Die hereditäre sensomotorische Neuropathie (HSMN), auch bekannt als Charcot-Marie-Tooth-Erkrankung (CMT), ist eine Gruppe genetisch bedingter Erkrankungen, die das periphere Nervensystem betreffen. Diese Neuropathien zeichnen sich durch eine Schädigung der Nerven aus, die für die Steuerung der Muskeln und die Übertragung von sensorischen Informationen zuständig sind. Die HSMN ist die am häufigsten auftretende erbliche neurologische Erkrankung. Die Symptome und der Verlauf können jedoch stark variieren. Die HSMN Typ 5 ist eine seltene Form, die zusätzlich zu den typischen Symptomen der HSMN auch Spastik aufweist.
Grundlagen der hereditären sensomotorischen Neuropathie
Die peripheren Neuropathien, zu denen auch die HSMN gehört, sind eine heterogene Gruppe von Erkrankungen, die motorische, sensorische und autonome Nerven betreffen. Die Ursachen können vielfältig sein, darunter genetische Defekte, Infektionen, Immunreaktionen, Stoffwechselstörungen, toxische Einflüsse und vaskuläre Probleme. Die Diagnose erfordert eine detaillierte Anamnese, klinische Untersuchung und elektrophysiologische Tests.
Genetische Ursachen
Die HSMN wird durch Mutationen in verschiedenen Genen verursacht. Die Art der Mutation und das betroffene Gen bestimmen den Typ der HSMN und den Schweregrad der Erkrankung. Die Vererbung kann autosomal-dominant, autosomal-rezessiv oder X-chromosomal erfolgen. Mit dem Einsatz von Hochdurchsatzsequenzierung (NGS) werden immer mehr ursächliche Gendefekte identifiziert.
Klassifikation der HSMN
Die HSMN wird traditionell in verschiedene Typen unterteilt, basierend auf dem Erbgang und den elektrophysiologischen Befunden. Die Fortschritte der molekulargenetischen Forschung haben jedoch gezeigt, dass identische Phänotypen verschiedenen Genen zugeordnet werden können und umgekehrt. Die aktuelle Klassifikation berücksichtigt sowohl genetische als auch elektrophysiologische Aspekte.
- CMT1: Demyelinisierende Neuropathie, verursacht durch primär abnormes Myelin. Die Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) ist reduziert.
- CMT2: Axonale Neuropathie, bei der die Nervenfaser selbst betroffen ist. Die NLG ist meist normal oder nur leicht reduziert.
- CMTX: X-chromosomal vererbte Formen, oft mit gemischten elektrophysiologischen Befunden.
- CMT4: Autosomal-rezessive Formen, die oft früh beginnen und einen schweren Verlauf haben.
Ursachen der hereditären sensomotorischen Neuropathie Typ 5
Bei den Typen, die der früheren Klassifikation HMSN 5 entsprechen, ist eine zusätzliche Symptomatik erwiesen, z. B. bei der HMSN 5 mit deutlicher Spastik.
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Genetische Grundlagen
Die genauen genetischen Ursachen für die HSMN Typ 5 sind noch nicht vollständig aufgeklärt. Es wird vermutet, dass Mutationen in Genen, die für die Funktion der Nervenzellen und des Rückenmarks wichtig sind, eine Rolle spielen.
Symptome der hereditären sensomotorischen Neuropathie
Die Symptome der HMSN können je nach Typ und Schweregrad der Erkrankung variieren. Typische Symptome sind:
- Muskelschwäche und -atrophie: Betrifft meist zuerst die Füße und Unterschenkel, später auch Hände und Unterarme. Dies führt zu "Storchenbeinen" aufgrund des Muskelabbaus in den Unterschenkeln.
- Empfindungsstörungen: Kribbeln, Taubheit oder Schmerzen in den Füßen und Händen.
- Reflexverlust: Die Muskeleigenreflexe sind abgeschwächt oder fehlen ganz.
- Fußdeformitäten: Hohlfüße und Krallenzehen sind häufig.
- Gangstörungen: Steppergang aufgrund der Fußheberschwäche.
Zusätzliche Symptome bei HSMN Typ 5
Zusätzlich zu den oben genannten Symptomen weisen Patienten mit HSMN Typ 5 auch Spastik auf. Spastik ist eine erhöhte Muskelspannung, die zu Steifheit und Bewegungseinschränkungen führen kann. Die Spastik kann die Gehfähigkeit und die Feinmotorik der Hände beeinträchtigen.
Weitere mögliche Symptome
- Autonome Störungen: Trophische Störungen der Haut, neuropathisches Ulcus cruris, Störung des Knochens, diabetische Osteoathropenie, erektile Dysfunktion, Schweißsekretionsstörung.
- Schmerzen
- Koordinationsstörungen
- Müdigkeit
Diagnose der hereditären sensomotorischen Neuropathie
Die Diagnose der HSMN basiert auf einer Kombination aus:
- Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte und Familienanamnese.
- Klinischer Untersuchung: Beurteilung der Muskelkraft, Reflexe, Sensibilität und Koordination.
- Elektrophysiologischen Untersuchungen: Messung der Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) und Elektromyographie (EMG), um die Funktion der Nerven und Muskeln zu beurteilen.
- Molekulargenetischen Untersuchungen: Identifizierung von Mutationen in bekannten HSMN-Genen.
- Nervenbiopsie: In seltenen Fällen kann eine Nervenbiopsie erforderlich sein, um die Diagnose zu sichern.
Differenzialdiagnose
Es ist wichtig, andere Ursachen für Neuropathien auszuschließen, wie z. B.:
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- Diabetische Neuropathie
- Alkoholische Neuropathie
- Vitaminmangel
- Entzündliche Neuropathien (z. B. Guillain-Barré-Syndrom)
- Toxische Neuropathien
Behandlung der hereditären sensomotorischen Neuropathie
Es gibt derzeit keine Heilung für die HSMN. Die Behandlung konzentriert sich auf die Linderung der Symptome und die Verbesserung der Lebensqualität.
Konservative Therapie
- Physiotherapie: Kräftigung der Muskeln, Verbesserung der Beweglichkeit und Koordination.
- Ergotherapie: Anpassung von Hilfsmitteln, um den Alltag zu erleichtern.
- Orthopädische Hilfsmittel: Orthesen, Schienen und Schuheinlagen, um Fußdeformitäten zu korrigieren und die Gehfähigkeit zu verbessern.
- Schmerztherapie: Medikamente zur Linderung von Schmerzen.
Medikamentöse Therapie
- Medikamente gegen Spastik: Baclofen, Tizanidin oder Botulinumtoxin-Injektionen, um die Muskelspannung zu reduzieren.
- Antikonvulsiva: Bei neuropathischen Schmerzen können Antikonvulsiva wie Gabapentin oder Pregabalin helfen.
- Antidepressiva: Trizyklische Antidepressiva oder selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) können ebenfalls bei neuropathischen Schmerzen eingesetzt werden.
Chirurgische Therapie
In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um Fußdeformitäten zu korrigieren oder Sehnen zu verlängern.
Weitere unterstützende Maßnahmen
- Regelmäßige Bewegung: Um die Muskelkraft und Ausdauer zu erhalten.
- Gesunde Ernährung: Um den Körper mit allen notwendigen Nährstoffen zu versorgen.
- Vermeidung von Druckstellen: Um das Risiko von Druckgeschwüren zu reduzieren.
- Psychologische Unterstützung: Um mit den emotionalen Belastungen der Erkrankung umzugehen.
Spezifische Therapieansätze bei HSMN Typ 5
Bei HSMN Typ 5 liegt der Fokus zusätzlich auf der Behandlung der Spastik.
- Botulinumtoxin-Injektionen: Können gezielt in die betroffenen Muskeln injiziert werden, um die Muskelspannung zu reduzieren.
- Baclofen-Pumpe: Bei schwerer Spastik kann eine Baclofen-Pumpe implantiert werden, die das Medikament kontinuierlich in das Rückenmark abgibt.
- Selektive dorsale Rhizotomie: In seltenen Fällen kann eine selektive dorsale Rhizotomie in Erwägung gezogen werden, bei der bestimmte Nervenfasern im Rückenmark durchtrennt werden, um die Spastik zu reduzieren.
Prognose
Die Prognose der HSMN ist variabel und hängt vom Typ und Schweregrad der Erkrankung ab. Einige Patienten haben nur milde Symptome und eine langsameProgression, während andere schwerer betroffen sind und eine schnellereProgression aufweisen. Die HSMN Typ 5 kann aufgrund der zusätzlichen Spastik eine größere Herausforderung darstellen. Mit einer angemessenen Behandlung und Unterstützung können die meisten Patienten jedoch ein erfülltes Leben führen.
Forschung
Die Forschung zur HSMN schreitet stetig voran. Es werden neue Gene identifiziert, die an der Entstehung der Erkrankung beteiligt sind, und neue Therapieansätze entwickelt. Gentherapie ist ein vielversprechendes Forschungsgebiet, das in Zukunft möglicherweise eine Heilung für die HSMN ermöglichen könnte.
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