Die Alzheimer-Krankheit, auch bekannt als Demenz vom Alzheimer-Typ oder Morbus Alzheimer, ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die die häufigste Ursache für Demenz darstellt. Sie ist durch einen allmählichen Verlust der kognitiven Funktionen gekennzeichnet, der das Gedächtnis, das Denkvermögen, die Orientierung, die Sprache und das Urteilsvermögen beeinträchtigt. Im fortgeschrittenen Stadium der Krankheit können auch Veränderungen in Verhalten, Stimmung und Persönlichkeit auftreten.
Definition und Grundlagen
Was ist Demenz vom Alzheimer-Typ?
Die Alzheimer-Krankheit ist eine neurodegenerative Erkrankung, was bedeutet, dass Nervenzellen im Gehirn nach und nach geschädigt werden und absterben. Dies führt zu einem fortschreitenden Verlust der geistigen Funktionen. Der Begriff "Demenz" ist ein Oberbegriff für etwa 50 verschiedene Erkrankungen des Gehirns, wobei die Alzheimer-Demenz die häufigste Form darstellt.
Epidemiologie: Verbreitung der Alzheimer-Krankheit
Die Alzheimer-Krankheit betrifft vor allem ältere Menschen, wobei das Risiko mit zunehmendem Alter steigt. Laut der Deutschen Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) lebten Ende 2021 in Deutschland rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz, wobei die Alzheimer-Demenz die häufigste Form darstellt. Grundsätzlich kann Alzheimer in jedem Alter auftreten, jedoch steigt die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung ab dem 65. Lebensjahr deutlich an.
Abgrenzung: Alzheimer und Demenz
Es ist wichtig zu verstehen, dass Demenz ein Oberbegriff für verschiedene Erkrankungen des Gehirns ist, während die Alzheimer-Krankheit eine spezifische Form der Demenz darstellt. Somit ist nicht jede Demenz automatisch Alzheimer.
Ursachen und Risikofaktoren
Die Entstehung von Alzheimer im Gehirn
Die genauen Ursachen der Alzheimer-Krankheit sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischen, umweltbedingten und Lebensstilfaktoren eine Rolle spielt. Im Gehirn von Menschen mit Alzheimer-Krankheit kommt es zu spezifischen Veränderungen, die zum Absterben von Nervenzellen führen:
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- Beta-Amyloid-Plaques: Beta-Amyloid ist ein Protein, das normalerweise im Gehirn vorkommt. Bei der Alzheimer-Krankheit wird dieses Protein jedoch fehlerhaft verarbeitet und bildet Klumpen oder Ablagerungen, sogenannte Plaques, die sich zwischen den Nervenzellen ansammeln und die Informationsübertragung stören.
- Tau-Fibrillen: Im Inneren der Gehirnzellen gibt es Strukturen, die wie Schienen für den Transport von Nährstoffen und anderen wichtigen Substanzen vorgesehen sind. Diese Strukturen werden durch das Tau-Protein stabilisiert. Bei Alzheimer verändert sich das Tau-Protein und bildet knäuelartige Fasern, sogenannte Fibrillen, die die Funktion der Nervenzellen beeinträchtigen.
Genetische Faktoren
In den meisten Fällen tritt die Alzheimer-Krankheit sporadisch auf, ohne dass eine eindeutige Ursache identifiziert werden kann. Allerdings gibt es auch seltene Formen der Alzheimer-Krankheit, die durch genetische Mutationen verursacht werden. Bei etwa einem Prozent aller Alzheimer-Fälle handelt es sich um eine sogenannte familiäre Alzheimer-Demenz (FAD). Hier liegt das eigene Erkrankungsrisiko bei 50 Prozent, wenn ein Elternteil an dieser speziellen Alzheimer-Form erkrankt ist. Jeder Mensch erbt von seinen Eltern zwei Kopien des ApoE-Gens, das in verschiedenen Varianten vorkommt. Die Variante ApoE4 erhöht das Alzheimer-Risiko und kann die Nebenwirkungen von Leqembi verstärken. Eine Kopie von ApoE4 (von einem Elternteil vererbt) bedeutet ein erhöhtes Risiko, ist aber behandelbar. Zwei Kopien von ApoE4 (von beiden Elternteilen vererbt) bedeuten ein stark erhöhtes Risiko für Hirnschwellungen und Hirnblutungen.
Weitere Risikofaktoren
Neben genetischen Faktoren gibt es eine Reihe weiterer Faktoren, die das Risiko für die Entwicklung einer Alzheimer-Demenz erhöhen können:
- Alter: Das Alter ist der wichtigste Risikofaktor für die Alzheimer-Krankheit. Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter deutlich an.
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Faktoren, die das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen, wie Bluthochdruck, hohe Cholesterinwerte, Diabetes und Rauchen, können auch das Risiko für Alzheimer erhöhen.
- Kopfverletzungen: Studien deuten darauf hin, dass wiederholte oder schwere Kopfverletzungen das Risiko für die Entwicklung einer Demenz erhöhen können.
- Lebensstilfaktoren: Ein ungesunder Lebensstil mit wenig Bewegung, ungesunder Ernährung und sozialer Isolation kann das Risiko für Alzheimer erhöhen.
Prävention
Obwohl es keine garantierte Möglichkeit gibt, die Alzheimer-Krankheit zu verhindern, gibt es einige Maßnahmen, die das Risiko möglicherweise verringern können:
- Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und gesunden Fetten kann das Gehirn schützen.
- Regelmäßige Bewegung: Körperliche Aktivität kann die Durchblutung des Gehirns verbessern und das Wachstum neuer Nervenzellen fördern.
- Geistige Aktivität: Geistig anregende Aktivitäten wie Lesen, Kreuzworträtsel lösen oder ein neues Hobby erlernen können das Gehirn aktiv halten.
- Soziale Interaktion: Soziale Kontakte und die Teilnahme an sozialen Aktivitäten können das Gehirn stimulieren und das Risiko für Demenz verringern.
- Kontrolle von Risikofaktoren: Die Kontrolle von Risikofaktoren wie Bluthochdruck, hohe Cholesterinwerte und Diabetes kann das Risiko für Alzheimer verringern.
Symptome
Die Alzheimer-Krankheit verläuft in der Regel schleichend und die Symptome entwickeln sich allmählich über einen Zeitraum von Jahren. Die ersten Anzeichen der Krankheit werden oft übersehen oder dem normalen Alterungsprozess zugeschrieben. Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Menschen mit Alzheimer die gleichen Symptome zeigen und dass der Verlauf der Krankheit von Person zu Person unterschiedlich sein kann.
Frühsymptome
Zu den häufigsten Frühsymptomen der Alzheimer-Krankheit gehören:
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- Gedächtnisverlust: Vergesslichkeit ist oft eines der ersten und auffälligsten Anzeichen von Alzheimer. Betroffene haben Schwierigkeiten, sich an kürzlich zurückliegende Ereignisse, Termine oder Namen zu erinnern. Sie wiederholen möglicherweise Fragen oder verlegen Gegenstände häufig.
- Orientierungsprobleme: Alzheimer-Patienten können die örtliche und zeitliche Orientierung verlieren. Sie vergessen, wo sie sind und wie sie dorthin gekommen sind. Typisch sind auch Schwierigkeiten mit der Uhrzeit, der Jahreszeit oder der zeitlichen Einordnung in Kategorien wie „gestern“, „heute“ und „morgen“.
- Sprachstörungen: Bei einer Alzheimererkrankung sind Störungen der Kommunikation und der Sprache ein charakteristisches Symptom. Die Medizin spricht dann von einer sogenannten Aphasie. Wortfindungsstörungen sind klassische Alzheimer-Anzeichen im Bereich Kommunikation und Sprache. Demenzerkrankte benennen Dinge plötzlich anders und sagen zum Beispiel „Hand-Uhr“ statt „Armbanduhr“.
- Probleme mit dem Denkvermögen: Der fortschreitende kognitive Abbau macht es Betroffenen mit Alzheimer zunehmend schwer, allgemeine Informationen richtig einzuordnen. So ist es möglich, dass Menschen mit Alzheimer beispielsweise ihren Standort, einzelne Gegenstände, andere Personen oder gesprochene Worte falsch beziehungsweise anders interpretieren, weil sie es nicht mehr in den richtigen Kontext setzen können. Eines von vielen möglichen Szenarien wäre, dass an der Wand befestigte Bilderrahmen nicht mehr als solche wahrgenommen werden, sondern als Fenster.
- Schwierigkeiten bei der Ausführung vertrauter Aufgaben: Menschen mit Alzheimer kann es zunehmend schwerfallen, gewohnte Alltagsaufgaben zu erledigen. Im fortgeschrittenen Stadium haben viele Patienten auch Schwierigkeiten bei alltäglichen Ritualen wie Essen und Trinken oder der Körperpflege. Ein ungepflegtes Erscheinungsbild bei Patienten ist oftmals ein Ausdruck von fehlenden Fähigkeiten, beispielsweise nicht mehr weiß, wie er seinen Haarkamm bedienen soll.
- Veränderungen in Verhalten, Stimmung und Persönlichkeit: Eine Alzheimer-Krankheit kann mit Veränderungen in Verhalten, Stimmung und Persönlichkeit der Patienten einhergehen. Verhältnismäßige Entscheidungen zu treffen, bereitet Menschen mit Alzheimer zunehmend Schwierigkeiten. Die Ursache dahinter ist ein vermindertes Urteilsvermögen. Für die Betroffenen wird es immer schwieriger, ihre Gefühle zu kontrollieren. Die Symptome der Alzheimer-Krankheit können die psychische Gesundheit von Patienten stark beeinträchtigen. Starke Gefühlsausbrüche, beispielsweise in Form von Wut und Aggression, können im Pflegealltag sehr herausfordernd sein.
Fortschreitende Symptome
Im Laufe der Zeit verschlimmern sich die Symptome der Alzheimer-Krankheit und es treten neue Symptome hinzu:
- Zunehmender Gedächtnisverlust: Der Gedächtnisverlust wird immer ausgeprägter und betrifft schließlich auch das Langzeitgedächtnis. Betroffene vergessen möglicherweise Namen von Familienmitgliedern, ihre eigene Adresse oder wichtige Ereignisse in ihrem Leben.
- Schwere Orientierungsprobleme: Die Orientierungslosigkeit nimmt zu und Betroffene können sich auch in vertrauten Umgebungen verirren.
- Schwere Sprachstörungen: Die Sprachschwierigkeiten verschlimmern sich und Betroffene können Schwierigkeiten haben, sich zu verständigen oder Gespräche zu verstehen.
- Verhaltensauffälligkeiten: Verhaltensauffälligkeiten wie Unruhe, Aggression, Reizbarkeit, Angst, Depression, Schlafstörungen und Wahnvorstellungen können auftreten.
- Motorische Probleme: Im fortgeschrittenen Stadium der Krankheit können motorische Probleme wie Gangstörungen, Zittern oder Steifheit auftreten.
- Inkontinenz: Der Verlust der Kontrolle über Blase und Darm kann im fortgeschrittenen Stadium auftreten.
- Schluckbeschwerden: Schluckbeschwerden können im fortgeschrittenen Stadium auftreten und das Risiko für Lungenentzündungen erhöhen.
Endstadium
Im Endstadium der Alzheimer-Krankheit sind die meisten Patienten teilnahmslos und bettlägerig. Sie erkennen meist vertraute Personen nicht mehr, verlieren die Fähigkeit zu sprechen und ihre Bewegungen zu koordinieren. Verschiedene Faktoren im Endstadium von Alzheimer schwächen zudem das Immunsystem der Patienten. In der Folge sind sie anfälliger für Infektionskrankheiten, die dann oftmals tödlich enden. Die häufigste Todesursache bei Alzheimer ist nicht die Erkrankung selbst, sondern meist eine Lungenentzündung durch sogenannte Aspiration oder eine Blutvergiftung durch Dekubitus.
Diagnose
Eine frühzeitige Diagnose der Alzheimer-Krankheit ist wichtig, um Betroffenen und ihren Familien die Möglichkeit zu geben, sich auf die Zukunft vorzubereiten und Behandlungsoptionen zu nutzen. Die Diagnose der Alzheimer-Krankheit umfasst in der Regel mehrere Schritte:
- Anamnese: Der Arzt erfragt die Krankengeschichte des Patienten und seiner Familie und erfasst die aktuellen Symptome.
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt führt eine körperliche Untersuchung durch, um andere mögliche Ursachen für die Symptome auszuschließen.
- Neurologische Untersuchung: Der Arzt untersucht die neurologische Funktion des Patienten, einschließlich Gedächtnis, Sprache, Orientierung, Reflexe und Motorik.
- Kognitive Tests: Im Rahmen von verschiedenen Demenz-Tests wird die geistige Leistungsfähigkeit untersucht. Dabei absolvieren Patienten kleinere Aufgaben und beantworten Fragen.
- Bildgebende Verfahren: Einige der seltenen, potenziell behandelbaren Ursachen von Demenz können wir mithilfe der Computertomografie oder Magnetresonanztomografie aufdecken. Dabei werden Schnittbilder Ihres Gehirns angefertigt. Neuere Methoden können auch die Hirndurchblutung und die Aktivität bestimmter Gehirnbereiche sichtbar machen.
- Bluttests: Bluttests können durchgeführt werden, um andere mögliche Ursachen für die Symptome auszuschließen, wie z. B. Vitaminmangel, Schilddrüsenstörungen oder Infektionen.
- Liquoruntersuchung: Seit vielen Jahren führen wir die Nervenwasser-Untersuchungen mit Bestimmung der Neuromarker (Beta-Amyloid, Tau-Protein) durch, um eine mögliche Verdachtsdiagnose auf Alzheimer-Demenz zu bestätigen.
- Genetische Tests: Mit einem einfachen Bluttest kann festgestellt werden, ob und wie viele Kopien von ApoE4 vorhanden sind.
Therapie
Obwohl die Alzheimer-Krankheit derzeit nicht heilbar ist, gibt es verschiedene Therapieansätze, die dazu beitragen können, die Symptome zu lindern, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen und die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Familien zu verbessern.
Medikamentöse Therapie
Es gibt verschiedene Medikamente, die zur Behandlung der Symptome der Alzheimer-Krankheit eingesetzt werden können:
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- Acetylcholinesterase-Hemmer: Diese Medikamente, die unter die Kategorie der Antidementiva fallen, finden insbesondere bei Alzheimer-Demenz Anwendung. Durch den Gebrauch der Medikamente erhöht sich der Acetylcholin-Spiegel im Gehirn, was die Kommunikation zwischen den Nervenzellen verbessern kann. Vielfältige internationale Studien haben gezeigt, dass das rechtzeitige Einsetzen geeigneter Medikamente (Acetylcholinesterase-Hemmer) dazu führen kann, dass der Krankheitsverlauf um 1 ½ bis 2 Jahre verzögert werden kann. Das bedeutet, dass Patienten mit Alzheimer-Demenz, bei denen die Medikamente rechtzeitig und in ausreichender Dosierung eingesetzt werden, in der Regel 1 ½ bis 2 Jahre später aus dem häuslichen Kontext in eine stationäre Pflegeeinrichtung gebracht werden müssen.
- NMDA-Rezeptor-Antagonisten: Diese Medikamente können bei mittelschwerer bis schwerer Alzheimer-Krankheit eingesetzt werden, um die Symptome zu lindern.
- Weitere Medikamente: Je nach Bedarf können weitere Medikamente zur Behandlung von Verhaltensauffälligkeiten, Depressionen, Schlafstörungen oder anderen Begleiterkrankungen eingesetzt werden.
- Neue Medikamente: Aktuell sind Medikamente in der Entwicklung, die in einem sehr frühen Stadium der Alzheimer-Krankheit den Krankheitsverlauf verzögern sollen. Zwei dieser Medikamente - Lecanemab (Handelsname "Leqembi") und Donanemab (Handelsname "Kisunla") - sind 2025 in der Europäischen Union zugelassen worden und stehen seit September bzw. November 2025 auch für die Behandlung zur Verfügung. Da beide Wirkstoffe mit starken Nebenwirkungen verbunden sein können, sind für die Behandlung damit strenge Richtlinien erlassen worden.
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