Deutscher Kongress für Neurologie: Aktuelle Einblicke und Fortschritte

Der Deutsche Kongress für Neurologie (DGN) ist eine bedeutende Veranstaltung, die Fachleute aus dem Bereich der Neurologie zusammenbringt, um die neuesten Forschungsergebnisse, klinischen Erkenntnisse und Behandlungsstrategien zu diskutieren. Der diesjährige Kongress bot wieder eine Fülle von spannenden Themen und Innovationen.

Schwerpunkte des Kongresses

Der Kongress deckte ein breites Spektrum neurologischer Erkrankungen und Fragestellungen ab. Einige der zentralen Themen waren:

  • Schlaganfall: Strategien zur Lyse bei unklarer Notwendigkeit, Management leichter Schlaganfälle und die Indikation von Thrombektomien beim Basilarisverschluss.
  • Multiple Sklerose: Besonderheiten bei Frauen mit Kinderwunsch.
  • Epilepsie: Verkürzung von Anfällen bei Status epilepticus und frühzeitiges Eingreifen zur Verbesserung der Prognose.
  • Migräne: Rolle von Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) und Wirksamkeit von CGRP-basierten Therapien.
  • Chronisch-entzündliche demyelinisierende Polyneuropathie (CIDP): Differenzialdiagnostik und Behandlungsansätze.
  • Impfungen: Skepsis gegenüber Impfungen und deren Auswirkungen auf die Gesundheit.
  • Alzheimer-Krankheit: Einsatz neuer Antikörpertherapien und Diskussionen über die Behandlung der frühen Alzheimer-Demenz.
  • Parkinson-Krankheit: Vorstellung einer neuen Leitlinie.
  • Neurologische Notaufnahme: Minimierung von Behandlungsfehlern und zukünftige Versorgungsstrukturen.
  • Post-Lyme-Syndrom: Aktuelle Erkenntnisse und Abgrenzung von chronischer Infektion.
  • Tiefe Hirnstimulation: Anregung neuronaler Netzwerke und Aktivierung von außen per Gleichstromstimulation.
  • Neurodegenerative Erkrankungen: Einblicke in entzündliche Prozesse durch die Pandemie.

Schlaganfall-Management: Herausforderungen und Entscheidungsfindung

Ein zentrales Thema des Kongresses war der Schlaganfall und seine Behandlung. Mehr als die Hälfte aller Schlaganfälle gehen mit einem leichten klinischen Syndrom einher. Ob in einem solchen Fall eine intravenöse Thrombolyse angezeigt ist, kann auf Basis der aktuellen Datenlage nicht pauschal entschieden werden. Es wurde intensiv darüber diskutiert, wie man bei unklarer Notwendigkeit einer Lyse entscheiden soll. Die aktuellen Daten ermöglichen keine pauschale Empfehlung.

Die Anwendung von Thrombektomien beim Basilarisverschluss wurde ebenfalls eingehend erörtert. Hierbei ging es um die Frage, welche Patientengruppen am meisten von diesem Eingriff profitieren und welche Kriterien für eine erfolgreiche Behandlung ausschlaggebend sind.

Multiple Sklerose und Kinderwunsch

Ein weiterer wichtiger Aspekt war die Beratung von Frauen mit Multipler Sklerose (MS), die einen Kinderwunsch haben. Es wurden Empfehlungen zu Medikamenten, Verlauf der MS während der Schwangerschaft und Stillzeit sowie Risiken für Mutter und Kind diskutiert. Die Experten betonten die Notwendigkeit einer individualisierten Beratung und Betreuung.

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Epilepsie: Akutbehandlung und Prognose

Die Behandlung von Status epilepticus, einem lebensbedrohlichen Zustand, wurde ebenfalls thematisiert. Wie kann man einen Anfall bei Personen mit Status epilepticus möglichst kurz gestalten und wann muss man eingreifen, um die Prognose zu verbessern? Die Referenten stellten aktuelle Leitlinien und Behandlungsstrategien vor, um Anfälle schnellstmöglich zu beenden und Folgeschäden zu minimieren.

Migräne: Neue Therapieansätze

Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) spielt eine wichtige Rolle in der Pathophysiologie der Migräne, und gegen CGRP oder dessen Rezeptor gerichtete Therapien sind wirksam. Das scheint allerdings nicht auf alle Menschen mit Migräne zuzutreffen. Die Entwicklung von Medikamenten, die auf CGRP abzielen, hat die Migränebehandlung revolutioniert. Allerdings sprechen nicht alle Patienten gleich gut auf diese Therapien an. Daher wurden Strategien zur Identifizierung von Patienten, die am wahrscheinlichsten von CGRP-basierten Therapien profitieren, diskutiert.

CIDP und Differenzialdiagnose

Es gibt eine ganze Reihe von Erkrankungen, deren klinisches Bild dem einer chronisch inflammatorischen demyelinisierenden Polyneuropathie (CIDP) sehr ähneln kann, die aber eine völlig andere Behandlung erfordern. Die korrekte Diagnose ist entscheidend, um eine adäquate Therapie einzuleiten und unnötige Behandlungen zu vermeiden.

Impfungen: Aufklärung und Vertrauensbildung

Impfungen nützen der Gesundheit und Gesellschaft - trotzdem ist in den vergangenen Jahren die Skepsis gegenüber Impfungen gestiegen. Die Experten diskutierten Strategien zur Verbesserung der Impfbereitschaft und zur Bekämpfung von Fehlinformationen.

Alzheimer-Krankheit: Hoffnung durch Antikörpertherapien

Inzwischen erhalten die ersten Alzheimerkranken auch in Deutschland die neuen Antikörpertherapien. Die vielversprechenden Ergebnisse dieser Therapien wurden vorgestellt und diskutiert. Es bleibt jedoch wichtig, die Therapie frühzeitig zu beginnen und die Patienten sorgfältig auszuwählen.

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Parkinson-Krankheit: Neue Leitlinie

Auf dem Kongress wurde eine neue Leitlinie zur Behandlung der Parkinson-Krankheit vorgestellt. Diese Leitlinie basiert auf den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen und soll Ärzten bei der optimalen Versorgung ihrer Patienten helfen.

Neurologische Notaufnahme: Fehler vermeiden und Versorgung verbessern

Die Minimierung von Behandlungsfehlern in der neurologischen Notaufnahme und die Gestaltung zukünftiger Versorgungsstrukturen waren weitere wichtige Themen. Es wurden Strategien zur Verbesserung der Kommunikation, zur Standardisierung von Prozessen und zur besseren Schulung des Personals diskutiert.

Post-Lyme-Syndrom: Abgrenzung und Behandlung

Eine Mischung aus chronischer Fatigue und Fibromyalgie - das Post-Lyme-Syndrom ist schwer zu fassen. Eines ist jedoch nach vielen Studien klar: Es beruht nicht auf einer chronischen Infektion. Die Experten betonten die Bedeutung einer symptomatischen Behandlung und einer klaren Kommunikation mit den Patienten.

Tiefe Hirnstimulation und Gleichstromstimulation

Eine optimale tiefe Hirnstimulation regt bestimmte neuronale Netzwerke im Gehirn an. Diese lassen sich in gewissem Maße auch von außen per Gleichstromstimulation aktivieren. Diese Erkenntnisse könnten in Zukunft neue Therapieansätze für verschiedene neurologische Erkrankungen ermöglichen.

Pandemie und Neurodegeneration

Die Pandemie erlaubte Forschenden Einblicke in die entzündlichen Prozesse neurodegenerativer Erkrankungen. Diese Erkenntnisse könnten dazu beitragen, neue Therapieansätze für Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson zu entwickeln.

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