Im Alter können verschiedene kognitive Beeinträchtigungen auftreten, die oft schwer voneinander zu unterscheiden sind. Demenz, Delir und Depression sind drei solcher Zustände, die ähnliche Symptome aufweisen können, aber unterschiedliche Ursachen, Verläufe und Behandlungen erfordern. Eine korrekte Diagnose ist entscheidend, um den Betroffenen die bestmögliche Versorgung zu gewährleisten. Dieser Artikel beleuchtet die Unterschiede zwischen diesen drei Erkrankungen, ihre jeweiligen Symptome und die diagnostischen Verfahren, die zur Unterscheidung eingesetzt werden.
Einführung in die Thematik
Im Rahmen eines praxisorientierten Projekts haben Studierende des Fachbereichs Medien der Hochschule Düsseldorf sich intensiv mit dem Krankheitsbild Delir auseinandergesetzt. Hospitationen auf der Palliativstation des Marien Hospital und die Zusammenarbeit mit dem Therapeutischen Begleitteam ermöglichten es, ein umfassendes Verständnis für Delir und den Pflegealltag zu erlangen. Das Fundament dieses Projekts bilden wissenschaftliche und evidenzbasierte Quellen, wie aktuelle Fachpublikationen und etablierte Leitlinien zum Thema Delir. Alle Materialien wurden im engen Austausch mit Pflegenden und Expert:innen entwickelt, um sicherzustellen, dass die Inhalte fachlich korrekt und praxisnah sind.
Die Arbeitsergebnisse umfassen eine Reihe von Informationsmaterialien, die sowohl online als auch offline zur Verfügung stehen. Ein weiteres Highlight ist ein geplanter VR-Day im Rahmen des Welt-Alzheimertages am 20.09.2024, der allen aus der Pflege und Interessierten die Möglichkeit bietet, die Welt aus der Perspektive eines Menschen mit Delir zu erleben.
Was ist ein Delir?
Als Delir wird eine akute, vorübergehende, meist reversible fluktuierende Störung der Aufmerksamkeit, der Kognition und des Bewusstseinsniveaus bezeichnet. Die Ursachen umfassen fast jede Krankheit oder Arzneimittelwirkung. Die Diagnose wird klinisch gestellt, Labortests und üblicherweise Bildgebungsverfahren dienen der Ursachenklärung.
Symptome eines Delirs
Die Symptome eines Delirs umfassen akute Verwirrtheit, Desorientierung, Halluzinationen, Wahnvorstellungen und verändertes Bewusstsein. Betroffene können auch motorische Unruhe oder im Gegensatz dazu ungewöhnliche Schläfrigkeit zeigen. Diese Symptome können innerhalb kurzer Zeit stark schwanken.
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Dauer und Reversibilität
Ein Delir kann von wenigen Stunden bis zu mehreren Monaten andauern. Die Dauer hängt von der Schwere der zugrunde liegenden Ursache und der Schnelligkeit der medizinischen und pflegerischen Intervention ab. In einigen Fällen kann ein längeres Delir auf schwerwiegendere gesundheitliche Probleme hinweisen. Ein Delir ist oft reversibel, insbesondere wenn die zugrunde liegende Ursache schnell identifiziert und behandelt wird. Die Behandlung der Auslöser, wie zum Beispiel Infektionen oder Dehydrierung, kann zu einer vollständigen Genesung führen.
Diagnose eines Delirs
Klassisch für jede Krankheit mit kognitiven Einschränkungen ist die Untersuchung des psychologischen Status der Patient:innen. Diese werden zunächst mittels einfacher Aufgaben (Nachsprechen, Zahlen vorwärts oder rückwärts wiedergeben, etc.) auf ihre Aufmerksamkeit überprüft. Laut dem Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, 5th Edition (DSM-5) muss eine Störung der Aufmerksamkeit und eine kurzfristige Entwicklung oder Schwankung dieser vorliegen. Der zugrundeliegenden CAM (Confusion Assessment Method) muss des Weiteren eine Denkstörung oder Bewusstseinsveränderungen vorliegen, damit ein Delir vorliegen kann.
Bei der Anamnese werden Patient:innen und deren Angehörige befragt, um festzustellen, ob die psychischen Veränderungen nicht im Zusammenhang mit einer Demenz, sondern durch das Delir auftreten. Sollten Symptome wie Aufmerksamkeitsmangel oder Schlaf- und Appetitstörungen aufgetreten sein, soll hier auch eine mögliche Depression ausgeschlossen werden (durch z.B. eine Hamilton Depressionsskala). Zudem sollen mögliche psychische Störungen ausgeschlossen werden. Bei der Anamnese werden Skalen eingesetzt, die das Verhalten der Patient:innen während der Tests bzw. dem Screening bewertet, um so eine Aussage über ein mögliches Delir machen zu können. Eine diese Skalen ist die DOS(Delirium Observation Scale). Alternativ wird oft die Nursing Delirium Screening Scale (Nu-DESC) verwendet. Da beide Methoden nur wenige Minuten zur Durchführung benötigen, lassen sie sich einfach in den Alltag der Pflege einbinden. Außerdem wird bei der Anamnese der Gebrauch von Alkohol, Freizeitdrogen und Arzneimitteln erfasst, um Missbrauch oder eine etwaige Überdosierung festzustellen.
Um auszuschließen, dass andere Erkrankungen oder Auslöser der Verwirrtheit vorliegen, werden Patient:innen auf mögliche körperliche Merkmale wie Verletzungen oder Infektionen untersucht. Solche können z.B. Verletzungen an Kopf oder Nacken oder mögliche Erkrankungen des zentralen Nervensystems sein. Weitere Testverfahren werden eingesetzt, um messbare Krankheiten festzustellen. Sollte danach die Diagnose noch unklar sein, werden Tests wie eine Liquoranalyse (zum Ausschluss einer Meningitis oder Enzephalitis) oder ein EEG durchgeführt.
Umgang mit Patienten mit Delir
Die Art und Weise, wie Sie mit den Patient:innen kommunizieren, hat großen Einfluss auf deren Wohlbefinden und Genesung. Geben Sie den Patient:innen das Gefühl, wertvolle und gleichwertige Gesprächspartner zu sein. Nehmen Sie die Ängste der Patient:innen ernst. Delir kann Halluzinationen verursachen. Wenn der/die Patient:in sich mit seinen/ihren Ängsten alleine gelassen fühlt, kann dies seinen/ihren Zustand verschlechtern. Seien Sie sich zudem bewusst, dass Delir zu verschiedenen Tageszeiten mit verschiedenen Symptomen und Stärken auftreten. Trotz Stress im Arbeitsalltag lohnt es sich, Gespräche mit den Patient:innen mit Delir zu führen, auch wenn diese nicht immer wirken, als würde sie nicht viel erreichen. Es ist wichtig auch bei Stress und Verwirrung des Patient:innen geduldig zu bleiben.
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Ein ruhiges und angenehmes Umfeld trägt wesentlich zur Genesung bei. Platzieren Sie persönliche Gegenstände wie Familienfotos oder Andenken im Zimmer der Patient:innen. Diese Erinnerungen an zu Hause können Trost spenden und helfen, Klarheit und Orientierung zu gewinnen. Stellen Sie sicher, dass die Patient:innen Zugang zu gut sichtbaren Uhren und Kalendern haben. Dies unterstützt sie dabei, ihren Tagesrhythmus zu behalten.
Versuchen Sie, den Patient:innen einen geregelten Alltag für ermöglichen. Neben dem Essen können auch Aktivitäten zu geregelten Uhrzeiten dazu beitragen, den Tagesrhythmus der Patient:innen aufrecht zu erhalten, an dem diese ihre (zeitliche) Orientierung aufrecht erhalten können. Versuchen Sie außerdem, längere Bettphasen tagsüber zu vermeiden. Keine Bewegungsübungen oder -spiele können hier schon eine große Wirkung zeigen! Das beinhaltet z.B. eine klare Tagesstruktur.
Beim Betreuen der Patient:innen darf deren Mobilität nicht vernachlässigt werden. Dazu helfen schon kleine Spaziergänge oder Bewegungsübungen, aber auch Physio- und Ergotherapien wirken hier. Motivieren Sie ihre Angehörigen dazu, sich nicht vor der Teilnahme an solchen Aktivitäten zu scheuen. Zudem ist es wichtig, dass die Patient:innen das Leben nicht "verlernen". Durchgehende Übung von autonomen Aktivitäten wie Essen oder Trinken sollten Teil des geregelten Tagesablaufs sein.
Im Sinne der Patient:innen sollte ein möglichst ruhiges Umfeld geschaffen werden. Laute und störende Geräusche (wie z.B. Alarme/Wecker oder Fernseher) sollten möglichst vermieden werden, da diese als störend oder erschreckend wahrgenommen werden können. Auch Nebengespräche können von den Patient:innen negativ aufgefasst werden. Um ein lautes Umfeld zu vermeiden, gibt es einige simple, aber wirkungsvolle Methoden. So machen beispielsweise der Einsatz von Türstoppern einen großen Unterschied für die Patient:innen.
Das Ziel ist es, die Patient:innen langsam wieder in ihre gewohnte Umgebung und Alltag zurück zu führen. Dazu können Gegenstände verwendet werden, die die Patient:innen an ihren gewohnten Alltag erinnern sollen. Das können zum Beispiel Bilder von Familie, Freunden oder von zu Hause sein. Alternativ können aber auch Gegenstände eigesetzt werden, die für die Patient:innen einen größeren emotionalen Wert darstellen (Andenken, Kuscheltiere etc.). Der Einsatz von Uhren, Kalendern und auch der Tageszeiten sollen der Patient:innen dabei helfen, ihren Tagesrhythmus nicht zu verlieren. Zudem sollte darauf geachtet werden, Bettlägerigkeit zu vermeiden. Es sollten längere Bettphasen (tagsüber) vermieden werden. Häufiges Aufstehen, Übungen oder längere Bewegungen wie Spaziergänge helfen bei der Aufrechterhaltung der Mobilität der Patient:innen.
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Was ist Demenz?
Die Demenz betrifft vor allem das Gedächtnis und kognitive Funktionen und wird durch anatomische Veränderungen im Gehirn ausgelöst. Eine Demenz schreitet meist langsam voran und ist irreversibel. Das Auftreten einer der beiden Krankheiten schließt die andere allerdings nicht aus. Als DSD ("delir superimposed on dementia", demenzüberlagerndes Delir) bezeichnet man ein bei Demenzpatient:innen auftretendes Delir. Laut MSD tritt dies bei bis zu 49% der Patient:innen auf.
Symptome der Demenz
Im Verlauf der Erkrankung verlieren Betroffene ihre kognitiven Fähigkeiten, und auch die emotionalen und sozialen Fähigkeiten lassen langsam nach. Typische Anzeichen einer Demenz-Erkrankung können sein:
- Gedächtnislücken
- Probleme mit gewohnten Tätigkeiten
- Räumliche und zeitliche Orientierungsprobleme
- Schwierigkeiten beim Planen
- Verlegen von Gegenständen
- Sprach- und Schreibschwäche
- Wahrnehmungsstörungen
- Eingeschränktes Urteilsvermögen
- Verlust von Eigeninitiative und sozialer Rückzug sowie
- Persönlichkeitsveränderungen.
Diagnose der Demenz
Da die Anzeichen oft schwer einzuordnen sind, kann es eine gewisse Zeit dauern, bis Ärzte eine finale Diagnose stellen. Umso wichtiger ist es, dass bereits beim ersten Auftreten der Beschwerden ärztlicher Rat eingeholt wird. Um typische Anzeichen einer Demenz von klassischen Alterserscheinungen zu unterscheiden, benennt die Alzheimer Forschung Initiative e. V. zehn typische Warnsignale zur Differenzierung.
Umgang mit Demenz
Nicht hinter jedem auffälligen Verhalten steht eine "Demenz". Auch ein Delir, eine Depression oder ein wahnhafter Schub können ähnliche Symptome auslösen. Der Unterschied: Für den Behandlungsverlauf ist es extrem wichtig, Demenz, Delir, Depression und auch Wahn voneinander unterscheiden zu können.
Was ist eine Depression?
Viele der bereits gennanten Symptome können auch im Zusammenhang mit einer Depression auftreten. Diese tritt zwar auch kurzfristig auf und ist reversibel, zeigt aber dennoch Verhaltensmuster auf, die eine Depression von Demenz und Delir unterscheiden. Deshalb wird beim Screening oft die geriatrische Depressionsskala (GDS) verwendet. Mit 15, für Depressionen typische, Ja-Nein-Fragen soll ausgeschlossen (oder festgestellt) werden, ob eine Depression infrage kommt. Nichtsdestotrotz gilt auch hier: So schnell wie möglich an Hilfe wenden, da der Genesungsprozess so schneller voran getrieben werden kann.
Diagnose der Depression
Sollten Symptome wie Aufmerksamkeitsmangel oder Schlaf- und Appetitstörungen aufgetreten sein, soll hier auch eine mögliche Depression ausgeschlossen werden (durch z.B. eine Hamilton Depressionsskala).
Unterschiede im Überblick
Dem MSD nach unterscheiden sich beide Krankheiten wie folgt:
- Das Delir/Delirium betrifft hauptsächlich die Aufmerksamkeit und das Bewusstsein und wird in der Regel durch eine akute Krankheit oder Medikamentenvergiftung ausgelöst. Ein Delir tritt häufig plötzlich auf, ist aber reversibel
- Die Demenz betrifft vor allem das Gedächtnis und kognitive Funktionen und wird durch anatomische Veränderungen im Gehirn ausgelöst. Eine Demenz schreitet meist langsam voran und ist irreversibel.
Im Folgenden werden weitere Unterschiede zwischen Demenz und Delir aufgelistet:
| Merkmal | Demenz | Delir |
|---|---|---|
| Anfangspunkt | Langsam, undefiniert | Plötzlich, klar |
| Ursache | Chronische Erkrankung des Gehirns | Andere Störung oder Infektion, aber auch Folgen durch z.B. Operationen |
| Dauer | Bis zu mehreren Monaten, allerdings auch länger möglich | Bis zu mehreren Monaten, allerdings auch länger möglich |
| Verlauf | Irreversible, langsam fortschreitend | Im Normalfall reversibel |
| Beeinträchtigung | Erst bei schwerer(er) Demenz beeinträchtigt | Beeinträchtigung variabel, von Beginn an stark beeinträchtigt |
| Sprache | Wortfindungsstörungen | Langsam und inkohärent |
| Behandlungseffekt | Verlangsamt den Verlauf | Beschleunigt den Genesungsprozess |
| Dringlichkeit eines Arztes | Empfehlenswert, da der Fortschritt der Krankheit verlangsamt wird |
Psychotische Störungen im Alter
Psychotische Störungen im höheren Lebensalter können das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen tiefgreifend verändern. Oft sind sie begleitet von Wahnvorstellungen und Halluzinationen und treten häufig im Zusammenhang mit Erkrankungen wie Demenz, Depression oder Schizophrenie auf. Deshalb stellen psychotische Störungen im höheren Lebensalter eine besondere Herausforderung für Diagnostik und Behandlung dar.
Ursachen psychotischer Störungen im Alter
- Demenz: Insbesondere die Alzheimer-Krankheit und die Lewy-Körper-Demenz können mit psychotischen Erscheinungen einhergehen.
- Psychotische Depression: Eine schwere depressive Episode, die mit Wahnvorstellungen einhergeht.
- Schizophrenie: Kann sich im Alter erstmals zeigen oder als zurückgebliebene Symptomatik aus jüngeren Jahren vorkommen.
- Organische Erkrankungen: Hirntumore, Schlaganfälle oder Infektionen können psychotische Symptome wie Halluzinationen und Wahnvorstellungen hervorrufen.
Symptome psychotischer Störungen im Alter
- Wahnvorstellungen: Oft in Form von Verfolgungswahn, Verarmungswahn oder dem Glauben, betrogen oder vergiftet zu werden.
- Halluzinationen: Insbesondere visuelle Halluzinationen bei Demenzen wie der Lewy-Körper-Demenz.
- Stimmungskongruente Symptome: Bei psychotischen Depressionen zeigen sich oft Schuldwahn oder ablehnende Gedanken.
- Kognitive Einschränkungen: Gedächtnisverlust, Orientierungslosigkeit und Schwierigkeiten bei der Alltagsbewältigung, besonders bei Demenzen.
- Unruhe, Reizbarkeit oder aggressives Verhalten: Häufig bei Demenzen oder im Rahmen eines Delirs.
- Verlust des Realitätsbezugs: Betroffene können ihre Wahrnehmungen und Überzeugungen nicht hinterfragen.
Diagnostik psychotischer Störungen im Alter
Die Diagnostik erfordert eine umfassende und sorgfältige Untersuchung, da die Symptome vielfältig und unspezifisch sind. Ein zentraler Bestandteil ist die ausführliche Anamnese, ergänzt durch körperliche Untersuchungen und gezielte Tests, um organische Ursachen auszuschließen. Bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomografie (MRT) können helfen, strukturelle Veränderungen im Gehirn sichtbar zu machen.
Therapiemöglichkeiten bei psychotischen Störungen im Alter
Die Behandlung erfordert einen ganzheitlichen Ansatz, der sowohl die psychischen als auch die körperlichen und sozialen Bedürfnisse der Patient:innen berücksichtigt. Eine zentrale Rolle spielt die psychosoziale Betreuung, die auf die individuellen Bedürfnisse der Patient:innen abgestimmt ist. Verhaltenstherapeutische Maßnahmen helfen den Betroffenen, besser mit ihren psychotischen Symptomen umzugehen. Die Gestaltung eines förderlichen Umfelds ist ein wesentlicher Bestandteil der Behandlung. Neben den psychosozialen und therapeutischen Maßnahmen ist eine gründliche medizinische Betreuung unerlässlich.
Prävention psychotischer Störungen im Alter
Psychotische Störungen im Alter können durch gezielte Maßnahmen und eine bewusste Lebensführung teilweise vermieden oder deren Risiko zumindest reduziert werden. Die Prävention setzt dabei auf körperliche Gesundheit, soziale Integration und eine aktive Auseinandersetzung mit den individuellen Lebensumständen. Regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Flüssigkeitszufuhr und der Erhalt sozialer Kontakte spielen eine zentrale Rolle. Chronischer Stress sollte vermieden und Entspannungstechniken angewendet werden. Regelmäßiges Fordern des Gehirns durch Lesen, Kreuzworträtsel oder das Erlernen neuer Fähigkeiten kann die kognitiven Fähigkeiten stärken und das Risiko für Demenzen und psychotische Symptome verringern. Vorsorgeuntersuchungen sind ein wichtiger Bestandteil der Prävention.
Pseudodemenz
Bei einer Pseudodemenz treten vergleichbare Symptome auf wie bei einer Demenz-Erkrankung, jedoch handelt es sich dabei um keine neurodegenerative Erkrankung. Vielmehr steckt eine Hirnleistungsstörung dahinter, die plötzlich und vorübergehend auftritt. Der Verlust der kognitiven Fähigkeiten wird durch eine andere organische oder psychische Störung ausgelöst. Beispielsweise können Erkrankungen wie Depressionen, Delir (Verwirrtheitszustand), artifizielle Störung (Verhaltensstörungen) oder das Ganser-Syndrom (seltenes psychiatrisches Störungsbild, gekennzeichnet durch unstimmige/falsche Antworten auf einfache Fragen oder unpassende Handlungsabläufe) die für eine Demenz typischen Symptome verursachen. Daher wird eine Pseudodemenz häufig fehldiagnostiziert.
Während bei einer Pseudodemenz das Gehirn also übergangsweise blockiert wird, wird es bei einer Demenz-Erkrankung irreversibel geschädigt. So kommt es bei der häufigsten Form der Demenz - der Alzheimer-Erkrankung - durch Eiweißablagerungen (sogenannte Amyloid-Plaques) zu einem Abbau an Nervenzellen im Gehirn. Hingegen werden bei einer vaskulären Demenz die Nervenzellen durch eine Durchblutungsstörung im Gehirn geschädigt. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist, dass eine Pseudodemenz plötzlich und vorübergehend auftritt, während eine Demenz-Erkrankung meist langsam, über mehrere Jahre hinweg, fortschreitet.
Eine Pseudodemenz ist behandelbar und im Gegensatz zu den meisten Demenzformen auch heilbar. Mithilfe von kognitiven und neurologischen Tests können Ärzte die Ursache für die Symptome herausfinden. Wurde eine Demenz-Erkrankung diagnostisch ausgeschlossen, erfolgt eine Therapie entsprechend der zugrundeliegenden Krankheit, z. B. bei einer Depression mit Antidepressiva. In den meisten Fällen lassen die Beschwerden einer Pseudodemenz nach erfolgreicher Behandlung der Primärerkrankung nach.
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