In Schleswig-Holstein leben über 66.000 Menschen mit Demenz. Für sie und ihre Familien, Freunde und Nachbarn bedeutet dies, sich mit oft einschneidenden Veränderungen auseinanderzusetzen. Daraus ergeben sich viele Fragen, für deren Beantwortung eine geeignete Beratung notwendig und hilfreich ist. Glücklicherweise gibt es im Bundesland Schleswig-Holstein eine Reihe von Hilfsangeboten, die auf die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen zugeschnitten sind. Dieser Artikel bietet einen Überblick über diese Angebote und soll Betroffenen und Interessierten eine erste Orientierung geben.
Beratung und Information
Das Beratungsmobil Demenz der Alzheimer Gesellschaft SH e.V.
Gerade in ländlichen Regionen sind die Wege oft zu weit, um persönliche und professionelle Beratungsangebote in Anspruch nehmen zu können. Hier schafft das Beratungsmobil Demenz der Alzheimer Gesellschaft SH e.V. Abhilfe. Seit Mai 2021 ist es in Schleswig-Holstein unterwegs, um Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen zu beraten. Erste Station war der Kreis Dithmarschen und zurzeit ist der Bus im Kreis Herzogtum-Lauenburg unterwegs.
„Wir haben schnell geeignete Standorte für den Beratungsbus im Kreis Plön finden können. Zur Beratung können alle Personen kommen, die Fragen und Anliegen zu den Themen Vergesslichkeit und Demenz haben. Ziel ist es, die Lebenssituation von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen in ländlichen Regionen Schleswig-Holsteins zu verbessern. „Wir freuen uns auf das Beratungsmobil. Eine mobile Beratung bietet in unserem ländlich geprägten Kreis eine sehr gute Möglichkeit, die Menschen vor Ort gezielt zu erreichen.“, so Nicole Adamczewski vom Pflegestützpunkt im Kreis Plön.
Das Beratungsmobil ist mit einer Rollstuhlrampe ausgestattet, so dass auch bei eingeschränkter Mobilität eine Beratung stattfinden kann. Es sind Sitzplätze für 3 Personen vorhanden. „Die Beratungen an den Standorten finden jeweils zwischen 10 -12 Uhr als offene Sprechzeit ohne Anmeldung statt. Von 12.30 - 16 Uhr stehen wir dann für gebuchte Termine zur Verfügung. Die Beratungen finden unter den jeweils geltenden, aktuellen Coronahygienebedingungen statt, informieren Sie sich hierzu bitte im Vorwege.
Standorte des Beratungsmobils im Kreis Plön sind beispielsweise:
Lesen Sie auch: Überblick: Bauernhof-Angebote für Menschen mit Demenz in Schleswig-Holstein
- Selent: Dorfplatz. 1. und 3.
- Wankendorf: Kirchtor 18, 4.
- Lütjenburg: Rathausvorplatz, Oberstrasse 7, 2.
- Schönberg: Fußgängerzone Knüll, 24217 Schönberg jeden 1. und 3.
- Klausdorf: am Dorfplatz, jeden 2.
- Raisdorf: REWE Parkplatz, Bahnhofstrasse 4-8, jeden 4.
Kompetenzzentrum Demenz
Das Kompetenzzentrum Demenz ist ein Projekt der Alzheimer Gesellschaft Schleswig-Holstein e.V. / Selbsthilfe Demenz. Es berät, betreibt Öffentlichkeits- sowie Netzwerkarbeit und bietet Fortbildungen an. Seit 2011 und bis 2027 fördern das Ministerium für Soziales, Jugend, Familie, Senioren, Integration und Gleichstellung des Landes Schleswig-Holstein und der Spitzenverband der Pflegekassen das Kompetenzzentrum.
Das Kompetenzzentrum Demenz hat den Auftrag, die Versorgungsstrukturen des Landes Schleswig-Holstein für Menschen mit Demenz und deren Angehörige auszuweiten, zu verbessern und qualitätsgesichert zu erhalten. Das Kompetenzzentrum Demenz trägt dazu bei, die Vernetzung der in Schleswig-Holstein beteiligten Akteure voranzubringen und auszubauen. Neben den ambulanten Pflegediensten und stationären Pflegeeinrichtungen, werden Wohlfahrtsverbände, niedergelassene Ärzte, Betreuer, Sozialarbeiter, ehrenamtliche Helfer und andere Akteure in den einzelnen Kommunen eingebunden und als Multiplikatoren aktiv. Seit 2011 betreiben wir Öffentlichkeitsarbeit, gestalten Fortbildungen, sitzen als gefragte Partner in Gremien und bewegen vielfältige Projekte mit diversen Kooperationspartnern zum Thema Demenz in Schleswig-Holstein. Das alles machen wir mit Zuverlässigkeit, Fachlichkeit, Herzblut und frischen Ideen. Austausch und aktive Teilhabe gewünscht? Wir sind bunt! Was braucht eine Gemeinschaft, um demenzfreundlich zu werden?
Pflegestützpunkte
Die Pflegestützpunkte in Schleswig-Holstein helfen Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen, Fragen zur Pflegebedürftigkeit oder Betreuung zu klären. Die Mitarbeiter der Pflegestützpunkte informieren Sie zur Auswahl und zum Antrag von Sozialleistungen und anderen Hilfsangeboten. Sie beraten Sie zu den für Sie in Frage kommenden Hilfs- und Unterstützungsangeboten und helfen Ihnen bei der Organisation der benötigten Leistungen. Sie können sich persönlich im Pflegestützpunkt beraten lassen oder auch einfach dort anrufen. Die Mitarbeiterinnen kommen auch zu Ihnen nach Hause. Die einzelnen regionalen Pflegestützpunkte mit Kontaktdaten, Sprechzeiten und eigenem Internetauftritt finden Sie hier.
Alzheimer Gesellschaft Schleswig-Holstein und örtliche Alzheimergesellschaften
Für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen, Freunde und Nachbarn gibt es kompetente Beratungsstellen und Unterstützungsangebote vor Ort. Scheuen Sie sich nicht, sich beraten zu lassen und sich Hilfe zu holen. Bei der Alzheimergesellschaft Schleswig-Holstein und den örtlichen Alzheimergesellschaften in Ihrer Nähe werden Sie zu allen Fragen rund um das Thema Demenz umfassend beraten.
Weitere Beratungskontakte
- Die Pflegeberater Ihrer Pflegekasse, bzw. für Privatversicherte von Compass, sind ebenfalls Ansprechpartner für Sie.
- Patientenombudsleute Schleswig-Holstein. Sollten Sie Hilfe und Schlichtung bei Pflegeproblemen benötigen, rufen Sie die Patientenombudsleute an. Hier werden Sie von Expertinnen und Experten beraten. Telefon: 0180 523 53 84 (14 Cent pro Anruf)
- Ombudsstelle der Pflegeausbildung Schleswig-Holstein. Hilfestellung für Auszubildende bei Problemen und Konflikten in der Pflegeausbildung
Unterstützung im Alltag
PflegeNotTelefon
Haben Sie das Gefühl, Ihnen wächst der Pflegealltag über den Kopf? Das PflegeNotTelefon ist eine erste Anlaufstelle für alle Angehörigen und Pflegebedürftigen. Hier können Sie sich aussprechen, wenn Sie Probleme mit der Pflegesituation haben. Expertinnen und Experten hören Ihnen zu und versuchen gemeinsam mit Ihnen, einen guten Weg zu finden. Bei Notlagen, Krisen, Beschwerden oder Beratungswünschen steht Ihnen überregional in Schleswig-Holstein außerdem jederzeit das PflegeNotTelefon zur Verfügung: 01802 49 48 47 (6 Cent pro Anruf), Beratung in unterschiedlichen Sprachen möglich.
Lesen Sie auch: Pflegeheime für Demenzkranke
Förderung von regionalen Netzwerken
Förderung von regionalen Netzwerken nach § 45c Abs. Änderungen seit dem 1. Januar 2022 Mit dem Gesetz zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung (GVWG) baut der Gesetzgeber diese Fördermöglichkeit aus. Seit 2022 können je Kreis oder kreisfreier Stadt zwei regionale Netzwerke und je Kreis oder kreisfreier Stadt ab 500.000 Einwohnern bis zu vier regionale Netzwerke gefördert werden. Der maximale Förderbetrag pro Netzwerk beträgt 25.000 Euro pro Kalenderjahr. Inhalt der Förderung Netzwerkbedingte Personal- und Sachkosten und Kosten für die Öffentlichkeitsarbeit. Grundlage für die Förderung ist die Empfehlung des GKV-Spitzenverbandes und des Verbandes der Privaten Krankenversicherung e. V. zur Förderung regionaler Netzwerke nach § 45c Abs. Inhalt der Förderung Mit der Landesrahmenvereinbarung Prävention ist es möglich, kassenübergreifend Projekte zu fördern, die auf die Verbesserung gesundheitlicher Chancengleichheit abzielen. Förderanträge können nur von Verantwortlichen nichtbetrieblicher Lebenswelten z.B. Kommune, Träger einer Einrichtung, Vereine gestellt werden. Die wesentliche Grundlage für die Förderung ist der Leitfaden Prävention des GKV-Spitzenverbandes.
Der Demenzplan Schleswig-Holstein
Mit dem demographischen Wandel und der damit verbundenen ansteigenden Zahl der Menschen mit Demenz rückt das Thema auch in Schleswig-Holstein verstärkt auf die politische Agenda. Ein Demenzplan ist als politische Verpflichtungserklärung zu verstehen - zumindest wenn er wie im Norden vom Landtag gefordert und vom Gesundheitsministerium angeschoben wird. Mit dem Demenzplan sollen die Versorgungsstrukturen des Landes aufgezeigt und qualitätsgesichert weiterentwickelt werden, um Lücken im Unterstützungs- und Versorgungssystem zu erkennen und bestmöglich zu schließen. Mehr Transparenz und eine bessere Abstimmung der Angebote sind dabei von großer Bedeutung. Es wurden bereits verschiedene Handlungsfelder definiert und entsprechende Arbeitsgruppen gebildet, die sich an der bundesweiten Allianz für Menschen mit Demenz orientieren. Die Ziele werden unter dem Dach des Demenzplans Schleswig-Holsteins verfolgt, welcher in einem breit angelegten partizipativen Prozess zusammen mit Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen, Fachleuten sowie Vertreterinnen und Vertretern von unterschiedlichen Berufsgruppen und Einrichtungen erarbeitet wurde. Der Landesverband der Alzheimer Gesellschaft Schleswig-Holstein hat den Prozess koordiniert, begleitet und die Ergebnisse zusammengefasst. bei der Umsetzung von Gesetzesvorhaben oder der Einrichtung von Arbeitskreisen)Aufbau demenzfreundlicher Strukturen und Netzwerke (z.B. durch Schulung von Polizei, Feuerwehr, Banken, Krankenhäusern, Bibliotheken etc.)Qualifizierungsangebote (für Pflege- und Betreuungskräfte, Ehrenamtliche, Nachbarschaftshelfer, pflegende Angehörige)Öffentlichkeitsarbeit (Demenzwegweiser, Infobroschüren, Informationsveranstaltungen etc.)Umsetzung des Demenzplans Schleswig-HolsteinsProjektarbeit (z.B. Mustergarten, Museumsbesuche, Bauernhöfe, Autofahren uvm.)
Hintergrundinformationen zu Demenz
Die Alzheimer Krankheit bedeutet eine allmählich beginnende und langsam zunehmende Einbuße der geistig-seelischen Kräfte. Dieser Verlust der geistigen Leistungsfähigkeit wird Demenz genannt. Es gibt verschiedene Ursachen für eine Demenz. Die häufigste (mit einem Anteil von rund 2/3) ist die Alzheimer Krankheit, in deren Verlauf Nervenzellen im Gehirn absterben und Nervenleitungsbahnen zerstört werden. Der erkrankte Mensch hat zunehmend Schwierigkeiten, sich zu erinnern und zu lernen. Das Ausmaß des Verlustes von Gedächtnis und Merkfähigkeit geht über die so genannte gutartige Altersvergesslichkeit hinaus. Auch das logische Denken und das sprachliche Ausdrucksvermögen verschlechtern sich. Der Erkrankte kann sich im Raum nicht mehr orientieren und sich auch im sozialen Bereich nicht mehr zurechtfinden. Der Verlust von praktischen Fähigkeiten erschwert die Bewältigung des Alltags.
Fazit
In Schleswig-Holstein gibt es eine Vielzahl von Hilfsangeboten für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen. Von Beratungsstellen über Unterstützung im Alltag bis hin zu politischen Initiativen wie dem Demenzplan - das Land engagiert sich für eine verbesserte Versorgung und Lebensqualität von Betroffenen. Es ist wichtig, diese Angebote zu kennen und bei Bedarf in Anspruch zu nehmen. Scheuen Sie sich nicht, sich beraten zu lassen und sich Hilfe zu holen.
Lesen Sie auch: Fortgeschrittene Demenz: Ein umfassender Überblick