbau des vorhandenen Dopamins kann verhindert werden. Eine pünktliche Einnahme der Medikamente ist wichtig, um On-Off-Schwankungen zu vermeiden.

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Komplementäre Therapien:

Physiotherapie, Logopädie und Ergotherapie sind wichtige Bestandteile der Behandlung. Bewegungstherapie und aktivierende Pflege helfen, selbstständig zu bleiben. Entspannungsmethoden wie Progressive Muskelentspannung oder Autogenes Training können Stimmungsschwankungen und Depressionszeichen reduzieren.

Chirurgische Therapie:

Die Tiefe Hirnstimulation (THS) ist eine weitere Option. Dabei werden feine Elektroden im Hirn platziert, um umschriebene Hirnregionen elektrisch zu stimulieren.

Unterstützung im Alltag

Menschen mit Parkinson benötigen im Alltag Unterstützung, um ihre Selbstständigkeit und Lebensqualität zu erhalten.

6 Tipps zur Unterstützung:

  1. Zeit lassen: Parkinson-Patienten benötigen mehr Zeit für ihre Aktivitäten.
  2. Maßnahmen sinnvoll planen: Bewegungseinschränkungen können über den Tag verteilt schwanken.
  3. Stürze vermeiden: Sturzprophylaxe ist wichtig, um Stürze zu verhindern.
  4. Medikamente korrekt verabreichen: Eine pünktliche Medikamenteneinnahme ist entscheidend.
  5. Beim Essen, Trinken und Sprechen unterstützen: Schluck- und Sprachstörungen können auftreten.
  6. Aufklären, informieren und beraten: Patienten und Angehörige benötigen umfassende Beratung.

Die Parkinson-Krankheit verstehen

Morbus Parkinson ist eine chronisch fortschreitende, neurodegenerative Erkrankung. Typische Symptome sind verlangsamte Bewegungen (Bradykinese), unkontrollierbares Zittern (Tremor) und steife Muskeln (Rigor).

Ursachen und Symptome:

Bei Parkinson sterben Nervenzellen im Gehirn ab, die den Botenstoff Dopamin produzieren. Dies führt zu den typischen Symptomen der Erkrankung.

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Diagnostik und Frühzeichen:

Die Diagnose basiert auf den klinischen Symptomen. Frühzeichen können schon Jahre vor den Hauptsymptomen auftreten, wie morgendliche Schulter- oder Rückenbeschwerden, eine Verkleinerung des Schriftbilds oder ein Maskengesicht.

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