Dekompressionsoperation bei Morton Neuralgie: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Die Dekompressionsoperation ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung der Morton Neuralgie, einer schmerzhaften Erkrankung, die durch die Kompression der Nerven zwischen den Mittelfußknochen verursacht wird. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Diagnose und verschiedene Behandlungsansätze, insbesondere die Dekompressionsoperation, um Patienten und Interessierte umfassend zu informieren.

Was ist Morton Neuralgie?

Die Morton Neuralgie, auch bekannt als Morton-Neurom, Morton-Metatarsalgie oder Chivini-Morton-Syndrom, ist eine schmerzhafte Erkrankung, die durch eine mechanische Überlastung der Nerven unter den Mittelfußköpfchen entsteht. Sie wird oft als Nervenkompressionssyndrom des Mittelfußnerven beschrieben, bei dem der Nerv bei einer Spreizfußfehlstellung bei jedem Schritt gegen ein Band an der Fußsohle gedrückt wird. Dieses Band, das Ligamentum metatarsale transversum profundum, verläuft quer zwischen den Mittelfußknochen und stützt das Fußgewölbe.

Historisch wurde die Erkrankung erstmals 1845 von L. Durlacher beschrieben und später nach Thomas George Morton (1835-1903) benannt, einem amerikanischen Chirurgen, der 1876 eine Metatarsalgie des 4. Metatarsalgelenks beschrieb.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen für die Entstehung der Morton Neuralgie sind noch nicht vollständig geklärt, aber es gibt mehrere Faktoren, die als begünstigend gelten:

  • Spreizfuß: Eine häufige Ursache ist die Spreizfuß-Erkrankung, bei der die Mittelfußknochen fächerförmig nach außen zeigen. Dadurch werden die Plantarnerven zwischen den Mittelfußköpfchen ständig mechanisch gereizt.
  • Enge Schuhe und hohe Absätze: Das Tragen von engen Schuhen oder Schuhen mit hohen Absätzen kann den Druck auf die Nerven erhöhen und zu einer Kompression führen.
  • Überlastung: Starke Belastung, wie sie beispielsweise bei Laufsportarten auftritt, kann ebenfalls zur Entstehung beitragen.
  • Bindegewebsschwäche: Eine generelle Bindegewebsschwäche kann die Entstehung eines Spreizfußes begünstigen und somit indirekt die Morton Neuralgie fördern.

Durch die ständige Reizung entzündet sich der Nerv, und die bindegewebige Hülle des Nerven schwillt an. Es kommt zu einer Vermehrung der bindegewebigen Anteile des Mittelfußnerven, was den Druck auf den Nerv weiter erhöht.

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Symptome

Die Symptome der Morton Neuralgie sind oft sehr charakteristisch und umfassen:

  • Schmerzen im Bereich der mittleren Zehenballen: Die Schmerzen werden oft als stechend, brennend oder elektrisierend beschrieben und können von heftiger Intensität sein.
  • Belastungsabhängige Schmerzen: Die Schmerzen treten hauptsächlich bei Belastung auf und werden durch das Tragen enger Schuhe oder Schuhe mit hohen Absätzen verstärkt.
  • Lokalisation: Der Schmerz ist meist im Interdigitalraum III/IV lokalisiert, kann aber auch in anderen Zehenzwischenräumen auftreten.
  • Ausstrahlung in die Zehen: Oft strahlen die Schmerzen in die benachbarten Zehen aus oder werden von einem Kribbeln begleitet.
  • Fremdkörpergefühl: Einige Patienten berichten über ein Fremdkörpergefühl unter dem Fuß, als würden sie auf einer Murmel oder Erbse laufen.
  • Besserung durch Ausziehen der Schuhe: Typischerweise bessern sich die Beschwerden, wenn die Schuhe ausgezogen oder weite Schuhe getragen werden.

Es ist wichtig zu beachten, dass Ruheschmerzen oder Anlaufschmerzen bei Beginn der Belastung eher ungewöhnlich sind und ein Ausschlusskriterium für ein Morton-Neurom darstellen können.

Diagnose

Die Diagnose der Morton Neuralgie basiert in erster Linie auf der klinischen Untersuchung und der Anamnese des Patienten. Folgende diagnostische Schritte werden in der Regel durchgeführt:

  • Anamnese: Der Arzt erfragt die genaue Beschreibung der Beschwerden, deren Lokalisation und Auslöser.
  • Klinische Untersuchung:
    • Inspektion: Es wird auf Hyperkeratose des Fußballens oder andere Auffälligkeiten geachtet.
    • Palpation: Durch laterale Kompression des Vorfußes kann der Schmerz verstärkt werden. Auch die Palpation des Intermetatarsalraumes kann Schmerzen oder ein elektrisierendes Gefühl auslösen.
    • Mulder-Zeichen: Durch Zusammendrücken der Mittelfußknochen kann ein hörbarer oder tastbarer Click ausgelöst werden.
  • Bildgebung:
    • Röntgen: Röntgenaufnahmen des Vorfußes unter Belastung dienen zum Ausschluss knöcherner Erkrankungen und zur Analyse der Spreizfußfehlstellung.
    • MRT: Eine MRT-Untersuchung des Vorfußes in Plantarflexion kann das Neurom darstellen, wobei ein normaler MRT-Befund eine Morton-Neuralgie nicht ausschließt. Die Größenbestimmung des Neuroms ist wichtig für die Wahl der Behandlungsmethode.
    • Neurosonographie: Eine Ultraschalluntersuchung kann ebenfalls zur Darstellung des Neuroms eingesetzt werden.
    • Neurographie: In unklaren Fällen kann eine Neurographie der sensiblen Fasern des N. Morton durchgeführt werden.
  • Diagnostische Infiltration: Die Injektion eines Lokalanästhetikums um den Nerv herum kann die Diagnose bestätigen, wenn die Schmerzen dadurch ausgeschaltet werden.

Konservative Behandlung

Im Frühstadium der Morton Neuralgie gibt es verschiedene konservative Therapieansätze, die eine Besserung der Symptome bewirken können. Ziel ist es, den Druck auf den Nerv zu verringern und die Entzündung zu reduzieren:

  • Einlagenversorgung: Speziell angepasste orthopädische Einlagen zur Unterstützung des Quergewölbes können den Druck auf die Plantarnerven verringern und so die Beschwerden lindern. Retrokapitale Pelottierung (Aufrichtung des Fußgewölbes) kann ebenfalls hilfreich sein.
  • Schuhwerk: Das Tragen von breiten und flachen Schuhen mit ausreichend Platz für die Zehen wird empfohlen.
  • Injektionen: Die Injektion eines Lokalanästhetikums in Kombination mit Cortison kann durch eine entzündungshemmende Wirkung eine längere Besserung bringen. Allerdings sollten Cortison-Infiltrationen aufgrund möglicher Nebenwirkungen nicht zu häufig durchgeführt werden. Alternativen zu Cortison sind Infiltrationen mit Alkohol, Botulinumtoxin oder Hyaluronsäure.
  • Physikalische Therapie: Kälte- und Elektrotherapie sowie Ultraschall können zur Schmerzlinderung und Entzündungshemmung eingesetzt werden. Auch krankengymnastische Maßnahmen können zur Linderung der Beschwerdesymptomatik beitragen.
  • Stoßwellentherapie: Die Stoßwellentherapie hat eine entzündungshemmende Wirkung und kann die Reizung um den betroffenen Nerv reduzieren.
  • Gewichtsreduktion: Bei Übergewicht kann eine Gewichtsreduktion helfen, den Druck auf den Fuß zu verringern.

Operative Behandlung: Dekompressionsoperation und Neurektomie

Wenn die konservativen Maßnahmen ausgeschöpft sind und keine ausreichende Besserung der Symptome erzielt werden kann, ist eine operative Behandlung in Betracht zu ziehen. Es gibt zwei Haupttypen von Operationen bei Morton Neuralgie:

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Nervendekompression

Die Nervendekompression (oder Neurolyse) zielt darauf ab, den Druck auf den Nerv zu verringern, ohne ihn zu entfernen. Dabei wird das Ligamentum intermetatarsale profundum, das den Nerv einengt, durchtrennt und gegebenenfalls der Nerv von der Wucherung befreit.

  • Offene oder endoskopische Durchführung: Der Eingriff kann entweder offen oder endoskopisch (minimalinvasiv) durchgeführt werden. Bei der endoskopischen Dekompression wird eine Kamera in den Intermetatarsalraum eingebracht, um das Ligamentum intermetatarsale zu durchtrennen.
  • Minimalinvasiver Eingriff von dorsal: Die Dekompressionsoperation kann als minimalinvasiver (endoskopischer) Eingriff von oben durchgeführt werden, wodurch keine Operationswunde an der Fußsohle entsteht.
  • Kombination mit Osteotomie: Die endoskopische Dekompression kann gut mit einer Umstellung der Metatarsalknochen (Osteotomie) kombiniert werden, um die Richtung der Mittelfußknochen zu korrigieren und den Druck auf den Nerv weiter zu reduzieren.
  • Hohe Erfolgsrate: Es wird über eine Besserung in ca. 80% der Fälle mit einer Komplikationsrate von 6% berichtet.

Neurektomie (Nervenentfernung)

Bei der Neurektomie wird der betroffene Nerv zusammen mit der benachbarten Wucherung entfernt. Dieser Eingriff wird in der Regel durchgeführt, wenn das Neurom bereits sehr groß ist oder die Dekompression nicht ausreichend Platz schaffen kann.

  • Zugang von dorsal oder plantar: Der Zugang kann entweder von der Fußsohle (plantar) oder vom Fußrücken (dorsal) erfolgen. Der Zugang von dorsal wird bevorzugt, da er mit einer geringeren Narbenbildung verbunden ist, während der plantare Zugang einfacher sein kann.
  • Hohe Erfolgsrate: Bei korrekter Indikation wird über eine Besserung der Symptome in bis zu 88% der Fälle berichtet, allerdings bei einer höheren Komplikationsrate von bis zu 25%.
  • Mögliche Nebenwirkungen: Nach der Operation kann es zu leichten Taubheitsgefühlen im Bereich der angrenzenden Zehen kommen, die aber im Alltag meist nicht einschränkend sind.

Wahl des Operationsverfahrens

Die Wahl des geeigneten Operationsverfahrens hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z.B.:

  • Größe des Neuroms: Nur bis zu einer maximalen Größe von 0,8 cm ist es in der Regel möglich, das Morton Neurom nervenerhaltend zu operieren.
  • Ausmaß der Beschwerden: Bei sehr starken Schmerzen und einem großen Neurom kann eine Neurektomie die bessere Option sein.
  • Vorliegen einer Spreizfußfehlstellung: In diesem Fall kann eine Kombination aus Dekompression und Osteotomie sinnvoll sein.
  • Individuelle Faktoren: Der Operateur berücksichtigt auch die individuellen Bedürfnisse und den Gesundheitszustand des Patienten.

Komplikationen

Wie bei jedem chirurgischen Eingriff können auch bei der Dekompressionsoperation oder Neurektomie bei Morton Neuralgie Komplikationen auftreten. Zu den möglichen Komplikationen gehören:

  • Allgemeine Komplikationen: Kleine Blutergüsse und Schwellungen klingen in der Regel spontan ab. Bei stärkerer Schwellung können Eispackungen helfen.
  • Infektionen: Die Entzündungshäufigkeit ist bei mikrochirurgischen Behandlungen sehr niedrig. Bei Anzeichen einer Infektion (Schwellung, pochende Schmerzen, Rötung, Eiter) muss sofort ein Arzt aufgesucht werden.
  • Nervenverletzungen: Es kann im Verlauf nach der Operation zu leichten Taubheitsgefühlen im Bereich der angrenzenden Zehen kommen, die allerdings im Alltag nicht einschränkend sind.
  • Rezidiv: In einem geringen Anteil der Fälle (ca. 4%) kann es Jahre nach der Entfernung des Morton Neuroms zu einer Rückkehr der Symptome kommen. Dies ist meist auf ein Neurinom zurückzuführen, bei dem die Nervenenden aus dem offenen Ende des amputierten Nervs desorganisiert weiterwachsen und sich zusammenklumpen.
  • Narbenbildung: Eine Narbenbildung im Mittelfuß kann ebenfalls zu erneuten Schmerzen führen, wenn das Narbengewebe auf den Nerv oder den Nervenstumpf drückt.

Nachbehandlung

Die Nachbehandlung nach einer Dekompressionsoperation oder Neurektomie ist wichtig, um den Heilungsprozess zu unterstützen und Komplikationen zu vermeiden:

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  • Verbandsschuh: Für etwa zwei Wochen sollte ein Verbandsschuh mit flacher und fester Sohle getragen werden.
  • Teilbelastung: In einigen Fällen kann eine Teilbelastung an Unterarmgehstützen für etwa eine Woche nach der Operation sinnvoll sein.
  • Thromboseprophylaxe: Bei Teilbelastung an Gehstützen ist eine entsprechende Thromboseprophylaxe wichtig.
  • Hochlagern des Fußes: Um Einblutungen und die Bildung eines Blutergusses (Hämatom) zu vermeiden, wird der operierte Fuß für einige Tage hochgelagert.
  • Fußgymnastik: Nach der Wundheilung kann mit Fußgymnastik begonnen werden, um die Muskulatur zu stärken und die Beweglichkeit wiederherzustellen.
  • Schuhwerk: Auch nach der Operation ist es wichtig, auf geeignetes Schuhwerk zu achten, das das Quergewölbe unterstützt und den Zehen genügend Raum lässt.

Was können Läufer mit Morton Neurom berücksichtigen?

Laufsportler mit Morton Neurom sollten von speziell ausgebildeten Physiotherapeuten betreut werden. Empfehlenswert ist die Umstellung des Vorfußlaufs auf Mittelfuß- und Rückfußlauf, um die Belastung im betroffenen Bereich zu reduzieren. Zudem ist ein fokussiertes Kraft- und Techniktraining sinnvoll.

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