Depakine bei Migräne: Dosierung, Anwendung und wichtige Hinweise

Valproinsäure, der Wirkstoff in Depakine, ist ein vielseitiges Medikament, das hauptsächlich zur Behandlung von Epilepsie und bipolaren Störungen eingesetzt wird. Obwohl es nicht explizit für die Migräneprophylaxe zugelassen ist, wird es in einigen Fällen "Off-Label" dafür verwendet. Dieser Artikel beleuchtet die Dosierung von Depakine, seine Anwendungsgebiete, wichtige Hinweise und mögliche Nebenwirkungen.

Anwendungsgebiete von Valproinsäure (Depakine)

Valproinsäure und sein Salz Valproat werden hauptsächlich zur Behandlung von Epilepsie und Krampfanfällen sowie zur Stimmungsstabilisierung bei bipolaren Störungen angewendet. Valproinsäure wird zur Behandlung vieler Formen der Epilepsie eingesetzt. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Generalisierte Anfälle in Form von Absencen (Petit-mal-Anfall mit kurzer Bewusstseinspause)
  • Generalisierte Anfälle in Form von tonisch-klonischen Anfällen (Grand-mal-Anfall mit Bewusstseinsverlust, Sturz, Verkrampfung und Zucken von Muskelgruppen)
  • Fokale Anfälle komplexer Art mit gestörtem Bewusstsein

Ebenso kann Valproinsäure zusammen mit weiteren Wirkstoffen bei anderen Formen der Epilepsie eingesetzt werden.

Valproinsäure ist außerdem zur Behandlung manischer Episoden bei bipolarer affektiver Störung zugelassen, wenn der Wirkstoff Lithium nicht vertragen wird oder aus anderen Gründen nicht eingesetzt werden kann. Auch zur Vorbeugung von manischen Episoden kann der Wirkstoff eingenommen werden.

Weitere Anwendungsgebiete sind die Migräneprophylaxe sowie in einigen Ländern der Einsatz bei Panikattacken.

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Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat jedoch klargestellt, dass Valproat bei Mädchen und Frauen im gebärfähigen Alter nur dann eingesetzt werden darf, wenn andere Behandlungen nicht wirksam oder nicht verträglich sind.

Wichtiger Hinweis: Bei Kleinkindern ist Valproinsäure nur in Ausnahmefällen Mittel der ersten Wahl und sollte nur unter besonderer Vorsicht nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung und möglichst als Monotherapie angewendet werden.

Darreichungsformen und Anwendung

Valproinsäure ist in verschiedenen Formen erhältlich, darunter:

  • Lösung zum Einnehmen
  • Magensaftresistente Filmtabletten, Kapseln und Dragees
  • Retardtabletten und Hartkapseln retardiert
  • Injektionslösung und Pulver für Injektionslösungen

Die Lösung zum Einnehmen ist besonders für Kinder unter sechs Jahren und Patienten mit Schluckbeschwerden geeignet. Die Lösung sollte möglichst zu den Mahlzeiten mit einem halben Glas Zuckerwasser oder Ähnlichem eingenommen werden. Es wird empfohlen, keine kohlensäurehaltigen Getränke wie Mineralwasser oder Ähnliches zu verwenden.

Die magensaftresistenten und retardierten Formulierungen sollten möglichst eine Stunde vor den Mahlzeiten (morgens nüchtern) unzerkaut mit reichlich Flüssigkeit (z.B. einem Glas Wasser, jedoch kein kohlensäurehaltiges Mineralwasser) eingenommen werden. Bei Umstellung von bisherigen (nicht retardierten) Darreichungsformen auf Retardformulierungen ist auf ausreichende Serumspiegel von Valproinsäure zu achten.

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Dosierungsempfehlungen

Die Dosierung von Depakine ist individuell und muss vom Arzt festgelegt und kontrolliert werden. Es wird ein stufenweiser Aufbau der Dosierung bis zur optimal wirksamen Dosis empfohlen.

Allgemeine Dosierungsempfehlungen:

  • Monotherapie: Anfangsdosis von 5-10 mg Valproinsäure/kg Körpergewicht, die alle 4-7 Tage um etwa 5 mg Valproinsäure/kg Körpergewicht erhöht wird.
  • Mittlere Tagesdosis (Langzeitbehandlung):
    • Erwachsene und ältere Patienten: 20 mg Valproinsäure/kg Körpergewicht
    • Jugendliche: 25 mg Valproinsäure/kg Körpergewicht
    • Kinder: 30 mg Valproinsäure/kg Körpergewicht

Entsprechend empfohlene mittlere Tagesdosen (während Langzeitbehandlung):

  • Erwachsene (ab ca. 60 kg KG): 1200 - 2100 mg (4 - 7 ml) Natriumvalproat (verteilt auf 2 - 4 Einzelgaben)
  • Jugendliche >/= 14 Jahre (ca. 40 - 60 kg KG): 1000 - 1500 mg (3,5 - 5 ml) Natriumvalproat / Tag (verteilt auf 2 - 4 Einzelgaben)
  • Kinder 3 - 6 Monate (ca. 5,5 - 7,5 kg KG): 150 mg (0,5 ml) Natriumvalproat / Tag (verteilt auf 2 - 4 Einzelgaben)
  • Kinder 6 - 12 Monate (ca. 7,5 - 10 kg KG): 150 - 300 mg Natriumvalproat (0,5 - 1 ml) / Tag (verteilt auf 2 - 4 Einzelgaben)
  • Kinder 1 - 3 Jahre (ca. 10 - 15 kg KG): 300 - 450 mg (1 - 1,5 ml) Natriumvalproat / Tag (verteilt auf 2 - 4 Einzelgaben)
  • Kinder 3 - 6 Jahre (ca. 15 - 25 kg KG): 450 - 750 mg (1,5 - 2,5 ml) Natriumvalproat / Tag (verteilt auf 2 - 4 Einzelgaben)
  • Kinder 7 - 14 Jahre (ca. 25 - 40 kg KG): 750 - 1200 mg (2,5 - 4 ml) Natriumvalproat / Tag (verteilt auf 2 - 4 Einzelgaben)

Wichtige Hinweise zur Dosierung:

  • Die volle Wirkung kann in einigen Fällen erst nach 4-6 Wochen beobachtet werden.
  • Bei Kombinationstherapie muss die Dosis der bis dahin eingenommenen Antiepileptika reduziert werden.
  • Bei Patienten mit Niereninsuffizienz oder Hypoproteinämie ist die Dosis gegebenenfalls anzupassen.
  • Die Serumkonzentration (bestimmt vor der ersten Tagesdosis) sollte 100 mg Valproinsäure/L nicht überschreiten.

Mögliche Nebenwirkungen

Wie alle Medikamente kann auch Depakine Nebenwirkungen verursachen, die aber nicht bei jedem auftreten müssen. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören:

  • Sehr häufig: Übelkeit
  • Häufig: Anämie, Thrombozytopenie, Leukopenie, Gewichtszunahme oder -abnahme, erhöhter oder verminderter Appetit, Verwirrtheitszustände, Halluzinationen, Tremor, Schläfrigkeit, Kopfschmerzen, Haarausfall, Erbrechen, Diarrhö, Oberbauchbeschwerden.
  • Gelegentlich: Blutungen, Vaskulitis, Nierenversagen, Hautreaktionen, Menstruationsstörungen.
  • Selten: Leberschädigungen, Pankreatitis, systemischer Lupus erythematodes.

Besondere Vorsicht ist geboten bei:

  • Säuglingen und Kleinkindern (erhöhtes Risiko für Leberschäden)
  • Patienten mit Leber- oder Bauchspeicheldrüsenproblemen
  • Patienten mit Blutgerinnungsstörungen
  • Frauen im gebärfähigen Alter (hohes Risiko für Fehlbildungen beim Kind)

Wichtiger Hinweis: Beim Auftreten von Symptomen wie Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Erbrechen, erniedrigtem Blutdruck oder bei Zunahme der Anfälle sollte umgehend der Arzt aufgesucht werden.

Gegenanzeigen

Depakine darf nicht eingenommen werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegen Valproat oder einen der sonstigen Bestandteile
  • Schwerwiegenden Funktionsstörungen von Leber oder Bauchspeicheldrüse
  • Lebererkrankungen in der eigenen Vorgeschichte oder bei Familienangehörigen
  • Blutgerinnungsstörungen
  • Porphyrie
  • Störungen im Harnstoffzyklus
  • Frauen im gebärfähigen Alter, welche die Bedingungen des Schwangerschaftsverhütungsprogrammes nicht erfüllen
  • Mutation am mitochondrialen Enzym Polymerase Gamma (POLG)

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Valproinsäure kann mit einer Vielzahl von anderen Medikamenten interagieren. Es ist daher wichtig, den Arzt oder Apotheker über alle eingenommenen Medikamente zu informieren.

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Beispiele für Wirkstoffe, die den Valproinsäure-Spiegel im Körper senken können, sind Anti-Malaria-Mittel wie Mefloquin und Carbapeneme (Antibiotika). Andere Wirkstoffe erhöhen ihn, darunter zum Beispiel Mittel gegen Epilepsie (wie Phenobarbital, Phenytoin, Primidon, Carbamazepin, Felbamat), Magensäurehemmer (wie Cimetidin), bestimmte Antibiotika (wie Erythromycin, Rifampicin) und das Antidepressivum Fluoxetin.

Umgekehrt kann auch die Valproinsäure die Wirkung anderer Wirkstoffe beeinflussen. Sie erhöht zum Beispiel teilweise die Wirkung anderer Antiepileptika, weshalb die kombinierte Behandlung durch einen erfahrenen Arzt erfolgen sollte. Ebenso kann Valproinsäure die Wirkung von Gerinnungshemmern und damit die Blutungsneigung erhöhen.

Valproinsäure und Schwangerschaft

Valproinsäure ist fruchtschädigend und darf während der Schwangerschaft nicht eingenommen werden. Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung mit Valproinsäure eine wirksame Verhütungsmethode anwenden.

Migräneprophylaxe mit Valproinsäure: Ein kritischer Blick

Obwohl Valproinsäure "Off-Label" zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden kann, ist es wichtig, die Risiken und Vorteile sorgfältig abzuwägen. Es gibt zugelassene Alternativen mit einem besseren Sicherheitsprofil, insbesondere die monoklonalen Antikörper gegen CGRP oder den CGRP-Rezeptor.

In Deutschland wurde die frühere Praxis, Valproinsäure als "erfolglos erprobt" vorauszusetzen, bevor CGRP-Antikörper verschrieben werden durften, aufgegeben. Dies lag daran, dass die Bedingung für einen Off-Label-Einsatz, das Fehlen einer zugelassenen Alternative, nicht gegeben war.

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