Die Demenzdiagnostik umfasst verschiedene Testverfahren, die darauf abzielen, kognitive Beeinträchtigungen frühzeitig zu erkennen und von anderen Erkrankungen abzugrenzen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die gängigen Testverfahren, ihre Anwendungsbereiche und ihre Bedeutung für die Früherkennung und Behandlung von Demenz.
Die Rolle des Hausarztes in der Demenzdiagnostik
Der erste Ansprechpartner bei Verdacht auf Demenz ist in der Regel der Hausarzt. Ein sensibilisierter Hausarzt kann erste Untersuchungen durchführen und bei Bedarf an Spezialisten überweisen. Wenn die Symptome leicht sind und im Alltag kaum auffallen, sind ausführlichere Untersuchungen erforderlich, um eine genaue Diagnose zu stellen.
Neuropsychologische Testung
Die neuropsychologische Testung ist ein wichtiger Bestandteil der Demenzdiagnostik. Hierbei werden verschiedene kognitive Funktionen wie Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Sprache und andere höhere Hirnfunktionen untersucht. Diese Tests können mit Stift und Papier oder am Computer durchgeführt werden.
Kurztests zur ersten Einschätzung
Einfachere Untersuchungen umfassen Kurztests, bei denen beispielsweise drei Wörter vorgegeben werden (z. B. "Auto, Blume, Kerze"). Anschließend wird eine kleine Rechenaufgabe gestellt, bei der von 100 sieben abgezogen werden muss, bis man bei 65 angelangt ist. Dies dient zur Überprüfung der Aufmerksamkeit und Konzentration. Nach der Rechenaufgabe werden die Patienten gebeten, die drei zuvor genannten Wörter zu wiederholen. Patienten mit deutlicherer Demenz können sich diese Wörter oft nicht merken.
Ausführliche Gedächtnistests
In Gedächtnisambulanzen werden ausführlichere Gedächtnistests durchgeführt. Dabei müssen die Patienten beispielsweise 15 Wörter lernen, und zwar fünfmal hintereinander. Anschließend wird eine zweite Wortliste mit ebenfalls 15 Wörtern gelernt. Nach einer Pause von 20 Minuten wird erneut nach der ersten Wortliste gefragt.
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Psychometrische Tests
Psychometrische Tests erfassen Verhaltensweisen in standardisierten Situationen und werden von Fachexperten analysiert. Sie geben zuverlässige Hinweise auf eine Demenz, ersetzen aber keine ärztlichen Untersuchungen. Diese Tests sollten von Neurologen, Psychiatern, Psychologen oder entsprechend ausgebildetem Personal durchgeführt werden.
Demenz-Detektions-Test (DemTect)
Der DemTect ist ein einfaches und schnelles Verfahren, das kaum Vorwissen erfordert. Bei der Auswertung wird auch das Alter des Patienten berücksichtigt. Der DemTect ist ein Screening-Verfahren zur Früherkennung von Demenz und Alzheimer. Der Test dauert nicht lange und kann auch von Personen ohne Fachkenntnisse durchgeführt werden. Wichtig ist aber, dass die Testperson gut hören und sehen kann und der Test in einem ruhigen Umfeld ohne Störungen durchgeführt wird. DemTect ersetzt keinesfalls eine Diagnose, sondern ist ein Screening-Verfahren, um einen Verdacht auf Demenz zu erhärten oder zu zerstreuen.
Der DemTect-Test ist ein systematisches Testverfahren, mit dem eine Reihe kognitiver Funktionen (z. B. Wahrnehmung, Lernen, Erinnerungsvermögen, Denkvermögen) untersucht wird. Den DemTect-Demenz-Test (auch „Demenz-Detektions-Test“ oder „Demenz-Detection“ genannt) gibt es seit dem Jahr 2000. DemTect-Test ersetzt keine professionelle Untersuchung. Der DemTect-Test ersetzt keine ausführliche medizinische und psychologische Untersuchung. Er soll der Erkennung einer möglichen Demenz dienen - nicht mehr, aber auch nicht weniger. Um das Ergebnis nicht zu verfälschen, sollten Sie als Tester möglichst ruhig und sachlich, aber freundlich auftreten. Für jeden Teil des Tests wird eine Punktzahl ermittelt, die dann anhand der Umrechnungstabelle in einen Testwert umgewandelt wird. Die Testwerte werden abschließend addiert und anhand einer Skala gewichtet. DemTect-Test ersetzt keine ärztliche Diagnose. Die Entwickler des DemTect-Tests sagen klar und eindeutig, dass der Test keine ausführliche Diagnose ersetzt. Wenn aber die Punktwerte im kritischen Bereich liegen, sollten Sie anschließend eine ärztliche Diagnose einholen.
Der Patient muss eine Wortliste wiederholen. Damit wird das Kurzzeitgedächtnis geprüft. Diese Liste wird am Testende noch einmal abgefragt, um das Langzeitgedächtnis zu beurteilen. In einer "Zahlenwandelaufgabe" muss der Patient zwei Ziffern in Zahlwörter und zwei Zahlwörter in Ziffern umsetzen. Außerdem wird die Flüssigkeit der Sprache geprüft.
DemTect-Test: Aufgaben und Auswertung
- Aufgabe 1: Der Testperson wird eine Liste von 10 Wörtern langsam vorgelesen. Die Testperson soll danach die Wörter wiederholen, die sie sich gemerkt hat. Die Liste wird ein zweites Mal vorgelesen. Für jeden richtig genannten Begriff aus beiden Durchgängen gibt es jeweils einen Punkt. Es können maximal 20 Punkte erreicht werden.
- Aufgabe 2a: Die Testperson soll zwei Zahlen in Zahlwörter umwandeln.
- Aufgabe 2b: Die Testperson soll zwei Zahlwörter in Zahlen umwandeln. Für jede richtige Umwandlung gibt es einen Punkt. Es können bei dieser Aufgabe maximal vier Punkte erreicht werden.
- Aufgabe 3: Die Testperson soll so viele Dinge wie möglich aufzählen, die es in einem Supermarkt gibt. Für jeden richtig genannten Begriff gibt es einen Punkt. Es können maximal 30 Punkte erreicht werden.
- Aufgabe 4: Der Testperson werden jeweils eine Zahlenreihe genannt. Sie wiederholt diese bitte in umgekehrter Reihenfolge. Es zählt nur die Länge der längsten richtig rückwärts wiederholten Zahlenfolge. Es können also maximal sechs Punkte erreicht werden.
- Aufgabe 5: Die Testperson soll die Liste von 10 Wörtern nennen, die sie am Anfang des Tests genannt bekommen hat. Für jeden richtig erinnerten Begriff gibt es einen Punkt. Bei dieser Aufgabe gibt es maximal zehn Punkte.
Die Anzahl der gewichteten Testwerte beim DemTect-Test zeigt, ob eine kognitive Beeinträchtigung oder eine Demenz wahrscheinlich sind. Wenn die Punkte einen Verdacht auf eine Demenz ergeben, sollten Sie einen Arzt aufsuchen und um eine professionelle Diagnose bitten.
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Mini-Mental-Status-Test (MMST)
Der MMST ist etwas aufwändiger und voraussetzungsreicher, aber auch aussagekräftiger. Er wird häufig von geschultem Personal in Arztpraxen und Krankenhäusern verwendet. Der MMST ist der älteste und bekannteste Fragebogentest zur Demenz. Er umfasst unter anderem verschiedene Merk- und Rechenaufgaben.
Montreal-Cognitive-Assessment-Test (MoCa-Test)
Der MoCa-Test sollte von geschultem Personal durchgeführt werden. Ähnlich dem DemTect dient auch der MoCA der Früherkennung von Defiziten des Gedächtnisses bzw. des Denkvermögens. In 10 Minuten werden auch hier verschiedene Bereiche der Leistungsfähigkeit abgefragt. Dazu gehört das Lernen von fünf Begriffen, welche später abgefragt werden. Die visuell-räumliche Verarbeitung wird durch das Zeichnen einer Uhr und das Abzeichnen eines Würfels geprüft. Es folgt die Prüfung der Konzentration, der „Exekutivfunktionen“ und der Abstraktionsfähigkeit. Auch hier werden die Flüssigkeit der Sprache und die Zahlenverarbeitung getestet. Darüber hinaus werden die Fähigkeit, komplexe Sätze zu verstehen, und die Orientierung in Raum, Ort und Situation untersucht.
Uhrentest
Der Uhrentest ist ein sehr bekannter Demenztest, der sich in wenigen Minuten mit einem Blatt Papier und einem Stift durchführen lässt. Bereits das einfache Zeichnen einer Uhr, lässt eine Beurteilung des geistigen Zustands des Patienten zu. Aufgrund der zunehmenden visuell-räumlichen Orientierungsprobleme im Verlauf der Krankheit können die Ziffern und Zeiger oft nicht mehr richtig in einem vorgegebenen Kreis angeordnet werden (Dauer ca. 5 Minuten).
Test zur Früherkennung von Demenzen mit Depressionsabgrenzung (TFDD)
Beim TFDD geht es vor allem darum, eine Depression als mögliche Ursache auszuschließen, da Depressionen ähnliche Symptome wie Demenz haben und in Tests zu ähnlichen Ergebnissen führen können.
Syndrom-Kurztest (SKT)
Der SKT erfasst vor allem Beeinträchtigungen des Gedächtnisses, der Aufmerksamkeit und der Informationsverarbeitung.
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Weitere Diagnoseverfahren
Neben den genannten Tests gibt es weitere Verfahren, die ausschließlich von medizinischem und psychologischem Personal durchgeführt werden können. Diese sind zum Teil sehr aufwändig und setzen eine entsprechende Schulung oder Ausbildung voraus.
Bildgebende Verfahren
Bei der Erstdiagnose der Demenz sollte zusätzlich entweder eine Computertomografie (CT) oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) durchgeführt werden. CT und MRT erstellen Schichtaufnahmen des Gehirns und erlauben einen Einblick in den Aufbau des Gehirns. Diese bildgebenden Verfahren ermöglichen allein zwar nicht die Diagnose einer Demenz, können aber helfen, zwischen den einzelnen Formen zu unterscheiden. Der Hauptgrund für die Erstellung von CT- und MRT-Bildern liegt jedoch in der frühzeitigen Erkennung von behandelbaren Ursachen einer Demenz. Dies kann ein Hirntumor oder eine krankhafte Erweiterung der Hohlräume im Gehirn sein. Neuere Verfahren wie Single Photon Emission Computed Tomography (SPECT) und Positronen-Emissionstomographie (PET) können in unklaren Fällen und in Frühstadien zur Sicherung der Diagnose beitragen. So kann eine PET-Untersuchung z.B. einen verminderten Zuckerstoffwechsel im Gehirn nachweisen, obwohl im MRT noch keine Hirnschrumpfung darstellbar ist. Auch ist es neuerdings möglich, die für die Alzheimer-Erkrankung typischen Amyloid-Ablagerungen darzustellen.
Liquoruntersuchung
Eine sehr empfindliche Methode zur Feststellung einer Alzheimer-Erkrankung ist die Untersuchung des Nervenwassers (Liquor). Über eine Analyse des Nervenwassers lässt sich die Konzentration von beta-Amyloid und Tau-Protein ermitteln, die bei der Entstehung von Demenz eine zentrale Rolle spielen.
Blutuntersuchungen
Der Arzt wird bei allen Patienten mit Verdacht auf Demenz auch Blut abnehmen, um einige behandelbare Ursachen einer Demenz rechtzeitig zu erkennen (z.B. Mangel an Vitamin B12 oder an Schilddrüsenhormonen). Dank der Fortschritte in der Forschung ist es mittlerweile möglich, die Alzheimer-Krankheit auch per Bluttest zu erkennen. Allerdings können Bluttests die etablierten Diagnoseverfahren bislang noch nicht ersetzen.
Bedeutung der Früherkennung
Eine frühe Diagnose ist entscheidend, da sie eine effektive Demenztherapie ermöglicht und den weiteren Verlauf der Krankheit um lange Zeit verzögert. Zudem bietet die Diagnose eine Erklärung für bislang unerklärliches Verhalten und andere Auffälligkeiten. Bei Alzheimer und Demenz ist die Früherkennung sehr wichtig, weil die Behandlung dann viel mehr Aussicht auf Erfolg verspricht. Ein gutes Mittel zur Früherkennung sind regelmäßige psychometrische Tests.
Probleme bei Demenztests
Einfache Testverfahren für Demenz können keine absolut zuverlässigen Ergebnisse liefern, da sie nur Symptome erkennen können, die auch Anzeichen für andere Erkrankungen sein können. Es ist wichtig, dass ein Arzt eine umfassende Untersuchung vornimmt, um andere Erkrankungen als Ursache für die Symptome auszuschließen.
Differenzialdiagnose
Zur Feststellung einer Demenz bei Alzheimer-Krankheit müssen andere Erkrankungen, die ebenfalls Anzeichen einer Demenz zeigen können, abgeklärt werden: Hierzu gehören u.a. eine Verkalkung der Hirngefäße (vaskuläre Demenz), eine Demenz mit Lewy-Körperchen , gut- und bösartige Hirntumore, AIDS, ein Parkinson-Syndrom, die Erbkrankheit Chorea Huntington, eine Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose) und ein Vitaminmangel z.B. an B12, Folsäure oder B-Vitamin Niacin. Weiter können Erkrankungen der Nieren, der Leber und der Bauchspeicheldrüse zu einer Demenz führen. Auch Alkohol- bzw. Immer wieder kommt es vor, dass Patienten mit depressiven Erkrankungen aufgrund der psychischen und körperlichen Verlangsamung für dement gehalten werden („Pseudodemenz"). Der Facharzt kann hier mit speziellen Untersuchungen und Tests in der Regel zwischen den beiden Krankheiten unterscheiden.
Umgang mit der Diagnose
Eine drohende Demenz-Erkrankung belastet Betroffene, Angehörige und Freunde schon im Vorfeld. Unterstützung von außen und Aufklärung sind die wichtigsten Mittel, um sich dem Thema Demenz konstruktiv zu nähern. Es gibt viele regionale Anlaufstellen für das Thema Demenz, die Sie mit Ihren Fragen und Sorgen kontaktieren können. Eine Demenzerkrankung ist eine schwere Diagnose mit weitreichenden Folgen für alle Beteiligten. Zunächst einmal können Sie sich mit dem Krankheitsbild Demenz auseinandersetzen, um zu verstehen, was die Diagnose bedeutet und welcher Verlauf zu erwarten ist. Wenn ein Mensch nach und nach seine kognitiven Fähigkeiten einbüßt, bringt das auch rechtliche Fragen mit sich. Darf ein Demenzerkrankter Verträge abschließen? Oder Autofahren? Oft sind es aber gerade die kleinen Herausforderungen im alltäglichen Umgang mit Demenzerkrankten, die Angehörige und Pflegende vor Probleme stellen. Sie sollten aber nicht den Mut verlieren. Eine Demenzerkrankung bedeutet oft, dass ein Anspruch auf Pflegeleistungen besteht. Die Grundlage für viele Finanzierungs- und Beratungsleistungen ist ein anerkannter Pflegegrad.
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