Dementielles Syndrom und Demenz: Definitionen, Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Das dementielle Syndrom ist ein Oberbegriff für Demenz-Erkrankungen. Der Begriff wird oft gleichbedeutend mit Demenz verwendet und kennzeichnet einen allgemeinen intellektuellen Abbau. Es ist wichtig zu verstehen, dass Demenz keine eigenständige Krankheit ist, sondern ein Syndrom, also eine Kombination von Symptomen, die durch verschiedene Krankheiten hervorgerufen werden können.

Einführung in das Dementielle Syndrom und Demenz

"Weg vom Geist" respektive "ohne Geist" - so lautet die wörtliche Übersetzung des Begriffs „Demenz“ aus dem Lateinischen. Damit ist bereits das wesentliche Merkmal von Demenzerkrankungen beschrieben, nämlich die Verschlechterung der geistigen Fähigkeiten bis hin zum völligen Verlust.

Das dementielle Syndrom, auch chronisches hirnorganisches Psychosyndrom genannt, steht für einen allgemeinen intellektuellen Abbau. Dieser beginnt meist mit Gedächtnis- und Orientierungsstörungen sowie affektiven (emotionalen) Beeinträchtigungen. Im weiteren Verlauf kann sich die Persönlichkeit des Patienten deutlich verändern.

Symptome des Dementiellen Syndroms

Im Vorfeld des eigentlichen Dementiellen Syndroms kommt es häufig zu Symptomen, die sich kaum von denen einer Depression unterscheiden lassen (z. B. Verlust von Interesse und Antrieb, depressive Verstimmung). Im weiteren Verlauf kommt es zu kognitiven Störungen, die besonders das Kurzzeitgedächtnis betreffen und in ihrer Schwere zunehmend sind. Neben motorischen Störungen (z. B. Ataxie, Apraxie) zeigen sich außerdem auch Verhaltensstörungen wie Apathie oder aggressives Verhalten.

Stadien der Demenz

Der Verlauf einer Demenz ist individuell, folgt jedoch bestimmten Mustern:

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  1. Frühe Phase: Leichte Beeinträchtigungen des Denkens und Erinnerns, die im Alltag zunächst kaum einschränken.
  2. Mittlere Phase: Zunehmende Vergesslichkeit im Alltag, insbesondere was das Kurzzeitgedächtnis betrifft. Schwierigkeiten, neue Informationen zu behalten. Gespräche sind anstrengender, und es treten erste Probleme mit der Orientierung in Raum und Zeit auf.
  3. Späte Phase: Deutlich sichtbare Krankheit. Neben dem Kurzzeitgedächtnis ist nun auch das Langzeitgedächtnis beeinträchtigt. Orientierungsprobleme, auch in vertrauter Umgebung. Tiefgreifende Veränderungen im Verhalten und im Wesen.
  4. Endstadium: Vollständige Abhängigkeit von Pflege. Verlust der Sprache, keine sinnvolle Kommunikation mehr. Völlige Orientierungslosigkeit, Inkontinenz und Schluckstörungen.

Ursachen und Formen des Dementiellen Syndroms

Es können zwei Arten des Dementiellen Syndroms unterschieden werden: vaskuläre und degenerative Demenzen. Bei einer vaskulären Demenz liegt die Ursache in mehreren (kleineren) Infarkten oder Blutungen im Gehirn und dem dadurch bedingten Untergang von neuronalem Gewebe.

Innerhalb der primären Demenzen lassen sich Formen und Arten von Demenz nach dem Auslöser unterscheiden:

  • Neurodegenerative Demenz: Ausgelöst durch das Absterben von Nervenzellen im Gehirn.
  • Vaskuläre Demenz: Verursacht durch Durchblutungsstörungen im Gehirn.
  • Sekundäre Demenzen: Indirekt durch äußere Einflussfaktoren wie Medikamente, Alkoholmissbrauch oder schädliche Umwelteinflüsse ausgelöst.

Häufige Demenzformen

  • Alzheimer-Krankheit: Betrifft mehr als 60 Prozent aller Demenzerkrankten und ist damit die häufigste Form von Demenz. Kennzeichnend ist insbesondere der frühe Verlust des Kurzzeitgedächtnisses.
  • Frontotemporale Demenz (Morbus Pick): Führt zu einem Rückgang von Nervenzellen vor allem im Stirn- und Schläfenbereich. Verändert vor allem die Persönlichkeit und das soziale Verhalten der betroffenen Person und weniger das Erinnerungsvermögen.
  • Lewy-Körper-Demenz (Lewy-Body-Demenz): Typische Symptome sind optische Sinnestäuschungen (Halluzinationen) sowie motorische Störungen. Auch ein rascher Wechsel von Wachheit zu Müdigkeit im Tagesverlauf kommt häufig vor.
  • Parkinson-Demenz: Entwickelt sich bei circa 30 bis 40 Prozent der Betroffenen im Zusammenhang mit Parkinson.
  • Vaskuläre Demenz: Das Hirngewebe wurde durch Durchblutungsstörungen nachhaltig geschädigt. Typische Ursachen sind langwährender unbehandelter Bluthochdruck oder Schlaganfälle.

In der Theorie lassen sich die Demenzformen klar trennen, in der Praxis ist das jedoch nur selten der Fall. Die meisten Demenz-Patienten haben nämlich Mischformen von Demenz. Oft zum Beispiel eine neurodegenerative Form von Demenz und gleichzeitig eine vaskuläre Demenz.

Diagnose des Dementiellen Syndroms

Wenn Sie als Angehöriger den Verdacht haben, dass eine Person an einer Demenzform erkrankt sein könnte, sollten Sie mit Einfühlungsvermögen aber auch Nachdruck darauf bestehen, diesen Verdacht abzuklären. All diese Anzeichen können, müssen aber nicht auf eine kognitive Störung oder eine Demenz hindeuten.

Spezielle Demenz-Tests messen die geistige Leistungsfähigkeit einer Person und lassen erkennen, ob diese noch im Normalbereich liegt, oder Anzeichen für eine Einschränkung durch eine Demenz vorliegen. Den sogenannten MMST als PDF können Sie als Selbsttest nutzen, um einen ersten Verdacht zu prüfen. Bitte beachten Sie, dass dieser Selbsttest keine ärztliche Diagnose ersetzt.

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Liegt ein Anfangsverdacht für eine Demenz-Erkrankung vor, sollte der erste Gang zum Hausarzt, zu einer Gedächtnis-Sprechstunde oder einer Memory-Klinik führen. Eine frühe Diagnose von Demenz erleichtert den Umgang mit der Krankheit und bietet größere Chancen, das Fortschreiten der Krankheit aufzuhalten oder zu verlangsamen.

Am Anfang geht es darum, festzustellen, ob demenzielle Symptome vorliegen und wie stark diese ausgeprägt sind. Wichtige Bestandteile in dieser Phase der Diagnostik sind das Patientengespräch (Anamnese), die körperliche Untersuchung und nach Bedarf die Durchführung von Demenz-Tests.

Sind deutliche demenzielle Symptome vorhanden, muss der Arzt noch die Ursache der Symptome eindeutig klären. Zum Beispiel wird ein Arzt versuchen, Hinweise auf eine konkrete organische Ursache zu finden. Mit den Ergebnissen kann der Arzt außerdem bestimmen, um welche Demenzform es sich handelt und in welchem Stadium sich der Betroffene befindet.

Ablauf einer Demenz-Diagnose

  1. Eigenanamnese: Der Patient gibt Auskunft über seine Symptome und Schwierigkeiten mit der Alltagsbewältigung.
  2. Fremdanamnese: Angehörige oder enge Bezugspersonen berichten über ihre Beobachtungen.
  3. Körperliche, neurologische und psychiatrische Untersuchung.
  4. Blutuntersuchungen: Zum Ausschluss anderer möglicher Ursachen (z. B. Schilddrüsenstörungen, Vitaminmangel).
  5. Neuropsychologische Tests: Zur standardisierten Erfassung kognitiver Funktionen (Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Sprache, Planungsfähigkeit).
  6. Bildgebende Verfahren: Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) zur Erkennung struktureller Veränderungen im Gehirn.
  7. Liquoruntersuchung: In manchen Fällen zur Untersuchung des Nervenwassers auf Neurodegenerationsmarker.

Behandlung und Umgang mit Demenz

Alzheimer-Demenz, Frontotemporale Demenz, Lewy-Körper-Demenz, Parkinson-Demenz und Vaskuläre Demenz sind bis heute leider nicht heilbar. Dennoch ist die Behandlung von Demenz wichtig, weil sie die Lebensqualität der Betroffenen im weiteren Verlauf erheblich steigert. Je nach Demenzform, Stadium und individuellem Gesundheitszustand kommen unterschiedliche Medikamente und nicht-medikamentöse Therapien in Frage.

Die Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz ist eine echte Herausforderung. Zu Beginn der Erkrankung reicht oft ein wenig Unterstützung im Alltag aus, doch im weiteren Verlauf wird der Bedarf an Hilfe immer größer. Doch viele Menschen sind bereit, sich selbst so lange wie möglich um ihre Angehörigen zu kümmern, wenn diese an Demenz erkranken.

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Nicht-medikamentöse Behandlungsverfahren

  • Ergotherapie
  • Verhaltenstherapie
  • Musiktherapie
  • Physiotherapie
  • Beschäftigungstherapie

Tipps zum Umgang mit Demenz

  • Kommunikation mit Demenzerkrankten: Achten Sie auf einen würdevollen und wertschätzenden Umgang.
  • Demenzgerechte Raumgestaltung: Bauen Sie Barrieren ab und schaffen Sie hilfreiche Anhaltspunkte zur zeitlichen und räumlichen Orientierung.
  • Beschäftigung und Spiele: Regen Sie die geistige und körperliche Aktivität an und erzeugen Sie soziale Interaktion.
  • Entlastung für Angehörige: Suchen Sie sich Unterstützung, um sich selbst nicht zu überfordern.

Demenzdörfer

In Tönebön bei Hameln liegt Deutschlands erstes Demenzdorf: Hier leben Menschen mit Demenz in einer dörflichen Gemeinschaft, komplett mit Supermarkt, Café und individuell gestalteten Zimmern. Übernommen wurde die Idee, demenzerkrankte Menschen in einer dörflichen Gemeinschaft zu betreuen, aus den Niederlanden. Inzwischen gibt es weitere Demenzdörfer in Deutschland. Die Kosten für die Pflege und Unterbringung ähneln denen eines normalen Pflegeheims.

Leben mit Demenz und Inkontinenz

Im Laufe einer Demenzerkrankung kann eine Inkontinenz entstehen. Dabei verliert die demenzerkrankte Person unkontrolliert Harn (Harninkontinenz) oder Stuhl (Stuhlinkontinenz).

  • Helfen Sie Betroffenen beim Auskleiden, falls sie Schwierigkeiten haben, den Harn lange zu halten.
  • Wählen Sie individuell geeignetes Inkontinenzmaterial aus, das bequem sitzt und ausreichend Schutz bietet.
  • Dokumentieren Sie die Toilettengänge. Für die Harnentleerung gibt es spezielle Trink- und Miktionsprotokolle.

Lebenserwartung und Sterben mit Demenz

Demenz führt an sich nicht unbedingt zum Tod. Dennoch haben Menschen, die an Demenz erkranken, eine verkürzte Lebenserwartung. Das liegt zum einen daran, dass es den Betroffenen im späteren Verlauf der Krankheit immer schwerer fällt, auf ihre eigene Gesundheit zu achten, Frühwarnzeichen für Erkrankungen wahrzunehmen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Zum anderen schwächt eine fortgeschrittene Demenz das Immunsystem und bereitet der Vorgang des Kauens und Schluckens in diesem Stadium große Probleme (Schluckstörungen).

Um die Trauer und alle damit verbundenen Gefühle besser bewältigen können, helfen Gespräche mit Personen aus dem engsten Familien- und Freundeskreis. Binden Sie frühzeitig einen ambulanten Palliativdienst aus Ihrer Umgebung ein, um ein würdevolles Sterben zuhause ohne Schmerzen für den betroffenen Menschen zu sichern.

Prävalenz und Epidemiologie von Demenz

Im Jahr 2018 lebten in Deutschland geschätzt knapp 1,6 Millionen Menschen ≥ 65 Jahre mit Demenz - die meisten (mindestens zwei Drittel) von ihnen mit Alzheimer-Krankheit. Ohne Therapiedurchbruch könnte sich die Anzahl der Fälle im Jahr 2030 auf bis zu 1,9 Millionen und im Jahr 2050 auf bis zu 2,8 Millionen erhöhen.

Nach jüngsten epidemiologischen Studien gibt es weltweit mehr als 55 Millionen Demenzkranke; davon sind rund 48 Millionen über 65 Jahre. Die Anzahl der Patienten ab dem 65. Lebensjahr könnte sich 2030 auf rund 78 Millionen und 2050 auf rund 139 Millionen erhöhen.

Die Prävalenzraten steigen mit dem Alter steil an: Alle fünf Altersjahre verdoppelt sich die Krankenziffer. In der Altersgruppe der 65- bis 69-Jährigen sind etwas mehr als 1 Prozent betroffen, bei den über 90-Jährigen leiden bereits 40 Prozent an einer Demenz.

Risikofaktoren und Prävention

Obwohl eine Demenz auch in jungen Jahren auftreten kann, ist Demenz vor allem eine Alterserkrankung. Ab einem Alter von 65 Jahren steigt das Demenz-Risiko mit jedem weiteren Jahr deutlich an. Auffällig ist auch, dass Frauen häufiger betroffen sind als Männer.

Sehr wohl bekannt sind allerdings einige Risikofaktoren, die das persönliche Risiko für eine Demenzerkrankung drastisch erhöhen. Tatsächlich lässt sich einer Demenz in vielen Fällen vorbeugen. Studien zeigen, dass bis zu 45 Prozent aller Erkrankungen durch die gezielte Beeinflussung von 14 Risikofaktoren verhindert oder zumindest hinausgezögert werden könnten. Bewegung, gesunde Ernährung, soziale Kontakte und geistige Aktivität zählen dabei zu den wichtigsten Schutzfaktoren.

Risikofaktoren für Demenz

  • Hohes Lebensalter
  • Genetische Veranlagung
  • Bluthochdruck
  • Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
  • Herzrhythmusstörungen
  • Hoher Cholesterinspiegel
  • Depressionen
  • Schädelhirnverletzungen
  • Rauchen
  • Übermäßiger Alkoholkonsum
  • Übergewicht
  • Geringe geistige, soziale und körperliche Aktivität

Pseudodemenz

Als Pseudodemenz bezeichnen Mediziner Hirnleistungsstörungen, die vorübergehend auftreten und durch eine Denk- und Antriebshemmung vorgetäuscht werden.

Die depressive Pseudodemenz ist die häufigste Form von Pseudodemenz. Sie kann bei schwerer Depression auftreten. Die depressive Pseudodemenz ist oft nicht leicht zu unterscheiden von einer beginnenden Demenzerkrankung (wie Alzheimer) oder dem gemeinsamen Auftreten einer Demenzerkrankung und einer Depression. Oft können Ärzte erst nach langer und sorgfältiger Beobachtung des Patienten die richtige Diagnose stellen.

In der Regel verschwindet die depressive Pseudodemenz, wenn die Depression fachgerecht behandelt wird (mit Medikamenten und nicht-medikamentösen Maßnahmen).

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