Der Psychiater, der sein Gehirn verlor: Eine tiefgründige Analyse von Traumata, psychischen Störungen und der Suche nach Heilung

Traumata stellen eine der größten gesundheitlichen und gesellschaftspolitischen Herausforderungen unserer Zeit dar. Das Buch "Der Psychiater, der sein Gehirn verlor" von Prof. Dr. Dr. Frank Schneider, einem erfahrenen Psychiater, Psychologen, Psychotherapeuten und Neurowissenschaftler, widmet sich diesem komplexen Thema. Schneider, der als Professor an der RWTH Aachen tätig war, das Institut für Neurowissenschaften und Medizin am Forschungszentrum Jülich leitete und als Ärztlicher Direktor am Uniklinikum Düsseldorf wirkte, räumt in seinem Buch mit Fehlannahmen auf und beantwortet zahlreiche Fragen rund um Traumata. Es bietet sowohl Betroffenen als auch unterstützenden Personen wichtige Grundlagen und praktische Hilfen zur Bewältigung von Traumata.

Einführung in die Thematik

Das Buch geht der Frage nach, warum Menschen töten, und zwar in einer distanziert-medizinischen Sprechweise, die der Zunft des Autors eigen ist. Es werden Fallbeispiele aus dem Praxisalltag von Prof. Dr. Frank Schneider verwendet, um die Unterschiede zwischen Anpassungsstörung, posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) und komplexer posttraumatischer Belastungsstörung (K-PTBS) zu verdeutlichen.

Ursachen für traumatische Störungsbilder

Häufig tritt eine Traumafolgestörung bei Opfern von Vergewaltigung, Kindesmissbrauch, Krieg und Folter auf. Das Buch beleuchtet anhand von Fallgeschichten aber auch andere Ursachen, darunter:

  • Sexuelle Gewalt und Missbrauch
  • Medizinische Eingriffe
  • Gefangenschaft
  • Unfälle
  • Todesfälle von Angehörigen
  • Vertreibung sowie Migration und Flucht

Dabei werden die Unterschiede zwischen einer Anpassungsstörung, einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) und einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung (K-PTBS) sowohl am praktischen Beispiel als auch in der diagnostischen Theorie erklärt.

Fallbeispiele aus dem Buch

Der zweite Teil des Buches führt sechs völlig unterschiedliche Ursachen für traumatische Störungsbilder ein:

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  • KZ-Überlebende: Zwei KZ-Überlebende werden beschrieben, die noch Jahrzehnte nach dem Ende des Nationalsozialismus an erheblichen Einschränkungen litten.
  • Missbrauch in der DDR: Die Geschichte einer Bürgerin aus der ehemaligen DDR wird thematisiert, die als Kind von Republikflüchtlingen in Heimen missbraucht und vergewaltigt wurde.
  • Kriegsverletzter Soldat: Ein im Krieg schwerst verletzter ukrainischer Soldat, der nur wieder zurück an die Front zu seinen Kamerad:innen möchte, ohne seine eigene Traumatisierung (be)greifen zu können.
  • Verlust von Familie: Eine weitere Fallvignette beschreibt einen Mann, der sowohl seine Frau als auch den gemeinsamen Sohn durch einen Unfall verloren hat.
  • Totgeburt: Die Geschichte einer werdenden Mutter, die eine Totgeburt erlitt und sich mit der eigenen (möglichen) Verantwortung dafür auseinandersetzen muss. Eine Schwangere, deren Kind tot geboren wurde, weil sie auf Vorsorgeuntersuchungen verzichtet hatte, um ihre Vorstellung von einer in den sozialen Medien propagierten „selbstbestimmten Geburt“ zu verwirklichen
  • Tödliche Diagnose: Ein Mann, der mit einer tödlichen Erkrankung seiner Frau konfrontiert wird.

Therapeutische Möglichkeiten

Im dritten Teil des Buches stehen die therapeutischen Möglichkeiten im Mittelpunkt. Anhand von sieben Fallgeschichten werden die Voraussetzungen und Methoden einer erfolgreichen Therapie verdeutlicht.

Einblicke in extreme Erfahrungen

Der Schlussteil des Buches gibt Einblicke in extreme Erfahrungen, wie beispielsweise die des Herzpatienten, der mehrere Jahre auf ein Spenderorgan warten musste und mit einem künstlichen Herzen lebte. Trotz des Versagens des künstlichen Herzens und der wiederkehrenden Erstickungsanfälle verlor er nie seinen Lebensmut.

Warum dieses Buch anders ist

Das Buch wählt mit seinen Fallgeschichten einen anderen Ansatz als viele andere Titel von Expert:innen. Zudem orientiert sich Dr. Frank Schneider an der ICD-11 als aktuell gültiges Diagnosemanual, was dieses Buch von vielen anderen Veröffentlichungen zum Thema Trauma abhebt.

Verständliche Erklärungen und fachliche Fundierung

Das Buch bietet eine sehr gut lesbare und trotzdem fachlich hoch fundierte Erklärung von Traumafolgestörungen mit Krankheitswert, aber auch von ganz normalen Reaktionen auf schlimme Ereignisse, die eben unterhalb der Diagnosekriterien bleiben. Es wird betont, dass die wenigsten Menschen, die schlimme Dinge erleben, am Ende wirklich an einer diagnostizierbaren Folgestörung leiden.

Sachliche Sprache und Tiefgang

Die zahlreichen Fallbeispiele aus unterschiedlichen Lebensbereichen sind exzellent gewählt und beleuchten viele Aspekte rund um das Thema Trauma. Sie gehen in die Tiefe, ohne aber reißerisch das Leid der Betroffenen in den Vordergrund zu stellen. Eine wohltuend sachliche Sprache hilft, das Gelesene mit einer notwendigen und gesunden Distanz und fachlichem Interesse zu verfolgen.

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Weitere bemerkenswerte Bücher im Kontext psychischer Gesundheit

Neben Schneiders Werk gibt es eine Reihe weiterer Bücher, die sich auf unterschiedliche Weise mit psychischen Erkrankungen und Traumata auseinandersetzen. Einige davon werden im Folgenden kurz vorgestellt:

  • "Alles an seinem Platz" von Oliver Sacks: Dieses Werk zeigt Sacks' tiefes Interesse an seinen Patienten und seine Neugier auf andere Interessensgebiete. Es beinhaltet Fallgeschichten und Einblicke in die menschliche Natur.
  • "Bombenkopf - Wie Migräne mich ausmacht" von Phia Quantius und Sylvie Gühmann: Ein persönlicher Erfahrungsbericht über den Leidensweg einer Migräne-Betroffenen, der vor allem Jugendliche und junge Erwachsene ansprechen dürfte.
  • "Ein guter Tag zum Leben" von Lisa Genova: Die Geschichte eines Mannes, der mit ALS diagnostiziert wird, und die Auswirkungen auf sein Leben und seine Familie.
  • "Feuer im Kopf - Meine Zeit des Wahnsinns" von Susannah Cahalan: Ein Bericht über eine junge Frau, die an einer seltenen Autoimmunerkrankung des Gehirns erkrankt und ihren Kampf zurück ins Leben.
  • "Hormongesteuert ist immerhin selbstbestimmt" von Franca Parianen: Ein unterhaltsames Buch, das die komplexe Thematik der Hormone und ihre Auswirkungen auf Körper und Psyche verständlich erklärt.
  • "Im digitalen Alltag leistungsfähig und gesund bleiben" von Volker Busch: Ein Konzept zur Steigerung von Konzentration, Kreativität und Aufmerksamkeit im digitalen Zeitalter.
  • "Im Traum höre ich Dich spielen" von Lisa Genova: Ein Roman über ein Musiker-Ehepaar, das durch die Diagnose ALS bei einem der Partner wieder zusammenfindet.
  • "Mit einem Bein bereits im Himmel" von Kai-Uwe Kern: Anhand von Fallgeschichten werden die Ursachen und Auswirkungen von Phantomschmerzen nach Amputationen untersucht.
  • "Schlaf wirkt Wunder" von Hans-Günther Weeß: Ein Ratgeber für gesunden Schlaf, der die Bedeutung des Schlafs für die psychische und physische Gesundheit erläutert.
  • "Wanderlust mit Mister Parkinson" von Pamela Spitz: Ein ermutigendes Buch über eine Frau, die trotz der Diagnose Parkinson ihren Lebensmut bewahrt und ihre Leidenschaft für das Wandern entdeckt.
  • "Warum wir schlafen" von Albrecht Vorster: Das Buch gibt einen Einblick in die wissenschaftlichen Erkenntnisse über den Schlaf und seine Bedeutung für unsere Gesundheit.

Die dunkle Seite der menschlichen Psyche

Der Psychiater Reinhard Haller gibt Einblicke in die Gehirne von Mördern in seinem Buch, das sich mit der Frage auseinandersetzt, warum Menschen töten. Er schildert böse Taten in allen blutigen Details und versucht, das Böse und seine Wurzeln zu definieren. Haller argumentiert, dass je klarer der Verstand, desto böser der Täter. Er beschreibt den typischen Amokläufer als Gekränkten, dessen Psyche sich in eine eigene irreale Welt geflüchtet hat, in der die Kränkungen schlimmer und die Feinde noch gefährlicher scheinen, als sie sind.

Die Verbindung von Körper und Seele

Der französische Neuropsychiater Boris Cyrulnik betont in seinem Werk, wie eng neurologische und psychische Vorgänge miteinander verzahnt sind und wie sie unsere Fähigkeit zum Glücklichsein beeinflussen. Er seziert das Zusammenspiel von Neuronen und Verhalten oder Genen und Umwelt und kommt zu dem Schluss, dass Leib und Seele einander beeinflussen und unser Handeln in gleichem Maß bestimmen.

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