Die Nerven, ein Trio aus Stuttgart, bestehend aus Max Rieger, Julian Knoth und Kevin Kuhn, haben sich in der deutschen Musikszene einen Namen gemacht, indem sie Noise-Rock, Post-Punk und Pop auf unkonventionelle Weise miteinander verbinden. Ihre Musik ist oft laut, ehrlich und unverfälscht, und ihre Texte sind oft düster und nachdenklich. In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf die Band, ihre Musik und ihre Einflüsse, wobei wir uns besonders auf die Perspektive von Schlagzeuger Kevin Kuhn konzentrieren.
Kevin Kuhn und die Welt der Live-Musik
Kevin Kuhn, bekannt für sein talentiertes Schlagzeugspiel bei Die Nerven und Scharping, hat eine besondere Vorliebe für Live-Musik. Unter dem Motto „Live is Life!“ stellt er seine Lieblingsmusik aus der Live-Kategorie vor und übernimmt den Popfilter, um seine Lieblings-Live-Alben und -Songs zu präsentieren.
Kuhn schätzt die Energie und Unmittelbarkeit von Live-Aufnahmen. Er erwähnt das Live-Album „Mortal Way of Live“ der Thrash-Metal-Band Sodom als eine seiner Vorlieben. Er schätzt die rohe Brachialität und das primitive Gekloppe im besten Sinne.
Die Nerven: Von Stuttgart in die Welt
Die Geschichte von Die Nerven beginnt 2010 in Stuttgart, als Max Rieger und Julian Knoth die Band gründen. Später stößt Schlagzeuger Kevin Kuhn hinzu. Die Band hat bisher sechs Studioalben veröffentlicht, darunter das aktuelle Album „Wir waren hier“.
Die Nerven haben sich einen Ruf für ihre energiegeladenen Live-Auftritte erworben. Ihr bisher einziges Livealbum „Live in Europa“ entstand während ihrer Tournee 2015. Kuhn erinnert sich an die langen Touren, die sie früher gespielt haben, manchmal einen Monat am Stück ohne Pause.
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Musikalische Einflüsse und kreativer Prozess
Die Nerven lassen sich von einer Vielzahl von Genres und Künstlern inspirieren, darunter Noise-Rock, Post-Punk, Hardcore und sogar die Beatles. Kuhn erwähnt Bands wie Hüsker Dü und Dinosaur Jr. als Einflüsse. Er gibt zu, dass er Deutschpunk eigentlich nicht mag und dass Tocotronic die erste deutschsprachige Band war, die er gut fand.
Der kreative Prozess von Die Nerven ist oft intuitiv und kollaborativ. Die Bandmitglieder unterhalten sich viel über ihre musikalischen Ideen, den Sound, den sie haben wollen, und die Atmosphäre, die sie erzeugen wollen. Sie proben jedoch selten. Stattdessen konzentrieren sie sich darauf, die Energie des ersten Mals auf Band zu bringen.
"Fake": Eine Auseinandersetzung mit Illusionen und Plastik
Das vierte Album der Band, "Fake", das über Glitterhouse Records erschien, lotet die Extreme noch weiter aus und scheint gleichzeitig etwas mehr zu sich selbst gefunden zu haben. Inspiriert durch Aussteiger-Freunde der Eltern von Bassist Julian Knoth, entstand die Idee, "Fake" gemeinsam mit Ralv Milberg in der sonnigen Toskana zu vollenden.
Die fehlende Ablenkung und das komplette Herausreißen aus dem Alltag kamen den Nerven gelegen. Während das Vorgängeralbum „Out“ auf der Schwäbischen Alb aufgenommen wurde und es sich dort nach Aussage von Schlagzeuger Kevin Kuhn eher kalt und deprimierend anfühlte, lief der Aufnahmeprozess dieses Mal Ende September in Italien und begleitet von stetem Sonnenschein deutlich entspannter ab.
Trotzdem waren die Aufnahmen für "Fake" kein Spaziergang. Kevin erinnert sich: „Für einige war es anstrengender als für andere und da würde dir wahrscheinlich auch jeder was anderes erzählen. Ich mag es, knietief im Album zu stecken und mich auf diese eine Aktivität zu konzentrieren. Es war schon sehr arbeitsorientiert."
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Verschiedene Faktoren führten dazu, dass Die Nerven im Vorfeld kommunizierten, dass ihnen bisher noch kein Album so viel abverlangt habe wie „Fake“. Kevin nennt einige davon: „Wir waren zwölf Tage in der Toskana, damit fängt es schon mal an. Das Album ,Out‘ haben wir in fünf Tagen aufgenommen und ,Fun‘ in drei Tagen. Die Songs diesmal sind herausfordernder und wir haben auch viele Songs monate- oder sogar jahrelang mit uns herumgetragen und ausgearbeitet. Das haben wir vorher nicht so gemacht, die anderen Alben fingen sehr den Moment und den Sound der Band ein. Aber ,Fake‘ ist mehrdimensionaler. Durch das viele Touren hingen wir auch lange Zeit eng aufeinander, so dass man DIE NERVEN schon ein Stück satt hatte."
Das namenlose Album: Tod, digitale Selbstdarstellung und Kapitalismus
Das neue Album von Die Nerven trägt keinen Titel, sondern lediglich einen schwarzen Schäferhund vor schwarzem Hintergrund auf dem Cover. Die Nerven empfehlen das Album „Die Nerven“ zu nennen, verstehen es aber selbst als ihr „schwarzes Album“. „Es geht viel um den Tod“ sagt Max Rieger und erklärt, dass man sich zunächst ein ganz anderes, knalliges Cover für die Platte vorgestellt habe. Mit der Zeit und dem aktuellen Weltgeschehen wurde das Artwork allerdings immer reduzierter.
Auf ihrem fünften Album schaffen es Die Nerven Post-Punk, Noise-Rock und Pop noch konsequenter als jemals zuvor miteinander zu verweben: Es geht um digitale Selbstdarstellung und Narzissmus („Ein Influencer weint sich in den Schlaf“) oder um unser kapitalistisches System („Alles reguliert sich selbst“).
Die Nerven eröffnen ihre neue Platte mit den wuchtigen Stücken „Europa“ und „Ich sterbe jeden Tag in Deutschland“. Sie benennen darin kaum konkrete gesellschaftliche Probleme, aber der Tenor ist klar: Hier läuft etwas gewaltig schief. Die Songs sind lange vor Russlands Angriff auf die Ukraine entstanden, trotzdem aber aktueller denn je. Max Rieger erklärt: „Dieses Gefühl, um das es in Europa geht, ist kein Gefühl, das neu in der Welt ist. Dieses Leben im Elfenbeinturm, aufgewachsen im persönlichen Auenland, bröckelt und die Fassade fällt langsam ab.“
"Wir waren hier": Ein Album über das, was bleibt
Mit „Wir waren hier“ legen „Die Nerven“ ein Album vor, das aus dem Rahmen fällt. Darin philosophiert das Trio um Sänger und Gitarrist Max Rieger darüber, was von der Menschheit einmal übrig bleibt. Die Songs mit ihren mächtigen Gitarrenwänden und griffigen Slogans sind ein ambitionierter Versuch, die Hässlichkeit und das Chaos der Gegenwart für einen Moment aufzuheben.
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Rieger hatte dazu ein Gedankenspiel: Egal, was passiert, von der Zivilisation und den ganzen Errungenschaften der Menschheit bleibt ganz am Ende nur eine Gesteinsschicht im Sediment, an der man ablesen kann, wann was war. Mehr ist es nicht.
Die Band wollte etwas Authentisches machen. Das Ganze ist automatisch eigenständig, sobald man zulässt, dass es so klingt wie man selbst klingt. In „Achtzehn“ versetzen sie sich zurück in ihre Jugend. Rieger sagt, er will heute wirklich kein 18-Jähriger mehr sein, denn die werden auf jeden Fall schlechter leben als ihre Eltern. Deswegen findet er jede Reaktion darauf bzw. Flucht davor vollkommen legitim.
Knoth ergänzt, dass er ein bisschen neidisch ist auf die nächste Generation von Leuten, die aus dem Umfeld kommen, in dem sie angefangen haben. Die ist nämlich viel bewusster und legt Wert auf einen netten, gesunden Umgang miteinander.
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