Für viele Menschen ist die Vorstellung, morgens kalt zu duschen, alles andere als angenehm. Doch während die meisten von uns instinktiv nach Wärme suchen, schwören andere auf den belebenden Frischekick, den eine kalte Dusche mit sich bringt. Tatsächlich deuten wissenschaftliche Untersuchungen darauf hin, dass der Aufenthalt in kaltem Wasser sowohl körperliche als auch geistige Vorteile haben kann.
Kaltwassertherapie: Mehr als nur ein Frischekick
Die Kaltwassertherapie, insbesondere in Form von Eisbaden (dem Eintauchen des Körpers in eiskaltes Wasser), erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Bei dieser Technik wird der Körper üblicherweise für 5-15 Minuten vom Hals abwärts in eiskaltes Wasser getaucht. Aber auch eine einfache kalte Dusche kann bereits positive Effekte erzielen.
Wie man anfängt
Wer sich an kalte Duschen herantasten möchte, kann zunächst damit beginnen, die Zehen für 30 Sekunden unter das kalte Wasser zu halten. Eine weitere Möglichkeit ist die abwechselnde Anwendung von kaltem und warmem Wasser. Ideal ist es, die Wassertemperatur auf die niedrigste Stufe zu stellen und ein bis zwei Minuten unter der kalten Dusche zu bleiben.
Die physiologischen Auswirkungen kalter Duschen
Wenn kaltes Wasser auf den Körper trifft, löst dies eine Kaskade von Reaktionen aus. Die Blutgefäße ziehen sich zusammen (Vasokonstriktion), um die Körperwärme im Inneren zu speichern und den Körper zu schützen. Anschließend weiten sich die Adern und Venen wieder (Vasodilatation). Dieser Wechsel fördert den Blutfluss und die Versorgung der Organe mit Sauerstoff und Nährstoffen.
Aktivierung des Vagusnervs
Kaltes Wasser kann nicht nur beleben, sondern auch die Stimmung heben. Ein starker Kältereiz, wie beim Eisbaden, führt zur Ausschüttung von Endorphinen, die schmerzlindernd und stimmungsaufhellend wirken. Zudem fördert kühles Wasser die Entspannung.
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Vorteile kalter Duschen für Körper und Geist
Regelmäßiges Eisbaden oder kalte Duschen können zahlreiche Vorteile mit sich bringen:
1. Muskelregeneration und reduzierte Entzündungen
Viele Sportler schwören auf Eisbäder nach dem Training. Der Kontakt mit kaltem Wasser wirkt wahre Wunder bei der Regeneration der Muskeln. Die niedrigen Temperaturen helfen, Muskelkater zu minimieren und die Regeneration zu fördern. Eisbäder sind besonders nach intensivem Training ein Gamechanger, da das kalte Wasser spürbare Erleichterung für schmerzende und brennende Muskeln bringt. Zudem sind Eisbäder für ihre entzündungshemmende Wirkung bekannt. Die Kühlung nach dem Training verlangsamt die Entzündungsreaktion, was zu weniger Beschwerden und einer schnelleren Erholung führt.
2. Stimmungsaufhellung und Stressabbau
Obwohl viele dem Eisbaden zunächst skeptisch gegenüberstehen, kann der Sprung ins kalte Wasser den Dopaminspiegel ankurbeln. Es ist eine bewusste Entscheidung, aktiv etwas Gutes für die Gesundheit zu tun. Kalte Duschen können Stress, Angstzustände und Depressionen reduzieren. Außerdem lindern sie Schmerzen (z. B. Kopfschmerzen) und Muskelkater.
3. Steigerung von Energie und Konzentration
Kaltes Duschen spendet frische Energie. Durch die Kälte atmen wir tiefer ein und aus, was die Sauerstoffaufnahme steigert und Müdigkeit vertreibt. Der Kältereiz sorgt dafür, dass wir uns wacher und konzentrierter fühlen. Der Kreislauf kommt in Schwung, Hormone wie Adrenalin werden freigesetzt und wir fühlen uns sofort frischer.
4. Ankurbelung des Stoffwechsels und Fettverbrennung
Kalte Duschen können beim Abnehmen unterstützen, da sie den Stoffwechsel ankurbeln und die Fettverbrennung begünstigen. Wenn kaltes Wasser auf den Körper trifft, fängt der Körper an gegenzusteuern, um Wärme zu erzeugen. Dabei wird das braune Fettgewebe aktiviert, das Kalorien verbrennt, um Wärme zu erzeugen.
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5. Stärkung des Immunsystems
Einer der am meisten angepriesenen Vorteile von kaltem Duschen ist die Stärkung des Immunsystems. Das kalte Wasser erhöht die Durchblutung und fördert den Stoffwechsel. Das führt dazu, dass der Körper und die Organe Nährstoffe und Sauerstoff besser aufnehmen und Abfallprodukte ausgeschieden werden. Studien haben gezeigt, dass regelmäßige Kaltwasser-Güsse über einen längeren Zeitraum die Anfälligkeit für Atemwegsinfekte wirksam senken können.
6. Verbesserte Hautgesundheit
Duschen mit kaltem Wasser ist für die Haut deutlich gesünder. Durch eine kalte Dusche verengen sich die Gefäße, Poren schließen sich und die Haut wird widerstandsfähiger gegenüber äußeren Einflüssen. Auch Schmutzpartikel setzen sich durch geschlossene Poren der Haut weniger leicht fest und sorgen daher für weniger Unreinheiten. Kaltes Wasser schont den Schutzfilm der Haut, während zu warme Temperaturen diesen angreifen und Feuchtigkeit entziehen können.
Die Rolle des Nervensystems
Kaltes Wasser reizt die Thermorezeptoren auf der Haut und beeinflusst somit das zentrale Nervensystem, die Skelettmuskulatur, Blutgefäße und Schweißdrüsen. Die Aktivierung des Sympathikus (Teil des vegetativen Nervensystems) führt zu einem Anstieg von Noradrenalin, was den Antrieb und die Leistungsbereitschaft für den Tag erhöht. Gleichzeitig wird durch das Kältegefühl an der Haut der Parasympathikus aktiviert, was zu einer Entspannungsreaktion führt. Weitere Hormone wie Dopamin und Oxytocin werden freigesetzt, die Stress abbauen und die Gedächtnisleistung erhöhen.
Tipps für den Einstieg
- Langsam anfangen: Beginnen Sie mit kurzen, kalten Duschen und steigern Sie die Dauer allmählich.
- Regelmäßigkeit: Je regelmäßiger der Körper Kältereizen ausgesetzt wird, desto unempfindlicher wird er.
- Nicht übertreiben: Schluss ist, wenn die Kälte schmerzt. Es ist wichtig, sich nicht zu unterkühlen.
- Auf den Körper hören: Jeder Mensch ist anders. Probieren Sie es aus und achten Sie auf Ihr Körpergefühl.
- Atemtechnik: Atmen Sie während der kalten Dusche bewusst und tief ein und aus.
Eine 30-Tage-Challenge?
Wer sich traut, kann eine 30-Tage-Challenge starten und für die nächsten 30 Tage kalt duschen. Beginnen Sie zum Beispiel mit zehn Sekunden am Tag und steigern Sie die Dauer langsam.
Kaltes Duschen und Depressionen
In schweren Fällen von Depressionen kann eine kalte Dusche helfen, Glücks- bzw. Aktivitätshormone wie Endorphine, Adrenalin und Noradrenalin freizusetzen. Die Adrenalin-Freisetzung ist ein deutliches „Wecksignal“ an den Körper, besonders für Menschen, die morgens schlecht in die Gänge kommen. Unmittelbar mit Beginn der kalten Dusche kommt es bedingt durch Adrenalin und Noradrenalin zu einer Reizüberflutung des Gehirns, was einem Gleichrichtereffekt entspricht. Durch die starke körperliche Reaktion auf den Kältereiz werden alle Gedanken, vor allen Dingen auch die schlechten, weggefegt.
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Vorsichtshinweise
- Extreme Kälte kann ein Schock für den Körper sein.
- Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, starkem Bluthochdruck, Epilepsie, schwerer Diabetes oder starkem Asthma sollte auf das Eisbaden verzichtet werden. Ebenso während einer Schwangerschaft.
- Bei gesundheitlichen Bedenken sollte vor der Anwendung der Kaltwassertherapie Rücksprache mit einem Arzt gehalten werden.
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