Die Neurologie ist ein entscheidender Bereich der Medizin, der sich mit der Diagnose und Behandlung von Erkrankungen des Nervensystems befasst. An der Universitätsmedizin Essen (UME) spielt die Neurologie eine zentrale Rolle, insbesondere im Zusammenspiel mit der voranschreitenden Digitalisierung des Gesundheitswesens. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Neurologie an der UME, einschliesslich der beteiligten Akteure, der Schwerpunkte der Klinik und der Integration digitaler Innovationen.
Die Klinik für Neurologie an der Universitätsmedizin Essen: Struktur und Schwerpunkte
Die Klinik für Neurologie an der UME wird von einem erfahrenen Team aus Ärzten und Wissenschaftlern geleitet, die sich der bestmöglichen Versorgung von Patienten mit neurologischen Erkrankungen verschrieben haben.
Leitung und Verantwortlichkeiten
- Prof. Dr. med. Roland Veltkamp (Chefarzt): Als Chefarzt der Klinik trägt Prof. Veltkamp die Gesamtverantwortung für die Patientenversorgung, Forschung und Lehre. Er ist Facharzt für Neurologie mit der Zusatzbezeichnung Neurologische Intensivmedizin.
- Prof. Dr. med. Markus Krämer (Leitender Oberarzt): Prof. Krämer ist Facharzt für Neurologie mit Schwerpunkten in Neuroimmunologie, insbesondere Multiple Sklerose, zerebrale Vaskulitis, juveniler Schlaganfall und Moyamoya-Erkrankung. Er leitet die Multiple Sklerose-Ambulanz und die neurologische prästationäre Ambulanz.
- Dr. med. Jana Becker (Geschäftsführende Oberärztin): Dr. Becker ist Fachärztin für Neurologie mit der Zusatzbezeichnung Geriatrie. Ihre Schwerpunkte liegen in der Neurosonologie (DEGUM Stufe II Ausbilderin) und der vaskulären Neuroimmunologie, insbesondere der Multiplen Sklerose.
- Dr. med. Karim Hajjar (Geschäftsführender Oberarzt): Dr. Hajjar ist Facharzt für Neurologie mit der Zusatzbezeichnung Intensivmedizin und leitet die Stroke Unit. Seine Qualifikationen umfassen ein EMG-Zertifikat, ein GCP-Zertifikat und die Tätigkeit als Prüfarzt. Seine Schwerpunkte sind Schlaganfall/Hirnblutung, Schwindel und Kopfschmerz, neurologische Notfallmedizin, neurologische Intensivmedizin und neurologisches Gutachtenwesen.
- Dr. med. Torsten Grehl (Oberarzt): Dr. Grehl ist Facharzt für Neurologie und leitet die ALS-Ambulanz.
- Priv.-Doz. Dr. med. Andrea Jaspert-Grehl (Oberärztin): PD Dr. Jaspert-Grehl ist Fachärztin für Neurologie mit Ausbildungsberechtigung für EPA und EMG. Ihre Schwerpunkte liegen in der klinischen Neurophysiologie, Polyneuropathien, Botulinumtoxin-Therapie und Liquordiagnostik.
- Dr. med. Dieter Linden (Oberarzt): Dr. Linden ist Facharzt für Neurologie mit Schwerpunkten in der neurologischen Aufnahmeambulanz, Multipler Sklerose und autonomen Störungen.
- Dr. med. Steffen Nägel (Oberarzt): Dr. Nägel ist Facharzt für Neurologie mit Schwerpunkten in der neurologischen Intensivmedizin und ist DMKG-zertifizierter Kopfschmerzexperte.
- Dr. med. Patrick Müller (Oberarzt)
- Prof. Dr. rer. nat. Dipl.-Psych. Rolf R. Diehl (Neuropsychologe): Prof. Diehl leitet das Klinische Studienzentrum, das Autonome Labor und Kipptischlabor, das Demenzmanagement "Blauer Punkt" und ist Vorsitzender des Klinischen Ethikkomitees. Er ist Klinischer Neuropsychologe (GNP) und Psychologischer Psychotherapeut mit Venia legendi für Medizinische Psychologie.
- Dr. med. Mosche Brokbals (Facharzt für Neurologie)
Spezialisierte Bereiche und Angebote
Die Klinik für Neurologie an der UME bietet ein breites Spektrum an spezialisierten Bereichen und Angeboten für die Diagnose und Behandlung neurologischer Erkrankungen. Dazu gehören unter anderem:
- Stroke Unit: Eine spezialisierte Einheit für die Akutversorgung von Patienten mit Schlaganfall.
- Multiple Sklerose-Ambulanz: Eine Ambulanz für die Betreuung von Patienten mit Multipler Sklerose.
- ALS-Ambulanz: Eine Ambulanz für die Betreuung von Patienten mit Amyotropher Lateralsklerose (ALS).
- Autonomes Labor und Kipptischlabor: Ein Labor zur Untersuchung von Kreislaufregulation und autonomen Störungen.
- Demenzmanagement "Blauer Punkt": Ein Konzept zur Verbesserung der Versorgung von Patienten mit Demenz im Krankenhaus.
Das Konzept "Der blaue Punkt"
Ein Delir ist ein akuter Verwirrtheitszustand, der durch Symptome wie Bewusstseinsstörungen, Wahrnehmungsstörungen, Desorientierung oder Gedächtnisprobleme gekennzeichnet ist. Ursachen sind oft Wechselwirkungen zwischen einer Vorschädigung des Gehirns und äußeren Faktoren wie fieberhaften Infektionen oder Dehydration. Im Gegensatz zur Demenz ist ein Delir prinzipiell reversibel.
Das Pflegekonzept "Der blaue Punkt" wurde entwickelt, um das Bewusstsein für Delir-Patienten im Krankenhaus zu schärfen und Handlungsorientierung zu geben. Ein blauer Punkt auf den Patientenakten signalisiert den Mitarbeitern, dass ein besonderes Augenmerk auf den Patienten gelegt werden muss, z.B. durch eine feste Tagesstruktur, zügige Untersuchungen, angepasste Medikamentengabe und kurze Liegezeiten.
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Dr. Anke Diehl und die digitale Transformation der Universitätsmedizin Essen
Dr. Anke Diehl spielt eine Schlüsselrolle bei der digitalen Transformation der Universitätsmedizin Essen.
Werdegang und Expertise
Dr. Anke Diehl ist eine promovierte Humanmedizinerin mit einem Master in Management von Gesundheits- und Sozialeinrichtungen. Ihr beruflicher Werdegang umfasst Stationen in der Neurologie, Neuroradiologie und im Gesundheitsmanagement. Seit 2018 ist sie als Digital Change Managerin an der Universitätsmedizin Essen tätig und leitet seit Anfang 2021 die Stabsstelle Digitale Transformation.
Verantwortlichkeiten und Projekte
Als Chief Transformation Officer (CTO) der Universitätsmedizin Essen ist Dr. Diehl für die Umsetzung innovativer Projekte im Rahmen der Digitalisierungsstrategie des Smart Hospitals verantwortlich. Sie leitet das vom Land NRW geförderte Konsortialprojekt SmartHospital.NRW, das konkrete Anwendungsfelder für Künstliche Intelligenz (KI) zur Gestaltung des Krankenhauses von morgen entwickelt.
SmartHospital.NRW: KI für das Krankenhaus von morgen
Das Konsortialprojekt „SmartHospital.NRW“ unter der Leitung von Dr. Diehl entwickelt mit anderen Universitäten und Facheinrichtungen konkrete Anwendungsfelder für KI zur Gestaltung des Krankenhauses von morgen. Ziel ist es, die Patientenversorgung zu verbessern, die Effizienz der Abläufe zu steigern und die Arbeitsbedingungen für das Personal zu optimieren.
Sprachsteuerungs-KI
Ein Beispiel für ein solches Anwendungsfeld ist die Entwicklung einer Sprachsteuerungs-KI, die in verschiedenen Bereichen der Klinik eingesetzt werden soll. Diese KI soll sowohl von Ärzten als auch von Patienten genutzt werden können, um beispielsweise medizinische Dokumentationen zu erstellen, Befunde abzurufen oder die Steuerung von Geräten zu vereinfachen.
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Leitlinie zur Transformation
Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Projekts ist die Entwicklung einer Leitlinie zur Transformation, die anderen Kliniken als Orientierungshilfe bei der Digitalisierung dienen soll. Dieses Whitepaper wird der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, um die Forschungsergebnisse und Erfahrungen des Projekts zu teilen.
Herausforderungen bei der Implementierung digitaler Lösungen
Dr. Diehl betont, dass die Standardisierung von Daten und Formaten eine der größten Herausforderungen bei der Implementierung neuer digitaler Lösungen ist. Für eine Versorgungsverbesserung müssen die Informationen in Zukunft kompatibel sein. Eine funktionierende Telematikinfrastruktur ist hier eine Grundvoraussetzung.
Patientenportal
Dr. Diehl beschäftigt sich mit der Erstellung eines Patientenportals, um Patientinnen und Patienten in die digitale Medizin einzubinden. Dadurch sollen sie einen anderen Stellenwert bekommen und sich anders mit der Universitätsmedizin Essen in Verbindung setzen können.
Digitalisierung in der Neurologie: Chancen und Herausforderungen
Die Digitalisierung bietet der Neurologie zahlreiche Chancen, die Patientenversorgung zu verbessern und die Forschung voranzutreiben.
Chancen
- Verbesserte Diagnostik: KI-basierte Bildanalyse kann helfen, subtile Veränderungen im Gehirn zu erkennen, die mit dem menschlichen Auge möglicherweise übersehen werden. Dies kann zu einer früheren und genaueren Diagnose neurologischer Erkrankungen führen.
- Personalisierte Therapie: Durch die Analyse großer Datenmengen können individuelle Therapieansätze entwickelt werden, die auf die spezifischen Bedürfnisse und Eigenschaften des Patienten zugeschnitten sind.
- Telemedizinische Versorgung: Telemedizinische Anwendungen ermöglichen es, Patienten in ländlichen oder abgelegenen Gebieten neurologisch zu betreuen, ohne dass diese in ein spezialisiertes Zentrum reisen müssen.
- Effizienzsteigerung: Digitale Lösungen können administrative Aufgaben automatisieren und die Kommunikation zwischen den verschiedenen Akteuren im Gesundheitswesen verbessern, was zu einer Effizienzsteigerung führt.
Herausforderungen
- Datenschutz und Datensicherheit: Der Umgang mit sensiblen Patientendaten erfordert höchste Sicherheitsstandards, um Missbrauch und unbefugten Zugriff zu verhindern.
- Interoperabilität: Die verschiedenen digitalen Systeme im Gesundheitswesen müssen miteinander kompatibel sein, um einen reibungslosen Datenaustausch zu gewährleisten.
- Akzeptanz bei Patienten und Personal: Nicht alle Patienten und Mitarbeiter sind gleichermaßen offen für digitale Technologien. Es ist wichtig, Bedenken auszuräumen und die Vorteile der Digitalisierung zu vermitteln.
- Kosten: Die Implementierung und Wartung digitaler Lösungen kann mit hohen Kosten verbunden sein, die insbesondere für kleinere Krankenhäuser eine Herausforderung darstellen können.
Synkopen: Pathophysiologie, Diagnostik und therapeutische Ansätze
Synkopen, oder Ohnmachtsanfälle, sind ein häufiges und relevantes Krankheitsbild, das nicht nur für Neurologen, sondern auch für Hausärzte und Internisten von Bedeutung ist. Eine Synkope ist eine Sonderform eines kurzen Ohnmachtsanfalls, bei der eine Minderung der globalen Hirndurchblutung zu der Ohnmacht führt. Es ist wichtig, Synkopen von anderen Ursachen für Ohnmachtsanfälle, wie z.B. Unterzuckerung oder epileptische Anfälle, zu unterscheiden.
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Ursachen und Einteilung
Synkopen werden in zwei Hauptgruppen eingeteilt:
- Kardiale Synkopen: Die Ursache liegt im Herzen, entweder aus mechanischen (z.B. Vorhofmyxom) oder rhythmologischen Gründen (z.B. AV-Block).
- Neurogene Synkopen: Die Ursache liegt im Nervensystem oder in der Kreislaufregulation. Zu dieser Gruppe gehören die orthostatische Hypotension und die vasovagale Synkope (Reflexsynkope).
Orthostatische Hypotension
Bei der orthostatischen Hypotension liegt eine Störung der Sympathikusfunktion vor. Der normale Sympathikusreflex nach dem Hinstellen, der eine Verengung der peripheren Widerstandsgefäße auslöst, funktioniert nicht. Dadurch „versackt“ im Stehen das Blut in die weit offenstehenden Gefäße in den Beinen und im Becken und der Blutdruck fällt abrupt ab. Dies kann auf eine ernsthafte neurologische Erkrankung hindeuten, die die Nerven oder die entsprechende Schaltzentrale im Gehirn schädigt, wie z.B. eine Multisystematrophie oder ein Parkinson-Syndrom.
Vasovagale Synkope (Reflexsynkope)
Die vasovagale Synkope ist viel häufiger und gutartiger als die orthostatische Hypotension. Sie wird oft im Stehen ausgelöst, üblicherweise erst im Verlauf von längerem Stehen. Da setzt ein Hirnreflex ein, der auf einmal ganz aktiv den Sympathikus deaktiviert und den Vagusnerv aktiviert. Das führt dazu, dass die Gefäße sich erweitern und das Blut „versackt“. Zusätzlich wird durch die Aktivierung des Vagus auch noch der Herzschlag verlangsamt.
Weitere auslösende Mechanismen für vasovagale Synkopen sind beispielsweise das Sehen von Blut oder einer Verletzung, Reizungen an bestimmten Körperstellen oder plötzlicher Schmerz. Evolutionstheoretisch betrachtet, zielt dieser Reflex auf die Situation des Verblutens ab. Langes Stehen führt genauso wie Verbluten dazu, dass die zentralen Blutspeicher in den Lungengefäßen angezapft werden und dass der zentrale Venendruck immer mehr abfällt. Der Reflex senkt den Blutdruck, um den Druck auf offene Gefäße zu senken und die Gefahr des Verblutens zu mindern.
Diagnostik
Die Anamnese ist der Königsweg zur Diagnose bei Synkopen. Wichtig ist die Frage nach Prodromi (Vorläufersymptomen) vor der Ohnmacht. Bei kardialen Synkopen sind keine oder nur extrem kurze Prodromi vorhanden, während bei neurogenen Synkopen (orthostatische Hypotonie und vasovagale Synkope) oft längere Prodromi auftreten.
Konvulsive Synkopen
Auch bei einer Synkope können Zuckungen auftreten, die fälschlicherweise oft als epileptischer Anfall interpretiert werden. Die Konvulsionen bei Synkopen sind aber eher begrenzt auf bestimmte Körperbereiche und nicht synchron, im Gegensatz zu den rhythmisch stattfindenden Zuckungen beim Grand mal Anfall.
Therapeutische Ansätze
Die Therapie von Synkopen richtet sich nach der Ursache. Bei kardialen Synkopen ist eine kardiologische Behandlung erforderlich. Bei neurogenen Synkopen können verschiedene Maßnahmen helfen, wie z.B. körperliche Gegenmaßnahmen (z.B. Anspannen der Beinmuskulatur), ausreichend Flüssigkeitszufuhr und gegebenenfalls Medikamente.
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