Das Gehirn, die Steuerzentrale unseres Körpers, bestimmt unser Handeln, Denken und Fühlen. Es ermöglicht uns zu lernen, uns zu erinnern und die Welt um uns herum zu erleben. Trotz seiner immensen Bedeutung bleiben viele Aspekte dieses komplexen Organs geheimnisvoll. Wissenschaftler liefern jedoch kontinuierlich neue Erkenntnisse über das Gehirn, die unser Verständnis von seiner Funktionsweise erweitern. Der Welttag des Gehirns, jährlich am 22. Juli gefeiert, lenkt die Aufmerksamkeit auf die Wichtigkeit der Gehirngesundheit und neurologische Erkrankungen.
Kreativität und Gehirnaktivität
Es mag überraschen, aber die besten Ideen kommen oft in Momenten der Entspannung, wie unter der Dusche oder abends im Bett. Für kreative Gedanken ist es tatsächlich von Vorteil, wenn die Gehirnzellen bereits etwas müde sind.
Magnetische Sinne
Einige Tiere nutzen das Erdmagnetfeld zur Navigation. Eine Studie aus dem Jahr 2019 deutet darauf hin, dass auch manche Menschen in der Lage sind, dieses Magnetfeld zu spüren.
Ernährung und Gedächtnis
Ungesunde Ernährung mit viel Fett und Zucker kann negative Auswirkungen auf das Gehirn haben. Eine australische Studie zeigte, dass bereits vier Tage mit einem ungesunden Frühstück die Funktion des Hippocampus, der für Lernen und Erinnerung zuständig ist, beeinträchtigen können. Gesättigte Fette, die vor allem in tierischen Produkten vorkommen, scheinen hier eine besondere Rolle zu spielen.
Sprachspeicher
Um eine Muttersprache zu beherrschen, benötigt das Gehirn etwa 1,5 Megabyte Speicherplatz, was ungefähr der Kapazität einer Diskette entspricht. Bis zum 18. Lebensjahr müssen dafür durchschnittlich 1.000 bis 2.000 Bits an Daten pro Tag gespeichert werden - das entspricht dem Auswendiglernen von ein bis zwei Buchseiten täglich.
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Verstecktes Bewusstsein
Einige Patienten im Koma oder Wachkoma zeigen Anzeichen eines "versteckten Bewusstseins". Eine Studie im New England Journal of Medicine ergab, dass etwa einer von sieben Patienten auf Aufforderungen, ihre Hände zu bewegen, mit spezifischen Mustern der Hirnaktivität reagierte. Dies deutet darauf hin, dass sie die Befehle verstanden, sich aber nicht bewegen konnten.
Traumerinnerung und Negativität
Die meisten Menschen erinnern sich nur selten an ihre Träume, da das Gehirn während des Schlafs Informationen nicht effektiv ins Langzeitgedächtnis überträgt. Zudem neigen wir dazu, uns mehr auf negative Gedanken und Nachrichten zu konzentrieren als auf positive.
Zucker und Glücksgefühle
Der Konsum von Zucker aktiviert ähnliche Hirnareale wie Kokain und führt zur Ausschüttung von Glückshormonen wie Serotonin und Dopamin.
Selbstheilungskräfte des Gehirns
Nach Verletzungen kann sich das Gehirn bis zu einem gewissen Grad selbst heilen. Wenn ein Bereich, beispielsweise nach einem Schlaganfall, geschädigt ist, können sich neue Verknüpfungen um die verletzte Stelle herum bilden. Die Plastizität des Gehirns ermöglicht es ihm, sich strukturell und funktionell zu verändern und an neue Situationen anzupassen.
Einsamkeit und Gehirn
Einsamkeit kann dem Gehirn schaden. Eine Studie zeigte, dass Teile der Gehirne von Forschern, die über ein Jahr in der Antarktis verbrachten, nach ihrer Rückkehr leicht geschrumpft waren.
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Gehirn und Wetter
Extreme Hitze belastet das Gehirn und kann zu Konzentrationsproblemen, Kopfschmerzen und Müdigkeit führen. Bei starker Überhitzung droht ein Sonnenstich. Plötzliche Temperaturschwankungen können das Schlaganfallrisiko erhöhen.
Alterungsprozesse
Mit zunehmendem Alter verliert der Mensch Nervenzellen, und die Hirn- und Gedächtnisleistung kann abnehmen. Es ist jedoch möglich, das Gehirn auch im Alter zu trainieren, beispielsweise durch das Erlernen eines neuen Instruments oder einer neuen Sprache.
Fortschritte in der Neurologie
In den letzten Jahren wurden große Fortschritte bei der Behandlung chronisch-entzündlicher neurologischer Erkrankungen wie Multipler Sklerose erzielt. Es gibt inzwischen hochwirksame Therapien für viele Patienten.
Die Tücken des Gedächtnisses
Auf Erinnerungen ist kein Verlass. Bei der Verarbeitung und Speicherung von Informationen können Fehler auftreten. Emotionale Momente werden oft besonders gut im Gedächtnis behalten, da sie über das limbische System gefiltert werden. Traumatische Erlebnisse können jedoch anders gespeichert werden und unwillkürlich als Flashbacks auftreten.
Stress und Gedächtnis
Ein wenig Stress kann das Lernen fördern, während zu viel Druck das Gegenteil bewirkt. Emotionale Erlebnisse werden detaillierter wahrgenommen und besser erinnert, da das Gehirn in Stresssituationen Botenstoffe wie Noradrenalin und Cortisol ausschüttet.
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Gehirn-Computer-Schnittstellen
Gehirn-Computer-Schnittstellen (BCIs) ermöglichen es gelähmten Menschen, Roboterarme zu steuern oder Computer mit Gedankenkraft zu bedienen. Die Entwicklung von Funkchips als Schnittstelle zwischen Gehirn und Computer ist ein vielversprechender Schritt. Allerdings sind die Technologie noch nicht ausgereift und mit Risiken verbunden. Die Entwicklung von BCIs wirft ethische Fragen auf, etwa inwieweit wir in unsere Gedanken blicken lassen wollen.
Gedächtnisleistung ohne Hirnchips verbessern
Es gibt bereits nicht-medizinische BCIs zur Fitnesssteigerung, zum Stressabbau oder als Hilfe gegen Konzentrationsprobleme. Auch die Neurofeedback-Methode kann bei ADHS eine bessere Konzentration fördern. Bewegung, ausreichend Schlaf und eine gesunde Ernährung sind bewährte Mittel, um das Gehirn fit zu halten und Demenzerkrankungen vorzubeugen.
Mythen und Fakten über das Gehirn
Einige weit verbreitete Vorstellungen über das Gehirn sind falsch. So nutzen wir nicht nur 10 Prozent unseres Gehirns, und Kopfschmerzen sind keine Gehirnschmerzen. Auch die Vorstellung, dass bestimmte Gehirnhälften für bestimmte Aufgaben zuständig sind, ist überholt.
Mythos 1: Wir nutzen nur 10 % unseres Gehirns
Dieser Mythos ist falsch. Moderne Gehirnbildgebungstechniken zeigen, dass wir immer und überall unser ganzes Gehirn nutzen. Jeder Bereich hat seine Aufgabe und wird bei bestimmten Vorgängen aktiviert.
Mythos 2: Alkohol zerstört Gehirnzellen
Mäßiger Alkoholkonsum schädigt die Nervenzellen nicht direkt. Allerdings können die Dendriten, die für die Kommunikation zwischen den Neuronen verantwortlich sind, durch Alkoholkonsum geschädigt werden. Diese Schäden sind jedoch reversibel.
Mythos 3: Wir haben 100 Milliarden Nervenzellen
Neuere Forschungen haben ergeben, dass wir eher 86 Milliarden Gehirnzellen haben.
Mythos 4: Wir nutzen eine Gehirnhälfte mehr als die andere
Es gibt keine wissenschaftlichen Beweise dafür, dass bestimmte Persönlichkeitstypen durch die Dominanz einer Gehirnhälfte bestimmt werden. Kreatives Denken aktiviert ein Netzwerk von Neuronen im gesamten Gehirn, ohne eine Seite zu bevorzugen.
Mythos 5: Das Gehirn ist tagsüber aktiver als nachts
Das menschliche Gehirn ist nachts aktiver als tagsüber. Während des Schlafs werden Informationen verarbeitet und Erinnerungen im Langzeitgedächtnis abgespeichert.
Mythos 6: Bei Erwachsenen wachsen keine Gehirnzellen mehr nach
Auch im Erwachsenenalter können neue Nervenzellen im Hippocampus und im Striatum gebildet werden.
Mythos 7: Männliche Gehirne sind biologisch bedingt besser bei Mathematik, weibliche Gehirne sind empathischer
Es gibt kleine anatomische Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Gehirnen, aber diese Unterschiede basieren eher auf sozialen Normen als auf biologischer Entwicklung.
Mythos 8: Das Gehirn ist wie eine Festplatte
Das Gehirn speichert Informationen nicht einfach wie ein Computer, sondern verknüpft Wissen und Bedeutung mit einer Vielzahl von Assoziationen, Körperempfindungen und Gefühlszuständen.
Mythos 9: Serotonin macht glücklich, Dopamin berauscht
Die genaue Chemie im Gehirn ist noch weitgehend unbekannt. Die Wirkung von Neurotransmittern auf das Wohlbefinden ist komplex und nicht so geradlinig, wie oft vermittelt wird.
Mythos 10: Persönlichkeitstests sind aussagekräftig
Persönlichkeitstests beruhen oft auf einfachen Vorstellungen und bieten keinen direkten Zugang zur Selbstreflexion und zur Einschätzung von Charaktereigenschaften.
Gehirntraining und Lebensstil
Das Gehirn kann durch verschiedene Aktivitäten trainiert und fit gehalten werden. Dazu gehören das Erlernen neuer Fähigkeiten, regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf und eine gesunde Ernährung. Auch soziale Interaktionen und geistige Anregung tragen zur Gehirngesundheit bei.