Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte Anfälle gekennzeichnet ist. Die Behandlung von Epilepsie ist komplex und erfordert einen individuellen Ansatz. Das ZfP Südwürttemberg Krankenhaus Weißenau hat sich auf die stationäre Behandlung von Epilepsiepatienten spezialisiert und bietet ein umfassendes Spektrum an diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten.
Epilepsie in Deutschland: Eine Übersicht
Die Deutsche Gesellschaft für Epileptologie (DGfE) spielt eine zentrale Rolle bei der Qualitätssicherung und Standardisierung der Epilepsiebehandlung in Deutschland. Sie hat Kriterien für die Zertifizierung von Epilepsiezentren erstellt, um eine hochwertige Versorgung der Patienten zu gewährleisten.
Zertifizierte Einrichtungen
- Epilepsiezentren: In Deutschland gibt es derzeit 57 zertifizierte Epilepsiezentren (Stand: 03.). Diese Zentren erfüllen hohe Qualitätsstandards in Bezug auf Diagnostik, Therapie und Forschung.
- Epilepsie-Ambulanzen: Für die ambulante Versorgung von Epilepsiepatienten stehen 50 Epilepsie-Ambulanzen für Jugendliche und Erwachsene (Stand: 22.) sowie 97 Epilepsie-Ambulanzen für Kinder und Jugendliche (Stand: 23.) zur Verfügung.
- Schwerpunktpraxen Epileptologie: Ergänzend dazu gibt es 58 Schwerpunktpraxen Epileptologie in Deutschland (Stand: 23.). Diese Praxen bieten eine spezialisierte ambulante Versorgung durch erfahrene Epileptologen.
- Epilepsie-Beratungsstellen: Für Betroffene und ihre Angehörigen gibt es 23 Epilepsie-Beratungsstellen (Stand: 14.), die Unterstützung und Informationen bieten.
Anlaufstellen nach Region
Deutschlandweit gibt es zahlreiche Anlaufstellen für Menschen mit Epilepsie. Hier eine Auswahl, geordnet nach Städten und Regionen:
- Aachen: MZEB Univ.-Klinikum Aachen, 2. Standort Medizin.
- Berlin: Dr. med. N. Paulsbornerstr., Dr. med. Th. Potsdamer Str., Dr. med. K. Fehrbellinerstr., Dr. med. M. Charlottenstr.
- Bonn: Gesundheitszentrum St., Frau Dr. med. B. Kölnstr., Universitätsklinikum Bonn AöR, Abtlg. Neuropädiatrie und Sozialpäd.
- Bodensee: Epilepsiezentrum Bodensee (Kooperation mit der Stiftung Liebenau).
- Dresden: Universitätsklinikum Carl Gustav Carus der TU Dresden Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin Abt., Frau Dr. med. S. Fetscherstr.
- Freiburg: Prof. Dr. med. A. Breisacher Str.
- Gießen und Marburg: Epilepsieberatung Gießen und Marburg GmbH Kinderklinik, Abtlg.
- Göttingen: Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsmedizin Göttingen Zentrum für Kinderheilkunde u.
- Hamburg: Norddt. Epilepsiezentrum Hamburg Evang., Gemeinschaftspraxis Neurologie Neuer Wall.
- Hannover: Neuropädiatrische Ambulanz Medizinische Hochschule Hannover Klinik für päd.
- Herdecke: Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke Zentrum für Neuromedizin Abtlg.
- Kleinwachau: Sächsisches Epilepsiezentrum Kleinwachau Epilepsiesprechstunde für Kinder u.
- Köln: Frau Dr. med. J. Kerpener Str.
- Leipzig: Univ.-Klinikum Leipziger Str., Sächsisches Epilepsiezentrum Sprechstunde für Erwachsene Dr. Th. Mayer; Psychiatrische Epileptologie: Dr. M. Wachauer Str.
- Mainz: Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin Univ. Mainz, Abt.
- München: Dr. med. D. Heiglhofstr., Dr. von Haunersches Kinderspital, Sozialpäd. Zentrum, Kinderneurozentrum Päd.
- Münster: Universitätsklinikum Münster Klinik u. Poliklinik für Kinder- u.
- Neustadt: PD Dr. R. 23730 Neustadt i.
- Ravensburg-Bodensee: Abteilung Epileptologie und Neurologie Ravensburg-Bodensee.
- Rotenburg: AGAPLESION Diakonieklinikum Rotenburg Neurologische Klinik.
- Tübingen: Univ.-Kliniken Tübingen Abt.
- Ulm: Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin, Abt.
- Weißenau: ZfP Südwürttemberg Krankenhaus Weissenau Abteilung Epileptologie und Neurologie Ravensburg-Bodensee, Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters Weissenau, Abteilung Alterspsychiatrie und -Psychotherapie Weissenau.
- Würzburg: Universitäts-Kinderklinik Würzburg Kinderklinik, Poliklinik SPZ Frühdiagnosezentrum Sozialpädiatr.
Diese Liste ist nicht vollständig, sondern soll einen ersten Überblick über die vielfältigen Angebote geben. Es empfiehlt sich, die DGfE-Webseite (www.dgfe.info) für eine detaillierte Suche nach spezialisierten Einrichtungen in der Nähe zu nutzen.
Das ZfP Südwürttemberg Krankenhaus Weißenau: Spezialisierung auf Epilepsie
Das ZfP Südwürttemberg Krankenhaus Weißenau betreibt seit 2005 eine eigenständige Abteilung für Epileptologie. Diese Abteilung bietet stationäre Behandlung für Menschen mit schwerer Epilepsie, bei denen eine ambulante Anpassung der Medikation schwierig ist. Eine der beiden Stationen ist speziell auf die Bedürfnisse von Menschen mit zusätzlichen körperlichen oder psychischen Behinderungen ausgerichtet.
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Diagnostische Möglichkeiten
Die Abteilung für Epileptologie in Weißenau verfügt über umfangreiche diagnostische Möglichkeiten, um die Ursache von epileptischen Anfällen zu klären und einen individuellen Behandlungsplan zu erstellen. Dazu gehören:
- EEG (Elektroenzephalographie): Die EEG-Untersuchung misst die elektrische Aktivität des Gehirns und kann Anfallsaktivität oder andere Auffälligkeiten erkennen.
- Video-EEG-Monitoring: Auf der Station 33 steht eine Video-EEG-Monitoring Einheit mit aktuell 2 Betten für die kontinuierliche mehrtägige Aufzeichnung des EEGs 24 Stunden/Tag mit synchronisierter Videoaufzeichnung zur diagnostischen und therapeutischen Verbesserung von Epilepsieformen, die medikamentös nicht ausreichend behandelbar sind, zur Verfügung.
- Bildgebende Verfahren: In Kooperation mit dem universitären Epilepsiezentrum in Ulm können spezielle bildgebende Verfahren eingesetzt werden, um strukturelle Veränderungen im Gehirn zu erkennen, die für die Epilepsie verantwortlich sein könnten.
Therapeutische Angebote
Das Behandlungsangebot in Weißenau umfasst verschiedene Therapieoptionen, die individuell auf die Bedürfnisse des Patienten abgestimmt werden:
- Medikamentöse Behandlung: Initial erfolgt die Behandlung mit sogenannten anfallssuppressiven Medikamenten (ASMs), früher auch "Antiepileptika" genannt. Diese stabilisieren die elektrische Aktivität im Gehirn. Das Medikamentenspektrum hat sich in den letzten 20 Jahren enorm erweitert. Die Auswahl erfolgt individuell nach Art der Epilepsie, Anfallshäufigkeit, Alter, Geschlecht und Begleiterkrankungen. Meist wird mit einer Monotherapie begonnen; bei unzureichender Wirksamkeit kann eine Kombinationstherapie notwendig werden. Etwa ein Drittel der Betroffenen spricht nicht ausreichend auf Medikamente an - in solchen Fällen spricht man von Pharmakoresistenz. Unsere Klinik beteiligt sich auch an klinischen Studien mit solchen Medikamenten, die noch nicht am Markt erhältlich sind und unter engen Kontrollen zum Einsatz kommen.
- Epilepsiechirurgische Behandlung: Bei pharmakoresistenter Epilepsie sollte frühzeitig die Möglichkeit einer operativen Therapie geprüft werden. Durch eine sogenannte "prächirurgische Diagnostik" wird abgeklärt, ob ein epileptischer Herd im Gehirn durch eine Operation entfernt werden kann - ohne bleibende neurologische Defizite. Sofern eine chirurgische Behandlung möglich ist, kann diese in der neurochirurgischen Klinik in Günzburg erfolgen. Die Nach- und Weiterbehandlung hier in Weißenau ist in jedem Fall gewährleistet.
- Vagusnervstimulation: Das Behandlungsangebot umfasst auch die Möglichkeit der Vagusnervstimulation, was ebenfalls in Kooperation mit der neurochirurgischen Klinik in Günzburg erfolgt.
Kooperationen
Das ZfP Südwürttemberg Krankenhaus Weißenau arbeitet eng mit anderen Kliniken und Institutionen zusammen, um eine optimale Versorgung der Patienten zu gewährleisten. Dazu gehören:
- Universitätsklinikum Ulm: Kooperation im Bereich der prächirurgischen Diagnostik und speziellen bildgebenden Verfahren.
- Neurochirurgische Klinik in Günzburg: Durchführung von epilepsiechirurgischen Eingriffen und Vagusnervstimulation.
- Epilepsiezentrum Bodensee: Kooperation mit der Stiftung Liebenau.
Stationäre Behandlung in Weißenau: Ziel und Maßnahmen
Ziel der stationären Therapie ist die Verbesserung von Anfallskontrolle und Lebensqualität. Je nach Einzelfall kommen folgende Maßnahmen zum Einsatz:
- Medikamentöse Behandlung: Anpassung der Medikation, Überwachung der Wirksamkeit und Verträglichkeit.
- Diagnostik: Durchführung von EEG- und Video-EEG-Monitoring zur genauen Erfassung der Anfallsaktivität.
- Beratung und Schulung: Information über Epilepsie, Anfallsmanagement und Notfallmaßnahmen.
- Psychologische Unterstützung: Hilfe bei der Krankheitsverarbeitung und Bewältigung von Ängsten und Depressionen.
- Sozialberatung: Unterstützung bei sozialen und beruflichen Fragen.
Ausstattung und Services in Weißenau
Das ZfP Südwürttemberg Krankenhaus Weißenau bietet eine komfortable und barrierefreie Umgebung für die Patienten. Zur Ausstattung gehören:
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- Zimmerausstattung: Einzelzimmer mit eigenem Bad (vollstationär in den meisten Abteilungen verfügbar), Zwei-Bett-Zimmer mit Bad (im vollstationären Bereich), Zimmerausstattung mit rollstuhlgerechten Sanitäranlagen auf jeder Station.
- Barrierefreiheit: Rollstuhlgerechter Zugang zu Serviceeinrichtungen, bauliche Maßnahmen für Menschen mit Demenz oder geistiger Behinderung.
- Service für Patienten aus dem Ausland: Dolmetscherdienst (Dolmetscherliste im Haus, telefonischer Dolmetscherdienst jederzeit verfügbar), fremdsprachiges Personal (in zahlreichen gängigen Sprachen möglich).
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