Ataxie bei Hunden, einschließlich des Jack Russell Terriers, ist eine neurologische Erkrankung, die die Koordination und das Gleichgewicht des Tieres beeinträchtigt. Diese Störung des Nervensystems äußert sich in unkoordinierten Bewegungen und einem unsicheren Gangbild. Sie kann verschiedene Ursachen haben und sich in vielfältigen Symptomen äußern. Eine genaue Diagnose durch einen Tierarzt ist entscheidend, um die geeignete Behandlung einzuleiten.
Formen der Ataxie
Es gibt verschiedene Formen von Ataxie, die sich je nach betroffenem Bereich des Nervensystems unterscheiden:
Cerebelläre Ataxie: Diese Form betrifft das Kleinhirn des Hundes, welches für die Koordination und Präzision von Bewegungen zuständig ist. Sie führt oft zu übertriebenen oder ungenauen Bewegungen, da das Kleinhirn die Muskelaktivität nicht richtig steuern kann. Die cerebelläre Ataxie ist oft genetisch bedingt und tritt bei bestimmten Rassen, wie dem Beagle oder American Staffordshire Terrier, häufiger auf.
Sensorische Ataxie: Sie wird durch eine Störung in den Nervenbahnen verursacht, die Informationen von den Gliedmaßen zum Gehirn übertragen. Diese Störung führt dazu, dass der Hund Schwierigkeiten hat, die Position seiner Gliedmaßen im Raum wahrzunehmen, was zu Unsicherheit und Koordinationsproblemen führt. Die sensorische Ataxie resultiert aus Problemen in den Nervenwegen, die Informationen über die Position und Bewegung der Gliedmaßen an das Gehirn weiterleiten. Sie wird häufig synonym mit spinaler Ataxie verwendet. Auslöser kann das Wobbler-Syndrom sein.
Vestibuläre Ataxie: Diese Form betrifft das Gleichgewichtsorgan im Innenohr und Teile des Gehirns, die für die Balance zuständig sind. Störungen in diesem System führen zu Gleichgewichtsproblemen und Schwindel. Die vestibuläre Ataxie betrifft das Gleichgewichtsorgan und die damit verbundenen Nervenbahnen.
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Jede Form der Ataxie bei Hunden hat ihre spezifischen Symptome und Ursachen.
Ursachen von Ataxie beim Jack Russell Terrier
Die Ataxie bei Hunden kann vielfältige Ursachen haben, die von genetischen Faktoren über Traumata und Infektionen bis hin zu altersbedingten Veränderungen reichen. Eine genaue Diagnostik ist entscheidend, um die zugrundeliegende Ursache zu identifizieren und eine effektive Behandlung zu ermöglichen.
Genetische Faktoren: Bestimmte Rassen, wie der Jack Russell Terrier, weisen eine Prädisposition für bestimmte Formen der Ataxie auf. Die cerebelläre Ataxie ist oft genetisch bedingt. Viele genetische Störungen zeigen sich bereits im jungen Alter - häufig schon bei Welpen oder Junghunden. In den meisten Fällen wird die Erkrankung autosomal-rezessiv vererbt, was bedeutet: Beide Elterntiere müssen Träger des defekten Gens sein, damit die Krankheit beim Nachwuchs ausbricht.
Traumata: Verletzungen des Rückenmarks oder des Gehirns können ebenfalls zu Ataxie führen. Schutz vor Verletzungen: Vermeidung von Situationen, die zu Rückenmarksverletzungen führen könnten.
Infektionen: Entzündungen des Gehirns oder der Hirnhäute (Meningoenzephalitis) können Ataxie verursachen. Entzündliche oder infektiöse Ursachen (z. B. durch Viren oder Bakterien) können teilweise behandelt werden - je früher die Diagnose erfolgt, desto besser die Erfolgschancen.
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Tumore: Tumore im Gehirn oder Rückenmark können Druck auf das Nervensystem ausüben und Ataxie verursachen. Bei Tumor oder struktureller Schädigung: evtl. chirurgischer Eingriff notwendig.
Toxine: Bestimmte Giftstoffe können das Nervensystem schädigen und Ataxie auslösen. Vorsicht bei Medikamenten: Einige Medikamente können vestibuläre Störungen verursachen. Auch toxisch ausgelöste Ataxien (z. B. durch Medikamente) sind möglich.
Degenerative Erkrankungen: Erkrankungen wie die degenerative Myelopathie können zu Ataxie führen.
Idiopathisches Vestibularsyndrom: Diese Form tritt vor allem bei älteren Hunden auf und betrifft das Gleichgewichtsorgan. Bei einigen Formen - etwa dem idiopathischen Vestibularsyndrom bei älteren Hunden - ist die Prognose gut: Die Symptome können sich innerhalb weniger Tage bis Wochen deutlich bessern oder sogar vollständig zurückbilden.
Symptome von Ataxie
Die ersten Anzeichen einer Ataxie können variieren, aber typische Symptome sind:
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- Ein unsicherer, schwankender Gang
- Koordinationsschwierigkeiten
- Möglicherweise ein Kopfschiefhalten
- Schwierigkeiten beim Aufstehen
- Häufiges Stolpern
- Ungleichmäßige Schritte
- Abgehackte Bewegungen
- Ungewöhnliche Körperhaltung
- Neurologische Ausfälle der Hinterbeine
Es ist wichtig zu beachten, dass die Ataxie nur ein Symptom der eigentlichen Krankheit ist.
Diagnose von Ataxie beim Jack Russell Terrier
Die Diagnose und Differentialdiagnose der Ataxie bei Hunden erfordert eine umfassende Untersuchung und ist oft ein Zusammenspiel verschiedener diagnostischer Methoden. Eine genaue Diagnose ist entscheidend, um die richtige Behandlung einleiten zu können und dem Hund die bestmögliche Unterstützung zu bieten. Die Diagnose beginnt in der Regel mit einer gründlichen klinischen Untersuchung durch den Tierarzt, bei der Gangbild, Reflexe und allgemeine Körperkoordination bewertet werden.
Die Wahl der Diagnostik richtet sich stark nach dem individuellen Befund und dem vermuteten Ursprung der Ataxie - ob im Gleichgewichtsorgan, im Rückenmark oder im Gehirn. Eine gezielte neurologische Untersuchung ist darum immer der erste Schritt.
Folgende diagnostische Maßnahmen können durchgeführt werden:
Klinische Untersuchung: Der Tierarzt beobachtet den Gang und die allgemeine Beweglichkeit des Hundes. Beim Tierarzt wird der Hund erst einmal beobachtet und sein Gang beurteilt.
Neurologische Tests: Diese Tests helfen, die Funktion des Nervensystems zu bewerten. Anschließend erfolgen neurologische Tests.
Röntgenaufnahmen: Röntgenbilder können helfen, Verletzungen oder Tumore im Bereich der Wirbelsäule zu erkennen. Ebenfalls werden Röntgenbilder mit einem Kontrastmittel angefertigt. Dies geschieht aufgrund der Schmerzen bei der korrekten Lagerung in einer Kurznarkose.
Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT): Diese bildgebenden Verfahren ermöglichen eine detailliertere Darstellung des Gehirns und des Rückenmarks. Sind die Röntgenbefunde nicht ausreichend für eine sichere Diagnose und Einschätzung der Schädigungen an der Wirbelsäule, können noch CT oder MRT gemacht werden. Eine direkte Diagnose mittels bildgebender Verfahren (MRT, CT, Myelografie, Myelo-CT) ist momentan nicht möglich. Es gibt aber erste Erkenntnisse darüber, dass die demyelinisierten Rückenmarksareale mit besonders starken Hochfeld-Kernspintomografen (MRT, 3-7 Tesla) in den transversalen Rückenmarksprojektionen evtl. direkt erkannt werden können. Hier bleibt die weitere Entwicklung abzuwarten, denn es ist noch nicht klar, ob und in welchem Krankheitsstadium die Veränderungen im Rückenmark gesehen werden können und ob dies dann bei allen Rassen unter klinischen Bedingungen möglich ist.
Blutuntersuchungen: Blutuntersuchungen können helfen, Infektionen oder andere Erkrankungen als Ursache der Ataxie auszuschließen. Zusätzlich werden bei bestimmten Verdachtsmomenten weiterführende Untersuchungen eingesetzt - etwa eine Blutuntersuchung, um entzündliche Prozesse oder Infektionen auszuschließen.
Liquoruntersuchung: Eine Untersuchung des Nervenwassers (Liquor) kann Entzündungen oder Infektionen des zentralen Nervensystems nachweisen. Ausschlussdiagnostik wie bisher mittels bildgebender Verfahren, evtl. auch Elektrodiagnostik. Muskelbiopsie und Liquoruntersuchung.
Gentests: Bei Rassen, die für genetisch bedingte Ataxien bekannt sind, kann ein Gentest hilfreich sein. Bei Rassen, die für genetisch bedingte Ataxien bekannt sind, kann ein Gentest hilfreich sein. Sofern der Gentest ausgereift sein wird, könnte z. B. beim Deutschen Schäferhund bereits im Welpenalter, d. h. möglichst vor dem Verkauf des Hundes getestet werden.
Behandlung von Ataxie beim Jack Russell Terrier
Die Behandlung der Ataxie bei Hunden erfordert einen individuellen Ansatz, der auf die spezifische Form und Ursache der Erkrankung abgestimmt ist. Während einige Formen der Ataxie behandelbar sind, liegt der Fokus bei anderen auf der Linderung der Symptome und der Verbesserung der Lebensqualität. Welche Therapie bei Ataxie infrage kommt, hängt direkt mit der Ursache und Form der Erkrankung zusammen. Wie bereits erwähnt, ist nicht jede Ataxie heilbar, aber viele Fälle lassen sich durch gezielte Maßnahmen deutlich lindern.
Medikamentöse Behandlung: Bei entzündlichen oder infektiösen Ursachen können Medikamente wie Antibiotika oder Kortikosteroide eingesetzt werden. Bei starken Schmerzen werden entzündungshemmende Schmerzmittel gegeben. In manchen Situationen reicht eine medikamentöse Therapie, in anderen ist ein chirurgischer Eingriff nötig.
Chirurgische Eingriffe: Tumore oder Bandscheibenvorfälle, die auf das Nervensystem drücken, können operativ entfernt werden. Je nach Befund muss entweder Druck vom Rückenmark genommen werden durch eine sogenannte Dekompression oder es wird mittels verschraubter Metallplatten die Wirbelsäule an betroffenen Stellen versteift. Danach muss der Hund Ruhe halten für eine längere Zeit.
Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Koordination und Muskelkraft des Hundes zu verbessern. Bei stärkeren Lähmungserscheinungen muss unbedingt Physiotherapie durchgeführt werden. Ziel ist dann eine Stabilisierung des Zustands und die Linderung von Symptomen durch Physiotherapie, Schmerzmanagement und ggf. Entzündungshemmer. Unterstützung für einen an Ataxie erkrankten Hund umfasst in der Regel Anpassungen im Alltag, um die Bewegung des Hundes zu erleichtern. Physiotherapie und gegebenenfalls medikamentöse Behandlungen können ebenfalls Teil der Versorgung sein.
Anpassung der Umgebung: Sicherstellen, dass der Hund sich sicher bewegen kann. Anpassung der Umgebung: Sicherstellen, dass der Hund sich sicher bewegen kann, z.B. Rutschfeste Matten, Zugang zu ebenerdigem Wohnraum und sanfte, regelmäßige Bewegung können hilfreich sein.
Da die cerebelläre Ataxie oft genetisch bedingt ist, gibt es keine Heilung im eigentlichen Sinne. Behandlungsstrategien konzentrieren sich in diesen Fällen auf die Linderung der Symptome und die Verbesserung der Lebensqualität des Hundes.
Vorbeugung von Ataxie
Während die Vorbeugung von Ataxie bei Hunden nicht immer möglich ist, können verantwortungsbewusste Pflege und Management das Risiko reduzieren. Da diese Form oft genetisch bedingt ist, ist die Vorbeugung schwierig.
Verantwortungsbewusste Zucht: Vermeiden Sie die Verpaarung von Hunden, die an Ataxie erkrankt sind oder Träger des Gendefekts sind. Wobei es hier wie bereits erwähnt helfen kann, den Hund nur von einem seriösen Züchter zu erwerben, der bei der Zuchtauslese auf Erbkrankheiten in der Blutlinie achtet und nur Tiere verpaart, die frei von solchen Problemen sind.
Schutz vor Verletzungen: Vermeiden Sie Situationen, die zu Rückenmarksverletzungen führen könnten.
Regelmäßige tierärztliche Kontrollen: Regelmäßige tierärztliche Kontrollen und ein bewusster Umgang mit der Gesundheit des Hundes sind wichtige Aspekte der Vorbeugung. Lasse den Welpen grundimmunisieren und frische die Impfungen nach den empfohlenen Intervallen auf. Nimm Vorsorgetermine beim Tierarzt wahr. Dies gilt besonders beim alten Hund.
Gesunde Ernährung und Lebensweise: Eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung können dazu beitragen, das Nervensystem des Hundes gesund zu erhalten. Eine gesunde und ausgewogene Ernährung kann helfen, ebenso wie eine geringe Belastung des Hundes im Wachstum. Wachstumsbedingte Erkrankungen (z. B. Hüftdysplasie) können vermieden werden.
Die Degenerative Myelopathie
Die degenerative Myelopathie ist eine chronisch fortschreitende Rückenmarkserkrankung, die vor allem bei älteren Deutschen Schäferhunden auftritt. Seit 2009 ist ein Gentest verfügbar. Betroffen sind fast ausnahmslos Hunde ab einem Alter von 8-10 Jahren. Die spinalen Reflexe der Hintergliedmaßen und der Muskeltonus sind gesteigert, häufig kombiniert mit einem positiven gekreuzten Flexor-Extensor-Reflex. Klassischerweise fällt dabei zuerst der Patellarsehnenreflex aus. Später können auch die anderen spinalen Reflexe der Hintergliedmaßen herabgesetzt sein. Harn- und Kotabsatz sowie der Rutentonus bleiben aber sehr lange normal.
In der makroskopischen Ansicht zeigt sich je nach Erkrankungsstadium ein mehr oder weniger stark reduzierter Rückenmarksquerschnitt, der durch Verlust von Nervengewebe in der weißen Substanz des Rückenmarkes erklärt werden kann; die graue Substanz ist nicht betroffen. Besonders ausgeprägt sind die Läsionen in den Rückenmarkssegmenten der hinteren Brustwirbelsäule und vorderen Lendenwirbelsäule. 2009 wurde bei an degenerativer Myelopathie erkrankten Pembroke Welsh Corgis eine Mutation im kaninen SOD1-Gen (SOD1:c.188G>A) nachgewiesen.
Eine direkte Diagnose mittels bildgebender Verfahren (MRT, CT, Myelografie, Myelo-CT) ist momentan nicht möglich. Bei der DM sind die Leitungsbahnen im Rückenmark betroffen. Wird degenerative Myelopathie vermutet, ist keine ursächliche medikamentöse Therapie bekannt. Bei akuten Krankheitsschüben kann kurzfristig Kortison versucht werden. Auf Dauer essenziell ist ausreichende Bewegung, um die Koordination zu verbessern und die Muskulatur zu erhalten.
Paroxysmale Dyskinesie (PD)
Die Paroxysmale Dyskinesie (PD) zählt zu den Bewegungsstörungen. Bei ihr kommt es zu selbstlimitierenden, plötzlich und unwillkürlich auftretenden Episoden mit anhaltenden Muskelkontraktionen (hypertonisch) oder reduzierter Muskelspannung/Relaxation (hypotonisch), was zu abnormalen Bewegungen und Körperhaltungen führt (Dystonie). Es ist möglich, dass einzelne Gliedmaßen, mehrere Gliedmaßen, der Rumpf-, Hals- und/oder Kopfbereich involviert sind, wodurch es beispielsweise zu einer Krümmung des Rückens (Kyphose), zu steifen kurzen Schritten oder zu einer „übertriebenen Anhebung“ der Gliedmaßen kommen kann. Üblicherweise sind die Patienten während der Episoden schmerzfrei, bei normalem Bewusstsein und oft in der Lage zu gehen.
In verschiedenen Rassen wurde eine PD beschrieben, unter anderem: Bichon Frisé, Border Terrier, Boxer, Cavalier King Charles Spaniel, Chinook, Deutsch Kurzhaar, Jack Russell Terrier, Labrador Retriever, Malteser, Norwich Terrier, Scottish Terrier, Sheltie, Soft Coated Wheaten Terrier und Welsh Terrier.
Einige Episoden von PD zeigen eine spontane Manifestation in Ruhe, die mit der „Paroxysmalen nicht kinesiogenen Dyskinesie“ (PNKD) beim Menschen vergleichbar wäre. Außerdem wurde beobachtet, dass Aufregung und Stress als „Trigger“ funktionieren kann, z.B. beim Scottish Terrier (Scottie Cramp), Border Terrier (Spike's Disease), Cavalier King Charles Spaniel (Episodic Falling) sowie bei der PD des Jack Russell Terriers, Boxers, Deutsch Kurzhaars und Sheltie.
Insbesondere wenn lediglich einzelne Gliedmaßen betroffen sind, kann die Herausforderung bestehen, zwischen PD-Episoden und fokalen epileptischen Anfällen zu differenzieren. Aktuell lässt sich diese Unterscheidung nur mittels EEG (Elektroenzephalogramm, Gehirnstrommessung) vornehmen, da bei Patienten mit PD keine epileptische elektrische Hirnaktivität im EEG nachweisbar ist.
Häufiger wird eine hereditäre bzw. vermutlich genetische PD von einer erworbenen (sekundären) PD unterschieden, die wie eine strukturelle Epilepsie, durch strukturelle Veränderungen im Gehirn entstehen kann. Aufgrund der Vielfalt der möglichen Ursachen wird Ihr Tierarzt nach einer detaillierten Anamnese und Datenerfassung eine umfassende allgemeine Untersuchung und neurologische Untersuchung Ihres Tieres durchführen, um Anhaltspunkte für die Ursache zu erhalten. In diesem Zusammenhang können auch die „Anti-canine Gliadin IgG“ und „Anti-canine Transglutaminase IgA“-Antikörper im Blut untersucht werden. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, Blut für eine genetische Untersuchung zu entnehmen.
Die Gabe von Medikamenten, wie Acetazolamid (Carboanhydrase Hemmer) ist z. B. beim Soft Coated Wheaten Terrier beschrieben. Es scheint, dass Verbesserungen bei Cavalier King Charles Spaniels durch die Verabreichung von Acetazolamid oder Clonazepam möglich sind.
Anfallsleiden und genetische Ursachen
Ein häufiger Grund für nächtliche Anrufe im Tiernotdienst sind krampfende Patienten. Schnell fällt im Zusammenhang mit Krampfanfällen oder ähnlichen anfallsweise auftretenden neurologischen Ausfallserscheinungen die vermeintliche Diagnose Epilepsie, obwohl genau diese am Ende eine Ausschlussdiagnose sein sollte.
Viele angeborene Erkrankungen mit dem Symptom Anfall/Krampf führen schon bei Welpen zum Tode. Genvarianten, die erst bei erwachsenen Tieren ein Anfallsleiden verursachen, stellen eine größere diagnostische Herausforderung dar. Unter dem Lafora-Syndrom versteht man einen autosomal-rezessiv vererbten Defekt im Glykogenmetabolismus, der eine progressiv verlaufende myoklonische Epilepsie auslöst. Eine genetisch bedingte, anfallsweise auftretende Bewegungsstörung beim Cavalier King Charles Spaniel ist Episodic Falling.
Bei den entzündlichen Ursachen für ein Anfallsleiden sind u.a. die nekrotisierende Meningoenzephalitis (NME) beim Mops, die subakute nekrotisierende Enzephalopathie beim Yorkshire Terrier und die Leukenzephalomyelopathie (LEMP) bei verschiedenen Rassen genetisch bedingt.
Speicherkrankheiten gehören zu den degenerativen Ursachen einer Anfallserkrankung. Mittels Gentest können die neuronale Ceroidlipofuszinose und die L-2-Hydroxyglutaracidurie nachgewiesen werden. Eine Sonderstellung unter den genetisch bedingten neurologischen Erkrankungen mit anfallsweise auftretenden Symptomen bildet die Katalepsie/Narkolepsie.
Bei der Aufarbeitung eines Anfallsleidens beim Hund sind Alter und Rasse des Patienten von großer Wichtigkeit. Neben der neurologischen Untersuchung, der Bildgebung und den klassischen Laboruntersuchungen sollten bei vielen Patienten Gentests nicht vergessen werden.
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