Edelsteine gegen Migräne: Mythos oder wirksame Therapie?

Edelsteine faszinieren die Menschen seit Jahrtausenden. Ihre Schönheit und Seltenheit machen sie zu begehrten Schmuckstücken, doch ihnen werden auch heilende Kräfte zugeschrieben. Besonders im Bereich der Migränebehandlung gibt es zahlreiche Anhänger der Edelsteintherapie. Doch was steckt wirklich dahinter? Können Edelsteine tatsächlich Migräne lindern oder gar verhindern?

Edelsteine im Wandel der Zeit: Von Schmuckstücken zu Heilsteinen

Die Verwendung von Edelsteinen ist keine Erfindung der Neuzeit. Schon in der Antike glaubten verschiedene Kulturen an die heilende Wirkung von Edelsteinen.

  • Alte Ägypter: Sie zermahlen Halbedelsteine wie Rosenquarz oder Amethyst, um daraus farbgebende Pigmente zu gewinnen. Diese Puder mattierten nicht nur die Haut, sondern waren zugleich auch ein wirksamer UV-Schutz.
  • Griechen und Römer: Sie benutzten manche Steine in der Medizin.
  • Alte Inder und Araber: Sie glaubten an die heilende Wirkung der Steine.
  • Hildegard von Bingen: Die Äbtissin nutzte bereits im 12. Jahrhundert Edelsteine für ihre Therapie-Anwendungen, die sich stark am naturwissenschaftlichen Weltbild der Antike orientierten. Sie ging davon aus, dass die von Edelsteinen ausgesandten Schwingungen entweder durch Boten, zum Beispiel Wasser oder Wein, oder über die Haut auf das zentrale Nervensystem wirken.
  • Paracelsus: Der Arzt und Astrologe extrahierte im 16. Jahrhundert Mineralien systematisch aus Edelsteinen, um sie als Heilmittel einzusetzen.

Bis heute haben sich die überlieferten Theorien von Hildegard von Bingen gehalten und werden zum Beispiel in Naturheilpraxen eingesetzt, etwa bei Steinheiltherapien gegen Migräne.

Edelsteine und ihre vermeintlichen Wirkungen

Die Liste der Edelsteine, denen heilende Wirkungen zugeschrieben werden, ist lang. Einige Beispiele, die im Zusammenhang mit Migräne genannt werden, sind:

  • Amethyst: Er soll beruhigend auf Nerven und Herz wirken, die Konzentrationsfähigkeit verbessern und für einen erholsamen Schlaf sorgen. Hildegard von Bingen empfahl ihn gegen Dummheit oder Zornausbrüche.
  • Rosenquarz: Er gilt als Stein der Liebe und des Herzens. Er soll bei Herzleiden helfen, vor Depressionen und Schlafstörungen bewahren und die Fruchtbarkeit fördern.
  • Bergkristall: Er soll eine beruhigende, reinigende und heilende Wirkung auf Adern und Blutgefäße haben, das Nervensystem beruhigen und den Kreislauf stabilisieren. Er soll auch bei Kopfschmerzen lindernd wirken.
  • Howlith: Er soll entschlackend wirken, die Entgiftung des Körpers anregen, den Stoffwechsel verbessern, den Säurehaushalt ausgleichen und Linderung bei Sodbrennen, Gallenkolik und Übelkeit verschaffen. Er soll auch Kopfschmerzen und Migräne lindern können.
  • Tigerauge: Es wird gegen Kopfschmerzen eingesetzt.
  • Saphir: Er sei gut gegen Dummheit oder Zornausbrüche.
  • Heliotrop (Hildegard-Jaspis): Er soll den Verstand stärken und vor geistiger Zerstreutheit schützen.

Die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig. Die Steine werden aufgelegt, in den Mund genommen, mit Wasser übergossen und das Wasser getrunken oder pulverisiert und als Tinktur oder Salbe angewendet.

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Edelsteine in der Kosmetik: Ein natürlicher Trend?

Auch in der Kosmetik finden Edelsteine zunehmend Verwendung. So werden beispielsweise Halbedelsteine wie Rosenquarz oder Amethyst zermahlen, um daraus farbgebende Pigmente für Make-up, Puder oder Rouge zu gewinnen. Diese Mineralkosmetik verzichtet meist auf chemische Konservierungs- und Farbstoffe sowie Duftstoffe und ist daher oft gut verträglich, auch für empfindliche Haut. Zu den Klassikern zählen hier zum Beispiel Titandioxid und Zinkoxid. Sie kennen sie auch als mineralische Lichtschutzfilter. Im Gegensatz zu chemisch wirkenden Filtern dringen sie nicht in die Haut ein. Mineralische Filter legen sich in unsichtbaren dünnen Schichten wie Fischschuppen auf die Hautoberfläche. Dabei weisen sie ankommende UV-A- und UV-B-Strahlen durch Reflexion ab.

Titandioxid hat eine besonders hohe Deckkraft, sodass es in Puder und Co. gerne als natürlicher Lichtschutz eingesetzt wird. Je nach Hersteller variieren die weiteren Inhaltsstoffe. Ins Produkt kommen beispielsweise Eisenoxid, Seidenweiß, Wismut, Tonerde oder Reispuder.

Wissenschaftliche Erkenntnisse und Kritik

Bislang gibt es keine wissenschaftlichen Beweise für die Wirksamkeit von Edelsteinen gegen Migräne oder andere Beschwerden. Die meisten Studien zu diesem Thema sind methodisch mangelhaft oder nicht aussagekräftig.

Kritiker bemängeln, dass die beschriebenen Wirkungen oft sehr breit gefächert und unspezifisch sind. So soll beispielsweise der Karneol im Grunde gegen alles helfen: Infektionen, Rheuma, Menstruationsbeschwerden, Krämpfe, Kreislaufbeschwerden, Zahnschmerzen, Unterleibsschmerzen, Schnupfen, Vergiftungen, Blut-, Leber-, Gallen-, Darm- und Venenerkrankungen, Krebs, Bluthochdruck, zu niedriger Blutdruck, Impotenz, Antriebslosigkeit, Überreiztheit, Wahnvorstellungen, Trägheit, Unruhe, Depressionen und Schlaflosigkeit.

Vom naturwissenschaftlichen Standpunkt aus lässt sich die Wirksamkeit von Edelsteinen nicht untermauern. Die Steine wirken allerdings oft beruhigend und stresslösend, da der Anwender sich in einen entspannten Zustand versetzen sollte, um offen für die "Schwingungen" und "Energien" der Steine zu sein.

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Placebo-Effekt und persönliche Erfahrung

Viele Menschen schwören auf die heilende Wirkung von Edelsteinen, auch wenn es keine wissenschaftlichen Beweise dafür gibt. Dies könnte auf den Placebo-Effekt zurückzuführen sein. Der Glaube an die Wirksamkeit einer Behandlung kann tatsächlich zu einer Verbesserung der Symptome führen, auch wenn die Behandlung selbst keine medizinische Wirkung hat.

Auch persönliche Erfahrungen spielen eine wichtige Rolle. Wenn jemand gute Erfahrungen mit der Anwendung von Edelsteinen gemacht hat, wird er oder sie wahrscheinlich weiterhin daran glauben und sie zur Behandlung von Beschwerden einsetzen.

Fazit: Glaube oder wissenschaftliche Evidenz?

Ob Edelsteine tatsächlich gegen Migräne helfen, ist wissenschaftlich nicht belegt. Viele Menschen berichten jedoch von positiven Erfahrungen. Wer daran glaubt, kann es durchaus ausprobieren, sollte aber nicht auf eine konventionelle medizinische Behandlung verzichten, wenn diese notwendig ist.

Die Vielzahl der beschriebenen Wirkungen sollte überzogene Hoffnungen dämpfen, aber wer daran glaubt, kann vielleicht vom Placebo-Effekt profitieren.

Es ist wichtig, sich bewusst zu sein, dass die Edelsteintherapie keine wissenschaftlich fundierte Methode ist. Wer unter Migräne leidet, sollte sich in erster Linie an einen Arzt wenden, um eine geeignete Behandlung zu erhalten. Die Anwendung von Edelsteinen kann allenfalls eine begleitende Maßnahme sein.

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