Desogestrel-Pille und Migräne: Erfahrungen, Zusammenhänge und Alternativen

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch starke Kopfschmerzen, oft begleitet von Übelkeit, Erbrechen und Lichtempfindlichkeit, gekennzeichnet ist. Viele Frauen leiden unter Migräne, die im Zusammenhang mit ihrem Menstruationszyklus steht. Die Frage, ob die Desogestrel-Pille bei Migräne helfen kann, ist komplex und hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Menstruelle Migräne: Ein hormonelles Problem?

Viele Frauen erleben Migräneattacken kurz vor, während oder nach ihrer Menstruation. Dies wird oft auf den sinkenden Östrogenspiegel zurückgeführt. Während des Menstruationszyklus schwankt der Östrogenspiegel stark. In der ersten Zyklushälfte steigt er stetig an, nimmt dann leicht ab und steigt kurz vor der Periode wieder an. Kurz vor oder während der Menstruation fällt der Östrogenspiegel jedoch stark ab, was Migräneattacken auslösen kann.

Es gibt verschiedene Arten von menstrueller Migräne:

  • Reine menstruelle Migräne: Attacken treten ausschließlich kurz vor oder nach der Periode auf (in mindestens zwei Drittel der Menstruationszyklen).
  • Menstruationsassoziierte Migräne: Attacken treten gehäuft in den Tagen rund um die Menstruation auf, aber auch in anderen Zyklusphasen.

Ein Kopfschmerztagebuch kann helfen, herauszufinden, ob es sich um eine menstruelle oder eine menstruationsassoziierte Migräne handelt.

Hilft die Pille bei Migräne?

Früher wurde die Pille oft zur Migräneprophylaxe eingesetzt, da viele Attacken durch den Hormonumschwung kurz vor der Regelblutung ausgelöst werden. Heute betrachten Ärzte dies differenzierter.

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Östrogenhaltige Pillen:

Mittlerweile raten Ärzte eher von einer hormonellen Therapie mit östrogenhaltigen Pillen oder Hormonpflastern ab, da die Attacken dadurch nur verschoben, aber nicht verhindert werden. Studien haben gezeigt, dass Frauen, die östrogenhaltige orale Kontrazeptiva einnehmen, häufiger Migräneattacken und Spannungskopfschmerzen haben.

Gestagenhaltige Pillen (Minipille):

Für die Minipille, ein reines Gestagenpräparat, wurde kein Zusammenhang mit dem Auftreten von Kopfschmerzen oder Migräne gefunden. Einige Frauen nehmen die Cerazette, eine Desogestrel-haltige Pille, durchgängig, um die Einnahmepause und den damit verbundenen Hormonabfall zu vermeiden. Dies kann bei hormonell bedingter Migräne hilfreich sein.

Desogestrel und Migräne: Was sagt die Forschung?

Eine systematische Recherche und Metaanalyse von internationalen Kopfschmerzexperten untersuchte die Behandlung von Migräne mit ausschließlich Progestin. In vier Studien zeigte der Wirkstoff Desogestrel in einer Dosierung von 75 µg/Tag eine mäßige Wirksamkeit: Die Anzahl der Migräneattacken und -tage konnte gesenkt werden, und auch die Stärke und Dauer der Anfälle wurden reduziert. Allerdings war die Stärke der wissenschaftlichen Evidenz eher niedrig, da die Studien geringe Teilnehmerzahlen hatten oder aufgrund des Studiendesigns nur begrenzt aussagekräftig waren.

Migräne mit Aura: Besondere Vorsicht

Bei Migräne mit Aura rät die WHO sowohl von östrogenhaltigen als auch von gestagenhaltigen Pillen ab, da diese das Schlaganfallrisiko erhöhen können. Alternativen zur Pille sind in diesem Fall besonders wichtig.

Erfahrungen mit Desogestrel und Migräne

Die Erfahrungen mit der Desogestrel-Pille bei Migräne sind unterschiedlich:

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  • Positive Erfahrungen: Einige Frauen berichten von einer Verbesserung ihrer Migräne, insbesondere wenn sie hormonell bedingt ist. Die durchgängige Einnahme der Pille kann den Hormonspiegel stabilisieren und Attacken reduzieren.
  • Negative Erfahrungen: Andere Frauen erleben eine Verschlechterung ihrer Migräne oder neue Kopfschmerzen nach der Einnahme der Desogestrel-Pille. Dies kann auf einen Östrogenmangel zurückzuführen sein, da Gestagene dem Körper Östrogen entziehen können.

Alternativen zur Pille bei Migräne

Wenn die Pille die Migräne verschlimmert oder aufgrund von Migräne mit Aura nicht geeignet ist, gibt es verschiedene alternative Verhütungsmethoden:

  • Kupfer- oder Goldspirale: Diese hormonfreien Spiralen sind eine zuverlässige Verhütungsoption.
  • Mechanische Verhütungsmittel: Kondome oder Diaphragma sind hormonfreie Alternativen.
  • Natürliche Familienplanung (NFP): Die Symptothermal-Methode oder Zyklus-Apps können helfen, die fruchtbaren Tage zu bestimmen.
  • Minipille (reine Gestagenpille): Diese Pille enthält kein Östrogen und wird ohne Pause eingenommen, wodurch der Hormonspiegel stabil bleibt.

Weitere Behandlungsansätze bei Migräne

Neben hormonellen und nicht-hormonellen Verhütungsmethoden gibt es weitere Ansätze zur Behandlung von Migräne:

  • Akuttherapie: Triptane sind Medikamente, die bei akuten Migräneattacken eingesetzt werden können.
  • Prophylaktische Therapie: Medikamente wie Betablocker, Antidepressiva oder Antiepileptika können die Häufigkeit und Schwere von Migräneattacken reduzieren.
  • Monoklonale Antikörper gegen CGRP: Diese Antikörper sind eine relativ neue Therapieoption für Migräne.
  • Nicht-medikamentöse Therapien: Entspannungstechniken, Akupunktur, Biofeedback oder eine Ernährungsumstellung können ebenfalls hilfreich sein.
  • sinCephalea App: Eine digitale Gesundheitsanwendung, die mittels eines Blutzuckersensors die Reaktion des Blutzuckers auf Mahlzeiten testet und individuelle Ernährungsempfehlungen gibt, um Migräneattacken vorzubeugen.

Die Rolle von Östrogen und Gestagen

Östrogen und Gestagen haben unterschiedliche Auswirkungen auf den Körper und können Migräne beeinflussen:

  • Östrogen: Wirkt gefäßerweiternd und kann bei einigen Frauen Migräneattacken auslösen, insbesondere bei einem plötzlichen Abfall des Östrogenspiegels.
  • Gestagen: Wirkt gefäßverengend und kann bei einigen Frauen zu Kopfschmerzen führen, insbesondere wenn ein Östrogenmangel vorliegt.

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