Dinkel, Gluten und Parkinson: Verbindungen und Perspektiven

Einführung

Die Ernährung spielt eine wesentliche Rolle für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden. In den letzten Jahren hat das Thema Gluten, ein Protein, das in vielen Getreidesorten vorkommt, zunehmend an Bedeutung gewonnen. Studien untersuchen die Auswirkungen von Gluten auf verschiedene Erkrankungen, einschließlich neurologischer Störungen wie Parkinson. Darüber hinaus rückt das Getreide Dinkel, das oft als gesunde Alternative zu Weizen angepriesen wird, in den Fokus. Dieser Artikel beleuchtet die potenziellen Zusammenhänge zwischen Dinkel, Gluten und Parkinson, basierend auf aktuellen Forschungsergebnissen und Erkenntnissen.

Was ist Gluten?

Gluten ist ein in vielen Getreidesorten vorkommendes Klebereiweiß, das sich aus verschiedenen Proteinen zusammensetzt. Es sorgt dafür, dass Teig elastisch bleibt und beim Backen seine Form behält. Gluten besteht aus einer Gruppe von Proteinen, den Prolaminen. Diese Eiweiße sind schwer verdaulich und können die Darmbarriere belasten. Gliadin ist verantwortlich für die Dehnbarkeit des Teigs, aber auch für viele negative gesundheitliche Reaktionen im Körper.

Glutenbedingte Erkrankungen und ihre Auswirkungen

Fast jeder Mensch nimmt täglich Gluten zu sich - sei es durch Weizen, Dinkel, Gerste oder Roggen. Doch was passiert damit im Körper? „Die wenigsten wissen, dass Gluten nicht vollständig verdaut wird“, sagt die Chemikerin Dr. Verónica Dodero von der Universität Bielefeld. Für die meisten Menschen scheint das nicht weiter problematisch zu sein. Zöliakie ist eine Autoimmunerkrankung, bei der Gluten eine Entzündung im Darm auslöst und die Schleimhaut schädigt. Doch auch Menschen, die nicht unter einer Zöliakie leiden, können empfindlich auf Gluten reagieren. „Es ist bereits bekannt, dass Glutenproteine eine zentrale Rolle spielen, da die Erkrankungen unter einer glutenfreien Ernährung abklingen“, sagt Dodero. Dabei entstehen bestimmte Glutenpeptide (PRGP), die nicht weiter abgebaut werden.

Trotz der vielen Fortschritte in der Zöliakie und anderer glutenbezogener Störungen gibt es noch viele offene Fragen. „Unsere Forschung, die vor zehn Jahren in Bielefeld begann, zielt darauf ab, die Rolle der Gluten-PRGP in den frühen Stadien der Krankheit zu verstehen“, sagt Dodero. Im Fokus dabei steht auch die Darmschleimhaut: Sie ist eine Schutzbarriere des Körpers gegen Schadstoffe. Wenn sie geschwächt wird, kann es zum sogenannten Leaky-Gut-Syndrom kommen. Bislang gingen Forschende davon aus, dass chronische Entzündungen bei Zöliakie die Darmwand durchlässiger machen. Doch eine andere Theorie besagt, dass die Gluten-Peptide direkt die Darmschleimhaut schädigen und damit erst die Autoimmunreaktion auslösen könnten. Sie konnte bereits zeigen, dass sich die unvollständig verdauten Gluten-Moleküle Nanostrukturen bilden und im Darmmodell schädigend wirken. „Wir haben im Zellmodell gesehen, dass sie sich ansammeln und einen sogenannten Leaky Gut auslösen können“, sagt die Chemikerin.

Im Zentrum der Forschung von Verónica Dodero steht das 33-mer-Gliadin-Peptid. Es entsteht durch unvollständig abgebautes Weizengluten, das bei Menschen mit Zöliakie eine Immunreaktion auslöst. Frühere Untersuchungen zeigten, dass diese Nanostrukturen eine parallele β-Struktur annehmen - ein Muster, das auch bei neurologischen Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson eine Rolle spielt. Um diese offenen Fragen zu klären, kombiniert Dodero verschiedene Methoden und arbeitet dabei interdisziplinär eng mit anderen Forschenden an der Universität Bielefeld zusammen. Doderos aktuelle Forschung im DFG-Projekt zielt auch darauf ab, herauszufinden, die chemischen Aspekte der Peptid-Bruchstücke und ihrer Nanostrukturen zu verstehen, um deren Effekt auf die Ernährung und Krankheiten besser zu verstehen.

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Dinkel als Alternative?

Dinkel-Getreide ist erfreulicherweise heute für jedermann ein Begriff und ist im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde. Im Gründungsjahr unseres Vereins 1976, wahr Dinkel aber weitestgehen noch ein Fremdwort. Es ist ein Verdienst aller Freunde Hildegards, dass dieses gesunde Getreide eine derartige Verbreitung gefunden hat. Schließlich waren es die Bemühungen des „Bund der Freunde Hildegards„ e.V., die nach sehr langer Zeit, erstmals wieder den Anbau von Dinkel in Österreich möglich machten. Überzeugt von den Aussagen der Hl. Die Äbtissin unterscheidet sich in ihren Angaben über gesunde und weniger gesunde Lebensmittel ja durch die Beschreibung der Subtilität der jeweiligen Pflanzen und Tiere. Demnach wohnen jeder Pflanzen und jedem Lebewesen unterschiedliche Eigenschaften inne, die für die Gesundheit des Menschen förderlich oder eben negativ sein können. Und gerade der Dinkel besitzt eine rundum positive Subtilität und dient daher als Basis für eine gesunde Ernährung nach Hildegard von Bingen. Gemeint ist damit das ursprüngliche und nicht mit Weizen gekreuzte Korn. Von Bedeutung ist auch die besondere Verpackung des Dinkelkorns. Durch einen Spelzmantel ist jedes einzelne Korn an der Dinkelähre vor Umwelteinflüssen geschützt.

Durch die Vielseitigkeit des Dinkels können glücklicherweise viele verschiedene Produkte angeboten werden. Es beginnt bereits beim Frühstück, wo das Dinkel-Habermus zum Einsatz kommt. Sämtliche Mahlprodukte sind ebenfalls wichtiger Bestandteil der Dinkel-Ernährung. Das Dinkelkorn weist zudem eine gleichmäßigere Verteilung und einen höheren Gehalt an wichtigen Nährstoffen auf, als es bei Weizen der Fall ist. Veredelte Produkte wie Dinkel-Nudeln besitzen daher auch höhere Anteile an Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen. Dinkel ist somit vollwertiger als andere Getreidearten und wird zudem erfolgreich bei Lebensmittelallergien und Weizenallergie eingesetzt, da so gut wie keine Unverträglichkeiten auftreten. Menschen mit Weizenunverträglichkeit können dementsprechend, ihre Ernährung komplett auf Dinkel umstellen.

„Der Dinkel ist das beste Getreidekorn, es wirkt wärmend und fettend, ist hochwertiger und gelinder als alle anderen Getreidekörner. Wer Dinkel isst, bildet gutes Fleisch. Dinkel führt zu einem rechten Blut, gibt ein aufgelockertes Gemüt und die Gabe des Frohsinns. In der Praxis hat sich gezeigt, dass die Dinkelernährung als Basisdiät in der Lage ist, ernährungsbedingte Gesundheitsschäden wieder auszugleichen. Das Dinkelkorn enthält nicht nur alle für den gesunden Organismus lebensnotwendigen Grundbasisstoffe wie Eiweiß, Fette, Kohlehydrate, Vitamine, Spurenelemente und Mineralien, sondern auch vitale Wuchs- und Zellernährungsstoffe (Viridine). Die Dinkelkost wirkt auf den ganzen Organismus und verursacht eine gute Verdauung. Der Eiweißanteil mit 13,1% im Dinkel ist im Verhältnis zu anderen Nahrungsmitteln recht hoch. Bausteine des Eiweißes sind die Aminosäuren. Man kennt 20 Aminosäuren, davon sind 8 essentiell, d.h. Aus Phenylalanin entstehen im Körper Dopamin und die beiden Nebennierenmarkhormone Adrenalin und Noradrenalin. Ein Mangel an Dopamin kann beispielsweise zu der gefürchteten Parkinson-Krankheit führen. Noradrenalin und Adrenalin sind für gute Stimmung verantwortlich. Eine Mangelerscheinung dieser Stoffe können Depressionen sein.

Dinkel steht auch auf der Skala der Nahrungsmittel, welche die natürlichen Abwehrkräfte steigern, an erster Stelle. Das abwehrsteigernde Prinzip dieses Getreides wurde isoliert und besteht aus an Zucker gebundenes Cyanid und Rhodanid, sogenannte cyanogene Glycoside oder auch Nitriloside, die bereits beim Essen durch den Speichel fermentativ gespalten und freigesetzt werden und im Mund eine antimikrobielle und im Körper eine immunstimulierende Wirksamkeit entfalten. Die Dinkel-Ernährung ist die Grundlage für die Behandlung aller Magen- und Darmerkrankungen, der Nierenschonkost sowie aller Stoffwechselleiden. Eine tägliche Dinkel-Mahlzeit dient hier als Diätgrundlage. Ob nun Dinkelreis, Dinkelkuchen, Dinkelpalatschinken oder Dinkelgrießsuppe zur Anwendung kommt: „Wie immer gegessen, ob als Brot oder sonstwie verkocht, Dinkel ist gut.“ Die Dinkel-Ernährung ist für alle Altersgruppen bestens geeignet. Kindern gibt sie wichtige Aufbaustoffe für eine gesunde Entwicklung, Sportler profitieren von der ausgewogenen Zusammensetzung und älteren Menschen gibt Dinkel alle wichtigen Vitalstoffe für ein aktives Immunsystem.

Allerdings ist es wichtig zu beachten, dass der heute in Supermärkten angebotene Dinkel meist eine gekreuzte Form mit Weizen ist. Auch die nach Hildegard beschriebene Wirksamkeit des Dinkels ist bei gekreuzten Formen mehr als fraglich. Schließlich ändert eine Kreuzung das Erbgut des Getreides, womit es mit anderen Eigenschaften bestückt wird, als es vorher aufweisen kann. Zumeist ist der Grund einer Kreuzung die Steigerung des Ertrages. Echter Dinkel besitzt grundsätzlich die Eigenschaft weniger Ertrag zu bringen als Weizen.

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Parkinson: Eine neurologische Perspektive

Morbus Parkinson (Schüttellähmung) gehört grundsätzlich in die Hand eines erfahrenen Neurologen. Alle Bemühungen müssen sich auf die Pflegedes Kranken erstrecken. Die nachfolgenden Hinweise dienen lediglich als Ergänzung. Sie ist eine fortschreitende Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei der im Laufe der Zeit bestimmte Nervenzellen im Gehirn, die den wichtigen Botenstoff "Dopamin" produzieren, langsam zu Grunde gehen. Der so entstandene Dopaminmangel führt zu einem Überschuss an Glutamat, wodurch das Gleichgewicht chemischer Substanzen, die für das Funktionieren des Nervensystems notwendig sind, empfindlich gestört ist. Mit Ausnahme der durch Gehirnentzündung oder Vergiftung verursachten Erkrankung, tritt Parkinson meist bei über 50-Jährigen auf. Nur in seltenen Fällen kann sie aber auch viel früher beginnen.

Frühe Erkennung und Symptome

Rund 90% der Parkinson-Patienten haben Schwierigkeiten, Gerüche zu erkennen (z. B. von Kaffee, Rosen, Bananen, Essig, Zimt, Schuhleder) ergab eine Studie der Uni Erlangen (sog. "Erlanger Test"). Mit dem neuen Riech-Test kann man bereits in einem sehr frühen Stadium die Diagnose Parkinson stellen, was für die Therapie sehr wichtig ist. Ein Riech-Test ist den Angaben zufolge aber nur ein zusätzlicher Indikator, denn es gibt auch in der Bevölkerung gesunde Menschen mit Riechstörungen. Nach einer Studie der Uni Philadelphia sind die Alzheimer- und Parkinsonkrankheit nahe miteinander verwandt. Bei beiden Nervenkrankheiten führen Proteinablagerungen (Eiweiß) zu Schädigungen von Gewebe im Gehirn. Ansonsten lässt sich die Krankheit weder mit Blut noch mit Gentests aufspüren (Arzt befragen).

Der Beginn der Erkrankung liegt meist zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr. Männer sind deutlich häufiger betroffen als Frauen. Typische Symptome sind Muskelsteifheit, Zittern der Hände, wackelnder Kopf, Bewegungsverlangsamung und Antriebshemmung, schlürfender Gang, gebeugte Haltung, seltener Lidschlag, erhöhter Speichelfluss, starkes Schwitzen, Schlaf-, Sprech- und Schluckstörung sowie Neigung zu Depressionen.

Behandlung und Management

Die Behandlung von Parkinson umfasst in der Regel Medikamente, die den Dopaminmangel ausgleichen. Ärztlich verordnete Medikamente (L-Dopa Präparate/Glutamat-Antagonisten) müssen ständig eingenommen und im Laufe der Jahre dem Krankheitsbild angepasst werden. Wie der Zuckerkranke sein Insulin, so benötigt der Parkinsonkranke ständig seinen Dopamin-Ersatz. Medikamente immer zur gleichen Zeit und nicht mit Milchprodukten zusammen einnehmen, da ansonsten die Wirksamkeit nachlässt.

Bewegungstherapie spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Bewegung, Bewegung, Bewegung. Immer mehr kommen wir zu der Ansicht, dass das Entscheidende die Bewegung ist. Dass nämlich die deutliche und vielleicht sogar extreme Muskelaktivität Substanzen freisetzt, die den Verlauf der Parkinson-Erkrankung selbst verbessern. Und das sind ganz neue Erkenntnisse, weil wir ja immer auch auf der Suche sind, warum verbessert denn die Bewegung in jedem Stadium der Erkrankung letztendlich dann die Symptomatik? Kraft und Koordination sind besonders wichtig für Parkinson-Patienten. Also wir empfehlen jetzt zunehmend auch wirklich Muskel- und Krafttraining.

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Ernährung und Darmgesundheit

Die Ernährung spielt eine wichtige Rolle bei der Unterstützung der Darmgesundheit und der Reduzierung von Entzündungen im Körper. Man ist eigentlich zunehmend der Ansicht, dass der Darm eine ganz wichtige Rolle gerade auch am Anfang der Parkinson-Krankheit spielt, weil nämlich eins dieser Proteine, das ganz entscheidend hier ist, das Alpha-Synuklein, das wird auch aus dem Darm mit freigesetzt und es scheint dort die sogenannte Aggregation stattzufinden. Das heißt, Alpha-Synuklein haben wir alle, brauchen wir auch alle ganz unbedingt, aber wir brauchen es in einzelner, vereinfacht gesagt, löslicher Form und wir brauchen es nicht verklumpt als Aggregation. Und da versucht man im Augenblick daran zu arbeiten, dass wir möglichst gute Darmbakterien haben, die diesen entzündlichen Prozess reduzieren oder hoffentlich vielleicht gar nicht in Gang setzen. Und da ist natürlich die Ernährung ganz entscheidend.

Empfohlen wird vor allem weniger Milchprodukte, das weiß man schon lange, auch aus großen epidemiologischen Studien, weil das Milcheiweiß etwas ist, was nicht für unseren Körper wirklich gut verträglich ist, auch wenn es immer so als gesund gilt. Aber das ist es nicht. Auch aus Tierexperimenten wissen wir, dass sich darunter die Bakterien deutlich verändern und die Ernährung mehr in Richtung einer mediterranen Ernährung umzustellen. Ein gutes Mittel, um Entzündungen nach unten zu bringen, ist ja auch immer das Fasten. Das ist sehr sinnvoll und wir haben da auch in der Elena-Klinik ein ganzes Projekt aufgestellt, Fasten bei Parkinson. Parkinson-Patienten können das, machen das auch gerne. Denn gerade das Fasten kann ja dann so einen entzündlichen Prozess einmal auch wirklich durchbrechen. Und hier ist auch zum Beispiel das Intervallfasten zu nennen. Das ist vielleicht nicht für jeden Tag, aber das kann man vielleicht ein paar Mal die Woche schaffen. Das lässt diesen Prozess nochmal deutlich verbessern und ist sicher eine Möglichkeit.

Gluten, Entzündungen und neurologische Erkrankungen

Gluten kann Entzündungen auslösen, die Darmgesundheit beeinträchtigen und sich sogar auf das Gehirn auswirken. Ein zentraler Bestandteil von Gluten ist Gliadin, das im Körper zu Gliadorphin abgebaut wird. Diese Substanz bindet sich an Hormonrezeptoren im Gehirn, an denen normalerweise körpereigene Botenstoffe oder auch Medikamentenwirkstoffe andocken. Da Gliadorphin eine morphinähnliche Wirkung hat, kann es das Belohnungssystem beeinflussen und Appetit auf glutenhaltige Lebensmittel auslösen.

Der Darm spielt eine dominante Rolle für dein Immunsystem - 85 % der Immunzellen sitzen dort. Besonders bedeutend sind die Peyerschen Plaques, kleine Lymphstrukturen in der Darmschleimhaut, die Erreger abwehren und die Immunantwort regulieren. Wenn sich Klebeeiweiß um die Peyerschen Plaques legt, kann das verhindern, dass das Immunsystem richtig arbeitet. Zusätzlich kann Gluten die Darmschleimhaut schädigen und Entzündungen auslösen, die sich über die Blutbahn auf den gesamten Körper ausbreiten. Besonders problematisch: Diese Entzündungen können bis ins Gehirn gelangen und dort neuroinflammatorische Prozesse verstärken.

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