Das verliebte Gehirn: Eine wissenschaftliche Betrachtung der Liebe

Am Valentinstag feiern wir die Liebe mit kleinen Aufmerksamkeiten. Doch was steckt wirklich hinter diesem Gefühl? Dieser Artikel beleuchtet die biologischen Grundlagen der Liebe und erforscht, was im Gehirn passiert, wenn wir flirten, uns verlieben und eine langfristige Beziehung führen.

Die Chemie der Liebe: Hormone und Neurotransmitter

Oft heißt es, dass die Chemie zwischen zwei Menschen stimmt. Tatsächlich sind chemische Substanzen im Gehirn für Liebe und Paarbindung verantwortlich. Hormone und Neurotransmitter wie Dopamin, Noradrenalin, Serotonin, Oxytocin und Vasopressin spielen hierbei eine entscheidende Rolle.

Der erste Eindruck: Flirten und der orbitofrontale Cortex

Alles beginnt mit dem ersten Blickkontakt. Wenn sich zwei Menschen ansehen und lächeln, werden Neuronen im orbitofrontalen Cortex aktiv. Dieser Bereich des Stirnlappens ist für Entscheidungsfindung, Emotionskontrolle und die Interpretation von Gesichtsausdrücken zuständig. Bei gegenseitiger Anziehung "leuchtet" dieses Hirnareal bei beiden Partnern auf.

Die ersten Monate: Verliebtsein und das Belohnungssystem

Mittels Magnetresonanztomographie (MRT) haben Hirnforscher Paare untersucht, die seit einigen Monaten zusammen waren. Beim Anblick von Fotos des Partners "leuchtete" eine Hirnregion auf, die für Belohnungsgefühle und Glückserlebnisse zuständig ist. Hier spielen vor allem Dopamin, aber auch Noradrenalin und Serotonin eine wichtige Rolle.

Dopamin: Das Glückshormon der Verliebtheit

Dopamin, oft als "Glückshormon" bezeichnet, flutet beim Verliebtsein regelrecht das Gehirn. Es wirkt im limbischen System, dem Belohnungszentrum des Gehirns, und ist sowohl für Euphorie als auch für Suchtverhalten relevant. Dopamin macht uns offen für andere und sorgt für eine erotische Anziehungskraft.

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Serotonin: Weniger Glück, mehr Fokus

Überraschenderweise nimmt bei frisch Verliebten das Glückshormon Serotonin ab. Dies führt dazu, dass Verliebte den rationalen Blick verlieren und den Partner in den Mittelpunkt ihrer Aufmerksamkeit stellen. Der Serotoninspiegel von Verliebten ähnelt dem von Menschen mit einer Zwangsstörung.

Langzeitbeziehungen: Oxytocin und Vasopressin

Was passiert, wenn das Dopamin-Noradrenalin-Serotonin-Hoch vorbei ist? Auch für Langzeitbeziehungen und Monogamie ist die Gehirnchemie zuständig. Hier kommen Oxytocin und Vasopressin ins Spiel. Eine schwedische Studie zeigte, dass Männer mit einer Genvariante, die sie schlechter auf Vasopressin ansprechen lässt, Schwierigkeiten mit stabilen Beziehungen haben.

Oxytocin: Das Kuschelhormon für Vertrauen und Bindung

Oxytocin, auch als "Kuschelhormon" bekannt, sorgt in sozialen Beziehungen für Vertrauen und fördert die langfristige Paarbindung und Treue. Es wird verstärkt in Phasen romantischer Bindung ausgeschüttet, beispielsweise beim ersten Umarmen oder während des Stillens.

Vasopressin: Bindung und Monogamie

Vasopressin ist ebenfalls am Entstehen von Bindung beteiligt, wie Tierversuche mit Präriewölfen zeigten. Diese Wölfe sind von Natur aus monogam, und Paare bleiben in der Regel ein Leben lang zusammen.

Die Auswirkungen des Verliebtseins auf Körper und Geist

Verliebtsein ist ein Ausnahmezustand, der sich auf vielfältige Weise äußert.

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Körperliche Symptome

Der Körper schüttet einen Hormoncocktail mit Serotonin, Phenylethylamin, Dopamin und Oxytocin aus. Herzklopfen und Schmetterlinge im Bauch werden durch Dopamin und Phenylethylamin verursacht. Der Pulsfrequenz steigt, der Stoffwechsel verbessert sich, und die sexuelle Lust wird gesteigert.

Kognitive Veränderungen

Verliebte idealisieren den Partner und kreisen gedanklich nur um ihn. Das Belohnungssystem im Gehirn wird aktiviert, was zu Euphorie und gesteigerter Motivation führt. Gleichzeitig kann die Fähigkeit zu rationalem Denken eingeschränkt sein.

Verliebtsein und Zwangsstörung: Parallelen im Gehirn

In bestimmten Hirnregionen zeigen Verliebte und Menschen mit Zwangsstörungen ähnliche Aktivitätsmuster. Diese Bereiche sind Teil des Belohnungssystems und werden mit Gefühlen der Euphorie und Motivation verbunden.

Die dunkle Seite der Liebe: Risikobereitschaft und Ausgrenzung

Verliebtsein kann mit risikobereiterem Verhalten einhergehen. Zudem kann Oxytocin dazu führen, dass Menschen andere ausgrenzen.

Die Vergänglichkeit der Verliebtheit und der Übergang zur Liebe

Der Zustand des Verliebtseins ist nicht von Dauer. Nach einigen Wochen oder Monaten pegeln sich die Hormone wieder auf einen Normalzustand ein. Die Verliebtheitsgefühle können verpuffen oder in eine tiefere Form der Liebe übergehen.

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Vom Verliebtsein zur Liebe: Eine Frage der Hormone und der Reife

Die tiefere Liebe ist gekennzeichnet von einem höheren Level an Oxytocin. Mit zunehmender Reife werden wir weniger Sklaven unserer Biochemie und entwickeln Toleranz für den Partner und für uns selbst.

Liebe und Verliebtheit: Unterschiedliche Hirnareale

Die Anthropologin Helen Fisher konnte zeigen, dass Liebe und Verliebtheit zwei verschiedene Dinge sind, die sich in unterschiedlichen Gehirnarealen abspielen. Verliebtsein ist eher im Stammhirn verortet, dem älteren, archaischen Teil unseres Gehirns.

Die Rolle der Evolution

Evolutionspsychologischen Theorien zufolge ist Liebe ein Trick der Evolution, um das menschliche Überleben zu sichern. Da das Gehirn des Menschen im Laufe der Entwicklungsgeschichte immer größer wurde, war der Nachwuchs immer länger auf die Pflege seiner Eltern angewiesen. Liebe und die Paarbeziehung sind demnach praktische Einrichtungen der Evolution, damit beide Eltern die Sprösslinge für eine lange Zeit unter ihre Fittiche nehmen.

Kritik an der reduktionistischen Sichtweise

Allerdings gibt es auch Kritik an der reduktionistischen Sichtweise der Liebe als reines Ergebnis von Hormonen und Neurotransmittern. Liebe ist ein komplexes Phänomen mit vielen Facetten, das sich nicht vollständig im Labor abbilden lässt.

Die Dreieckstheorie der Liebe

Der Psychologe Robert Sternberg entwickelte die Dreieckstheorie der Liebe, die neben emotionalen und motivationalen Aspekten auch einen kognitiven Aspekt betont: die rationale Entscheidung, jemanden zu lieben und eine Bindung mit ihm einzugehen.

Was die Wissenschaft noch nicht weiß

Die Neurowissenschaft der Liebe steht noch am Anfang. Bisher lässt sich die Komplexität der Liebe nicht im Labor abbilden. Wie Hormone ganz genau arbeiten, ist noch nicht vollständig erforscht.

Tipps für eine dauerhafte Liebe

Um die Liebe vor dem Alltag zu retten, empfiehlt Endokrinologe Schatz, gelegentlich Gefahrensituationen zu erleben, die Paare zusammenschweißen. Der Bremer Hirnforscher Gerhard Roth rät, öfter Komplimente zu machen, da ehrliche und nette Worte die Ausschüttung von neuronalen Wirkstoffen wie Oxytocin und Dopamin auslösen können.

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