Das menschliche Nervensystem ist ein komplexes Netzwerk, das eine Vielzahl von Funktionen steuert, von der Sinneswahrnehmung über die Bewegung bis hin zu Denken und Fühlen. Erkrankungen dieses Systems können sich auf vielfältige Weise äußern und die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. In diesem Artikel werden einige der häufigsten neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen beleuchtet, um ein besseres Verständnis für diese komplexen Krankheitsbilder zu schaffen.
Neurologische Erkrankungen
Neurologische Erkrankungen betreffen das zentrale und periphere Nervensystem. Sie können durch eine Vielzahl von Faktoren verursacht werden, darunter genetische Veranlagung, Infektionen, Verletzungen, Durchblutungsstörungen und degenerative Prozesse.
Schlaganfall (Hirninsult)
Ein Schlaganfall tritt auf, wenn die Blutversorgung des Gehirns unterbrochen wird, entweder durch ein Blutgerinnsel oder eine Blutung. Dies führt zu einem plötzlichen Untergang von Hirngewebe in einem bestimmten Bereich des Gehirns. In beiden Fällen stirbt Hirngewebe ab, was zu einer Vielzahl von neurologischen Ausfällen führen kann, abhängig davon, welcher Bereich des Gehirns betroffen ist.
Kopfschmerzen und Migräne
Kopfschmerzen sind ein weit verbreitetes Schmerzsyndrom, wobei die Migräne laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu den zwanzig Erkrankungen mit der stärksten funktionellen Behinderung weltweit zählt. Migräne kann von pochenden Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Lichtempfindlichkeit begleitet sein.
Morbus Parkinson
Morbus Parkinson ist eine fortschreitende Erkrankung des Nervensystems, bei der Nervenzellen in einer bestimmten Hirnregion (Substantia Nigra) absterben. Dies führt zu einem Mangel an Dopamin, einem Botenstoff, der für die Steuerung der Muskeln benötigt wird. Die Symptome umfassen Zittern, verlangsamte Bewegungen, Muskelversteifungen, Gleichgewichtsstörungen und Gangunsicherheit. Zudem besteht eine erhöhte Gefahr für psychische Erkrankungen wie Depression, Demenz oder Apathie.
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Multiple Sklerose (MS)
Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS), die insbesondere im jungen Erwachsenenalter auftritt. Durch eine Fehlsteuerung des Immunsystems kommt es zu Schädigungen in verschiedenen Arealen des Nervensystems. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sind entscheidend, um den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen.
Epilepsie
Etwa 1% der Bevölkerung leidet an Epilepsie, einer Erkrankung, die sowohl angeboren als auch durch Erkrankungen wie Tumoren oder Schlaganfälle erworben sein kann. Moderne Medikamente ermöglichen es vielen Patienten, Anfallsfreiheit zu erreichen.
Polyneuropathien
Polyneuropathien sind Erkrankungen des peripheren Nervensystems, die sich insbesondere an den Beinen manifestieren. Typische Symptome sind Kribbeln und Brennen in den Füßen oder eine zunehmende Unsicherheit beim Laufen. Im fortgeschrittenen Stadium können Lähmungserscheinungen bis zur Gehunfähigkeit auftreten. Häufige Ursachen sind Diabetes, übermäßiger Alkoholkonsum, Vitamin-B-Mangel oder rheumatische Erkrankungen.
Demenz
Der Begriff Demenz beschreibt den nicht mehr umkehrbaren Verlust von geistigen, emotionalen und sozialen Fähigkeiten. Betroffen sind vor allem das Kurzzeitgedächtnis, das Denkvermögen, die Sprache und die Motorik. Eine Demenz kann verschiedene Ursachen haben, die noch nicht vollständig geklärt sind.
Gehirntumor (Hirntumor)
Ein Gehirntumor ist eine Geschwulst oder Schwellung im Bereich des Gehirns, die durch ein ungebremstes Wachstum und eine Vermehrung von Zellen entsteht. Es wird zwischen primären Hirntumoren, die sich aus Zellen im Gehirn und dessen Umgebung bilden, und sekundären Hirntumoren, die Metastasen anderer Krebserkrankungen sind, unterschieden.
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Rückenschmerzen
Rückenschmerzen können die gesamte Wirbelsäule betreffen und werden nach den Bereichen klassifiziert, in denen sie auftreten: Lendenwirbelsäule (Kreuzschmerzen oder LWS-Syndrom), Brustwirbelsäule (BWS-Syndrom) und Halswirbelsäule (HWS-Syndrom). Strahlen die Schmerzen in die Arme oder Beine aus, spricht man von einer Ischialgie.
Schlafstörungen
Von einer Schlafstörung spricht man, wenn jemand mindestens dreimal wöchentlich über einen Monat lang Probleme mit dem Ein- oder Durchschlafen hat. Die Ursachen können vielfältig sein und erfordern eine umfassende Diagnostik.
Psychiatrische Erkrankungen
Psychiatrische Erkrankungen werden als Dysfunktionen des Zentralnervensystems (ZNS) verstanden. Die Psychiatrie teilt mit der Neurologie die medizinisch-naturwissenschaftliche Basis ihres Fachgebietes, unterscheidet sich jedoch in ihren spezifischen Fragestellungen, Methoden und Traditionen.
Diagnostische Verfahren in der Psychiatrie
Die Erhebung psychiatrisch relevanter Informationen stützt sich überwiegend auf teilstrukturierte ärztliche Untersuchungen wie den psychopathologischen Befund, die Eigen- und die Fremdanamnese. Daneben werden Fragebögen mit Selbst- und Fremdratingskalen sowie testpsychologische Verfahren eingesetzt. Auch die Bedeutung messbarer biologischer Parameter nimmt ständig zu.
Psychopathologischer Befund
Der psychopathologische Befund dient dazu, einen kurzen und prägnanten Bericht über den derzeitigen psychiatrischen Zustand des Patienten zu erstellen. Er umfasst verschiedene Bereiche:
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- Bewusstsein: Quantitative (wach, somnolent, soporös, komatös) und qualitative (Bewusstseinstrübung, Bewusstseinseinengung) Störungen des Bewusstseins.
- Aufmerksamkeit und Konzentration: Störungen der Fähigkeit, das Bewusstsein auf Erfahrungen auszurichten und diese Ausrichtung auf Dauer aufrechtzuerhalten.
- Auffassung und Merkfähigkeit: Störungen der Fähigkeit, Erfahrungen in ihrer Bedeutung zu begreifen und sich neue Informationen über einen Zeitraum von etwa 10 Minuten merken zu können.
- Gedächtnis: Störungen des Gedächtnisses jenseits von 10 Minuten, Amnesien, Störungen des Zeitgitters oder Konfabulationen.
- Denken: Störungen der Geschwindigkeit, Kohärenz und Stringenz des Gedankenablaufs, Zwänge und überwertige Ideen.
- Wahn: Eine „Privatwirklichkeit“, die dem Realitätsverständnis der Umgebung entgegensteht und in hartnäckiger Weise verteidigt wird.
- Sinnestäuschungen: Halluzinationen, Pseudohalluzinationen, illusionäre Verkennungen und Wahrnehmungsanomalien.
- Ich-Erleben: Derealisation, Depersonalisation und Störungen der Meinhaftigkeit.
- Affekt: Affektarmut, Affektstarre, Affektlabilität, Affektinkontinenz und Parathymie.
- Antrieb: Steigerung, Minderung oder Hemmung des Antriebs.
- Suizidalität: Erfassung der Eigen- und Fremdgefährdung, konkrete Suizidäußerungen, zunehmende Einengung des psychischen Erlebens, Selbstvorwürfe und Schuldgefühle, innere Leere, Änderungen im Kontakt zum Untersucher und die „Ruhe vor dem Sturm“.
- Intellektuelle Leistungsfähigkeit: Beurteilung von angeborenen und erworbenen Störungen der intellektuellen Leistungsfähigkeit durch einfache Tests.
- Weitere Aspekte: Tagesmüdigkeit, Störungen des Appetits und Tagesgang von Symptomen (insbesondere ein morgendliches Stimmungstief).
Fremdanamnese
Die Fremdanamnese liefert in vielen Fällen die entscheidenden Hinweise für die psychiatrische Einschätzung, insbesondere dann, wenn allein aus der Querschnittssymptomatik noch keine valide Diagnosestellung möglich ist und deswegen der Längsschnittbefund berücksichtigt werden muss.
Behandlung
Die Behandlung neurologischer und psychiatrischer Erkrankungen ist vielfältig und richtet sich nach der jeweiligen Diagnose und den individuellen Bedürfnissen des Patienten. Sie kann medikamentöse Therapien, psychotherapeutische Interventionen, physiotherapeutische Maßnahmen, Ergotherapie und andere Behandlungsansätze umfassen.
Fazit
Neurologische und psychiatrische Erkrankungen sind komplexe und vielfältige Krankheitsbilder, die das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können. Ein umfassendes Verständnis dieser Erkrankungen ist entscheidend, um eine frühzeitige Diagnose und eine adäquate Behandlung zu ermöglichen. Die enge Zusammenarbeit zwischen Neurologen, Psychiatern und anderen Fachkräften ist dabei von großer Bedeutung, um eine ganzheitliche und individuelle Betreuung der Patienten zu gewährleisten.
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