Migräne ist eine weit verbreitete neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, oft sehr starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Anders als bei Spannungskopfschmerzen, die sich meist als dumpfer, drückender Schmerz äußern, geht Migräne oft mit zusätzlichen Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit einher. In manchen Fällen kündigt sich eine Migräneattacke durch eine sogenannte Aura an, die sich durch Sehstörungen, Missempfindungen oder Sprachstörungen äußern kann.
Die Häufigkeit von Migräneattacken kann stark variieren. Während einige Betroffene nur gelegentlich unter Migräne leiden, haben andere fast täglich Kopfschmerzen. Spricht man von chronischer Migräne, so bedeutet dies, dass die Betroffenen an mindestens 15 Tagen im Monat über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten unter Kopfschmerzen leiden, wobei an mindestens acht dieser Tage typische Migränesymptome wie Aura, Übelkeit oder Erbrechen auftreten müssen.
Ursachen und Auslöser von Migräne
Die genauen Ursachen von Migräne sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass genetische Faktoren eine Rolle spielen, da Migräne häufig familiär gehäuft auftritt. Aktuelle Studien deuten darauf hin, dass die Entwicklung einer chronischen Migräne durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst wird, darunter hormonelle Veränderungen und verschiedene Umweltfaktoren. Zu den Umweltfaktoren zählen Stress, Schlafstörungen, Wetterveränderungen, bestimmte Nahrungsmittel und sensorische Reize.
Bestimmte innere und äußere Faktoren, sogenannte Trigger, können bei entsprechender Veranlagung eine Migräne begünstigen. Jeder Migränepatient kann durch Selbstbeobachtung und konsequente Führung eines Kopfschmerztagebuchs/Kalenders seine verschiedenen, persönlichen Auslöser ermitteln.
Häufige Migräne-Auslöser sind:
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- Stress: Migräne durch Stress kommt bei etwa 80 Prozent der Betroffenen infrage.
- Wetterumschwünge: Wetterfühlige Migräne-Patienten bemerken Veränderungen der Temperatur oder des Luftdrucks manchmal daran, dass sich eine Kopfschmerzattacke ankündigt.
- Hormonschwankungen: Viele Patientinnen leiden während ihrer Periode an Kopfschmerzen. Auch eine Migräne in der Schwangerschaft oder den Wechseljahren aufgrund von einschneidenden Veränderungen im Hormonhaushalt der Frau ist denkbar.
- Veränderung des gewohnten Tagesrhythmus: Am Wochenende spät ins Bett? Und am nächsten Morgen Kopfschmerzen? Dann handelt es sich womöglich um Migräne wegen Schlafmangel. Wird der gewohnte Schlafrhythmus und Tagesablauf nicht beibehalten, reagieren manche Patienten mit starken Schmerzen.
- Ernährung: Bestimmte Nahrungsmittel wie Käse, Alkohol, Kaffee, Schokolade, Nüsse sowie Gewürze können bei manchen Menschen Migräne auslösen. Auch unregelmäßige Mahlzeiten und Flüssigkeitsmangel können eine Rolle spielen.
- Sensorische Reize: Helles oder flackerndes Licht, laute Geräusche oder starke Gerüche können bei manchen Menschen Migräneattacken auslösen.
Symptome der Migräne
Die Symptome der Migräne können vielfältig sein und von Person zu Person unterschiedlich variieren. Typische Symptome sind:
- Starke Kopfschmerzen: Die Kopfschmerzen sind meist einseitig, können aber auch beidseitig auftreten. Sie werden oft als pulsierend, hämmernd oder pochend beschrieben.
- Übelkeit und Erbrechen: Fast alle Migränikerinnen und Migräniker berichten, dass ihnen während und oft schon vor Migräneattacken übel ist. Viele Betroffene übergeben sich auch aufgrund der Migräne. Hinzu kommt oft auch völlige Appetitlosigkeit.
- Licht- und Lärmempfindlichkeit: Viele Migränepatienten sind während einer Attacke sehr empfindlich gegenüber Licht und Lärm. Sie ziehen sich dann oft in einen dunklen, stillen Raum zurück.
- Aura: Etwa 10 bis 15 % der Betroffenen erleben vor oder während einer Migräneattacke eine Aura. Die Aura kann sich durch Sehstörungen (z.B. Flimmern, Lichtblitze, Gesichtsfeldausfälle), Missempfindungen (z.B. Kribbeln, Taubheit) oder Sprachstörungen äußern.
- Weitere Symptome: Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Schwindel, Nackenschmerzen, Stimmungsveränderungen
Diagnose der Migräne
Die Diagnose der Migräne wird in der Regel anhand der typischen Beschwerdeschilderung und einer neurologischen Untersuchung gestellt. Ein Kopfschmerztagebuch, in dem die Häufigkeit, Dauer und Intensität der Kopfschmerzen sowie mögliche Auslöser dokumentiert werden, kann bei der Diagnosefindung hilfreich sein. In manchen Fällen können auch bildgebende Verfahren wie eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns erforderlich sein, um andere Ursachen für die Kopfschmerzen auszuschließen.
Zur Planung Ihres Aufnahmetermins in einer Schmerzklinik, wie beispielsweise der Neurologisch-verhaltensmedizinischen Schmerzklinik Kiel, sind folgende Schritte erforderlich:
- Ihr behandelnder Arzt stellt eine Verordnung von Krankenhausbehandlung aus.
- Bitten Sie Ihren Arzt, die Aufnahme-Checkliste auszufüllen.
- Füllen Sie den Schmerzkalender und den Schmerzfragebogen aus.
- Senden Sie alle Unterlagen und zusätzlich Kopien aller relevanter Arztbriefe, Röntgenbilder etc. an die angegebene Anschrift.
Behandlungsmöglichkeiten bei Migräne
Die Behandlung der Migräne zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Häufigkeit der Attacken zu reduzieren. Es gibt verschiedene Behandlungsansätze, die je nach Schweregrad der Migräne und individuellen Bedürfnissen des Patienten eingesetzt werden können.
Akutbehandlung
Die Akutbehandlung der Migräne umfasst die Einnahme von Schmerzmitteln und/oder Triptanen, sobald eine Migräneattacke beginnt.
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- Schmerzmittel: Bei leichten bis mittelschweren Migräneattacken können Schmerzmittel wie Ibuprofen, Acetylsalicylsäure (ASS) oder Paracetamol helfen, die Schmerzen zu lindern. Auch Antiemetika, also Mittel gegen Übelkeit, können das Wohlbefinden der Betroffenen deutlich steigern. Es wird empfohlen, Kombinationspräparate nicht länger als 10 Tage im Monat und einfache Schmerzmittel nicht länger als 15 Tage im Monat einzunehmen, um das Risiko von medikamenteninduzierten Kopfschmerzen zu vermeiden.
- Triptane: Triptane sind spezifische Migränemittel, die bei stärkeren Attacken eingesetzt werden können. Sie wirken, indem sie die Blutgefäße im Gehirn verengen und die Freisetzung von Entzündungsstoffen reduzieren. Triptane sollten jedoch nicht zu häufig eingenommen werden, da sie sonst selbst Kopfschmerzen verursachen können.
Prophylaxe
Wenn Migräneattacken häufig auftreten oder sehr stark sind, kann eine vorbeugende Behandlung (Prophylaxe) sinnvoll sein. Ziel der Prophylaxe ist es, die Häufigkeit, Dauer und Intensität der Migräneattacken zu reduzieren.
- Medikamentöse Prophylaxe: Es gibt verschiedene Medikamente, die zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden können, darunter Betablocker, Antidepressiva, Antiepileptika und CGRP-Antikörper. Die Wahl des geeigneten Medikaments hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z.B. Begleiterkrankungen und individuellen Vorlieben des Patienten.
- Nicht-medikamentöse Prophylaxe: Neben Medikamenten können auch nicht-medikamentöse Maßnahmen zur Migräneprophylaxe beitragen, wie z.B. regelmäßiger Ausdauersport, Entspannungstechniken (z.B. Yoga, progressive Muskelentspannung), Biofeedback und Akupunktur.
CGRP-Antikörper
Eine neue Art von Medikamenten, die zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden, sind die sogenannten CGRP-Antikörper. Diese Antikörper blockieren das Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP), einen Botenstoff, der bei der Entstehung von Migräne eine wichtige Rolle spielt. Es gibt mehrere CGRP-Antikörper, die für die Migräneprophylaxe eingesetzt werden, darunter Erenumab, Fremanezumab, Galcanezumab und Eptinezumab. Die Wirkung dieser Antikörper beginnt oft schon nach wenigen Wochen, und viele Menschen bemerken eine Verbesserung innerhalb von drei Monaten.
Weitere Behandlungsansätze
Neben der Akutbehandlung und Prophylaxe gibt es noch weitere Behandlungsansätze, die bei Migräne eingesetzt werden können, wie z.B. die Neurostimulation des Nervus supraorbitalis (Stimulation des Nervs oberhalb der Augenhöhle durch elektrische Impulse) oder die okzipitale Nervenblockade (Betäubung bestimmter Nerven im Hinterkopfbereich).
Leben mit Migräne
Migräne kann das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen. Es ist daher wichtig, Strategien zu entwickeln, um mit der Erkrankung umzugehen. Dazu gehört, die persönlichen Auslöser zu identifizieren und zu vermeiden, einen regelmäßigen Tagesablauf einzuhalten, Stress abzubauen und Entspannungstechniken zu erlernen. Auch der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen oder Online-Foren kann hilfreich sein.
Die Neurologisch-Verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel
Die Neurologisch-Verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel unter der Leitung von Prof. Dr. med. Dipl. Psych. Hartmut Göbel bietet eine spezielle Therapie von Migräne mit und ohne Aura, Migräne-Komplikationen sowie anderen Kopfschmerzarten. Die Klinik verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz, der sowohl medizinische als auch psychologische und verhaltensmedizinische Aspekte berücksichtigt.
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