Hirndruckanstieg durch Cortison: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Ein Hirndruckanstieg, auch intrakranielle Hypertension genannt, ist eine ernste Erkrankung, bei der der Druck im Schädelinneren pathologisch erhöht ist. Dieser erhöhte Druck kann die Gehirnfunktion beeinträchtigen und im schlimmsten Fall zu einer Einklemmung lebenswichtiger Hirnareale führen.

Was ist ein Hirnödem?

Unter einem Hirnödem versteht man eine pathologische Ansammlung von Flüssigkeit im Hirngewebe. Diese Schwellung führt zu einem Anstieg des intrakraniellen Drucks, der die Gehirnfunktion enorm einschränken und zu einer Einklemmung führen kann.

Ursachen für einen Hirndruckanstieg

Ein erhöhter Hirndruck kann verschiedene Ursachen haben. Hier sind einige der häufigsten:

  • Schädel-Hirn-Trauma: Eine schwere Kopfverletzung ist die häufigste Ursache für eine generalisierte Hirnschwellung. Durch das Trauma kommt es zunächst zu einer Vermehrung von Flüssigkeit außerhalb der Hirnzellen. Sekundär entsteht durch Sauerstoffmangel ein zytotoxisches Ödem, bei dem sich auch intrazellulär Flüssigkeit ansammelt.
  • Hirnödem: Pathologische Ansammlung von Flüssigkeit im Hirngewebe.
  • Elektrolytverschiebungen: Eine rasche Entwicklung einer Hyponatriämie (Natriummangel) kann zu einem Hirnödem führen.
  • Entzündungen: Entzündliche Ursachen wie Enzephalitis oder Meningitis können ebenfalls einen erhöhten intrakraniellen Druck verursachen. Hirnschwellungen, die durch eine fulminante bakterielle Meningitis bedingt sind, können durch eine ursächliche antibiotische Therapie und Cortisongabe behandelt werden. Meningitiden können durch Bakterien und Viren verursacht werden und treten oft im Kindesalter auf. Nach initialen Symptomen wie Fieber, Nackensteifigkeit und Kopfschmerzen kann sich eine Bewusstseinstrübung entwickeln.
  • Raumfordernde Prozesse: Eine große Blutung oder ein Tumor können zu einer Volumenvermehrung und lokalen Schwellung führen. Durch einen nicht schnell wachsenden Tumor kann Druck auf das umliegende Hirngewebe ausgeübt werden und in Funktionsausfällen in den entsprechenden Arealen resultieren.
  • Hydrozephalus: Vermehrtes Hirnwasser (Liquor) als Folge einer Abflussstörung des Liquors oder Behinderung der Resorption. Ist vermehrtes Hirnwasser (Liquor) die Ursache der Druckerhöhung, kann mittels CT die Diagnose eines Hydrocephalus gestellt werden. Ist der Hirnwasseraufstau ein chronischer Prozess, kann von außen über eine augenärztliche Untersuchung eine Stauungspapille als Zeichen für den intrakraniellen Druck gesehen werden.
  • Hirnmetastasen: Hirnmetastasen können ein Hirnödem und Schwellungen verursachen. Dadurch steigt der Hirndruck.

Cortison und Hirndruck

Cortison als Ursache für Hirndruckanstieg

Obwohl Cortison oft zur Behandlung von Hirndruck eingesetzt wird, kann es in seltenen Fällen paradoxerweise auch selbst zu einem Hirndruckanstieg führen. Dieser Zusammenhang ist komplex und nicht vollständig verstanden.

  • Pseudotumor cerebri: In einigen Fällen kann die Einnahme oder das Absetzen von Cortison zu einem Pseudotumor cerebri führen, einer Erkrankung, die durch erhöhten Hirndruck ohne erkennbare Ursache wie einen Tumor gekennzeichnet ist.
  • Cortison-Entzug: Ein plötzlicher Cortison-Entzug kann bei manchen Patienten zu einer Verschlechterung der Symptome und möglicherweise zu einem Hirndruckanstieg führen.

Cortison zur Behandlung von Hirndruck

Cortison, insbesondere Dexamethason, wird häufig zur Behandlung von Hirndruck eingesetzt, insbesondere bei Hirnödemen, die durch Tumoren oder Entzündungen verursacht werden.

Lesen Sie auch: Was tun bei Hirndruck nach Schlaganfall?

  • Wirkmechanismus: Cortison wirkt entzündungshemmend und reduziert die Flüssigkeitsansammlung im Hirngewebe, wodurch der Hirndruck gesenkt wird.
  • Anwendungsgebiete:
    • Hirntumoren: Cortison wird eingesetzt, um das Hirnödem um Tumoren zu reduzieren und die Symptome zu lindern.
    • Bakterielle Hirnhautentzündung: Cortison kann in Kombination mit Antibiotika bei bakterieller Meningitis eingesetzt werden, um die Hirnschwellung zu reduzieren.
    • Hirnmetastasen: Hirnmetastasen können ein Hirnödem und Schwellungen verursachen. Die wichtigste Therapiemaßnahme ist, den erhöhten Hirndruck durch Steroide (Kortison) zu senken (meist als Tablette). Das Hirnödem lässt sich durch diese Behandlung vermindern. Bei vielen Betroffenen bessern sich die Symptome zumindest für einige Wochen.
  • Akute disseminierte Enzephalomyelitis (ADEM): ADEM wird zunächst mit Kortikosteroiden (starke Entzündungshemmer) behandelt. Zu Beginn erhalten die Patient*innen das Medikament für 3-5 Tage in hoher Dosierung, anschließend folgt das Ausschleichen über 4-6 Wochen.

Symptome eines Hirndruckanstiegs

Die Symptome eines Hirndruckanstiegs können je nach Ursache und Schweregrad variieren. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Kopfschmerzen: Oftmals starke, anhaltende Kopfschmerzen, die sich beim Husten, Niesen oder Bücken verschlimmern können.
  • Übelkeit und Erbrechen: Insbesondere morgendliches Erbrechen kann ein Zeichen für erhöhten Hirndruck sein.
  • Sehstörungen: Verschwommenes Sehen, Doppeltsehen oder Gesichtsfeldausfälle können auftreten. Ist der Hirnwasseraufstau ein chronischer Prozess, kann von außen über eine augenärztliche Untersuchung eine Stauungspapille als Zeichen für den intrakraniellen Druck gesehen werden.
  • Bewusstseinsstörungen: Von Verwirrtheit und Apathie bis hin zu Bewusstseinstrübung und Koma. Ein schneller Anstieg des intrakraniellen Drucks, wie bei einem akuten Hydrocephalus, z. B. im Rahmen einer Subarachnoidalblutung, ist immer als Notfall anzusehen und führt meist zu Beeinträchtigungen, die von einer Bewusstseinstrübung bis zum Koma reichen können.
  • Neurologische Ausfälle: Schwäche, Taubheit oder Kribbeln in Armen oder Beinen, Sprachstörungen oder Koordinationsprobleme.
  • Nackensteifigkeit: Insbesondere bei Meningitis.
  • Epileptische Anfälle: Können aufgrund der Hirnmetastasen auftreten.

Diagnose eines Hirndruckanstiegs

Die Diagnose eines Hirndruckanstiegs erfordert eine umfassende neurologische Untersuchung und bildgebende Verfahren.

  • Neurologische Untersuchung: Ärztinnen und Ärzte fahnden nach Hinweisen für einen erhöhten Hirndruck oder Störungen der Bewegungen, Reflexe sowie des Denkens, der Wahrnehmung oder Aufmerksamkeit (kognitive Beeinträchtigungen).
  • Computertomografie (CT): Eine CT-Aufnahme des Gehirns kann Blutungen, Tumoren, Hydrozephalus und andere Ursachen für den Hirndruckanstieg sichtbar machen. Ist vermehrtes Hirnwasser (Liquor) die Ursache der Druckerhöhung, kann mittels CT die Diagnose eines Hydrocephalus gestellt werden. Ein CT ist in der Notfallsituation unabdinglich.
  • Magnetresonanztomografie (MRT): Eine MRT ist empfindlicher als CT und kann kleinere Veränderungen im Gehirn besser darstellen. Eine kernspintomographische Untersuchung, ein sogenannter MRI Scan, erfolgt meist im Verlauf, um die genaue Schädigung des Hirngewebes abschätzen zu können.
  • Lumbalpunktion: Bei Verdacht auf Meningitis oder andere entzündliche Erkrankungen kann eine Lumbalpunktion durchgeführt werden, um das Hirnwasser zu untersuchen.
  • Invasive Hirndruckmessung: In schweren Fällen kann der Hirndruck direkt mit einem Katheter oder einer Sonde gemessen werden, die in den Schädel eingeführt wird. Den Hirndruck selbst kann man nur mit invasiven Methoden messen. Dazu führen sie entweder einen Katheter mit Druckaufnehmer in einen der Hirnventrikel ein. Eine andere Methode ist die Druckmessung direkt im Hirngewebe, bei der eine kleine Sonde mit Drucksensor über ein etwa 15 mm tiefes Bohrloch durch den Schädelknochen eingeführt wird.

Behandlung eines Hirndruckanstiegs

Die Behandlung eines Hirndruckanstiegs zielt darauf ab, den Druck im Schädel zu senken und die Ursache des Problems zu behandeln. Die Behandlung hängt von der Ursache und dem Schweregrad des Hirndruckanstiegs ab.

  • Medikamentöse Therapie:
    • Cortison: Wie bereits erwähnt, kann Cortison bei bestimmten Ursachen des Hirndruckanstiegs eingesetzt werden, um die Entzündung und Schwellung zu reduzieren.
    • Osmotherapeutika: Mannitol oder hypertonische Kochsalzlösung können verwendet werden, um Flüssigkeit aus dem Hirngewebe zu ziehen und den Hirndruck zu senken. Osmotherapie mit der intravenösen Gabe von hypertoner Kochsalzlösung oder Mannitol. Hierbei soll durch den erhöhten osmotischen Druck im Blut die Flüssigkeit aus dem Gehirn "herausgezogen" und schließlich über die Niere ausgeschieden werden. Aufgrund der Nebenwirkungen (Blutdruckabfall, Entwässerung auch der gesunden Hirnsubstanz, Nierenschädigung) wird diese Therapie nur bei Druckspitzen und unter engmaschiger Kontrolle empfohlen.
    • Diuretika: Können helfen, überschüssige Flüssigkeit aus dem Körper zu entfernen und den Hirndruck zu senken.
    • Antiepileptika (Antikonvulsiva): Bei Krampfanfällen.
  • Lagerung: Eine Oberkörperhochlagerung um 15-30° kann helfen, den Hirndruck zu senken.
  • Hyperventilation: Eine milde Hyperventilation kann den Kohlendioxidgehalt im Blut senken, was zu einer Verengung der Blutgefäße im Gehirn und einer Senkung des Hirndrucks führt. Bei erhöhtem Hirndruck erfolgen als Gegenmaßnahmen eine gerade, leichte Oberkörperhochlagerung, eine milde Hyperventilation, die Gabe von Medikamenten und das Ablassen von Hirnwasser über eine zuvor angelegte, externe Ventrikeldrainage.
  • Chirurgische Therapie:
    • Liquordrainage: Bei Hydrozephalus kann eine Liquordrainage durchgeführt werden, um überschüssiges Hirnwasser abzuleiten. Behandelt wird hier entweder die Ursache des Aufstaus und/oder eine Liquorableitung in Form eines ventrikuloperitonealen Shunts. Bei erhöhtem Hirndruck erfolgen als Gegenmaßnahmen eine gerade, leichte Oberkörperhochlagerung, eine milde Hyperventilation, die Gabe von Medikamenten und das Ablassen von Hirnwasser über eine zuvor angelegte, externe Ventrikeldrainage.
    • Dekompressionstrepanation (Kraniektomie): In schweren Fällen kann eine Dekompressionstrepanation durchgeführt werden, bei der ein Teil des Schädels entfernt wird, um dem Gehirn mehr Raum zu geben und den Hirndruck zu senken. Ist der Hirndruck durch diese Maßnahmen nicht dauerhaft unter 25 mmH2O zu senken, ist eine Operation die Therapie der Wahl. In diesem Fall wird eine dekompressive Kraniektomie durchgeführt, die Schädeldecke auf der betroffenen Seite entfernt und die Hirnhaut erweitert. Bei dieser Operation wird zunächst ein Bohrloch gesetzt, z. B. mit dem Bohrer evoDrill von evonos. Anschließend wird mittels Kraniotom der Schädelknochen ausgesägt. Dadurch hat das geschwollene Gehirn Raum, sich auszudehnen.

Seltene Erkrankungen

Es ist wichtig zu beachten, dass es viele seltene Erkrankungen gibt, die indirekt zu einem Hirndruckanstieg führen können, wenn sie Komplikationen verursachen, die das Gehirn beeinträchtigen. Schätzungen zufolge gibt es weltweit rund 8.000 seltene Erkrankungen. Hier sind einige Beispiele:

  • CAD - Cold Agglutinin Disease (Kälteagglutininkrankheit): Eine seltene Autoimmunhämolyse, bei der das Immunsystem bei Kälteeinwirkung Antikörper gegen körpereigene rote Blutkörperchen bildet.
  • Dunbar-Syndrom: Seltene chronische Durchblutungsstörung des Darms.
  • Hereditäre Fruktoseintoleranz: Sehr seltene, autosomal-rezessiv vererbte Krankheit.
  • MEN (Multiple Endokrine Neoplasie): Eine seltene, erblich bedingte Erkrankung, bei der es durch Genveränderungen zur Bildung mehrerer Tumoren in hormonbildenden Drüsen kommt.
  • Phenylketonurie (PKU): Eine seltene, erbliche Stoffwechselerkrankung.
  • Roberts-Syndrom: Eine sehr seltene genetische Erkrankung, die zu schweren Wachstumsstörungen und Fehlbildungen führt.
  • Tay-Sachs-Krankheit: Eine seltene genetische Stoffwechselerkrankung.
  • Treacher-Collins-Syndrom: Eine seltene genetische Erkrankung, die das Gesicht und den Schädelknochen betrifft.
  • Turner-Syndrom: Eine seltene genetische Störung, die nur bei Frauen auftritt.
  • Van-der-Woude-Syndrom: Eine seltene genetische Störung, die Fehlbildungen im Gesicht verursacht.

Prognose

Die Überlebenschancen bei einem Hirnödem hängen stark von der Ausprägung und der optimalen Behandlung ab. Die Prognose hängt von der Ursache der Drucksteigerung ab. Andererseits sind die Aussichten der Patient*innen umso schlechter, je länger der Hirndruck bestand und je höher er war. Nach einem unfallbedingten Schädel-Hirn-Trauma ohne weitere Gehirnverletzungen kommt es in vielen Fällen zur Rückbildung der Schwellung und kompletter Ausheilung.

Lesen Sie auch: Neue Therapieansätze bei Hirndruck nach Schlaganfall

Lesen Sie auch: Demenz und Hirndruck – Ein Bericht von NDR Visite

tags: #hirndruck #steigt #durch #cortison