Die Lumbalpunktion, auch Spinalpunktion genannt, ist ein medizinisches Verfahren, bei dem eine Nadel in den Spinalkanal eingeführt wird, um eine Probe des Liquors (Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit) zu entnehmen. Obwohl es sich um eine relativ risikoarme Routineprozedur handelt, kann sie bei manchen Menschen Angst und Panikattacken auslösen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Panikattacken im Zusammenhang mit Lumbalpunktionen, die Symptome eines Liquorunterdrucksyndroms und mögliche Bewältigungsstrategien.
Was ist eine Lumbalpunktion?
Bei einer Lumbalpunktion wird eine kleine Menge Nervenwasser (Liquor) aus dem Wirbelkanal entnommen. Dieser Liquor ist eine in den Kammern des Gehirns gebildete Flüssigkeit, die Gehirn und Rückenmark innerhalb des Schädels beziehungsweise Wirbelkanals schützend umgibt. Die Lumbalpunktion bei Multiple-Sklerose-Betroffenen wird mit örtlicher Betäubung und nach Desinfektion der Einstichstelle im Sitzen oder im Liegen durchgeführt. Dabei wird eine spezielle Hohlnadel etwa in Höhe des zweiten/dritten oder dritten/vierten Lendenwirbels zwischen den Wirbelkörpern bis in den Wirbelkanal, den Hohlraum, der das Nervenwasser enthält, vorgeschoben.
Die Lumbalpunktion ist heutzutage ein risikoarmes Routineverfahren. Lumbalpunktionen sind in neurologischen Notaufnahmen gang und gäbe.
Ursachen von Panikattacken vor, während und nach einer Lumbalpunktion
Verschiedene Faktoren können zu Panikattacken im Zusammenhang mit einer Lumbalpunktion beitragen:
- Angst vor dem Eingriff: Viele Menschen haben Angst vor Nadeln, Schmerzen oder möglichen Komplikationen. Die Ungewissheit über den Ablauf und die Ergebnisse der Punktion kann ebenfalls Ängste verstärken. Eine Patientin beschreibt, wie sie vor ihrer Lumbalpunktion wegen der möglichen Risiken eine Bedenkzeit von 24 Stunden erhielt und dadurch immer hibbeliger wurde.
- Traumatische Erfahrungen: Eine frühere traumatische Erfahrung mit medizinischen Eingriffen, insbesondere mit Nadeln, kann eine Panikattacke auslösen. Eine Patientin berichtet von fünf Lumbalpunktionen, von denen vier erfolglos waren und starke Schmerzen verursachten.
- Liquorunterdrucksyndrom: Ein Liquorunterdrucksyndrom kann nach einer Lumbalpunktion auftreten und äußert sich durch starke Kopfschmerzen. Für eine rasche Verbesserung der Symptome und zur Vermeidung von Spätfolgen oder bleibende Schäden sind eine schnelle Diagnostik und ein zügiger Therapiebeginn entscheidend. Das Liquorunterdrucksyndrom (auch Liquorverlustsyndrom genannt) tritt auf, wenn Liquor (die Flüssigkeit, die das Gehirn und Rückenmark umgibt) durch ein Leck austritt. Dies kann starke Kopfschmerzen verursachen, die sich im Stehen verschlimmern und im Liegen bessern. Zusätzlich können Symptome wie Übelkeit, Nackensteifigkeit, Hörprobleme sowie Licht- und Geräuschempfindlichkeit auftreten. Das Syndrom entsteht häufig nach einer Lumbalpunktion oder infolge einer traumatischen Verletzung der Hirnhaut (Dura). Bei einer Lumbalpunktion wird eine Hohlnadel in den Liquorraum der Lendenwirbelsäule vorgeschoben. Um diesen Raum zu erreichen, muss die schützende Hirnhaut (Dura) durchstochen werden. Bei manchen Menschen entsteht an dieser Stelle ein Leck, durch das auch nach der Punktion weiterhin Liquor (Gehirnwasser) austreten kann.
- Psychische Vorerkrankungen: Menschen mit bereits bestehenden Angststörungen, Depressionen oder Panikstörungen haben ein höheres Risiko, im Zusammenhang mit einer Lumbalpunktion eine Panikattacke zu entwickeln. Eine Patientin berichtet von jahrelangen Panikattacken und einer Nadelphobie, die durch die bevorstehende Lumbalpunktion verstärkt wurden.
- Fehlende Information und Kontrolle: Unzureichende Informationen über den Eingriff oder das Gefühl, keine Kontrolle über die Situation zu haben, können ebenfalls zu Angst und Panik beitragen. Eine Patientin beschreibt, wie sie sich hilflos fühlte, als die Betäubung ausblieb und der Stich sehr schmerzhaft war.
- Befürchtungen bzgl. der Diagnose: Wenn die Lumbalpunktion zur Diagnose einer möglicherweise schweren Erkrankung wie Multipler Sklerose (MS) durchgeführt wird, kann die Angst vor der Diagnose eine Panikattacke auslösen. Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung, die das zentrale Nervensystem betrifft. Sie kann Gehirn, Rückenmark und Sehnerven beeinträchtigen. Bei 90% aller Patienten mit Multipler Sklerose wird ein hoher Immunglobulinspiegel in der Cerebrospinalflüssigkeit sowie das Vorhandensein oligoklonaler Banden beobachtet3. Der Nachweis von sogenannten „oligoklonalen Banden“ (einer Gruppe von Antikörpern) im Liquor ist für die Diagnose von MS besonders bedeutsam.
- Negative Erfahrungen anderer: Berichte über negative Erfahrungen anderer Patienten mit Lumbalpunktionen, beispielsweise in Online-Foren, können die eigene Angst verstärken. Eine Patientin berichtet, dass sie in einer FB-Gruppe zu dem Liquorunterdrucksyndrom von vielen harten Fällen gelesen hat.
Symptome eines Liquorunterdrucksyndroms
Kennzeichnend für das Liquorunterdrucksyndrom ist ein starker, lageabhängiger Kopfschmerz, der sich oft im Stehen verschlimmert und im Liegen bessert. Begleitsymptome können Übelkeit, Erbrechen, Nackensteifigkeit sowie eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen sein. Einige Patienten klagen auch über Schwindel, Müdigkeit oder ein Druckgefühl im Kopf. Die mit dem Liquorunterdrucksyndrom verbundenen Schmerzen äußern sich häufig als starke, pochende oder klopfende Kopfschmerzen. Typischerweise verschlimmern sich diese im Stehen oder Sitzen und bessern sich im Liegen. Der Kopfschmerz wird meist im Hinterkopf oder Nacken wahrgenommen und kann von einem Druck- oder Spannungsgefühl begleitet sein. In einigen Fällen strahlt der Schmerz bis in die Schultern oder den oberen Rücken aus.
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Diagnose des Liquorunterdrucksyndroms
Die Diagnose des Liquorunterdrucksyndroms beginnt in der Regel mit einer gründlichen Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte) und einer körperlichen Untersuchung. Dabei ist es besonders wichtig, zu erfragen, ob kürzlich eine Lumbalpunktion oder ein Trauma (z.B.: ein Unfal) stattgefunden hat. Die Ärzte erkundigen sich nach den typischen Symptomen, wie zum Beispiel, ob sich die Kopfschmerzen im Stehen verschlimmern und im Liegen bessern. Zudem interessieren sie sich für Begleiterscheinungen wie Übelkeit oder Nackensteifigkeit. Zur Bestätigung der Diagnose werden häufig bildgebende Verfahren eingesetzt, wie beispielsweise eine MRT-Untersuchung des Gehirns und der Wirbelsäule, um Hinweise auf einen Liquoraustritt zu erkennen. Sollte es bereits zu einem „Absinken“ des Gehirns und einer Einklemmung der unteren Gehirnregionen gekommen sein, lässt sich dies ebenfalls gut im MRT darstellen. Eine weitere diagnostische Methode ist das sogenannte CT-Myelogramm. Dabei wird vor der Bildgebung ein Kontrastmittel in den Wirbelsäulenkanal injiziert, um die genaue Stelle des Lecks zu identifizieren. Wenn die bildgebenden Untersuchungen nicht eindeutig sind, kann eine vorsichtige Lumbalpunktion durchgeführt werden - nicht, um weiteren Liquor zu entnehmen, sondern um den Liquordruck zu messen. Eine MRT der Lendenwirbelsäule ist generell immer dann sinnvoll, wenn anhaltende Schmerzen im unteren Rückenbereich bestehen, die sich durch herkömmliche Behandlungen nicht bessern. Gleiches gilt bei Warnzeichen („Red Flags“) wie starken Schmerzen, Taubheitsgefühlen oder Schwäche in den Beinen, die auf eine Nervenkompression hindeuten könnten. Mithilfe einer MRT-Untersuchung lassen sich schnell Bandscheibenvorfälle, Spinalkanalstenosen oder andere zugrunde liegende Probleme diagnostizieren. Auch bei Verdacht auf ein Liquorunterdrucksyndrom sollte frühzeitig eine MRT durchgeführt werden.
Bewältigungsstrategien für Panikattacken im Zusammenhang mit Lumbalpunktionen
Es gibt verschiedene Strategien, die helfen können, Panikattacken vor, während und nach einer Lumbalpunktion zu bewältigen:
- Information und Aufklärung: Sich umfassend über den Ablauf der Lumbalpunktion, die Gründe für den Eingriff und mögliche Risiken und Komplikationen zu informieren, kann Ängste reduzieren.
- Kommunikation mit dem Arzt: Sprechen Sie offen mit Ihrem Arzt über Ihre Ängste und Sorgen. Er kann Ihnen den Eingriff erklären, Ihre Fragen beantworten und Ihnen versichern, dass er auf Ihre Bedürfnisse eingehen wird.
- Entspannungstechniken: Erlernen und Anwenden von Entspannungstechniken wie Atemübungen, Meditation oder progressiver Muskelentspannung kann helfen, Angst und Anspannung abzubauen.
- Ablenkung: Während des Eingriffs kann Ablenkung helfen, die Aufmerksamkeit von der Prozedur abzulenken. Hören Sie Musik, konzentrieren Sie sich auf Ihre Atmung oder führen Sie ein inneres Gespräch.
- Unterstützung: Nehmen Sie eine Vertrauensperson mit zum Eingriff, die Sie beruhigen und unterstützen kann.
- Medikamentöse Behandlung: In manchen Fällen kann der Arzt vor dem Eingriff ein Beruhigungsmittel verabreichen, um Angst und Panik zu reduzieren.
- Psychotherapie: Wenn Sie unter einer ausgeprägten Angststörung oder Panikstörung leiden, kann eine Psychotherapie helfen, Ihre Ängste langfristig zu bewältigen.
- Blutpflaster: Sollten trotz Vorsichtsmaßnahmen Symptome eines Liquorunterdrucks auftreten, ist es wichtig, diese ernst zu nehmen und umgehend einen Arzt zu informieren, bevor sie sich zu einem vollen Liquorunterdrucksyndrom entwickeln. Wird ein Leck festgestellt, kann es an der Punktionsstelle mithilfe von Eigenblut des Patienten verschlossen werden. Bei diesem Verfahren, das als "Blutpflaster" bezeichnet wird, nutzt man die Blutgerinnung zur Abdichtung - es ist in der Regel sehr wirksam.
Multiple Sklerose (MS) und Lumbalpunktion
Multiple Sklerose (MS) ist eine chronische Erkrankung des Zentralnervensystems, bei der das Immunsystem fälschlicherweise die Isolation und den Schutz um die Nervenzellen (Myelinscheide) im Gehirn, Rückenmark und Sehnerv angreift. Die Diagnose von MS ist komplex, da die Symptome variieren und viele andere Erkrankungen ähnliche Symptome aufweisen können. Die Lumbalpunktion spielt eine wichtige Rolle bei der Diagnose von MS. Bei 90% aller Patienten mit Multipler Sklerose wird ein hoher Immunglobulinspiegel in der Cerebrospinalflüssigkeit sowie das Vorhandensein oligoklonaler Banden beobachtet. Der Nachweis von sogenannten „oligoklonalen Banden“ (einer Gruppe von Antikörpern) im Liquor ist für die Diagnose von MS besonders bedeutsam.
Fazit
Obwohl eine Lumbalpunktion ein wertvolles diagnostisches Instrument ist, kann sie bei manchen Menschen Angst und Panikattacken auslösen. Durch Information, Kommunikation, Entspannungstechniken und gegebenenfalls medikamentöse oder psychotherapeutische Unterstützung können diese Ängste jedoch bewältigt werden. Es ist wichtig, die Symptome eines Liquorunterdrucksyndroms ernst zu nehmen und bei Bedarf umgehend einen Arzt zu informieren. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sind entscheidend, um die oft quälenden Symptome zu lindern und ernsthafte Komplikationen zu verhindern.
Wann braucht man ein MRT vom LWS?
Eine MRT der Lendenwirbelsäule ist generell immer dann sinnvoll, wenn anhaltende Schmerzen im unteren Rückenbereich bestehen, die sich durch herkömmliche Behandlungen nicht bessern. Gleiches gilt bei Warnzeichen („Red Flags“) wie starken Schmerzen, Taubheitsgefühlen oder Schwäche in den Beinen, die auf eine Nervenkompression hindeuten könnten. Mithilfe einer MRT-Untersuchung lassen sich schnell Bandscheibenvorfälle, Spinalkanalstenosen oder andere zugrunde liegende Probleme diagnostizieren. Auch bei Verdacht auf ein Liquorunterdrucksyndrom sollte frühzeitig eine MRT durchgeführt werden.
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Wie lange dauert ein Liquorunterdrucksyndrom?
Die Dauer des Liquorunterdrucksyndroms kann stark variieren. Die Beschwerden können einige Tage bis mehrere Wochen anhalten, je nachdem, wie schnell und wie viel Liquor austritt. In schweren oder chronischen Fällen können die Symptome sogar über Monate bestehen bleiben. Der Schlüssel zu einer schnellen Genesung liegt in einer frühen Diagnose und einer raschen Behandlung, die Bettruhe, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und gegebenenfalls das Blutpflasterverfahren umfasst.
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