Diabetische Polyneuropathie, Fußschweiß und innovative Testmethoden

Die diabetische Polyneuropathie (DPN) ist eine häufige Komplikation des Diabetes mellitus, die Nervenschäden verursacht und oft mit Fußproblemen einhergeht. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen diabetischer Polyneuropathie, Fußschweiß und innovativen Testmethoden zur Früherkennung und Behandlung.

Einführung in die Diabetische Polyneuropathie

Etwa jeder dritte Patient mit Diabetes entwickelt eine diabetische Neuropathie. Die Erkrankung kann sowohl das somatische als auch das autonome Nervensystem betreffen und geht mit einer deutlich verringerten Lebensqualität sowie einem erhöhten Risiko für Komplikationen und Mortalität einher. Trotz dieser gravierenden Auswirkungen wird die Neuropathie oft spät erkannt.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Hauptursache für einen diabetischen Fuß ist ein jahrelang erhöhter Blutzucker. Durch den hohen Zucker sind die Blutgefäße und Nervenbahnen im gesamten Körper und vor allem im Fuß geschädigt. Je nachdem, ob die Durchblutung des Fußes oder die Nerven geschädigt sind, unterscheidet man zwischen dem neuropathischen oder ischämischen DFS. Zu den wichtigsten Risikofaktoren für eine DSPN zählen neben Diabetesdauer die Ausprägung der Hyperglykämie, arterielle Hypertonie und Hyperlipidämie.

Symptome

Die Symptome einer diabetischen Neuropathie können vielfältig sein und die Lebensqualität der Betroffenen erheblich einschränken. Zu den typischen Beschwerden gehören:

  • Neuropathische Symptome in den Extremitäten (vor allem in den Füßen, seltener in den Händen) wie einschießende oder stechende Schmerzen, Kribbeln, "Ameisenlaufen", Brennen, Krämpfe, Kälte- oder Taubheitsgefühl, Schmerzen bei einfacher Berührung
  • Neuropathische Defizite ("negative Symptome"), die von Patient:innen lange Zeit nicht bemerkt werden, wie Abnahme der Warm-/Kalt-, Berührungs- oder Vibrationsempfindung

In bis zu 50 % der Fälle kann die DSPN aber auch asymptomatisch verlaufen. Aus diesem Grund wird die Diagnose häufig erst mit großer Verzögerung gestellt.

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Der Zusammenhang zwischen Diabetischer Polyneuropathie und Fußschweiß

Diabetes kann im Krankheitsverlauf zu Durchblutungsstörungen und Nervenschädigungen an den Extremitäten führen. Die Nervenschädigungen, insbesondere die autonome Neuropathie, können die Schweißproduktion beeinträchtigen. Einige Diabetiker leiden unter vermehrtem Schwitzen (Hyperhidrose), während andere eine reduzierte Schweißproduktion (Anhidrose) aufweisen. Eine veränderte Schweißproduktion kann die Haut anfälliger für Risse und Verletzungen machen, was das Risiko für das diabetische Fußsyndrom erhöht.

Hyperhidrose bei Diabetikern

Übermäßiges Schwitzen, oder Hyperhidrose, kann bei Diabetikern verschiedene Ursachen haben. Neben der autonomen Neuropathie können auch Medikamente oder hormonelle Veränderungen eine Rolle spielen. Die Behandlung von Hyperhidrose bei Diabetikern kann mit Salvysat® 300 mg Tabletten erfolgen, die einen Trockenextrakt aus Salbeiblättern enthalten. Es konnte gezeigt werden, dass der Trockenextrakt aus Salbeiblättern die übermäßige Schweißproduktion um bis zu 50 % reduzieren kann.

Anhidrose bei Diabetikern

Eine reduzierte Schweißproduktion, oder Anhidrose, kann ebenfalls durch die autonome Neuropathie verursacht werden. Trockene Haut ist anfälliger für Risse und Verletzungen, was das Risiko für das diabetische Fußsyndrom erhöht. Daher ist eine sorgfältige Fußpflege mit feuchtigkeitsspendenden Produkten unerlässlich.

Testmethoden zur Früherkennung der Diabetischen Polyneuropathie

Die Früherkennung der diabetischen Polyneuropathie ist entscheidend, um das Risiko für das diabetische Fußsyndrom und Amputationen zu reduzieren. Es gibt verschiedene Testmethoden, die in der Praxis eingesetzt werden:

  • Palpation: Das Abtasten des Fußes gibt Hinweise, ob eine Durchblutungsstörung und/oder Nervenschädigung vorliegt. Ist die Haut normal bis überwärmt deutet dies auf eine Polyneuropathie, also eine Schädigung der Nerven, hin.
  • Stimmgabeltest: Hierbei wird untersucht, ob die Betroffenen die Vibrationen spüren.
  • Kalt-Warm-Test: Mit dieser Methode wird das Temperaturempfinden der Patient:innen überprüft. Dazu wird ein Kugelschreiber oder Stab an den Fuß gelegt und zwischen warm (Plastik) und kalt (Metall) gewechselt, um zu erfahren, ob die Patient:innen den Unterschied spüren.
  • Monofilament: Mit dieser Untersuchung wird die Hautempfindlichkeit überprüft. Dazu wird ein Kunststofffaden (ein Garn) an die Fußsohle gedrückt und knickt dabei ab. Bei intakter Hautsensibilität nehmen Patient:innen die Druckwirkung deutlich wahr. Ist diese gemindert, spüren sie nichts.
  • Knöchel-Arm-Index (ABI): Der ABI wird genutzt, um eine Durchblutungsstörung der Beine festzustellen. Dazu messen Ärzt:innen den Blutdruck im Oberarm und oberhalb des Fußgelenks. Unterscheiden sich die Werte, liegt möglicherweise eine Durchblutungsstörung vor.
  • Duplex-Ultraschall: Der Ultraschall kann eventuelle Durchblutungsstörungen aufzeigen.
  • Wund-Dokumentation: Bei einer vorhandenen Wunde wird die Größe, Tiefe und die Lage der Wunde beurteilt und dokumentiert.

Neuropad® - Ein innovatives Früherkennungspflaster

Ein innovatives Hilfsmittel zur Früherkennung der diabetischen peripheren Neuropathie ist das Neuropad®. Dieses Pflaster wird auf eine möglichst Hornhaut-freie Stelle unter den Fuß geklebt. Durch den Schweiß am Fuß verändert das Pflaster bei Menschen ohne Neuropathie normalerweise innerhalb weniger Minuten seine Farbe von Blau zu Rosa. Bei Diabetikern mit Neuropathie bleibt die Farbe unverändert.

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Die Sensitivität des Indikator-Pflasters liege bei 86 Prozent, die Spezifität bei 56 bis 65 Prozent. Wegen dieser vergleichsweise niedrigen Spezifität ist daher in jedem Fall für eine Bestätigung des Verdachts eine weiterführende Untersuchung nötig. Ein großer Vorteil von Neuropad® sei zudem, dass das Pflaster - anders als bei den Standarddiagnose-Instrumenten wie dem Test des Vibrationsempfindens oder dem Mikrofilament - ohne die Mitarbeit des Patienten Auskunft über dessen Zustand gebe. Auch sei das Nachweis-Pflaster der einzige objektive Test für das Erkennen einer Neuropathie, den der Patienten auch als Laie selbst durchführen könne.

Behandlung und Prävention der Diabetischen Polyneuropathie

Die Behandlung der diabetischen Polyneuropathie zielt darauf ab, die Symptome zu lindern, die Nervenschäden aufzuhalten und das Risiko für Komplikationen zu reduzieren.

Blutzuckereinstellung

Bei der Behandlung ist wichtig, dass auch der Blutzucker gut eingestellt wird, damit die Gefäß- oder Nervenschädigung nicht weiter fortschreiten kann. Eine gute Stoffwechseleinstellung ist für die Wundheilung sehr wichtig. Die Blutzuckerwerte sollten regelmäßig kontrolliert werden.

Medikamentöse Therapie

Für die klinische Anwendung stehen in Deutschland das Antioxidans Alpha-Liponsäure (ALA) und das fettlösliche Benfotiamin, ein Vitamin-B1-Prodrug, zur Verfügung. Beide Substanzen konnten in klinischen Studien Symptome der DSPN verbessern und haben auch in der Langzeittherapie ein gutes Sicherheitsprofil.

Im Expertenkonsensus werden als Analgetika der ersten Wahl die Antikonvulsiva Gabapentin und Pregabalin und die Antidepressiva Duloxetin und Amitriptylin genannt; als Medikamente der zweiten Wahl werden Tramadol und der dritten Wahl stärkere Opioide empfohlen. Zusätzlich können topische Analgetika wie Capsaicin-Salbe oder -Pflaster (dritte Wahl) eingesetzt werden.

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Fußpflege und Schuhwerk

Fußprobleme gehen häufig auf schlechtsitzendes Schuhwerk zurück. Bei Diabetes kann das schnell gefährlich werden. Diabetiker:innen sollten auf spezielle Schuhe achten, die an den Füßen genug Platz bieten und keine Druckstellen, etwa durch Nähte, aufweisen. Die Schuhe sollten die natürlichen Bewegungsmuster der Füße unterstützen. Bei der Wahl des richtigen Schuhwerks kann der orthopädische Schuhmacher helfen. In vielen Fällen werden den Betroffenen von Diabetolog:innen Schutzschuhe mit einer speziellen Weichbettung verschrieben. Diese Schuhe fertigt ein/e Orthopädieschuhmacher:in an.

Die Fußpflege ist bei Menschen mit Diabetes besonders wichtig und sollte am besten jeden Tag erfolgen. Es sollten ausschließlich reizarme Pflegeprodukte verwendet werden, die sich durch eine optimale Hautverträglichkeit auszeichnen. Hierfür eignen sich beispielsweise die peclavus PODOdiabetic Produkte, die speziell auf die Bedürfnisse sensibler Füße zugeschnitten sind.

Weitere Maßnahmen

  • Druckentlastung: Die betroffene Stelle muss dringend vom Druck entlastet werden. Eine zusätzliche Entlastung wird durch die Lochtechnik mithilfe von Filzen geschaffen. Manchmal werden auch Orthesen (Schienen) eingesetzt, um den Druck (noch mehr) zu verringern.
  • Wundversorgung: Akute Wunden werden immer gereinigt und von totem Gewebe (Nekrosen) befreit.
  • Rauchstopp: Diabetes-Erkrankte sollten am besten mit dem Rauchen aufhören.
  • Teilnahme am Disease Management Programm (DMP): Um einem diabetischen Fußsyndrom vorzubeugen, empfiehlt Dr. Schmitz allen Diabetiker:innen die Teilnahme am Disease Management Programm (DMP) bei ihren Hausärzt:innen.

Magnetische Einlegesohlen als ergänzende Maßnahme

Magnetische Einlegesohlen sind Einlagen für Schuhe, die mit Magneten ausgestattet sind. Anwender von magnetischen Einlegesohlen glauben, dass diese durch das Erzeugen eines magnetischen Feldes um die Füße herum helfen können, Ermüdungserscheinungen zu reduzieren, den Komfort beim Gehen oder Stehen zu erhöhen und allgemein das Wohlbefinden zu verbessern.

Es gibt verschiedene Arten von magnetischen Einlegesohlen:

  • Vollflächige magnetische Einlegesohlen: Diese Einlegesohlen decken die gesamte Sohlenfläche des Schuhs ab und sind mit eingebauten Magneten ausgestattet.
  • Teilflächige magnetische Einlegesohlen: Im Gegensatz zu vollflächigen Einlegesohlen haben teilflächige Einlegesohlen Magnete nur in bestimmten Bereichen, die auf spezifische Fußprobleme ausgerichtet sein können.
  • Orthopädische magnetische Einlegesohlen: Diese Einlegesohlen sind speziell entwickelt, um orthopädische Probleme wie Plattfüße, Plantarfasziitis oder Spreizfüße zu behandeln.
  • Sportliche magnetische Einlegesohlen: Diese Einlegesohlen sind für sportliche Aktivitäten konzipiert und können dazu beitragen, die Leistung zu verbessern und die Erholungszeit nach dem Training zu verkürzen.
  • Alltagseinlegesohlen: Diese Einlegesohlen sind für den alltäglichen Gebrauch gedacht und sollen den Komfort beim Gehen und Stehen erhöhen.

Beim Kauf von magnetischen Einlegesohlen sollten verschiedene Kriterien berücksichtigt werden, wie die Stärke der Magneten, das Material der Einlegesohlen, die Passform und die Qualität der Magneten. Es ist wichtig zu beachten, dass die wissenschaftliche Evidenz für die Wirksamkeit von magnetischen Einlegesohlen begrenzt ist.

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