Umgang mit der Diagnose Hirntumor: Ein umfassender Leitfaden

Die Diagnose eines Hirntumors ist für die Betroffenen und ihre Angehörigen oft ein Schock. Obwohl die Perspektiven und die 5-Jahres-Überlebenschancen in den letzten Jahren stabil geblieben sind, ist es wichtig, sich umfassend über die Erkrankung, ihre Behandlungsmöglichkeiten und den Umgang mit den damit verbundenen Herausforderungen zu informieren. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Hirntumore, von den Ursachen und Symptomen bis hin zu den verschiedenen Therapieansätzen und der Bedeutung der Nachsorge.

Was sind Hirntumore?

Hirntumore sind Neubildungen im zentralen Nervensystem (ZNS), die von der Gehirn- oder Rückenmarksubstanz selbst oder den sie umgebenden Hirnhäuten ausgehen. Sie können gutartig oder bösartig sein und werden in vier Grade nach der WHO-Klassifikation eingeteilt, wobei Grad I gutartig und Grad IV sehr bösartig ist.

Es ist wichtig zu unterscheiden zwischen primären Hirntumoren, die direkt im Gehirn entstehen, und Hirnmetastasen, die Absiedlungen von Tumoren in anderen Körpergeweben sind. Die häufigsten primären Hirntumoren sind Gliome, die aus den Stützzellen im Gehirn, den sogenannten Gliazellen, hervorgehen.

Wie häufig sind Hirntumore?

Hirntumore gehören zu den seltenen Krebserkrankungen. In Deutschland erkranken jährlich etwa 8.000 Menschen an einem bösartigen Hirntumor. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 66 Jahren bei Frauen und 63 Jahren bei Männern. Bei Kindern sind Hirntumore die zweithäufigste Krebsart.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen für die Entstehung von Hirntumoren sind weitgehend unbekannt. Experten vermuten, dass sie hauptsächlich zufällig entstehen, beispielsweise durch Fehler in der Zellteilung. Auch die Risikofaktoren sind bisher weitestgehend unklar. Es gibt jedoch einige Faktoren, die das Risiko geringfügig erhöhen können:

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  • Genetische Vorbelastung: Wenn Verwandte ersten Grades an einem Hirntumor erkrankt sind.
  • Erbliche Tumorsyndrome: Erkrankungen wie Neurofibromatose, Tuberöse Sklerose oder das Li-Fraumeni-Syndrom.
  • Strahlentherapie: Hirntumoren können viele Jahre nach einer Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich auftreten.
  • Computertomographie (CT) im Kindesalter: Eine solche Untersuchung kann das Risiko geringfügig erhöhen.

Früherkennung

Da Hirntumore selten sind und mitunter sehr schnell wachsen können, gibt es keine gesetzlichen Früherkennungsmaßnahmen. Eine Ausnahme bilden Menschen mit einem erblichen Tumorsyndrom, bei denen regelmäßige Kontrolltermine mit bildgebenden Verfahren durchgeführt werden können.

Symptome

Nicht immer verursachen Hirntumore sofort Beschwerden, weswegen sie häufig nicht sofort bemerkt werden. Treten dann doch Symptome auf, können sie sehr unterschiedlich sein, da sie von der Lage des Tumors abhängig sind. Folgende Symptome sind möglich - allein oder in Kombination:

  • Kopfschmerzen (besonders stärker werdende und nicht auf Schmerzmittel ansprechende Schmerzen)
  • Probleme beim Sehen, Sprechen oder Hören
  • Bewusstseins-, Konzentrations- oder Koordinationsstörungen
  • Epileptische Krampfanfälle (besonders neu auftretende Anfälle)
  • Taubheitsgefühl oder Lähmung
  • Schwindel
  • Übelkeit oder Erbrechen
  • Persönlichkeitsveränderungen (höhere Reizbarkeit, geringere Frustrationsgrenze)
  • Hormonelle Störungen

Diagnose

Besteht ein Verdacht auf einen Hirntumor, wird der Arzt zunächst die Krankengeschichte des Patienten erheben (Anamnese). Danach folgt eine klinisch-neurologische Untersuchung, bei der Störungen in der Sinneswahrnehmung oder Probleme mit der Aufmerksamkeit oder dem Gedächtnis festgestellt werden können. Darauf folgen dann die sogenannten bildgebenden Untersuchungen. Hirntumore können mittels Magnetresonanztomographie (MRT), Computertomographie (CT), Positronen-Emissions-Tomographie (PET) oder einer Angiographie entdeckt werden. Die MRT spielt dabei die wichtigste Rolle.

Um die Diagnose abzusichern und die Eigenschaften des Tumors zu bestimmen, wird in der Regel eine Biopsie durchgeführt. Dabei wird eine Gewebeprobe entnommen und unter dem Mikroskop untersucht. Anhand der Gewebeprobe wird festgestellt, ob der Tumor gut- oder bösartig ist und in welchem Stadium er sich befindet (Klassifikation). Auch der Tumortyp kann so bestimmt werden.

Therapie und Behandlung

Welche Behandlung infrage kommt, ist abhängig von verschiedenen Faktoren. Dazu gehören neben den Eigenschaften des Tumors (Ursprungsgewebe, Mutationen, Stadium und Wachstumsgeschwindigkeit) auch seine Lage sowie das Alter, der Gesundheitszustand und eventuelle Begleiterkrankungen des Patienten. Folgende Therapieoptionen sind die wichtigsten bei Hirntumoren:

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  • Operation: Ziel ist es, den Tumor möglichst vollständig zu entfernen, ohne umliegende Hirnregionen zu beschädigen.
  • Strahlentherapie: Sie wird eingesetzt, um verbliebene Tumorzellen nach der Operation zu zerstören oder das Wachstum des Tumors zu verlangsamen.
  • Chemotherapie: Sie kann in Kombination mit einer Operation und/oder Strahlentherapie eingesetzt werden, um Tumorzellen im ganzen Körper zu bekämpfen.
  • Zielgerichtete Therapien: Sie kommen in der Regel zum Einsatz, wenn der Tumor nicht auf vorherige Behandlungen anspricht oder wiedergekehrt ist.
  • Immuntherapie: Weil Operation, Chemotherapie und Strahlentherapie oft unbefriedigende Ergebnisse bringen, steigt die Nachfrage an Immuntherapien bei Hirntumoren.
  • Klinische Studien: Wenn keine bisherige Therapie den gewünschten Erfolg zeigt oder eine Mutation vorhanden ist, für die es bisher noch keine zugelassene Therapie gibt, ist die Teilnahme an einer klinischen Studie eine Option.

Nebenwirkungen der Therapie

Die Behandlung von Hirntumoren kann verschiedene Nebenwirkungen verursachen. Diese hängen von der Art der Therapie, der Lage des Tumors und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten ab. Mögliche Nebenwirkungen sind:

  • Müdigkeit
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Haarausfall
  • Hautirritationen
  • Neurologische Ausfälle (z.B. Lähmungen, Sprachstörungen)
  • Kognitive Beeinträchtigungen (z.B. Gedächtnisprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten)

Um die Lebensqualität der Patienten zu verbessern, ist es wichtig, die Nebenwirkungen der Therapie zu lindern und zu behandeln.

Nachsorge

Nach der Therapie sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen wichtig, um ein Wiederauftreten des Tumors (Rezidiv) frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Die Abstände zwischen den Untersuchungen sind individuell und hängen vom Rückfallrisiko ab. Zur Nachsorge gehören regelmäßige MRT-Untersuchungen sowie körperliche und neurologische Untersuchungen.

Leben mit einem Hirntumor

Die Diagnose eines Hirntumors und die damit verbundene Behandlung können das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen stark beeinflussen. Es ist wichtig, sich Unterstützung zu suchen und sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Es gibt zahlreiche Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen, die Hilfe und Unterstützung anbieten.

Sport und Bewegung

Regelmäßige Bewegung und Sport können sowohl in der Prävention als auch in der Rehabilitation von Tumorpatienten eine positive Wirkung haben. Tumorpatienten haben einen Anspruch auf besonders geeigneten Reha-Sport, für den die Krankenkassen über 18 Monate hinweg 50 Übungsstunden finanzieren. Besonders geeignet sind eine Kombination aus Kraft- und Ausdauersport, Joggen, Walken, Radfahren, Tanzen, Ballsport oder Schwimmen. Es sollten jedoch sturz- und erschütterungsträchtige Sportarten vermieden werden.

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Urlaub und Freizeit

Patienten sollten ihren behandelnden Arzt ansprechen, ob eventuell bei der letzten bildgebenden Untersuchung Lufteinschlüsse im Schädel erkennbar waren. Denn diese intrakranielle Luft kann sich unter dem Druck im Flugzeug ausdehnen und dann gefährlich werden. Ansonsten sollten Patienten auf einen ausreichenden Auslandskrankenschutz achten und möglichst ein Hotel mit ärztlicher Versorgung buchen.

Autofahren

Kraftfahrer haben dafür Sorge zu tragen, dass sie andere Verkehrsteilnehmer nicht gefährden, wenn sie sich infolge geistiger oder körperlicher Mängel nicht sicher im Verkehr bewegen können. Einen normalen PKW kann man meist bereits drei Monate nach einer Hirnoperation steuern. Allerdings sollte im Rahmen der regelmäßigen Nachuntersuchungen auch die Fahrtauglichkeit angesprochen werden. Patienten, die nach einer Hirnoperation epileptische Anfälle erleiden, dürfen nicht selbst ein Fahrzeug führen und müssen auch nach einer erfolgreichen medikamentösen Therapie mindestens drei Monate warten, bis sie sich wieder aktiv mit einem Fahrzeug in den Straßenverkehr begeben.

Kinderwunsch und Familienplanung

Jüngere Patienten mit der Diagnose Hirntumor oder Krebs haben häufig Angst, keine eigenen Kinder mehr bekommen zu können. Zum einen können durch eine Chemotherapie oder Bestrahlung Keimzellen geschädigt werden. Zum anderen kann auch die hormonelle Steuerung der Eierstöcke oder der Hoden bei einer eventuellen Schädigung des Hypothalamus oder der Hirnanhangdrüse gestört sein. Deshalb empfiehlt die Ärztin Patienten mit Kinderwunsch vor einer Therapie unbedingt die verschiedenen Möglichkeiten abzuwägen. Heutzutage können Spermien ebenso wie befruchtete oder auch unbefruchtete Eizellen eingefroren werden.

Psychoonkologische Unterstützung

Die Diagnose Hirntumor ist nicht nur für den Patienten, sondern auch für die Angehörigen eine große Belastung. Eine psychoonkologische Betreuung kann helfen, die Krankheit zu verarbeiten und neue Perspektiven zu entwickeln. Psychoonkologen beraten auch in praktischen Fragen zum Alltag, Beruf oder Sozialleistungen.

Hilfreiche Adressen und Anlaufstellen

  • Deutsche Hirntumorhilfe: Auskunft über Hilfsangebote für Menschen mit Hirntumor und ihre Angehörigen.
  • Krebsinformationsdienst: Beratungsstellen in Ihrer Nähe für Sie und Ihre Angehörigen.
  • Deutsche Krebsgesellschaft: Zertifizierte onkologische Zentren.
  • Deutsche Krebshilfe: Beratungsstellen, an die Sie sich wenden können.

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