Dipidolor, dessen Wirkstoff Piritramid ist, ist ein starkes Schmerzmittel (Opioid), das hauptsächlich zur Behandlung von starken bis sehr starken Schmerzen eingesetzt wird. Es findet Anwendung nach Operationen, Unfällen oder bei Tumorschmerzen. Dieser Artikel beleuchtet die Erfahrungen mit Dipidolor, seine Wirkungsweise, Anwendungsgebiete, Nebenwirkungen und wichtige Hinweise zur Anwendung, insbesondere im Kontext von Migräne und chronischen Schmerzen.
Was ist Dipidolor und wie wirkt es?
Dipidolor enthält den Wirkstoff Piritramid, ein Opioid, das an den Opioidrezeptoren im Körper andockt und so die Schmerzweiterleitung beeinflusst. Piritramid wurde 1960 erstmals synthetisiert und erfreut sich vor allem in Deutschland, den Niederlanden, Belgien und Österreich großer Beliebtheit. Es wirkt primär im Zentralnervensystem, aber auch im peripheren Nervensystem, Organen und Geweben. Die Bindung von Piritramid an Opioidrezeptoren setzt eine Signalkaskade in Gang, die die Weiterleitung von Schmerzsignalen hemmt. Dies geschieht präsynaptisch durch die Hemmung von Calciumkanälen, die an der Freisetzung von Neurotransmittern beteiligt sind.
Die Wirkung von Dipidolor kann man sich wie einen Radioempfang vorstellen, bei dem das Schmerzsignal durch ein "Gewitter" gestört wird, wodurch die Weiterleitung des Signals unterbrochen wird.
Anwendungsgebiete von Dipidolor
Piritramid findet breite Anwendung in der postoperativen Schmerztherapie bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ab zwei Jahren. Es wird bei starken bis stärksten Schmerzen traumatischer oder tumorbedingter Ursache eingesetzt. Auch zur Analgosedierung auf der Intensivstation ist Piritramid geeignet.
Die Anwendungsgebiete umfassen:
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- Postoperative Schmerzen: Besonders geeignet zur schnellen Linderung von Schmerzen nach Operationen.
- Tumorschmerzen: Behandlung von Schmerzen, die durch das Wachstum von Tumoren in der Nähe von Schmerzrezeptoren verursacht werden.
- Akute und chronische Schmerzen: Dipidolor findet Anwendung bei akuten Schmerzzuständen sowie bei chronischen Schmerzen, wenn andere Schmerzmittel nicht ausreichend wirken.
- Analgesie bei Eingriffen: Dipidolor kann auch zur Schmerzlinderung vor oder während medizinischer Eingriffe eingesetzt werden, wie z.B. bei Augenoperationen unter Narkose.
Dosierung und Verabreichung
Dipidolor ist ausschließlich als Injektionslösung erhältlich. Die Dosierung variiert je nach Anwendungsgebiet, Alter, Gewicht und Schmerzintensität des Patienten. Dipidolor kann subkutan (unter die Haut), intramuskulär (in den Muskel) oder intravenös (in die Vene) verabreicht werden.
Die Dosierungsempfehlungen aus der Fachinformation sind wie folgt:
- Erwachsene (subkutan oder intramuskulär): Einzeldosis von 15 bis 30 Milligramm Piritramid.
- Kinder (subkutan oder intramuskulär): 0,05 bis 0,2 Milligramm Piritramid pro Kilogramm Körpergewicht.
- Erwachsene (intravenös): 7,5 bis 22,5 Milligramm Piritramid je nach Körpergewicht.
- Kinder (intravenös): 0,05 bis 0,1 Milligramm Piritramid pro Kilogramm Körpergewicht.
Bei andauernden Schmerzzuständen wird der Arzt eine Dosierung nach festem Zeitplan vorschreiben. Zwischen den einzelnen Gaben sollten mindestens sechs Stunden liegen.
Erfahrungen mit Dipidolor
Die Erfahrungen mit Dipidolor sind vielfältig. Viele Patienten berichten von einer schnellen und effektiven Schmerzlinderung, die ihnen ermöglicht, wieder am Leben teilzunehmen. Einige Anwender schätzen besonders die Möglichkeit, Dipidolor bei Bedarf einzusetzen, während andere es als wichtigen Bestandteil ihrer täglichen Schmerztherapie betrachten.
Einige Beispiele aus Nutzerberichten:
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- Ein Patient mit starken Schmerzen nach mehreren Bandscheibenoperationen berichtet, dass Dipidolor ihm geholfen hat, trotz der Schmerzen am Leben teilzunehmen.
- Ein anderer Patient erhielt Dipidolor nach einem Motorradunfall mit mehreren Operationen und empfand es als das einzige Schmerzmittel, das ihm wirklich geholfen hat.
- Eine Patientin mit akutem Blinddarmdurchbruch erlebte durch Dipidolor eine deutliche Schmerzlinderung, die ihr ermöglichte, die Zeit bis zur Operation besser zu überstehen.
Es gibt aber auch Berichte über negative Erfahrungen und Nebenwirkungen. So klagte eine Patientin nach einer Mandeloperation über Schwindel, Übelkeit und Magen-Darm-Koliken nach der intravenösen Gabe von Dipidolor.
Mögliche Nebenwirkungen
Wie alle Medikamente kann auch Dipidolor Nebenwirkungen verursachen. Dazu gehören:
- Sehr häufig: Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit, Schwindel, Benommenheit.
- Häufig: Erhöhte Herzschlagrate, erniedrigter Blutdruck, Verstopfung, Mundtrockenheit, Schwitzen.
- Gelegentlich: Kopfschmerzen, allergische Reaktionen, Harnverhalt, Koordinationsstörungen, Verwirrtheitszustände.
- Selten: Krampfanfälle, Psychosen, Erregungszustände, Atemdepression.
- Sehr selten: Allergischer Schock, Darmverschluss.
Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Nebenwirkungen gleichzeitig auftreten müssen. Bei Auftreten von Nebenwirkungen sollte umgehend ein Arzt informiert werden.
Kontraindikationen und Warnhinweise
Dipidolor darf nicht angewendet werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen Piritramid oder andere Bestandteile des Medikaments.
- Abhängigkeit von opioiden Schmerzmitteln.
- Herzrhythmusstörungen.
- Störungen des Nervensystems und Bewusstseinsstörungen.
- Störungen des Atemzentrums im Gehirn und der Atemfunktion.
- Erkrankungen oder Verletzungen, die einen erhöhten Hirndruck verursachen.
Besondere Vorsicht ist geboten bei:
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- Schock.
- Unbehandelter Schilddrüsenunterfunktion.
- Niedrigem Blutdruck.
- Mangel an Blutmenge.
- Vergrößerter Vorsteherdrüse (Prostatahypertrophie) mit Restharnbildung.
- Gallenwegserkrankungen.
- Bauchspeicheldrüsenentzündung.
- Chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen.
- Tumor des Nebennierenmarks (Phäochromozytom).
- Hautgeschwulsten wie dem Myxödem.
- Atembeschwerden wie chronischer Bronchitis oder Asthma.
- Erhöhter Krampfbereitschaft (wie zum Beispiel bei Epilepsie).
- Älteren Patienten mit geringem Körpergewicht.
- Kopfverletzungen und Hirntumoren.
Dipidolor in Schwangerschaft und Stillzeit
Das mögliche Risiko der Anwendung von Piritramid in der Schwangerschaft ist nicht bekannt. Daher darf der Wirkstoff in dieser Zeit nicht angewendet werden, es sei denn, es ist zwingend erforderlich. Es ist nicht auszuschließen, dass die dauerhafte Anwendung während der Schwangerschaft zur Gewöhnung und nach der Geburt zu Entzugserscheinungen beim Neugeborenen führt.
Es ist nicht bekannt, ob Piritramid in die Muttermilch übergeht, wie es bei anderen opioiden Schmerzmitteln der Fall ist. Dipidolor darf daher während der Stillzeit nicht angewendet werden, es sei denn, es ist zwingend erforderlich. Das Stillen soll während der Behandlung mit Dipidolor unterbrochen und darf frühestens 24 Stunden nach der letzten Piritramidgabe wieder aufgenommen werden.
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Die gemeinsame Anwendung von Piritramid und MAO-Hemmern (Antidepressiva) ist verboten. Werden 14 Tage vor der Piritramid-Gabe MAO-Hemmer angewendet, können lebensbedrohende Wechselwirkungen auf das Gehirn, die Atemtätigkeit und Kreislauffunktion auftreten. Daher müssen MAO-Hemmer mindestens zehn Tage vor einer Behandlung mit Piritramid abgesetzt werden.
Die gleichzeitige Anwendung von Piritramid und anderen auf die Gehirntätigkeit wirkenden Substanzen, wie Psychopharmaka (Barbiturate, Benzodiazepine, Chlorpromazin und chemische Verwandte), Narkosemitteln zur Inhalation, anderen Schlafmitteln sowie Alkohol kann zu einer Verstärkung der Nebenwirkungen von Piritramid, insbesondere einer Behinderung der Atemtätigkeit, führen.
Das Schmerzmittel Pentazocin kann die schmerzlindernden Wirkungen von Piritramid verringern und bei Opioid-Abhängigen die typischen Entzugssymptome auslösen.
Abhängigkeitspotenzial und Gewöhnungseffekt
Wie bei allen Opioiden besteht auch bei Piritramid die Gefahr der Abhängigkeit. Bei wiederholter Gabe des Medikaments kann es zu Gewöhnung sowie körperlicher und/oder seelischer Abhängigkeit kommen. Etwa jeder hundertste Nutzer ist betroffen. Falls das Arzneimittel aber nur im Rahmen einer Operation oder in einer akuten Schmerzsituation erhalten wird, ist das Suchtrisiko gering.
Ein weiterer wichtiger Aspekt der dauerhaften Therapie mit Piritramid ist der Gewöhnungseffekt. Wenn es aufgrund einer chronischen Erkrankung über einen längeren Zeitraum angewendet wurde und schließlich die Therapie beendet wird, können Zeichen eines Opioidentzuges auftreten.
Alternativen zu Dipidolor bei Migräne und Schmerzen
Es gibt eine Reihe von Alternativen zu Dipidolor, sowohl medikamentöse als auch nicht-medikamentöse, die je nach Art und Intensität der Schmerzen in Betracht gezogen werden können.
Nicht-medikamentöse Alternativen:
- Entspannungstechniken: Progressive Muskelentspannung, autogenes Training, Yoga oder Meditation können helfen, Schmerzen zu lindern und Stress abzubauen.
- Bewegung: Regelmäßige Bewegung wie Spaziergänge, Schwimmen oder Radfahren kann die Muskulatur stärken und Schmerzen reduzieren.
- Wärme- oder Kälteanwendungen: Wärme kann Verspannungen lösen, während Kälte bei akuten Schmerzen helfen kann.
- Akupunktur: Diese traditionelle chinesische Behandlungsmethode kann bei verschiedenen Schmerzarten, einschließlich Migräne, wirksam sein.
- Physiotherapie: Gezielte Übungen und manuelle Therapie können helfen, die Körperhaltung zu verbessern und Schmerzen zu lindern.
- Ernährungsumstellung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten kann Entzündungen reduzieren und Schmerzen lindern.
- Psychologische Unterstützung: Bei chronischen Schmerzen kann eine psychologische Therapie helfen, mit den Schmerzen umzugehen und die Lebensqualität zu verbessern.
Medikamentöse Alternativen:
- Nicht-opioide Schmerzmittel: Paracetamol, Ibuprofen oder Diclofenac können bei leichten bis mäßigen Schmerzen eingesetzt werden.
- Triptane: Diese Medikamente sind speziell für die Behandlung von Migräneanfällen entwickelt worden.
- Antidepressiva: Einige Antidepressiva können bei chronischen Schmerzen, insbesondere neuropathischen Schmerzen, wirksam sein.
- Antikonvulsiva: Diese Medikamente werden normalerweise zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt, können aber auch bei neuropathischen Schmerzen helfen.
- Muskelrelaxantien: Diese Medikamente können bei Muskelverspannungen und -krämpfen helfen.
- Kortikosteroide: Diese Medikamente können Entzündungen reduzieren und Schmerzen lindern, sollten aber nur kurzfristig eingesetzt werden.
- Cannabinoide: In einigen Ländern sind Cannabinoide zur Behandlung von chronischen Schmerzen zugelassen.
Es ist wichtig, mit einem Arzt zu sprechen, um die beste Behandlungsstrategie für die individuellen Bedürfnisse zu entwickeln.
Migränebehandlung in der Schwangerschaft und Stillzeit
Migräne kann auch während der Schwangerschaft und Stillzeit auftreten. In diesen Fällen ist besondere Vorsicht geboten bei der Wahl der Behandlungsmethode.
Nicht-medikamentöse Migränebehandlung in der Schwangerschaft:
- Leichte sportliche Aktivitäten: Schwimmen, Yoga, Gymnastik oder Spaziergänge.
- Entspannungsübungen: Progressive Muskelentspannung oder autogenes Training.
- Regelmäßiger Schlaf: Ausreichend Schlaf ist wichtig, um Migräne vorzubeugen.
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Mindestens zwei Liter Flüssigkeit pro Tag.
- Regelmäßige Mahlzeiten: Vermeidung von Blutzuckerspiegelschwankungen.
- Kalte Kompressen: Auf Stirn, Schläfe oder Nacken.
- Massagen: Durch einen Physiotherapeuten mit Erfahrung in der Massage von Schwangeren.
- Pfefferminzöl: Mit leichtem Druck auf Schläfen, Stirn und Nacken einmassieren.
- Vitamin-B2- oder Magnesiumpräparate: Nach Absprache mit dem Arzt.
Medikamentöse Therapie bei Migräne in der Schwangerschaft:
- Paracetamol und Ibuprofen: Mittel der ersten Wahl zur Behandlung von Migräneattacken. Allerdings sollte Ibuprofen wie alle diese Nicht-Opioid - Schmerzmittel jenseits der 28. SSW nur unter besonderer Vorsicht angewandt werden, da es in späteren Phasen der Schwangerschaft zu einer Veränderung des Kreislaufssystems des Ungeborenen führen kann.
- Metoprolol (Beloc®): Kann bei schwerer und/oder häufiger Migräne als Migräneprophylaxe eingesetzt werden.
- Dimenhydrinat (Vomex A®): Mittel der ersten Wahl gegen Übelkeit.
- Sumatriptan: Aus der Gruppe der Triptane liegen für Sumatriptan die besten Ergebnisse in Schwangerschaft und Stillzeit vor.
Schmerztherapie in der Stillzeit:
- Ibuprofen und Paracetamol: Als unbedenklich eingestuft.
- Piritramid (Dipidolor®): In Einzeldosen bei starken, andauernden Schmerzen.
Es ist wichtig, dass schwangere und stillende Frauen sich von ihrem Arzt oder Apotheker beraten lassen, bevor sie Medikamente gegen Migräne einnehmen.