Der Weg zum Glück führt durchs Gehirn: Eine neurowissenschaftliche Perspektive

Sicherlich hat sich jeder Mensch schon einmal die Frage nach dem Glück gestellt. In Buchhandlungen füllen Ratgeber meterweise die Regale, und der moderne Mensch ist bestrebt, sein eigenes Glück zu schmieden. Doch interessanterweise nimmt das Glücksempfinden in der Bevölkerung nicht wesentlich zu. Mehr Beschäftigung mit dem Thema Glück bedeutet also nicht zwangsläufig, mehr Glück zu empfinden. Vielmehr sind es oft diejenigen Menschen, die dem Glück am engagiertesten hinterherlaufen, die am unglücklichsten sind.

Dieser Artikel beleuchtet die neurowissenschaftlichen Aspekte des Glücks und untersucht, wie unser Gehirn unser Glücksempfinden beeinflusst. Wir werden uns mit dem limbischen System, dem emotionalen Zentrum unseres Gehirns, beschäftigen und herausfinden, wie wir es nutzen können, um ein erfüllteres Leben zu führen.

Das limbische System: Der Schlüssel zum Glück?

Werner Tiki Küstenmacher, ein evangelischer Theologe, Pfarrer, Journalist, Karikaturist, Chefredakteur und Redner, hat sich intensiv mit dem Thema Glück und seiner Verbindung zum Gehirn auseinandergesetzt. In seinem Buch "Limbi. Der Weg zum Glück führt durchs Gehirn" stellt er das limbische System als den Schlüssel zum Glücklichsein dar.

Küstenmacher beschreibt das limbische System als den Teil unseres Gehirns, der für unsere Emotionen zuständig ist. Es ist ein kleiner Teil in unserem Gehirn, der uns früher vor Säbelzahntigern und anderen Gefahren gewarnt hat und der deutlich schneller reagiert als unser "vernünftiges" Großhirn. Das limbische System reagiert emotional und undifferenziert - mit Wut, Angst, aber auch mit Überraschung und Freude.

Küstenmacher hat diesem Teil unseres Hirns ein Gesicht gegeben - Limbi, ein kleines, wuscheliges und unwiderstehliches Wesen. Limbi taucht immer dann auf, wenn wir versuchen, ihm unseren Willen aufzuzwingen, beispielsweise wenn die Steuererklärung ansteht oder wir ein unangenehmes Telefonat führen müssen. Versuchen wir, Limbi zu bezwingen, werden wir feststellen, dass es nicht funktioniert. Die Lösung liegt darin, Limbi als Freund zu gewinnen.

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Die Neurowissenschaften und das Glück

Die Neurowissenschaften haben in den letzten Jahrzehnten enorme Fortschritte gemacht. Dank bildgebender Verfahren wie der funktionellen Magnetresonanztomografie (fMRT) können Forscher dem Gehirn beim Denken zusehen. Diese Methoden ermöglichen es, zu erkennen, in welchen Regionen des Kopfes bei bestimmten Gedanken oder Handlungen eine Aktivitätsveränderung stattfindet. Man misst hierfür, in welchem Gehirnareal momentan mehr Blut und damit Sauerstoff gebraucht wird.

Diese Erkenntnisse haben unser Verständnis des Gehirns und seiner Funktionsweise revolutioniert. Sie haben auch dazu beigetragen, die neuronalen Grundlagen des Glücks zu erforschen.

Die drei Gehirne nach MacLean

Der US-amerikanische Hirnforscher Paul MacLean entwickelte das Konzept des "dreieinigen Gehirns". Er war davon überzeugt, dass die drei verschiedenen Strukturen im menschlichen Gehirn die Entstehungsgeschichte der Arten nachbilden. Obwohl diese These inzwischen überholt ist, ist das Modell der Dreiteilung nach wie vor hilfreich, um die Arbeitsteilung zwischen den Hauptregionen des Gehirns zu verstehen.

Die drei Strukturen sind:

  • Der Hirnstamm: Der älteste Teil unseres Gehirns, der die fundamentalen Funktionen unseres Körpers wie Atmung, Herzschlag und spontane Muskelreaktionen regelt. Er wird auch als Reptilienhirn bezeichnet.
  • Das limbische System: Die mittlere Hirnschicht, die für Emotionen zuständig ist. Es wird auch als Säugetiergehirn bezeichnet.
  • Die Großhirnrinde (Neocortex): Die äußere Schicht unseres Gehirns, die für höhere kognitive Funktionen wie Denken, Sprache und Bewusstsein verantwortlich ist.

Limbi und die Herausforderungen des Alltags

Küstenmacher betrachtet in seinem Buch verschiedene Aspekte des Lebens durch die Linse des limbischen Systems. Er untersucht, wie Limbi unsere Entscheidungen in Bezug auf Zeit, Geld, Körper, Beziehungen, Liebe und Glück beeinflusst. Dabei gibt er praktische Tipps und Tricks, wie wir Limbi als Freund gewinnen und ein limbifreundliches Leben führen können.

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Der Weg zum Glück: Eine Frage der Perspektive

Küstenmacher ermutigt den Leser, das Bild des "inneren Schweinehundes" aufzugeben, der zu überwinden oder gar zu bekämpfen sei. Stattdessen sollten wir Limbi als einen wertvollen Teil unseres Selbst anerkennen und lernen, mit ihm zusammenzuarbeiten.

Der Weg zum Glück ist also nicht ein Kampf gegen unser emotionales Gehirn, sondern vielmehr ein Prozess der Akzeptanz und Integration. Indem wir Limbi als Freund gewinnen, können wir unsere inneren Widerstände überwinden und ein erfüllteres Leben im Einklang mit uns selbst führen.

Die Bedeutung der Neurowissenschaften für das Glück

Die Neurowissenschaften haben uns wertvolle Einblicke in die Funktionsweise unseres Gehirns und die neuronalen Grundlagen des Glücks gegeben. Sie haben gezeigt, dass das limbische System eine zentrale Rolle bei der Verarbeitung von Emotionen spielt und dass wir unser Glücksempfinden beeinflussen können, indem wir lernen, mit unserem emotionalen Gehirn zusammenzuarbeiten.

Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Neurowissenschaften nur ein Teil des Puzzles sind. Das Glück ist ein komplexes Phänomen, das von vielen Faktoren beeinflusst wird, darunter unsere Genetik, unsere Umwelt, unsere Beziehungen und unsere Lebenseinstellungen.

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