Dauer-Migräne in den Wechseljahren: Ursachen und Behandlungsansätze

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, von der Frauen dreimal häufiger betroffen sind als Männer. Hormonelle Veränderungen, insbesondere in den Wechseljahren (Klimakterium), können eine Rolle bei der Entstehung oder Verschlimmerung von Migräne spielen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von Migräne in den Wechseljahren, um Betroffenen ein besseres Verständnis und Lösungsansätze zu bieten.

Einführung in die Thematik

Viele Frauen erleben während der Wechseljahre eine Zunahme von Kopfschmerzen, einschließlich Migräne. Die Wechseljahre, auch Perimenopause oder Klimakterium genannt, sind eine Lebensphase, in der sich der Hormonhaushalt des weiblichen Körpers um die Menopause (die letzte Regelblutung) herum verändert. Diese hormonellen Schwankungen können verschiedene Beschwerden auslösen, darunter auch Migräne.

Ursachen der Migräne in den Wechseljahren

Die genauen Ursachen der Migräne sind noch nicht vollständig erforscht. Es wird jedoch angenommen, dass hormonelle, genetische und umweltbedingte Faktoren eine Rolle spielen.

Hormonelle Veränderungen

Ein wesentlicher Faktor für Migräne in den Wechseljahren sind die starken Schwankungen des Östrogenspiegels. Während der Perimenopause kommt es aufgrund des nachlassenden Vorrats an Eibläschen zu Zyklusstörungen und unregelmäßigen Hormonspiegeln. Ein Abfall des Östrogenspiegels kann Migräneattacken auslösen.

Forscher der Charité in Berlin haben herausgefunden, dass Migräne-Patientinnen größere Mengen des Entzündungsbotenstoffs CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide) im Gehirn ausschütten, wenn der Östrogenspiegel zu Beginn der Periode sinkt. CGRP erweitert die Blutgefäße im Gehirn und trägt so zur Entstehung von Migräne bei.

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Weitere Faktoren

Neben hormonellen Veränderungen können auch andere Faktoren Migräne in den Wechseljahren begünstigen:

  • Stress: Häufige Belastungen und Stress können das autonome Nervensystem aus dem Gleichgewicht bringen und Migräneattacken auslösen.
  • Schlafmangel: Unregelmäßiger Schlaf oder Schlafmangel können Migräne begünstigen.
  • Ernährung: Eine unausgewogene Ernährung und unregelmäßige Nahrungsaufnahme können den Blutzuckerspiegel beeinflussen und Migräneattacken auslösen.
  • Weitere Erkrankungen: Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen können die Migräne beeinflussen.

Symptome der Migräne

Migräne ist mehr als nur Kopfschmerz. Typische Symptome sind:

  • Starke, pulsierende oder pochende Kopfschmerzen, meist einseitig
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Licht- und Geräuschempfindlichkeit
  • Orientierungsverlust
  • Aura (Wahrnehmungsstörungen wie Blitze oder gezackte Linien)

Die Symptome können je nach Person und Attacke variieren. Eine Migräneattacke kann wenige Stunden oder bis zu 72 Stunden dauern.

Diagnose

Die Diagnose der Migräne erfolgt in der Regel durch eine Anamnese und körperliche Untersuchung beim Arzt. Ein Migräne-Tagebuch kann helfen, die Häufigkeit, Intensität und Auslöser der Migräneattacken zu dokumentieren. In manchen Fällen können weitere Untersuchungen wie eine neurologische Untersuchung oder eine Bildgebung des Gehirns erforderlich sein, um andere Ursachen für die Kopfschmerzen auszuschließen.

Behandlungsmöglichkeiten

Es gibt verschiedene Behandlungsansätze für Migräne in den Wechseljahren, die darauf abzielen, die Symptome zu lindern und die Häufigkeit der Attacken zu reduzieren.

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Akutbehandlung

Die Akutbehandlung zielt darauf ab, die Symptome während einer Migräneattacke zu lindern. Dazu können folgende Medikamente eingesetzt werden:

  • Schmerzmittel: Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Naproxen können bei leichten bis mittelschweren Attacken helfen.
  • Triptane: Triptane sind spezifische Migränemittel, die die Blutgefäße im Gehirn verengen und die Ausschüttung von Entzündungsbotenstoffen reduzieren. Sie sind in Deutschland jedoch nur bis zu einem Lebensalter von 65 Jahren zugelassen.
  • Antiemetika: Medikamente wie Metoclopramid oder Domperidon können Übelkeit und Erbrechen lindern.

Vorbeugende Behandlung

Die vorbeugende Behandlung zielt darauf ab, die Häufigkeit und Intensität der Migräneattacken zu reduzieren. Dazu können folgende Maßnahmen eingesetzt werden:

  • Hormonersatztherapie (HRT): Eine HRT kann helfen, den Östrogenspiegel zu stabilisieren und Migräneattacken zu reduzieren. Sie muss jedoch sorgfältig abgewogen werden, da sie auch Risiken birgt, wie z. B. ein erhöhtes Brustkrebsrisiko.
  • Betablocker: Betablocker können den Blutdruck senken und Migräneattacken vorbeugen. Sie sollten jedoch bei Diabetikern vermieden werden.
  • Trizyklische Antidepressiva: Trizyklische Antidepressiva können die Schmerzwahrnehmung beeinflussen und Migräneattacken reduzieren. Ihr Einsatz muss jedoch je nach Vorerkrankung abgewogen werden.
  • Monoklonale Antikörper: Moderne monoklonale Antikörper gegen CGRP oder den CGRP-Rezeptor können Migräneattacken vorbeugen. Sie dürfen auch im höheren Alter eingesetzt werden, wobei aber dazu aktuell noch wenig Erfahrungen vorliegen.
  • Magnesium: Eine ausreichende Versorgung mit Magnesium kann krampflösend wirken und Migräneattacken vorbeugen.
  • Pflanzliche Mittel: Extrakte aus Pestwurz oder Mönchspfeffer können in der Anfangsphase der Wechseljahre vorbeugend wirken.

Nicht-medikamentöse Behandlungen

Neben Medikamenten können auch nicht-medikamentöse Behandlungen helfen, Migräneattacken vorzubeugen oder zu lindern:

  • Entspannungsverfahren: Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, autogenes Training oder achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (MBSR) können helfen, Stress abzubauen und das autonome Nervensystem zu beruhigen.
  • Regelmäßiger Ausdauersport: Dreimal wöchentlich Joggen oder andere Ausdauersportarten können Migräneattacken vorbeugen.
  • Akupunktur: Akupunktur kann bei manchen Menschen die Häufigkeit und Intensität der Migräneattacken reduzieren.
  • Biofeedback: Biofeedback kann helfen, die Körperfunktionen besser zu kontrollieren und Stress abzubauen.
  • Ernährungsumstellung: Eine ausgewogene Ernährung mit regelmäßigen Mahlzeiten und ausreichend Flüssigkeit kann helfen, den Blutzuckerspiegel zu stabilisieren und Migräneattacken vorzubeugen.
  • Vermeidung von Triggern: Das Führen eines Migräne-Tagebuchs kann helfen, persönliche Triggerfaktoren zu identifizieren und zu vermeiden.

Besonderheiten der Behandlung im Alter

Bei der Behandlung von Migräne im Alter müssen einige Besonderheiten beachtet werden:

  • Funktionsstörungen der Nieren oder der Leber können die Wirksamkeit der Medikamente verändern.
  • Vorerkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck müssen berücksichtigt werden.
  • Mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten müssen beachtet werden.
  • Patienten mit Gefäßerkrankungen dürfen keine Triptane einnehmen.

Studien zur Wirksamkeit der Migräne-Prophylaxe ab einem Alter von 65 Jahren gibt es nicht. Bei der Auswahl der Substanzen sollte auf mögliche Nebenwirkungen geachtet und der Gesundheitszustand des Patienten berücksichtigt werden.

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Umgang mit Migräne im Alltag

Migräne kann das soziale Leben und den Arbeitsplatz beeinträchtigen. Es ist wichtig, Strategien zu entwickeln, um mit der Erkrankung umzugehen:

  • Stressmanagement: Stress abbauen und Entspannungsverfahren anwenden.
  • Regelmäßiger Schlaf: Für ausreichend und regelmäßigen Schlaf sorgen.
  • Ausgewogene Ernährung: Auf eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Nahrungsaufnahme achten.
  • Unterstützung suchen: Mit Familie, Freunden oder einer Selbsthilfegruppe über die Erkrankung sprechen.
  • Arbeitsplatz anpassen: Den Arbeitsplatz so gestalten, dass er den Bedürfnissen entspricht (z. B. blendfreies Licht, ruhige Umgebung).

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