Jeder kennt das Gefühl, wenn Kleinigkeiten im Alltag uns den letzten Nerv rauben. Ob es nun laute Geräusche, unhöfliche Mitmenschen oder technische Pannen sind, bestimmte Situationen und Dinge scheinen uns besonders zu irritieren. Doch was genau sind die größten Aufreger im Alltag und warum empfinden wir sie als so störend? Dieser Frage gehen wir im Folgenden auf den Grund und präsentieren eine umfassende Liste der alltäglichen Ärgernisse.
Akustische Belästigungen: Lärm und Stille
Laute Geräusche
Laute Geräusche sind eine häufige Quelle von Irritationen. Besonders störend sind:
- Bellende Hunde: Für viele Menschen sind bellende Hunde eine Belastung, insbesondere wenn sie über längere Zeiträume oder zu ungewöhnlichen Zeiten auftreten.
- Laute Laubbläser: Der Lärm von Laubbläsern wird oft als störend empfunden, da er nicht nur laut ist, sondern auch eine unangenehme Frequenz hat.
- Autohupen: Das Hupen von Autos, insbesondere im unnötigen Kontext, wird als aggressiv und störend wahrgenommen.
- Möchtegernsänger: Ungeübte oder schrille Gesänge können ebenfalls als akustische Belästigung empfunden werden.
- Baustellenlärm: Baustellenlärm ist besonders alltäglich und sorgt täglich für neuen Frust.
Ein besonders irritierendes Geräusch ist das Kratzen von Fingernägeln auf einer Tafel. Laut dem Psychologen Joe Palca ist dies auf einen evolutionär alten Teil des menschlichen Gehirns zurückzuführen. Das Mittelhirn interpretiert den durchdringenden Ton als Warnschrei oder Hilferuf eines Mitprimaten. Ähnliches gilt für die afrikanische Vuvuzela, deren Lautstärke und Ton vom Gehirn als Warnsignal interpretiert werden. Manche Menschen erinnert der Lärm sogar an das Herantrampeln einer Elefantenherde.
Leise Geräusche
Auch leise Geräusche können störend sein. Eine Untersuchung mit Angehörigen eines afrikanischen Stammes, den Mafa in Kamerun und Nigeria, zeigte, dass diese sich besonders von ferner dissonanter Musik gestört fühlen. Ein weiteres Beispiel ist das Summen einer Mücke, das sowohl Menschen als auch Tiere nervt.
Um das Gefühl der Irritation besser zu verstehen, empfiehlt Palca, Menschen mit Misophonie zu studieren. Diese Personen haben eine verminderte Toleranz gegenüber Lautäußerungen in ihrer Umgebung und reagieren mit intensiven Gefühlen auf Geräusche, die die meisten Menschen nicht einmal wahrnehmen. Schon das Atmen oder Gähnen kann bei ihnen starke Irritation und Unruhe auslösen.
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Die lieben Mitmenschen: Wenn das soziale Umfeld nervt
Nicht nur Geräusche, sondern auch bestimmte Verhaltensweisen unserer Mitmenschen können uns auf die Nerven gehen. Zu den größten Störenfrieden zählen:
- Lautstarke Nachbarn: Laute Musik, Partys oder Streitereien in der Nachbarschaft können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.
- Telemarketing-Anrufer: Unerwünschte Werbeanrufe, insbesondere während des Abendessens, werden als störend und aufdringlich empfunden.
- Drängler in Schlangen: Menschen, die sich in Schlangen vordrängeln, sorgen für Ärger und Unmut.
- Anstrengende Stars und Sternchen: Personen, die sich in den Vordergrund drängen und Aufmerksamkeit suchen, können ebenfalls als lästig empfunden werden.
- Bestimmte Ausdrücke und Kommentare: Sätze wie "Es ist, wie es ist" oder das Akronym "LOL" im alltäglichen Gespräch können irritieren.
Laut Palca ist die Irritation, die wir im Umgang mit solchen Störenfrieden empfinden, "die schwächste Form von Wut".
Lästige Umstände: Wenn das Leben uns Steine in den Weg legt
Auch bestimmte Situationen und Umstände können uns den Alltag erschweren und für Frustration sorgen. Dazu gehören:
- Automatische Anrufweiterleitungen: Die Bedienung automatischer Anrufweiterleitungen, bei der man durch die Eingabe bestimmter Zahlen und nach langen Wartezeiten mit etwas Glück zum Kundendienst durchgestellt wird, ist ein großer Aufreger.
- Unberechenbarkeit: Wenn etwas unberechenbar ist, können wir uns kaum dagegen wappnen und sind dem Umstand ausgeliefert, was uns besonders leicht verärgern und lästig werden kann.
- Verzögerungen: Das Warten auf einen Flug, dessen Boarding immer wieder um zehn Minuten hinausgezögert wird, so dass man sich nicht auf eine festgelegte Wartezeit einrichten kann, ist besonders nervtötend.
Laut Palca muss ein Umstand mindestens drei Kategorien erfüllen, damit er uns nervt: Er darf nicht gefährlich sein, die Quelle der Irritation darf nicht ständig präsent sein, sondern sie schlägt unvermittelt zu, und etwas muss über einen schwer abzusehenden Zeitraum anhalten.
Technik: Segen und Fluch
Die Technik ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken, doch sie kann auch für Frustration sorgen. Zu den größten technischen Ärgernissen zählen:
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- Selfie-Sticks: Selfie-Sticks wurden in Palcas Umfrage als irritierende Alltagsgegenstände genannt.
- Virtuelle Assistenten: Virtuelle Assistenten wie Siri und Alexa können im alltäglichen Umgang zum Haareraufen sein.
- Pop-up-Werbungen: Die zahlreichen Pop-up-Werbungen im Internet sind ebenfalls ein großer Aufreger.
- Kein Netz: Wenn man dringend telefonieren muss, aber kein Netz in Sicht ist, ist das besonders ärgerlich.
Weitere alltägliche Ärgernisse
Neben den bereits genannten Punkten gibt es noch eine Vielzahl weiterer Dinge, die uns im Alltag auf die Nerven gehen können:
- Pfandflaschen: Pfandflaschen, die sich in der Küche häufen.
- Renter-Nachbar:innen: Renter-Nachbar:innen, die keine Hobbys haben, außer einen zu nerven.
- Briefe: Jeder Brief vom Finanzamt oder Jobcenter.
- Schienenersatzverkehr: Schienenersatzverkehr.
- Das Badezimmer: Das Badezimmer ist nun mal ein Raum mit hoher Luftfeuchtigkeit.
- Silberfische: Wo es feucht, warm und am besten staubig ist, sind auch Silberfische nicht weit.
- Kalkflecken: Davon, wie viel Zeit euch das Beseitigen und Vorbeugen von Kalkflecken in Spüle und Waschbecken kostet, lässt sich mit Leichtigkeit darauf schließen, mit welcher Wasserhärte ihr zu kämpfen habt.
- Unordnung im Putzmittelschrank: In besonders chaotischen Fällen droht die Hälfte des Schrankinhalts herauszupurzeln, wenn ihr nur die Schranktür öffnet.
- Rauchwarnmelder-Kontrolle: Schon wieder liegt ein Zettel im Briefkasten. Schon wieder werdet ihr aufgefordert, Zugang zu eurer Wohnung zu ermöglichen. Schon wieder sollen die Rauchwarnmelder überprüft werden.
- Der Eingangsflur: Viele Flure sind eher eng und dunkel. Wenn ihr dagegen nichts unternehmt oder den Flur sogar zu voll stellt, wird es nicht besser.
Strategien zur Bewältigung alltäglicher Ärgernisse
Obwohl es unmöglich ist, alle Ärgernisse aus unserem Leben zu verbannen, gibt es Strategien, die uns helfen können, besser mit ihnen umzugehen:
- Akzeptanz: Akzeptieren Sie, dass bestimmte Dinge außerhalb Ihrer Kontrolle liegen.
- Humor: Versuchen Sie, die Situation mit Humor zu nehmen.
- Ablenkung: Lenken Sie sich mit angenehmen Aktivitäten ab.
- Entspannungstechniken: Praktizieren Sie Entspannungstechniken wie Meditation oder Yoga.
- Kommunikation: Sprechen Sie mit anderen über Ihre Gefühle.
- Prioritäten setzen: Konzentrieren Sie sich auf die Dinge, die Ihnen wirklich wichtig sind.
- Selbstfürsorge: Nehmen Sie sich Zeit für sich selbst und tun Sie Dinge, die Ihnen guttun.
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