Die Alzheimer-Krankheit, auch Morbus Alzheimer genannt, ist die häufigste Form der Demenz und betrifft vorwiegend Menschen über 65 Jahren. Sie wird dann als senile Alzheimer-Krankheit bezeichnet. In seltenen Fällen sind auch jüngere Menschen betroffen, dann spricht man von präsenilem Morbus Alzheimer. Die Krankheit schleicht sich ins Leben ein, beginnend mit leichten Gedächtnisproblemen und Orientierungsschwierigkeiten.
Was ist Demenz?
Der Begriff Demenz bezeichnet keine bestimmte Krankheit, sondern das gemeinsame Auftreten bestimmter Symptome, die unterschiedlichste Ursachen haben können. Insgesamt umfasst der Begriff mehr als 50 Krankheitsformen, wie die Alzheimer-Krankheit und die vaskuläre Demenz. Allen Demenzformen gemeinsam ist die anhaltende oder fortschreitende Beeinträchtigung des Gedächtnisses, des Denkens und/oder anderer Hirnleistungen. Oft kommen weitere Symptome, etwa im zwischenmenschlichen Verhalten, hinzu.
Ursachen der Alzheimer-Krankheit
Die genauen Ursachen der Alzheimer-Krankheit sind noch nicht vollständig erforscht. Es handelt sich um eine Erkrankung des zentralen Nervensystems, die durch spezifische Ablagerungen bestimmter Eiweiße, Amyloid- und Tau-Proteine, an und in den Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet ist. Diese Ablagerungen führen dazu, dass mit der Zeit immer mehr Nervenzellen absterben, was das Voranschreiten der Erkrankung verursacht.
Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen
Im Gehirn von Menschen mit Alzheimer lagern sich schädliche Proteine wie Amyloid-beta ab. Diese sogenannten Plaques bestehen aus fehlerhaft gefalteten Beta-Amyloid-(Aβ-)Peptiden. Zusammen mit den Plaques sind Neurofibrillen, die sich in Form von Knäueln in den Neuronen ablagern, kennzeichnend für die Erkrankung. Morbus Alzheimer gehört zu den Tauopathien, da sich bei dieser neurodegenerativen Erkrankung fehlerhafte Tau-Proteine aus dem Zellkörper heraus an die Axone anlagern und nicht mehr zurück in den Zellkörper können, was die Zellen bis zur Unfähigkeit hin einschränkt.
Genetische Faktoren
Die Alzheimer-Erkrankung scheint familiär gehäuft aufzutreten. Menschen mit einem oder einer Verwandten ersten Grades mit Morbus Alzheimer haben also selbst auch ein erhöhtes Risiko, eine Demenz zu entwickeln. Auch andere neurologische Erkrankungen bei nahen Verwandten hängen mit dem eigenen Risiko für die Entwicklung einer Demenz zusammen. Die seltene, genetische Alzheimer-Form betrifft nur etwa jeden 100.
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Auf genetischer Ebene wurde eine Variante im Gen für das ApoE identifiziert, die einen Risikofaktor für die Entwicklung einer Alzheimer-Erkrankung darstellt. Darüber hinaus wurden kausale Mutationen in drei verschiedenen Genen gefunden: Präsenilin-1 und -2 und Amyloid-Precursor-Protein (APP, Amyloid-Vorläuferprotein), die als Auslöser der seltenen früh auftretenden Unterform gelten.
Weitere Risikofaktoren
Neben dem unvermeidbaren Altern und genetischer Disposition gelten ein vorangegangenes Schädel-Hirn-Trauma, Stoffwechselerkrankungen (Insulinresistenz und Hyperinsulinämie, Diabetes und hohe Cholesterin-Werte) sowie Erkrankungen des kardiovaskulären Systems (Bluthochdruck und erlittene Schlaganfälle) als weitere Risikofaktoren.
Symptome der Alzheimer-Krankheit
Die ersten Symptome von Alzheimer-Demenz sind kleinere Vergesslichkeiten, die insbesondere das Kurzzeitgedächtnis betreffen. Betroffene können diese häufig, bewusst oder unbewusst, gut überspielen. Typisch für einen beginnenden Morbus Alzheimer sind auch Wortfindungsstörungen und Desorientiertheit. Vor allem zeitliche und örtliche Zusammenhänge können für Alzheimer-Patient:innen zu Beginn der Erkrankung durcheinandergeraten.
Frühe Phase
In dieser frühen Phase treten leichte Beeinträchtigungen des Denkens und Erinnerns auf, die im Alltag zunächst kaum einschränken. Menschen mit MCI nehmen Veränderungen manchmal selbst wahr, doch oft fallen sie zuerst Angehörigen auf.
Mittlere Phase
In diesem Stadium zeigt sich zunehmend Vergesslichkeit im Alltag, insbesondere was das Kurzzeitgedächtnis betrifft. Es wird schwieriger, neue Informationen zu behalten. Gespräche sind anstrengender - oft fehlen Worte oder der Gedanke geht verloren. Gegenstände wie Schlüssel oder Brille werden häufiger verlegt. Hinzu kommen erste Probleme mit der Orientierung in Raum und Zeit. Viele alltägliche Aufgaben - wie einkaufen, kochen oder die Wäsche machen - gelingen noch gut. Viele Menschen mit Demenz merken nun deutlich, dass etwas nicht stimmt. Aus Scham oder Unsicherheit versuchen sie, ihre Schwierigkeiten zu verstecken. Sie ziehen sich zurück und meiden ungewohnte Situationen. Auch die Stimmung kann sich verändern: Manche Menschen sind leichter reizbar, andere traurig oder verunsichert.
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Späte Phase
Jetzt wird die Krankheit deutlich sichtbar. Neben dem Kurzzeitgedächtnis ist nun auch das Langzeitgedächtnis beeinträchtigt. Viele Erinnerungen an das eigene Leben treten in den Hintergrund - zum Beispiel daran, welchen Beruf man ausgeübt hat oder ob man verheiratet war. Orientierungsprobleme, auch in vertrauter Umgebung, treten auf. Bekannte Gesichter werden nicht mehr erkannt. Es kommt zu tiefgreifenden Veränderungen im Verhalten und im Wesen. Viele Erkrankte spüren einen ausgeprägten Bewegungsdrang und starke Unruhe. Die Orientierungslosigkeit und Hilflosigkeit der Betroffenen schlägt oft in Misstrauen, Reizbarkeit, Nervosität und aggressive Ausbrüche um. Der Tag-Nacht-Rhythmus gerät aus dem Gleichgewicht, was zu Schlafstörungen führen kann. In diesem Stadium ist eine selbstständige Lebensführung nicht mehr möglich.
Endstadium
Im Endstadium sind die Erkrankten vollständig auf Pflege angewiesen. Typische Veränderungen sind:
- Verlust der Sprache - nur noch einzelne Wörter oder Laute, keine sinnvolle Kommunikation mehr
- Selbst engste Familienmitglieder werden nicht mehr erkannt
- Völlige Orientierungslosigkeit, leben nur noch im unmittelbaren Moment
- Inkontinenz - Kontrolle über Blase und Darm gehen verloren
- Schluckstörungen, die die Nahrungsaufnahme erschweren
Im Endstadium haben Menschen mit Demenz ein zunehmend geschwächtes Immunsystem und werden anfälliger für Infektionen.
Diagnose der Alzheimer-Krankheit
Die schleichend beginnende Alzheimer-Krankheit ist für Laien sehr schwer vom normalen Alterungsprozess zu unterscheiden. Deshalb sollten Sie, wenn Sie oder ein:e Angehörige:r in Sorge sind, eine Alzheimer-Demenz zu entwickeln, immer bei Ihrem Hausarzt oder Ihrer Hausärztin Rat holen.
Die Diagnose von Alzheimer-Demenz erfolgt mit bestimmten Tests, die einfach durchzuführen sind und eine erste Einschätzung des Betroffenen ermöglichen. Ein entscheidender Nachteil ist, dass diese Tests einzeln ausgewertet insbesondere bei beginnenden Alzheimer Symptomen nicht sehr aussagekräftig sind. Deshalb werden oft mehrere Tests durchgeführt.
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Wenn der Verdacht auf eine Alzheimer sich erhärtet, folgen weitere diagnostische Maßnahmen, die meist von einem Neurologen oder einer Neurologin oder Psychiater:in durchgeführt werden. In der Bildgebung des Gehirns mittels Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) kann eine Verkleinerung der Gehirnsubstanz dargestellt werden. Außerdem wird mit einer sogenannten Liquorpunktion aus dem Rücken Gehirnwasser entnommen, um die Diagnose zu sichern.
Behandlung der Alzheimer-Krankheit
Noch gibt es keine Heilung für Alzheimer. Da die Schädigung des Gehirns nicht rückgängig gemacht werden kann, sind diese Demenzen nicht heilbar. Die Therapie bei Alzheimer-Demenz besteht aus mehreren Säulen.
Medikamentöse Therapie
Steht die Form der Demenz fest, können die Symptome mit Antidementiva behandelt werden. Dabei handelt es sich um sogenannte Acetylcholinesterase-Hemmer und Memantin. Diese können die Symptome lindern und dazu beitragen, die Hirnleistung länger aufrechtzuerhalten sowie das Fortschreiten der Erkrankung verzögern. An Medikamenten, welche den Krankheitsverlauf verändern oder die Demenz sogar heilen können, wird intensiv geforscht. Geht die Demenz auch mit neuropsychologischen Symptomen, wie Angstzuständen oder Unruhe einher, können weitere Präparate wie Antidepressiva und Antipsychotika zum Einsatz kommen. Pflanzliche Ginkgo biloba-Präparate aus der Apotheke können die Behandlung ebenfalls unterstützen. Der Extrakt des Ginkgo biloba-Baumes verbessert die Durchblutung im Gehirn, sodass die Gehirnzellen besser mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden. Im Rahmen des dementiellen Syndroms lassen sich so Gedächtnis und Konzentration steigern.
Nicht-medikamentöse Therapie
In allen Stadien wird körperliche Aktivität empfohlen, solange keine anderen Erkrankungen dagegensprechen. Leichte körperliche Anstrengung scheint die Lebenserwartung bei Alzheimer zu verbessern und das Fortschreiten des Gedächtnisverlustes zu verlangsamen. Außerdem können Ergotherapie zur Verbesserung der alltäglichen Fähigkeiten sowie spielerisches Trainieren des Wortschatzes und der Merkfähigkeit schon in frühen Stadien zur Verbesserung der Gehirnleistung beitragen. Neuere Forschungsergebnisse zeigen, dass eine gesunde Ernährung in Form mediterraner Kost bei Alzheimer-Krankheit zur Verlangsamung des Gedächtnisverlustes beiträgt.
Eine Ergotherapie trainiert alltägliche Fertigkeiten und kann so dabei helfen, im Alltag möglichst lange selbstständig zu bleiben. Je nach den individuellen Bedürfnissen der Betroffenen kann sie aus unterschiedlichen Einzelmaßnahmen bestehen. Diese können z. B. Bewegungsabläufe oder auch Alltagstätigkeiten vom Einkaufen bis hin zum Anziehen oder Essen trainieren. Eine Demenzerkrankung bedeutet große Veränderungen für den Betroffenen. Eine Verhaltenstherapie hat zum Ziel, einen guten Umgang mit der Demenz im Alltag zu finden. Im Rahmen der Musiktherapie werden entweder Musikstücke gehört oder es wird selbst musiziert oder gesungen. Das Hören bekannter Musikstücke kann Erinnerungen wecken und gemeinsam zu musizieren, macht einfach Freude und verbessert die Lebensqualität. Um gezielt die Konzentration zu verbessern, können Methoden wie Yoga, Achtsamkeit oder Autogenes Training hilfreich sein.
Tipps für ein gesundes Gehirn
- Das Gehirn aktiv zu halten, kann ebenfalls dazu beitragen, einer Demenzerkrankung vorzubeugen, sei es durch das Ausprobieren von Neuem oder regelmäßigem Gedächtnistraining.
- Zudem ist es ratsam, Risikofaktoren, welche sich negativ auf das Gehirn auswirken können, nach Möglichkeit zu vermeiden: z. B. Rauchen oder Übergewicht.
- Gespräche mit Ärztinnen und Ärzten, der Austausch mit anderen Betroffenen und vielfältige Informationsangebote - in Deutschland gibt es zahlreiche Möglichkeiten, die Menschen mit Gedächtnisproblemen in Anspruch nehmen können.
- Viele Kliniken bieten Gedächtnissprechstunden an, in denen die Symptome genauer untersucht und diagnostiziert werden können.
- Selbsthilfegruppen und Patientenorganisationen wie die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. Selbsthilfe Demenz (DAlzG) können Unterstützung bieten und begleiten.
Leben mit Alzheimer
Das Leben mit Alzheimer ist nicht nur für Betroffene schwierig. Auch nahe Angehörige und pflegende Personen müssen den Umgang mit Demenz erst lernen. Für Angehörige von Alzheimer-Erkrankten gibt es verschiedene Schulungen mit unterschiedlichen Zielen. Zum einen ist es wichtig, die Pflege des Alzheimer-Patienten oder der Alzheimer-Patientin zu optimieren, die körperliche und psychische Aspekte beinhaltet. Dazu gehören beispielsweise eine regelmäßige Körperhygiene, abwechslungsreiche Ernährung und Bewegung, aber auch das Üben von Alltagskompetenzen, Beschäftigung und Gehirntraining. In fortgeschrittenen Erkrankungsstadien steht eher eine intensive körperliche Pflege im Vordergrund, da Betroffene die Selbstständigkeit verlieren und bettlägerig werden können. Viele Schulungen thematisieren heutzutage neben patientenorientierten Maßnahmen auch die psychische Gesundheit der pflegenden Angehörigen.
Prävention von Alzheimer
Studien zeigen: Ein gesunder Lebensstil mit Bewegung, geistiger Aktivität, sozialem Austausch und gesunder Ernährung kann das Risiko senken, an Alzheimer zu erkranken.