Migräne und Arbeit: Strategien für den Umgang mit Schmerzen am Arbeitsplatz

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch anfallsartige, starke, pulsierende Kopfschmerzen gekennzeichnet ist, die oft einseitig auftreten und zwischen vier und 72 Stunden andauern können. Begleitsymptome wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit sind charakteristisch. Die Schmerzintensität nimmt bei körperlicher Aktivität zu, was das Bedürfnis nach Ruhe und Rückzug verstärkt. Migräne kann das Berufs- und Sozialleben erheblich beeinträchtigen und zu kurzfristiger Arbeitsunfähigkeit führen. In Deutschland leiden rund 9 Millionen Menschen unter Migräne, wobei Frauen mit 14,8 Prozent häufiger betroffen sind als Männer mit 6 Prozent.

Die Schmerzklinik Kiel: Ein Zentrum für Migränebehandlung

Die Neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel unter der Leitung von Prof. Dr. med. Dipl. Psych. Hartmut Göbel bietet spezielle Therapien für Migräne mit und ohne Aura, Migränekomplikationen sowie alle Arten von Kopfschmerzen, einschließlich chronischer Spannungskopfschmerzen, Kopfschmerzen durch Medikamentenübergebrauch und Clusterkopfschmerzen. Die Klinik behandelt auch Nervenschmerzen, Rückenschmerzen und andere chronische Schmerzerkrankungen.

Aufnahmeformalitäten und Kostenübernahme

Für die Planung eines Aufnahmetermins in der Schmerzklinik Kiel sind folgende Schritte erforderlich:

  1. Der behandelnde Arzt stellt eine Verordnung für eine Krankenhausbehandlung aus.
  2. Der Arzt füllt die Aufnahme-Checkliste aus.
  3. Der Patient füllt den Schmerzkalender und den Schmerzfragebogen aus.
  4. Alle Unterlagen sowie Kopien relevanter Arztbriefe und Röntgenbilder werden an die in der Aufnahme-Checkliste angegebene Adresse gesendet.

Die Kostenübernahme hängt von der jeweiligen Krankenkasse ab. Zahlreiche Krankenkassen haben integrierte Versorgungsprogramme mit dem Behandlungsnetzwerk der Klinik vereinbart.

Migräne im Arbeitsalltag: Herausforderungen und Strategien

Migräne und chronische Kopfschmerzen gehören zu den häufigsten Ursachen für kurzfristige Arbeitsunfähigkeit. Betroffene ziehen sich während Attacken oft zurück und sind extrem licht-, lärm- und geruchsempfindlich. Viele kämpfen mit Übelkeit, Erbrechen, Schwindel und Kreislaufschwäche. Chronische Migränepatienten stehen oft unter Druck, fühlen sich unzuverlässig und haben Angst vor der nächsten Attacke.

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Triggerfaktoren am Arbeitsplatz

Die Patientenorganisation MigräneLiga Deutschland hat mögliche Trigger am Arbeitsplatz identifiziert. An erster Stelle steht die Bildschirmarbeit, gefolgt von Stress, unregelmäßigen Arbeitszeiten und schlechter Luftqualität.

Strategien für den Umgang mit Migräne am Arbeitsplatz

  1. Offene Kommunikation: Betroffene sollten offen über ihre Erkrankung sprechen, um Verständnis bei Kollegen und Vorgesetzten zu fördern.
  2. Anpassung des Arbeitsplatzes: Arbeitgeber können das Umfeld der Migränepatienten optimieren, indem sie beispielsweise einen Ruheraum zur Verfügung stellen, blendfreies Licht installieren und für eine gute Belüftung sorgen.
  3. Flexible Arbeitszeiten und Homeoffice: Flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten, können helfen, Stress zu reduzieren und den Arbeitsalltag besser an die Bedürfnisse der Betroffenen anzupassen.
  4. Vertretungsregelungen: Es sollten Vertretungsregelungen für Tage eingeführt werden, an denen die Betroffenen aufgrund von Migräne nicht arbeiten können.
  5. Regelmäßigkeit und Struktur: Ein von Migräne geplagtes Gehirn liebt Struktur und Planbarkeit. Regelmäßige Mahlzeiten, ausreichend Schlaf und ein stabiler Tagesrhythmus können helfen, Attacken vorzubeugen.
  6. Entspannungstechniken und Sport: Entspannungsübungen wie die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson und moderater Ausdauersport können Stress abbauen und die Durchblutung im Gehirn verbessern.

Die Migräne-App: Ein digitales Werkzeug zur Unterstützung im Alltag

Die Migräne-App ist ein digitales Versorgungsangebot, das Patienten und Ärzte unterstützt. Sie ermöglicht die quantitative Erfassung von Verlaufsparametern, die zur Optimierung der Therapieanpassung, Verlaufskontrolle und Steigerung der Behandlungseffektivität genutzt werden können. Die App enthält eine Sprechstunden-Checkliste, die zusammengefasste Datensätze für das laufende und das Vorjahr enthält. Diese Analyse kann als PDF-Formular gespeichert und in die elektronische Patientenakte integriert werden.

Funktionen und Vorteile der Migräne-App

  • Erfassung von Kopfschmerzphänotypen: Die App differenziert zwischen Migräne mit Aura, Migräne ohne Aura, Spannungskopfschmerzen und anderen Kopfschmerzformen.
  • Dokumentation von Schwere, Dauer und Akutmedikation: Der Patient dokumentiert die Schwere und Dauer der Kopfschmerzen, die Art des verwendeten Akutmedikaments sowie dessen Effektivität.
  • Erfassung der Auswirkungen auf Arbeit, Haushalt und Freizeit: Die App erfasst den Grad der Auswirkung der Kopfschmerzen auf verschiedene Tätigkeitsfelder.
  • Berechnung des GdBK-Scores: Die App berechnet den Grad der Behinderung durch Kopfschmerzen (GdBK) pro Monat, der ein direktes Abbild der kopfschmerzbedingten Behinderung darstellt.
  • Analyse der Medikamentenwirkung: Die App analysiert die Einnahmetage für die Akuttherapie und bewertet die Wirkung der Akutmedikation.

Medikamentöse Behandlung von Migräne

Die medikamentöse Behandlung von Migräne umfasst sowohl die Akuttherapie als auch die Prophylaxe.

Akuttherapie

Gängige Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol können bei leichten bis mittelschweren Migräneattacken helfen. Bei stärkeren Attacken werden Triptane eingesetzt, die speziell für die Migränetherapie entwickelt wurden. Es ist wichtig, Schmerzmittel nicht zu häufig einzunehmen, um einen Medikamentenübergebrauchskopfschmerz zu vermeiden.

Prophylaxe

Zur Vorbeugung von Migräneattacken können verschiedene Medikamente eingesetzt werden, darunter Betablocker, Antidepressiva und Antiepileptika. Auch CGRP-Antikörper können zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden.

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Leben mit Migräne: Persönliche Erfahrungen und Tipps

Viele Migränepatienten berichten von den Herausforderungen, die die Erkrankung im Alltag mit sich bringt. Es ist wichtig, die eigenen Trigger zu kennen und Strategien zu entwickeln, um mit den Attacken umzugehen. Der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen oder Online-Foren wie Headbook kann sehr hilfreich sein.

Tipps von Betroffenen für Betroffene

  • Akzeptanz der Erkrankung: Es ist wichtig, die Migräne als Teil des Lebens zu akzeptieren und sich nicht dafür zu schämen.
  • Selbstfürsorge: Achten Sie auf ausreichend Schlaf, regelmäßige Mahlzeiten und Entspannung.
  • Stressmanagement: Finden Sie Strategien, um Stress abzubauen, beispielsweise durch Sport, Yoga oder Meditation.
  • Unterstützung suchen: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, Ihrer Familie und Ihren Freunden über Ihre Erkrankung und suchen Sie Unterstützung.

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