Deutsche Alzheimer Forschung: Ein Überblick

Die Alzheimer-Forschung in Deutschland ist ein vielschichtiges Feld, das sich mit den Ursachen, der Diagnose, der Prävention und der Behandlung von Demenzerkrankungen, insbesondere der Alzheimer-Krankheit, auseinandersetzt. Angesichts der steigenden Zahl von Menschen mit Demenz und der damit verbundenen Herausforderungen für Betroffene, Angehörige und das Gesundheitssystem, kommt der Forschung eine zentrale Bedeutung zu.

Die Rolle der Deutschen Alzheimer Gesellschaft (DAlzG)

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) spielt eine wichtige Rolle bei der Förderung der Alzheimer-Forschung in Deutschland. Zu ihren satzungsgemäßen Aufgaben gehört die Unterstützung wissenschaftlicher Forschungsvorhaben im Bereich Demenz. Die DAlzG schreibt alle zwei Jahre eine Forschungsförderung im Bereich der Versorgungsforschung aus. Die nächste Förderung wird Anfang 2026 ausgeschrieben. Alle Informationen zur Bewerbung und zur Förderung sind dann unter Forschungsförderung zu finden. Die DAlzG unterstützt Forschungsprojekte auch praktisch, beispielsweise indem sie ihr Expertenwissen in Projektbeiräten zur Verfügung stellt. Regelmäßig gehen Bitten ein, Projektanträge beim Forschungsministerium oder anderen Stellen durch einen sogenannten Letter of Intend zu unterstützen. Für solche Anfragen hat die DAlzG ein festgelegtes Verfahren. Anfragende Projekte werden außerdem gebeten, alle wichtigen Angaben in ein Formblatt einzutragen und an info[at]deutsche-alzheimer.de zu schicken.

Arbeitsgruppe „Demenz und Forschung“

Die DAlzG bezieht Menschen mit Demenz aktiv in die Forschung ein. Im Rahmen des Projektes PraWiDem wurde 2022 eine Arbeitsgruppe Demenz und Forschung aufgebaut, die das Projekt kontinuierlich begleitet und einmal im Monat aktuelle Forschungsfragen diskutiert hat. Obwohl das Projekt PraWiDem am 31.12.2024 endete, wird die gemeinsame Arbeit in der AG Demenz und Forschung fortgesetzt, um die wertvollen Erfahrungen nicht verloren gehen zu lassen.

Schwerpunkte der aktuellen Demenzforschung

Die Demenzforschung in Deutschland konzentriert sich auf verschiedene Schwerpunkte, die von der Früherkennung bis zur Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit Demenz reichen.

1. Früherkennung

Ein wichtiger Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung von Methoden zur Früherkennung von Alzheimer und anderen Demenzerkrankungen. Da Medikamente in frühen Stadien der Erkrankung am besten wirken, ist die Früherkennung ein entscheidender Faktor für eine wirksame Behandlung. Neue Bluttests, bildgebende Verfahren und digitale Methoden sollen es ermöglichen, die Krankheiten deutlich früher und zuverlässiger zu erkennen.

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2. Antikörper-Medikamente

Mit den Antikörpern Leqembi und Kisunla gibt es erstmals Medikamente, die den Verlauf von Alzheimer verlangsamen können. Sie richten sich an Menschen in einem frühen Krankheitsstadium und greifen gezielt in die Prozesse im Gehirn ein. Noch ist offen, wie groß ihr Nutzen langfristig ist und wie Nebenwirkungen am besten kontrolliert werden können. Forschungsteams arbeiten außerdem daran, ob sich die Antikörper künftig mit anderen Wirkstoffen kombinieren lassen.

3. Krankheitsmechanismen verstehen

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Erforschung der komplexen Krankheitsmechanismen, die der Alzheimer-Krankheit zugrunde liegen. Forschende untersuchen zentrale Prozesse wie die Ablagerung der Proteine Amyloid-beta und Tau, entzündliche Vorgänge, die Bedeutung von Umwelteinflüssen und genetische Aspekte. Ziel ist es, die Entstehung der Erkrankungen besser zu verstehen und neue Ansatzpunkte für Therapien zu finden.

4. Vorbeugung von Demenzerkrankungen

Die Forschung versucht, diese Zusammenhänge besser zu verstehen und Menschen dabei zu unterstützen, ihr persönliches Risiko zu senken. Studien zeigen, dass etwa 45 Prozent aller Demenzerkrankungen durch die Reduktion bestimmter Risikofaktoren verzögert oder sogar verhindert werden könnten. Dazu gehören Bluthochdruck, Diabetes, Hörverlust, Depressionen oder soziale Isolation.

5. Pflege und Lebensqualität

Neben der medizinischen Forschung rückt auch der Alltag von Menschen mit Demenz in den Mittelpunkt. Studien befassen sich damit, wie die Versorgung individueller, die Belastung für Angehörige geringer und die Selbstständigkeit der Erkrankten länger erhalten werden kann.

Herausforderungen und Perspektiven

Trotz der Fortschritte in der Alzheimer-Forschung gibt es noch viele Herausforderungen. Die Alzheimer-Krankheit ist äußerst komplex, und viele der Prozesse, die im Gehirn ablaufen, sind noch immer nicht vollständig verstanden. Hinzu kommt, dass Alzheimer oft lange bevor die ersten Symptome sichtbar werden beginnt, was die Entwicklung wirksamer Therapien erschwert.

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Dennoch gibt es Hoffnung. Erste Medikamente greifen gezielt in den Krankheitsverlauf ein, und Therapien können das Leben von Menschen mit Demenz bereits heute spürbar verbessern. Die Forschung entwickelt sich zunehmend weg von Einzelstrategien, und es wird davon ausgegangen, dass Kombinationen verschiedener Behandlungsansätze langfristig den entscheidenden Fortschritt bringen können. Auch Lebensstilfaktoren wie Ernährung, Bewegung und der gesunde Umgang mit Risikofaktoren werden eine wichtige Rolle spielen.

Initiativen und Studien in Deutschland

Zahlreiche Forschungsprojekte und Initiativen in Deutschland tragen dazu bei, das Wissen über Alzheimer und andere Demenzerkrankungen zu erweitern. Einige Beispiele sind:

  • Die Nationale Demenzstrategie: Sie definiert Konzepte, Strategien und Maßnahmen, die das Leben von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen verbessern sollen. Ein wichtiges Ziel ist der Bereich der Demenzprävention.
  • Die INSPIRATION-Studie: Ziel war es, die Häufigkeit und Verteilung von Risikofaktoren für die Entwicklung von Demenzerkrankungen systematisch zu erfassen und personalisierte Empfehlungen zur Risikominimierung zu geben.
  • Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE): Das DZNE betreibt an verschiedenen Standorten in Deutschland translationale Forschung mit dem Ziel, neue Strategien zur Prävention, Diagnose und Therapie neurodegenerativer Erkrankungen zu entwickeln.

Die Bedeutung von Spenden und Transparenz

Viele Forschungsprojekte werden überwiegend aus privaten Spenden finanziert. Deshalb ist Transparenz besonders wichtig.

Ratgeber und Informationsangebote

Es gibt zahlreiche Ratgeber und Informationsangebote für Menschen mit Demenz, Angehörige und Fachleute. Dazu gehören Broschüren, Ratgeber, das Alzheimer-Telefon und die Mitgliederzeitung der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, das Alzheimer Info.

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