Sexuelle Funktionsstörungen und Spastik können erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität haben. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Dauererektion (Priapismus), Spastik, sexuellen Funktionsstörungen und deren Ursachen, insbesondere im Kontext von Erkrankungen wie Multipler Sklerose (MS) und Vaginismus. Ziel ist es, Betroffenen und Interessierten ein umfassendes Verständnis dieser komplexen Themen zu vermitteln und mögliche Lösungsansätze aufzuzeigen.
Sexuelle Funktionsstörungen: Mehr als nur "keine Lust mehr"
In der modernen Gesellschaft sind unrealistische Vorstellungen von Sexualität weit verbreitet. Diese "Hochglanz"-Bilder, die oft in Medien und Popkultur dargestellt werden, können zu unnötigem Druck und Unzufriedenheit führen. Gerade für Menschen mit chronischen Erkrankungen wie MS ist es wichtig, diese unrealistischen Erwartungen zu hinterfragen und eine realistische Perspektive auf Sexualität zu entwickeln.
Eine MS kann das Sexualleben in vielfältiger Weise beeinflussen. Es ist wichtig, sexuelle Beeinträchtigungen zu erkennen und anzuerkennen. Ein Fragebogen zum Thema MS und Sexualität kann dabei helfen, das Thema anzusprechen. Professionelle Hilfe, wie Psycho- oder Sexualtherapie, kann ebenfalls eine wertvolle Unterstützung sein.
Erektile Dysfunktion: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten
Die erektile Dysfunktion, oft als Impotenz bezeichnet, ist eine häufige sexuelle Funktionsstörung bei Männern. Sie wird definiert als die Unfähigkeit, eine für einen befriedigenden Geschlechtsverkehr ausreichende Erektion zu erreichen oder aufrechtzuerhalten. Dieses Problem kann Männer jeden Alters betreffen und erhebliche Auswirkungen auf das Selbstwertgefühl und die Lebensqualität haben. Es ist wichtig zu betonen, dass es sich um ein medizinisches Problem handelt, das in den meisten Fällen erfolgreich behandelt werden kann.
Vielfältige Ursachen
Die Ursachen der erektilen Dysfunktion sind vielfältig und oft komplex. Es lassen sich organische (körperliche) und psychische Ursachen unterscheiden, wobei häufig Mischformen vorliegen.
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Organische Ursachen
- Vaskuläre Ursachen: Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Arteriosklerose, Bluthochdruck und erhöhte Blutfettwerte sind wichtige organische Ursachen. Sie führen zu einer Verengung der Blutgefäße, wodurch die Blutzufuhr zum Schwellkörper des Penis vermindert wird. Auch Diabetes mellitus kann langfristig die Blutgefäße und Nerven schädigen.
- Neurologische Ursachen: Schädigungen der für die Erektion verantwortlichen Nerven können ebenfalls eine erektile Dysfunktion hervorrufen. Dies kann infolge von Operationen, Rückenmarksverletzungen, Schlaganfällen, Multipler Sklerose, Parkinson-Krankheit oder diabetischer Neuropathie geschehen.
- Hormonelle Ursachen: Ein Mangel an männlichen Hormonen, insbesondere Testosteron (Hypogonadismus), kann die Libido und die Erektionsfähigkeit beeinträchtigen. Auch andere hormonelle Ungleichgewichte, etwa Schilddrüsenerkrankungen, können eine Rolle spielen.
- Medikamenteninduzierte ED: Bestimmte Medikamente können als Nebenwirkung Erektionsstörungen verursachen. Dazu gehören unter anderem einige Blutdrucksenker, Antidepressiva, Beruhigungsmittel, Chemotherapeutika und Medikamente zur Behandlung von Magen-Darm-Erkrankungen oder Prostatakrebs.
- Strukturelle Ursachen: Anatomische Veränderungen des Penis, wie die Peyronie-Krankheit (Penisverkrümmung durch Bindegewebsverhärtungen), können Erektionsstörungen und Schmerzen während der Erektion verursachen.
- Traumatische Ursachen: Verletzungen im Beckenbereich oder am Penis selbst können Gefäße oder Nerven schädigen und zu einer erektilen Dysfunktion führen.
- Weitere Erkrankungen: Chronische Nieren- oder Lebererkrankungen sowie bestimmte Krebsbehandlungen können ebenfalls die erektile Funktion beeinträchtigen.
Psychische Ursachen
Psychische Faktoren spielen eine wesentliche Rolle bei der Entstehung und Aufrechterhaltung einer erektilen Dysfunktion, oft auch in Kombination mit organischen Ursachen.
- Stress und Leistungsdruck: Hoher Stress im Berufs- oder Privatleben sowie der Druck, sexuell „funktionieren“ zu müssen (Versagensangst), können die Erektionsfähigkeit stark beeinträchtigen.
- Depressionen und Angststörungen: Psychische Erkrankungen wie Depressionen, generalisierte Angststörungen oder Burnout gehen häufig mit erektiler Dysfunktion einher.
- Beziehungsprobleme: Konflikte, mangelnde Kommunikation oder ungelöste Probleme in der Partnerschaft können ebenfalls zu Erektionsproblemen führen.
- Traumatische Erlebnisse: Sexuelle Traumata oder negative sexuelle Erfahrungen in der Vergangenheit können langfristig psychogene Erektionsstörungen verursachen.
Diagnostik
Eine präzise Diagnostik ist der Schlüssel zu einer erfolgreichen Behandlung von erektilen Dysfunktionen. Dazu gehören:
- Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte, Vorerkrankungen, Medikamenteneinnahme, Lebensstil und Symptome.
- Körperliche Untersuchung: Untersuchung des äußeren Genitals und der Prostata, Überprüfung von Reflexen und Sensibilität, Messung des Blutdrucks.
- Bluttests: Feststellung organischer Ursachen wie Diabetes, Fettstoffwechselstörungen oder Hormonmangel.
- Schwellkörper-Injektionstest: Prüfung der Erektionsfähigkeit und Durchblutung durch Injektion eines Medikaments in den Penis.
- Doppler-Sonografie: Ultraschalluntersuchung zur Messung des Blutflusses im Penis.
- Messung der nächtlichen penilen Tumeszenz (NPT): Aufzeichnung der nächtlichen Erektionen.
- Neurologische Tests: Bei Verdacht auf Nervenschäden.
- Psychologische Untersuchung: Bei Verdacht auf psychische Ursachen.
Therapieansätze
Die Behandlung der erektilen Dysfunktion richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Es gibt verschiedene Therapieansätze, darunter:
- Medikamentöse Therapie: Phosphodiesterase-5-Hemmer (z.B. Sildenafil, Tadalafil)
- Vakuumpumpen
- Intrakavernöse Injektionstherapie (SKIT)
- Penisprothese
- Psychotherapie/Sexualtherapie
- Behandlung der Grunderkrankung
Spastik: Ursachen, Symptome und Behandlung
Spastik bezeichnet eine krankhaft erhöhte Muskelspannung (Muskeltonus) aufgrund einer Schädigung des zentralen Nervensystems (ZNS). Die spontane unkontrollierbare Muskelaktivität führt zu dauerhaften Fehlstellungen von Gelenken in Armen und Beinen und damit verbundenen Bewegungseinschränkungen, der sogenannten spastischen Lähmung.
Ursachen
Eine Spastik wird ausgelöst, wenn das zentrale Nervensystem (ZNS) so geschädigt ist, dass Nervenbahnen zwischen Gehirn und Rückenmark betroffen sind, die unsere Bewegungen steuern. Ursachen können sein:
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- Schlaganfall
- Multiple Sklerose
- Zerebralparese
- Rückenmarksverletzungen
- Hirnverletzungen
- Hereditäre spastische Spinalparalyse (HSP)
Symptome
Die Symptome einer spastischen Lähmung sind abhängig davon, welche Bereiche im Gehirn betroffen sind und wie stark diese in Mitleidenschaft gezogen wurden. Sie reichen von leichten Bewegungsbeeinträchtigungen bis hin zu starken körperlichen Einschränkungen. Typische Symptome sind:
- Erhöhte Muskelspannung (Muskeltonus)
- Muskelversteifung
- Eingeschränkte Bewegungsfähigkeit
- Überaktive Muskelreflexe
- Koordinationsstörungen
- Schmerzen
- Schluck- und Sprechprobleme
- Schielen und Doppelbildsehen
Diagnose
Die Diagnose der Spastik umfasst in der Regel:
- Ausführliches Gespräch (Anamnese)
- Körperliche und neurologische Untersuchungen
- Beurteilung der Beweglichkeit der Gelenke
- Prüfung von Muskelkraft und -anspannung (Ashworth-Skala)
- Überprüfung der Reflexe und des Schmerzempfindens
- Bildgebende Diagnoseverfahren (DVT, MRT)
- Elektromyografie (EMG)
- Elektroneurografie (ENG)
Behandlung
Die Behandlung der Spastik zielt darauf ab, die Muskelspannung zu reduzieren, die Bewegungsfähigkeit zu verbessern und Schmerzen zu lindern. Zu den Behandlungsmöglichkeiten gehören:
- Physiotherapie
- Ergotherapie
- Medikamentöse Therapie (z.B. Muskelrelaxantien wie Baclofen oder Tizanidin, Botulinumtoxin-Injektionen)
- Orthesen
- Chirurgische Eingriffe (in schweren Fällen)
Sexuelle Funktionsstörungen bei Multipler Sklerose (MS)
Sexuelle Probleme sind bei Multipler Sklerose keine Seltenheit. Studien zeigen, dass etwa 75 Prozent der Männer und 50 Prozent der Frauen mit MS an sexuellen Störungen leiden. Die Ursachen können sowohl seelischer als auch organischer Natur sein.
Ursachen
Verschiedene Faktoren können zu sexuellen Störungen bei MS beitragen:
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- Primäre Ursachen: Läsionen am Cortex und Rückenmark können zu Parästhesie, sensorischer Taubheit, Verlust der Libido und Erektionsstörungen führen.
- Sekundäre Ursachen: MS-Symptome wie Fatigue, Spastiken, Schmerzen, Blasen- und Darmstörungen sowie kognitive Beeinträchtigungen können das Sexualleben beeinträchtigen.
- Tertiäre Ursachen: Psychosoziale Faktoren wie Veränderungen der sozialen Rolle und affektive Störungen können ebenfalls eine Rolle spielen.
Symptome
Männer mit MS leiden häufiger an Gefühlsstörungen der Genitalien sowie erektiler oder ejakulatorischer Dysfunktion. Frauen können unter verminderter Lubrikation und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr leiden.
Therapie
Die Behandlung sexueller Funktionsstörungen bei MS umfasst verschiedene Ansätze:
- Offene Kommunikation: Gespräche mit dem Partner über Ängste und Bedürfnisse.
- Physiotherapie: Bei Spastik und Blasenstörungen.
- Medikamentöse Therapie: Für Erektionsprobleme (z.B. Phosphodiesterase-5-Hemmer).
- Intrakavernöse Injektion
- Vakuumpumpen
- Penisprothese (in Erwägung ziehen)
- Paartherapie: Bei Konflikten in der Partnerschaft oder psychischen Problemen.
- Behandlung von MS-Symptomen: Konsequente Behandlung von Fatigue.
Vaginismus: Ursachen, Symptome und Behandlung
Vaginismus (Scheidenkrampf) ist eine sexuelle Funktionsstörung, bei der sich Scheiden- und Beckenbodenmuskulatur krampfartig zusammenziehen, was das Eindringen in die Vagina unmöglich oder mit großen Schmerzen verbunden macht.
Ursachen
Die Ursache für Vaginismus liegt in der Psyche. Körperliche Ursachen wie Infektionen oder Entzündungen sind in der Regel nicht vorhanden. Mögliche Ursachen sind:
- Angst vor Schmerz oder Verletzung
- Angst vor Schwangerschaft
- Ablehnung von Penetration
- Partnerschaftsprobleme
- Traumatische Erlebnisse (z.B. sexueller Missbrauch, Geburtstrauma)
- Emotionaler Stress, Depressionen
Symptome
- Schmerzhafte Krämpfe des Beckenbodens und der Vaginalmuskulatur
- Unkontrollierbare Verkrampfung
- Unmöglichkeit oder Schmerzen beim Einführen des Penis, der Finger, eines Dildos oder eines Tampons
- Vermeidung von sexuellen Aktivitäten
- Angst vor einer Untersuchung beim Frauenarzt
Diagnose
Die Diagnose erfolgt durch:
- Ausführliches Arztgespräch (Anamnese)
- Ausschluss körperlicher Ursachen
- Gynäkologische Untersuchung (sofern möglich)
Behandlung
Ziel der Behandlung ist, das reflexartige Zusammenziehen der Scheiden- und Beckenbodenmuskulatur zu mindern und der Frau die Selbstbestimmung über ihre Sexualität zurückzugeben. Zu den Behandlungsmethoden gehören:
- Vaginaldilatoren
- Psycho- und Sexualtherapie
- Beckenbodentraining
- Entspannungsübungen
- Medikamente (in seltenen Fällen)
Hereditäre spastische Spinalparalyse (HSP)
Die hereditäre (erbliche) spastische Spinalparalyse (HSP) ist eine neurodegenerative Erkrankung, bei der sich Nervenzellen im Rückenmark fortschreitend abbauen. Dies führt zu einer erhöhten Muskelspannung (Muskeltonus), unkontrollierbaren Verkrampfungen (Spastiken) und einer zunehmenden Versteifung der Beinmuskulatur. Häufig treten zusätzlich Blasenstörungen auf. Da die Ursache für die Erkrankung in verschiedenen Genen liegen kann und vererbbar ist, kann eine genetische Testung für Sie und betroffene Familienangehörige sinnvoll und hilfreich sein, um die Erkrankung einzuordnen und geeignete Therapien abzuleiten.
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