Synapsen: Aufgaben, Funktion und Bedeutung für das Gehirn

Das menschliche Gehirn ist eine bemerkenswert komplexe Struktur. Um seine Funktionsweise zu verstehen, ist es entscheidend, die Rolle der Synapsen zu erfassen. Diese mikroskopisch kleinen Verbindungsstellen sind die Grundlage für die Kommunikation zwischen Nervenzellen und somit für alle Denkprozesse, Handlungen, Gefühle und Körperfunktionen.

Was sind Synapsen?

Synapsen sind spezialisierte Kontaktstellen, an denen Nervenzellen (Neuronen) miteinander kommunizieren. Sie ermöglichen die Übertragung von Signalen von einer Zelle zur nächsten. Es gibt schätzungsweise eine Billion Synapsen im menschlichen Gehirn, die die rund 100 Milliarden Nervenzellen miteinander vernetzen.

Die Rolle der Synapsen im Nervensystem

Die Hauptaufgabe der Synapsen besteht darin, Informationen zwischen Nervenzellen weiterzuleiten. Diese Weiterleitung ist die Grundlage für die Verarbeitung von Signalen im Gehirn und für die Gedächtnisbildung. An den Synapsen werden elektrische Signale in chemische Signale umgewandelt und umgekehrt, um die Kommunikation zwischen den Zellen zu ermöglichen.

Aufbau und Funktion einer Synapse

Eine typische Synapse besteht aus drei Hauptbereichen:

  • Präsynapse: Der Bereich der sendenden Nervenzelle, der das Signal aussendet.
  • Synaptischer Spalt: Der winzige Raum zwischen der sendenden und der empfangenden Zelle.
  • Postsynapse: Der Bereich der empfangenden Nervenzelle, der das Signal empfängt.

Die Signalübertragung an der Synapse

  1. Ankunft eines elektrischen Signals: Ein elektrischer Impuls (Aktionspotential) erreicht das Ende der präsynaptischen Nervenzelle.
  2. Freisetzung von Neurotransmittern: Das elektrische Signal löst die Freisetzung von Neurotransmittern aus, chemischen Botenstoffen, die in Vesikeln gespeichert sind.
  3. Überquerung des synaptischen Spalts: Die Neurotransmitter diffundieren durch den synaptischen Spalt zur postsynaptischen Zelle.
  4. Bindung an Rezeptoren: Die Neurotransmitter binden an spezifische Rezeptoren auf der Membran der postsynaptischen Zelle.
  5. Auslösung eines neuen Signals: Die Bindung der Neurotransmitter an die Rezeptoren löst ein neues elektrisches Signal (postsynaptisches Potential) in der empfangenden Zelle aus, wodurch die Information weitergeleitet wird.
  6. Entfernung der Neurotransmitter: Nachdem die Neurotransmitter ihre Aufgabe erfüllt haben, werden sie entweder abgebaut, von der präsynaptischen Zelle wieder aufgenommen (Reuptake) oder diffundieren aus dem synaptischen Spalt.

Elektrische vs. Chemische Synapsen

Es gibt zwei Haupttypen von Synapsen:

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  • Chemische Synapsen: Bei diesen Synapsen wird das Signal durch Neurotransmitter übertragen. Sie sind der häufigste Synapsentyp im menschlichen Körper.
  • Elektrische Synapsen: Bei diesen Synapsen fließen Ionen direkt von einer Zelle zur nächsten, wodurch eine sehr schnelle Signalübertragung ermöglicht wird. Elektrische Synapsen sind seltener und finden sich hauptsächlich dort, wo eine schnelle Erregungsleitung wichtig ist.

Synaptische Vesikel: Die Transportmittel der Neurotransmitter

Synaptische Vesikel sind kleine, von einer Membran umschlossene Bläschen, die Neurotransmitter enthalten. Sie spielen eine entscheidende Rolle bei der Signalübertragung an chemischen Synapsen.

Die Freisetzung der Vesikel

Wenn ein elektrisches Signal die Präsynapse erreicht, öffnen sich Calciumkanäle, wodurch Calciumionen in die Zelle einströmen. Der Anstieg der Calciumionenkonzentration löst die Verschmelzung der Vesikel mit der präsynaptischen Membran aus, wodurch die Neurotransmitter in den synaptischen Spalt freigesetzt werden.

Das Recyceln der Vesikel

Nach der Freisetzung der Neurotransmitter werden die Vesikel wieder in die präsynaptische Zelle aufgenommen und recycelt. Dieser Prozess ermöglicht es der Zelle, die Neurotransmitter wiederzuverwenden und die Signalübertragung aufrechtzuerhalten.

Synaptische Plastizität: Die Grundlage für Lernen und Gedächtnis

Synaptische Plastizität bezieht sich auf die Fähigkeit von Synapsen, ihre Stärke im Laufe der Zeit zu verändern. Diese Veränderung kann durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden, wie z. B. die Aktivität der Synapse, die Anwesenheit von bestimmten Chemikalien oder die Erfahrung.

Langzeitpotenzierung (LTP) und Langzeitdepression (LTD)

Zwei wichtige Formen der synaptischen Plastizität sind die Langzeitpotenzierung (LTP) und die Langzeitdepression (LTD). LTP ist eine langfristige Verstärkung der synaptischen Übertragung, während LTD eine langfristige Abschwächung der synaptischen Übertragung ist. Diese Prozesse spielen eine entscheidende Rolle beim Lernen und bei der Gedächtnisbildung.

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Die Rolle von Calcium bei der synaptischen Plastizität

Calciumionen spielen eine wichtige Rolle bei der synaptischen Plastizität. Der Einstrom von Calcium in die postsynaptische Zelle kann verschiedene Signalwege aktivieren, die zur Veränderung der Stärke der Synapse führen.

Synapsen und Krankheiten

Störungen der synaptischen Funktion können zu verschiedenen neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen führen.

Beispiele für synaptische Erkrankungen

  • Epilepsie: Eine neurologische Erkrankung, die durch übermäßige Erregung im Gehirn gekennzeichnet ist, oft aufgrund von Störungen der hemmenden Synapsen.
  • Alzheimer-Krankheit: Eine neurodegenerative Erkrankung, die durch den Verlust von Synapsen und Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet ist.
  • Autismus-Spektrum-Störung: Eine Entwicklungsstörung, die durch Beeinträchtigungen in der sozialen Interaktion, Kommunikation und im Verhalten gekennzeichnet ist. Studien haben gezeigt, dass synaptische Dysfunktion eine Rolle bei der Entstehung von Autismus spielen kann.

Aktuelle Forschung zu Synapsen

Die Erforschung der Synapsen ist ein aktives Gebiet der Neurowissenschaften. Aktuelle Forschungsschwerpunkte sind:

  • Die Mechanismen der Synapsenbildung und -erhaltung: Wie entstehen Synapsen und wie werden sie im Laufe des Lebens erhalten?
  • Die Rolle der Synapsen bei Lern- und Gedächtnisprozessen: Wie tragen Synapsen zum Lernen und zur Gedächtnisbildung bei?
  • Die Entwicklung von Therapien für synaptische Erkrankungen: Wie können wir die synaptische Funktion bei neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen verbessern?

Neue Erkenntnisse über den axonalen Transport

Forscher haben einen entscheidenden Mechanismus bei der Synapsenentstehung aufgedeckt und die Identität der axonalen Transportvesikel aufgeklärt. Diese Vesikel transportieren Proteine, die für den Aufbau und die Funktion der Synapsen notwendig sind. Die Erkenntnisse liefern wichtige Grundlagen, um künftig die Regeneration von Nervenzellen zu befördern oder auch Alterungsprozessen entgegenzuwirken.

Die Bedeutung hemmender Synapsen

Wissenschaftler haben gezeigt, dass selbst einzelne hemmende Synapsen die Signalverarbeitung im Gehirn maßgeblich beeinflussen können. Diese Synapsen spielen eine wichtige Rolle bei der Unterdrückung unerwünschter Signale und bei der Regulierung der Aktivität anderer Nervenzellen.

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