Demenzen: Umfassender Überblick über Ursachen, Diagnose und Behandlung

Demenzen stellen eine der größten gesundheitspolitischen Herausforderungen unserer Zeit dar, insbesondere angesichts des demografischen Wandels und der steigenden Lebenserwartung. Dieses Buch bietet einen umfassenden Überblick über die vielfältigen und komplexen Ursachen, Risikofaktoren und Auslöser von Demenzen sowie sämtliche Aspekte der Krankheit aus neuropsychiatrischer Sicht. Es werden nicht nur die verschiedenen Demenzformen verständlich erklärt, sondern auch die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten aufgezeigt, wobei der Stellenwert einer frühen Differenzialdiagnostik besonders betont wird.

Epidemiologie und Gesundheitsökonomie der Demenzen

Die Versorgung der stetig wachsenden Zahl von demenzkranken älteren Menschen stellt eines der größten sozial- und gesundheitspolitischen Probleme dar, das durch die Alterung der Bevölkerung aufgeworfen wird. Weltweit wird die Krankenzahl gegenwärtig auf 35,6 Millionen geschätzt. Erste Prognosen lassen bis zum Jahr 2050 einen steilen Anstieg auf 115 Millionen erwarten, von dem besonders die weniger entwickelten Länder betroffen sein werden. In Deutschland hat der demografische Wandel (steigende Lebenserwartung und rückläufige Geburtenraten) in den zurückliegenden Jahrzehnten einen nachhaltigen Umbau der Altersstruktur bewirkt. Dadurch steht das Versorgungssystem bereits vor enormen Herausforderungen. Die demografischen Veränderungen sind jedoch längst noch nicht abgeschlossen. Vielmehr wird die Altenbevölkerung bei überproportionalem Zuwachs der hochbetagten und damit gesundheitlich besonders gefährdeten Menschen auch in den kommenden Jahrzehnten stark zunehmen. Nach den eher konservativen Annahmen wird die Zahl der über 65-Jährigen in Deutschland zwischen den Jahren 2010 und 2030 um jährlich rund 275.000 Personen zunehmen und insgesamt in diesem Zeitraum von weniger als 17 Millionen auf mehr als 22 Millionen anwachsen. Zugleich wird der Anteil der über 65-Jährigen an der Bevölkerung von derzeit etwa 20 % auf voraussichtlich 29 % und bis zum Jahr 2050 auf 34 % ansteigen.

Deskriptive Epidemiologie

Zur Abschätzung des Bedarfs an medizinischen, pflegerischen und sozialen Diensten ist vor allem die deskriptive Epidemiologie bedeutsam, die Daten über den Krankenbestand und über die Zahl der Neuerkrankungen zu ermitteln versucht. Die analytische Epidemiologie, die sich mit den Krankheitsursachen und mit den Determinanten von Krankheitsverlauf und -ausgang beschäftigt, bemüht sich um die Aufdeckung von Risikofaktoren, durch deren Kontrolle das Krankheitsvorkommen vermindert werden kann.

Methoden der deskriptiven Epidemiologie

In der Vergangenheit waren Routinestatistiken, wie die Statistik der Todesursachen oder die Krankenhausstatistik, weitgehend nutzlos für die epidemiologische Demenzforschung. Mit den verbesserten technischen Voraussetzungen für Datenübermittlung und -speicherung und einer Ausweitung der dokumentierten Sachverhalte auf den ambulanten Versorgungsbereich und die Pflegeversicherung scheinen Routinedaten mittlerweile wichtige Beiträge zu deskriptiv-epidemiologischen Fragestellungen leisten zu können. Die Aussagekraft von routinemäßig erhobenen Diagnosedaten unterliegt aber nach wie vor den Einschränkungen, die sich aus der oft unklaren Validität dieser für andere als wissenschaftliche Zwecke erhobenen und nicht an wissenschaftlichen Kriterien orientierten Daten ergeben. Wertvollste Datenquelle für die maßstabsgetreue Schätzung der Krankheitshäufigkeit von Demenzen bleiben deshalb gegenwärtig noch die sog. Feldstudien, d. h. die direkten Untersuchungen von repräsentativen Bevölkerungsstichproben. Mit Querschnittstudien, die mittlerweile in praktisch allen entwickelten Ländern und auch in vielen weniger entwickelten Regionen durchgeführt worden sind, lässt sich der Krankenbestand zu einem bestimmten Zeitpunkt beziffern (Prävalenz). Mit den aufwendigeren Längsschnittstudien lässt sich die Rate der Neuerkrankungen bestimmen (Inzidenz). Die beiden Maßzahlen sind für unterschiedliche Fragestellungen relevant:

  • Prävalenz: Die Prävalenz ist vor allem für die Versorgungsplanung wichtig. Sie kann jedoch nur bedingt Auskunft über die Verteilung des Erkrankungsrisikos geben, denn die Prävalenz ist eine Funktion von Inzidenz und Krankheitsdauer. Ob Prävalenzdifferenzen auf Unterschiede in der Krankheitsdauer oder auf Unterschiede im Neuerkrankungsrisiko zurückzuführen sind, ist nicht beurteilbar.
  • Inzidenz: Die Inzidenz hingegen kann Aufschluss über Unterschiede im Erkrankungsrisiko geben. Sie ist deshalb besonders für die Ursachenforschung bedeutsam.

Fallstricke der deskriptiven Epidemiologie von Altersdemenzen

  • Routinestatistiken (Todesursachen, Krankenhausstatistik, Pflegestatistik oder Abrechnungsstatistiken der ambulanten Behandlung) haben oft eine unklare Validität.
  • Prävalenz und Inzidenz lassen sich maßstabsgetreu nur durch Feldstudien an Zufallsstichproben aus der Bevölkerung ermitteln.
  • Bei den oft kleinen Stichproben von nicht mehr als 1000 Personen können Zufallseffekte große Schätzfehler bewirken.
  • Die Repräsentativität der Stichproben kann durch Teilnahmeverweigerungen und zwischenzeitliche Todesfälle beeinträchtigt sein.
  • Die Repräsentativität ist erheblich eingeschränkt, wenn bestimmte Personengruppen (z.B. Heimbewohner) bei der Stichprobenziehung nicht berücksichtigt werden.
  • Durch die übliche Begrenzung auf eine bestimmte Stadt oder eine bestimmte Region als Studiengebiet kann die Generalisierbarkeit der Resultate eingeschränkt sein.
  • Kognitive Störungen verteilen sich kontinuierlich mit fließenden Übergängen zur normalen Alterung, sodass die Validität der Diagnose begrenzt ist.
  • Die Diagnosekriterien der verbreiteten Klassifikationssysteme weichen voneinander ab und unterliegen einem zeitlichen Wandel.
  • Angaben zur Häufigkeit beziehen sich gelegentlich auf verschiedenartige Schweregrade der Demenz.
  • Diskrepanzen können in einer ungenauen Terminologie begründet sein (wie z. B. im synonymen Gebrauch der Begriffe „Demenz“ und „Alzheimer-Krankheit“).

Prävalenz von Demenzen

Die Prävalenz beziffert den Krankenbestand zu einem bestimmten Zeitpunkt (Punktprävalenz).

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Die zahlreichen Einzelstudien sind aus methodischen Gründen oft nur eingeschränkt miteinander vergleichbar. Dennoch bewegen sich die Resultate mehrheitlich in einer engen Bandbreite. Aus den westlichen Industrieländern wird eine Gesamtprävalenz für die über 65-jährige Bevölkerung zwischen 5 und 9 % berichtet. Wenn nur die mittelschweren und schweren Demenzstadien, die mit einer selbstständigen Lebensführung nicht mehr zu vereinbaren sind, erfasst werden, liegen die Prävalenzraten im Mittel bei 6 % und überschreiten in neueren Studien in keinem Fall 8 %. Werden die leichteren Stadien einbezogen, so können auch Prävalenzraten von 10 % und knapp darüber erreicht werden. Die leichteren Demenzstadien, in denen zumeist noch keine ständige Abhängigkeit von der Versorgung und Beaufsichtigung durch Dritte besteht, haben nach den meisten Studien eine Häufigkeit, die ⅓-⅔ der Häufigkeit der schwereren Stadien entspricht. Durchschnittlich stehen die leichten, mittelschweren und schweren Erkrankungsstadien in einem Verhältnis von ungefähr 3:4:3 zueinander. Metaanalysen erlauben eine stabilere Schätzung des Krankenbestands als die einzelnen Feldstudien.

Analytische Epidemiologie

Die analytische Epidemiologie konzentriert sich auf die Erforschung von Ursachen und Risikofaktoren von Demenzen. Sie untersucht, welche Faktoren die Entstehung und den Verlauf der Krankheit beeinflussen.

Gesundheitsökonomie

Die Gesundheitsökonomie befasst sich mit den Kosten, die durch Demenzerkrankungen entstehen, und mit der Effizienz verschiedener Versorgungsmodelle. Sie analysiert, wie Ressourcen optimal eingesetzt werden können, um die Lebensqualität von Menschen mit Demenz und ihrer Angehörigen zu verbessern.

Molekulargenetik und Neurobiologie neurodegenerativer Demenzen

Allgemeine Prinzipien

Die molekulargenetische und neurobiologische Forschung hat in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte im Verständnis der Entstehung neurodegenerativer Demenzen erzielt. Es wurden zahlreiche Gene identifiziert, die mit einem erhöhten Demenzrisiko in Verbindung stehen.

Krankheitsspezifische Aspekte

Die Alzheimer-Krankheit, die häufigste Form der Demenz, ist durch die Ablagerung von Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen im Gehirn gekennzeichnet. Diese Ablagerungen führen zu einer Schädigung von Nervenzellen undSynapsen, was letztendlich zum Verlust kognitiver Fähigkeiten führt. Bei anderen Demenzformen, wie der frontotemporalen Demenz oder der Lewy-Körperchen-Demenz, spielen andere Mechanismen eine Rolle.

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Zusammenfassung und Ausblick

Die molekulargenetische und neurobiologische Forschung bietet wichtige Ansatzpunkte für die Entwicklung neuer Therapien zur Behandlung von Demenzen. In Zukunft könnten beispielsweise Medikamente entwickelt werden, die die Bildung von Amyloid-Plaques verhindern oder die Tau-Fibrillen abbauen.

Störungen der Neurotransmission bei Demenzen

Einleitung

Die Neurotransmission, dieSignalübertragung zwischen Nervenzellen, spielt eine entscheidende Rolle für die kognitiven Funktionen des Gehirns. Bei Demenzen kommt es zu Störungen der Neurotransmission, die zu den typischen Symptomen der Krankheit beitragen.

Störungen der Neurotransmission bei Alzheimer-Demenz

Bei der Alzheimer-Demenz sind vor allem das cholinerge und das glutamaterge System betroffen. Der Verlust von cholinergen Neuronen im Gehirn führt zu einem Mangel an Acetylcholin, einem wichtigen Neurotransmitter für das Gedächtnis. Glutamat ist ein erregender Neurotransmitter, der bei der Alzheimer-Demenz in übermäßiger Konzentration vorhanden sein kann, was zu einer Schädigung von Nervenzellen führen kann.

Störungen der Neurotransmission bei anderen Demenzen

Auch bei anderen Demenzformen, wie der frontotemporalen Demenz oder der Lewy-Körperchen-Demenz, kommt es zu Störungen der Neurotransmission. Diese Störungen können je nach Demenzform unterschiedlich sein und zu unterschiedlichen Symptomen führen.

Neuropathologie

Einleitung

Die Neuropathologie befasst sich mit den krankhaften Veränderungen des Gehirns, die bei Demenzen auftreten.

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Neurodegenerative Erkrankungen

Bei neurodegenerativen Erkrankungen, wie der Alzheimer-Krankheit, kommt es zu einem fortschreitenden Verlust von Nervenzellen im Gehirn. Dieser Verlust von Nervenzellen führt zu den typischen Symptomen der Demenz.

Creutzfeldt-Jakob-Krankheit

Die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit ist eine seltene, aber tödliche Demenzform, die durch Prionen verursacht wird. Prionen sind fehlgefaltete Proteine, die sich im Gehirn ablagern und zu einer Schädigung von Nervenzellen führen.

Vaskuläre Demenzen

Vaskuläre Demenzen entstehen durch Durchblutungsstörungen im Gehirn, beispielsweise durch Schlaganfälle oderMini-Schlaganfälle. Diese Durchblutungsstörungen führen zu einer Schädigung von Nervenzellen undSynapsen, was letztendlich zum Verlust kognitiver Fähigkeiten führt.

Diagnostik und Klassifikation

Einleitung

Eine frühzeitige und genaue Diagnose ist entscheidend für die Behandlung von Demenzen.

Internationale Klassifikation der Krankheiten (ICD-10), Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM)

Die Internationale Klassifikation der Krankheiten (ICD-10) und das Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM) sind international anerkannte Klassifikationssysteme für psychische Erkrankungen, einschließlich Demenzen. Diese Systeme ermöglichen eine standardisierte Diagnose und Klassifikation von Demenzen.

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