Dekompressive Kraniektomie nach Schlaganfall: Ursachen und Behandlung

Ein Schlaganfall kann verheerende Folgen haben, und in manchen Fällen führt er zu einem erhöhten Hirndruck, der lebensbedrohlich sein kann. Eine dekompressive Kraniektomie, auch Entlastungstrepanation genannt, ist ein neurochirurgischer Eingriff, der in solchen Situationen Leben retten kann. Bei diesem Eingriff wird ein Teil des Schädels entfernt, um dem Gehirn mehr Raum zu geben und den Druck zu reduzieren.

Was ist eine Dekompressive Kraniektomie?

Die dekompressive Kraniektomie ist ein Notfalleingriff, bei dem ein großer Knochenteil einer Kopfseite entfernt und die darunterliegende Hirnhaut erweitert wird. Dies schafft Platz für das Gehirn, insbesondere wenn es aufgrund von Verletzungen, Blutungen oder Schwellungen anschwillt.

Ursachen für erhöhten Hirndruck nach Schlaganfall

Nach einem Schlaganfall kann es aus verschiedenen Gründen zu einem erhöhten Hirndruck kommen:

  • Hirnödem: Ein Hirnödem, also eine Schwellung des Gehirns, kann nach einem Schlaganfall auftreten und den Druck im Schädelinneren erhöhen.
  • Hirnblutungen: Blutungen im Gehirn können ebenfalls zu einer Volumenzunahme führen, was den Hirndruck erhöht und zu einer Mittellinienverlagerung führen kann.
  • Hydrozephalus: In manchen Fällen kann es zu einem Hydrozephalus kommen, bei dem das Hirnwasser (Liquor) nicht richtig abfließen kann und sich im Gehirn ansammelt, was den Druck erhöht.
  • Maligner Mediainfarkt: Ein großflächiger Infarkt im Bereich des Großhirns, der von der Arteria cerebri media versorgt wird, kann ebenfalls zu einer Erhöhung des intrakraniellen Drucks führen.

Wann ist eine Dekompressive Kraniektomie notwendig?

Eine dekompressive Kraniektomie wird in der Regel dann in Betracht gezogen, wenn der Hirndruck trotz anderer Maßnahmen wie Medikamente und Drainagen nicht gesenkt werden kann und lebensbedrohlich wird. Dies kann beispielsweise bei folgenden Situationen der Fall sein:

  • Schweres Schädel-Hirn-Trauma: Ein schweres Schädel-Hirn-Trauma kann zu einem Hirnödem führen, das eine Dekompressive Kraniektomie erforderlich macht.
  • Maligner Mediainfarkt: Bei Patienten mit einem malignen Mediainfarkt kann eine frühzeitige dekompressive Hemikraniektomie in Betracht gezogen werden, um den Hirndruck zu senken und die Überlebenschancen zu verbessern.
  • Tiefliegende Hirnblutungen: In bestimmten Fällen von tiefliegenden Hirnblutungen, insbesondere wenn sie zu einer Mittellinienverlagerung und Einklemmung des Gehirns führen, kann eine Dekompressive Kraniektomie notwendig sein.

Der Ablauf der Dekompressiven Kraniektomie

Vor dem Eingriff wird der Patient in der Regel in Narkose versetzt. Der Kopf wird seitlich gelagert und in einer Halterung fixiert. Nach der Haarrasur, dem sterilen Abwaschen und dem Abdecken des OP-Gebietes wird ein großer Hautmuskellappen präpariert. Über das Setzen von Bohrlöchern wird ein großes Knochenstück ausgesägt. Wichtig ist, dass die Dekompression bis zur Schädelbasis reicht, um eine Einklemmung zu verhindern. Nach der Entfernung des Knochens wird die harte Hirnhaut (Dura) eingeschnitten und erweitert, um das Gehirn nicht weiter einzuengen.

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Nach der Operation

Nach der Operation wird der Patient auf der Intensivstation überwacht, wo insbesondere der Hirndruck beobachtet und gegebenenfalls behandelt wird. Es ist wichtig zu beachten, dass der schützende Knochen vorübergehend fehlt, daher ist eine entsprechende Lagerung erforderlich.

Nach einiger Zeit nimmt die Schwellung ab. Anders als bei einer Kraniotomie wird der ausgesägte Knochen bei einer Kraniektomie nicht sofort wieder eingesetzt. Er wird entweder außerhalb des Körpers kryokonserviert oder unter die Bauchdecke eingesetzt. Wenn der Knochen aufgrund eines Traumas oder einer Entzündung verworfen werden muss, wird eine individuelle Schädeldachplastik angefertigt und in einem späteren Eingriff eingesetzt.

Risiken und Komplikationen

Wie bei jedem chirurgischen Eingriff gibt es auch bei der Dekompressiven Kraniektomie Risiken und Komplikationen. Dazu gehören:

  • Blutungen und Blutergüsse: Nachblutungen können auftreten und eine operative Entfernung erforderlich machen.
  • Infektionen: Das Risiko von Infektionen besteht aufgrund der großen Wundfläche.
  • Wundheilungsstörungen: Wundheilungsstörungen können ebenfalls auftreten.
  • Verletzung von gesundem Hirngewebe: Es besteht das Risiko, dass gesundes Hirngewebe während der Operation verletzt wird.
  • Anfallsleiden: Nach einer Dekompressiven Kraniektomie kann es zu epileptischen Anfällen kommen.
  • Austritt von Hirnflüssigkeit (Liquor): In seltenen Fällen kann Hirnflüssigkeit austreten.
  • Gedächtnis-, Koordinations- oder Gleichgewichtsstörungen: Diese Störungen können als Folge der Operation auftreten.
  • Lähmungen oder Schwierigkeiten beim Sprechen: Auch Lähmungen oder Sprachstörungen sind mögliche Komplikationen.
  • Ansammlung von Luft in der Schädelhöhle (Pneumocephalus): In seltenen Fällen kann sich Luft in der Schädelhöhle ansammeln.
  • Koma: In sehr seltenen Fällen kann es zu einem Koma kommen.

Die Kranioplastik: Wiederherstellung des Schädels

Nachdem die akuten Symptome abgeklungen sind und die Schwellung des Gehirns zurückgegangen ist, wird der Schädeldefekt in der Regel durch eine Kranioplastik verschlossen. Dabei wird der zuvor entnommene Knochenteil oder ein individuell angefertigtes Implantat aus Kunststoff, Keramik oder Knochenzement verwendet, um die Kontinuität des Schädels wiederherzustellen.

Aktuelle Forschungsergebnisse

Eine aktuelle Studie, die im Mai 2024 im Fachmagazin "The Lancet" veröffentlicht wurde, deutet darauf hin, dass eine Dekompressive Kraniektomie bei Patienten mit tiefen Hirnblutungen zu weniger schweren Verläufen führen kann. Die Studie ergab, dass die Kombinationstherapie aus Standardbehandlung und Dekompressions-Kraniektomie im Vergleich zur alleinigen Standardtherapie zu besseren Ergebnissen führte, obwohl die statistische Signifikanz knapp verfehlt wurde.

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