Der Deutsch Kurzhaar ist ein vielseitiger und leistungsstarker Jagdhund, der auch als Familienhund beliebt ist. Allerdings gibt es bei dieser Rasse bestimmte gesundheitliche Aspekte zu beachten, insbesondere die Epilepsie. Dieser Artikel beleuchtet das Thema Epilepsie beim Deutsch Kurzhaar umfassend, von der Diagnose bis zur Zucht.
Epilepsie beim Deutsch Kurzhaar: Ein Problem?
Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte Krampfanfälle gekennzeichnet ist. Diese Anfälle entstehen durch eine übermäßige elektrische Aktivität im Gehirn. Beim Deutsch Kurzhaar kann Epilepsie eine genetische Ursache haben, was bedeutet, dass die Veranlagung zur Krankheit vererbt wird. Es ist wichtig zu beachten, dass die Ursachen einer Epilepsie vielfältig sein können.
Unterscheidung zwischen epileptischen Anfällen und paroxysmalen Dyskinesien
Oberflächlich betrachtet fällt die Unterscheidung zwischen epileptischen Anfällen und paroxysmalen Dyskinesien selbst Tierärzten schwer. Prof. Dr. Thomas Flegel von der Klinik für Kleintiere der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig erläutert die Unterscheidung in seinen Vorträgen.
Paroxysmale Dyskinesien sind gekennzeichnet durch anfallsartig auftretende, unkontrollierte Motoraktivität (gesteigert oder reduziert) bei unbeeinträchtigtem Bewusstsein, die nicht mit epileptischer elektrischer Gehirnaktivität einhergeht, so die Definition von Sofia Cerda-Gonzalez, Rebecca A. Packer und Laurent Garosi. Im Gegensatz zu epileptischen Anfällen sind bei paroxysmalen Dyskinesien nur einzelne Muskelgruppen vorwiegend der Gliedmaßen betroffen. Zudem sei das Bewusstsein der Patienten nicht beeinträchtigt, es gebe keine autonomen Ausfälle sowie keine oder nur milde Phasen einer Verhaltensänderung vor und nach einer solchen Episode. Die Dauer der Anfälle variiere von wenigen Sekunden bis zu 30 Minuten. Ebenso variabel falle die Häufigkeit der Anfälle aus, die mehrmals täglich oder auch nur alle Monate auftreten könnten. Zwischen den Episoden tauchen keine neurologischen Defizite auf.
Spezifische Erkrankungsbilder sind bei verschiedenen Rassen bekannt, darunter auch der Deutsch Kurzhaar. Für manche Rassen ist ein zugrunde liegender Gendefekt bekannt, während er bei anderen lediglich vermutet wird. Die medikamentöse Behandlung führt in vielen Fällen lediglich zu einem teilweisen Ansprechen.
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Formen epileptischer Anfälle: Generalisiert oder partiell?
Bei epileptischen Anfällen ist grundsätzlich zwischen generalisierten und partiellen Anfällen zu unterscheiden. Massive Symptome zeigen sich bei generalisierten Anfällen, da mehr oder weniger das gesamte Großhirn in die Anfallsaktivität einbezogen ist. Viel schwerer falle die Diagnose bei partiellen Anfällen mit einzelnen Symptomen. Ob generalisiert oder partiell, beides ist für die Tiere gleich gefährlich und eine genaue Diagnose daher wichtig.
Ursachen und Diagnose von Epilepsie
Die Ursachen einer Epilepsie können vielfältig sein. Eine sogenannte sekundäre Epilepsie kann durch Erkrankung der inneren Organe oder Probleme mit dem Herz-Kreislauf-System auftreten. Auch Missbildungen der Lebergefäße, Störungen im Salz- und Wasserhaushalt, Verletzungen, Entzündungen oder Tumore können zu einer sekundären Epilepsie führen.
Erst wenn all diese Ursachen von einem Tierarzt ausgeschlossen werden können, kann man von einer primären (idiopathischen) Epilepsie ausgehen. Die Ursache dafür liegt in den Nervenzellen des Gehirnes. Diese sind schnell überreizt und geben willkürlich Signale ab, was zu Krampfanfällen führt. In der Regel treten im Alter zwischen ein bis fünf Jahre die ersten Krampfanfälle auf.
Um auszuschließen, dass Sekundärerkrankungen zu den Krämpfen führen, werden Magnetresonanz-, Röntgen-, Ultraschall und Blutuntersuchungen durchgeführt. Sind die Befunde dieser Untersuchungen negativ, gelangt man zur Diagnose der heriditären oder idiopathischen Epilepsie. Sie kann noch nicht durch einen Gentest festgestellt werden, obgleich sie erblich ist.
Das Problem Zeros Silesia
Im Zusammenhang mit Epilepsie beim Deutsch Kurzhaar wird immer wieder ein Rüde als Vererber genannt: Zeros Silesia. Er hat sich in der Rasse erfolgreich vermehrt. Rund 180 Nachkommen tragen seinen Namen in der Ahnentafel. Und da sich auch einige dieser Nachkommen bereits vermehrt haben, könnte das Problem Epilepsie, wenn es denn eines ist, langsam unüberschaubar und gefährlich für die Rasse werden.
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Im Sommer erhielt der Zuchtwart des DK-Verbandes, Gerd Schad, tierärztliche Bescheinigungen über drei Hunde, die epileptiforme Anfälle hatten. Es waren alles Nachkommen von Zeros Silesia. Schad schrieb dem DK-Präsidenten: "Lieber Michael, mit meinem heutigen Schreiben teile ich Dir mit, dass ich den Rüden Zeros Silesia für die Zucht gesperrt habe, da er mit drei verschiedenen Partnern epileptiforme Anfälle gebracht hat." Die folgende Sitzung des DK-Präsidiums muss nicht sehr harmonisch verlaufen sein. An ihr nahm die Besitzerin des Rüden Zeros Silesia teil. Sie forderte Zuchtwart Gerd Schad auf, die Zuchtsperre zurückzunehmen. Andernfalls drohte sie mit einer Klage. Ihre Begründung war rein formaler Natur: In der Zuchtordnung des DK-Verbandes gebe es den Begriff Zuchtsperre nicht. Außerdem müssten für eine Löschung der Zuchteignung zwei Gutachten über betroffene Hunde gefertigt werden. Es lagen aber "nur" Bestätigungen von Tierärzten vor. Mit ihren Argumenten überzeugte die Züchterin die Mehrheit des Präsidiums. Gerd Schad musste die "Zuchtsperre" zurücknehmen. Schumacher teilte zudem dem Präsidium mit, dass seit mit Zeros nicht gezüchtet werden könne wegen einer Erkrankung. Das Thema Nachkommen blieb außen vor.
Nach dem selbst erlebten Epilepsieanfall bei Gino Silesia hat die Züchterin Marica Schumacher ihren Deckrüden Zeros Silesia noch sieben Mal zur Zucht eingesetzt. Dabei fielen rund 50 Welpen. Zu jedem Deckakt hatte sie eine Deckbescheinigung, eine gesetzliche Urkunde also, unterschrieben. Auf ihr steht der Text: "Ich versichere, dass mir nicht bekannt ist, dass nach meinem Rüden Epileptiker gefallen sind."
Nach der Präsidiumssitzung, in der die "Zuchtsperre" für Zeros Silesia aufgehoben wurde, tagte die Zuchtkommission des DK-Verbandes. Ein Teilnehmer der Sitzung erinnert sich, dass der Antrag gestellt und angenommen worden sei, die Mitglieder des DK-Verbandes über die Epilepsiefälle sofort zu informieren. Dies hätte in den Kurzhaar-Blättern geschehen müssen, die Anfang November erschienen. Verantwortlich für die Redaktion der Kurzhaar-Blätter: Marica Schumacher, Obfrau für Berichterstattung. Berichtet wurde über das Epilepsieproblem - nichts. Zuchtwart Gerd Schad regte in derselben Sitzung übrigens an, alle Nachkommen der F1-Generation von Zeros Silesias für die Zucht zu sperren. Dieser Anregung wurde nicht gefolgt.
Offiziell sind derzeit dem DK-Verband sechs Fälle von Hunden bekannt, die epileptiforme Anfälle hatten. Alle wurden nach dem Rüden Zeros Silesia gezüchtet. Inoffiziell wird die Zahl der betroffenen Hunde auf 20 geschätzt, wobei bereits ein Hund der F 2-Generation betroffen sein soll. Epileptiforme Anfälle soll auch ein Nachkomme eines Bruders von Zeros Silesia haben.
Die Rolle des DK-Verbandes
Es stellt sich die Frage, welche Rolle der Deutsch Kurzhaar Verband (DK-Verband) bei der Bekämpfung von Epilepsie spielt. Kritiker werfen dem Verband vor, das Problem zu verharmlosen und nicht ausreichend Maßnahmen zu ergreifen, um die Ausbreitung der Krankheit zu verhindern. Es wird bemängelt, dass Hunde, bei denen der Verdacht auf Epilepsie besteht, weiterhin in der Zucht eingesetzt werden und dass Züchter nicht ausreichend über die Risiken informiert werden.
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Eine Liste mit Verdachtsfällen und Meldungen über epileptiforme Anfälle, die Hammerer an alle DK-Zuchtwarte versandt hat, spricht eine völlig andere Sprache. Hier ist von bis zu 20 (!) Prozent die Rede. Doch auch die 20 Prozent müssen differenziert betrachten werden. Hunde mit geringem Zuchteinsatz und nur wenigen Epilepsienachkommen können prozentual ein schiefes Bild bewirken. Unterm Strich aber sagt die Liste aus, dass Deutsch-Kurzhaar - und zwar selbst verschuldet - ein Problem hochkommen ließ, das ohne drastische Maßnahmen nicht mehr in den Griff zu bekommen ist.
Die Liste führt 45 Hunde auf, deren Anfälle von 2003 bis 2016 bekannt wurden. 34 dieser Fälle wurden allerdings in den Jahren 2012 bis 2016 bekannt. Aus der Liste geht auch hervor, welche Hunde wahrscheinlich das Krankheitsbild vererbt haben. In 18 Fällen war Grando von der Schladebacher Alm der Großvater. Auch in der Elterngeneration fallen einige Hunde besonders auf. Sieben Mal ist dort beispielsweise Zeros Silesia vertreten. Auch Falko Rothenuffeln ist mehrfach vertreten. Allein fünf Fälle des Zwingers von der Himmelsleiter lassen sich auf Grando von der Schladebacher Alm und Birke vom Westermoor/Falko Rothenuffeln zurückführen. Zusammengefasst kann man sagen, dass, wenn Zeros Silesia der Vater war und in der Mutterlinie Roncalli von der Asseburg auftaucht, Epilepsieprobleme nicht allzu weit sind.
Was können Züchter und Besitzer tun?
Um Epilepsie beim Deutsch Kurzhaar einzudämmen, sind verschiedene Maßnahmen erforderlich:
- Transparente Zucht: Züchter sollten offen mit dem Thema Epilepsie umgehen und ihre Zuchttiere auf die Krankheit testen lassen. Hunde, die an Epilepsie leiden oder eine hohe Veranlagung dazu haben, sollten von der Zucht ausgeschlossen werden.
- Sorgfältige Auswahl der Welpen: Käufer sollten sich vor dem Kauf eines Welpen gründlich über die Elterntiere informieren und sich die Gesundheitszeugnisse zeigen lassen. Es ist ratsam, einen Züchter zu wählen, der sich aktiv für die Gesundheit seiner Hunde einsetzt.
- Früherkennung und Behandlung: Wenn ein Deutsch Kurzhaar Anzeichen von Epilepsie zeigt, sollte er umgehend einem Tierarzt vorgestellt werden. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung können die Lebensqualität des Hundes deutlich verbessern.
- Ernährung: Eine passende Fütterungsstrategie spielt beim Deutsch Kurzhaar eine wichtige Rolle. Viele Hunde leiden an Nährstoffmangel. Dies ist häufig das Ergebnis einer unpassenden Fütterungsstrategie (zu viel, zu häufig), gekoppelt mit Futter minderer Qualität. Die Darmzellen werden durch den Nahrungsstress geschwächt und können zu wenig Nährstoffe einerseits selbst produzieren, andererseits aus der Nahrung aufnehmen. Ein Hund kann maximal einmal täglich ökonomisch verdauen. Morgens stehen ihm genug Hormone und Enzyme zur einwandfreien Verdauung zur Verfügung. Bei kranken Hunden, solchen mit starkem Stoffwechsel oder kleinen Rassen kann eine zweite Futterportion ratsam sein. Diese sollte kleiner ausfallen als die morgendliche Portion (70/30) und vor 17 Uhr gefüttert werden. Nachts kann Nahrung nicht ausreichend verdaut werden, da der Stoffwechsel herunterfährt. Die Darmzellen können die Nährstoffe nicht mehr richtig aus der Nahrung ziehen. Gleichzeitig wird das Risiko einer Magenaufgasung reduziert.
Der Deutsch Kurzhaar: Ein vielseitiger Jagdhund
Unabhängig von der Epilepsieproblematik bleibt der Deutsch Kurzhaar ein faszinierender und vielseitiger Jagdhund. Er ist intelligent, energiegeladen und loyal. Mit der richtigen Erziehung und Auslastung ist er ein treuer Begleiter bei der Jagd und ein liebevolles Familienmitglied.
Anforderungen an Haltung und Pflege
Der Deutsch Kurzhaar ist ein Arbeitshund, der viel Auslauf und Beschäftigung benötigt. Er braucht Aufgaben für Körper und Köpfchen. Neben der Jagd machen dem Deutsch Kurzhaar auch Fährtenarbeit und Apportierspiele sowie Hundesport großen Spaß. Die Rasse ist ihrem zweibeinigen Rudel sehr zugetan. Ermöglichen Sie Ihrem Vierbeiner also einen engen Familienanschluss und ein Zusammenleben mit Ihnen im Haus.
Das kurze Fell des Deutsch Kurzhaar ist pflegeleicht. Insbesondere während des Fellwechsels im Frühjahr und Herbst gilt: Je häufiger Sie Ihren Hund bürsten, desto weniger verteilen sich seine Haare in Ihren vier Wänden.