Muskelkrämpfe sind ein weit verbreitetes Phänomen, das viele Menschen betrifft. Die neue S1-Leitlinie fasst die Differenzialdiagnostik und Therapie von Muskelkrämpfen (Crampi) bei erwachsenen Menschen zusammen. Im Rahmen eines Muskelkrampfs kontrahiert ein Muskel, ein Teil des Muskels oder eine Muskelgruppe akut, schmerzhaft und unwillkürlich. Ein solcher Krampf geht mit einer tastbaren Verhärtung einher und ist sowohl von kurzer Dauer (Sekunden bis Minuten) als auch selbstlimitierend. Besonders nächtliche Muskelkrämpfe sind häufig: Bereits 90 % der jungen Erwachsenen berichten vereinzelt von Muskelkrämpfen, wobei die Frequenz im Alter steigt. Oft überdauert ein lokaler Muskelschmerz den akuten Krampf für einen Tag oder länger.
Dieser Artikel beleuchtet die komplexen Zusammenhänge zwischen Magnesium, Muskelkrämpfen, Muskelkater und anderen möglichen Ursachen, um ein umfassendes Verständnis zu ermöglichen und gängige Missverständnisse auszuräumen.
Muskelkrampf vs. Muskelschmerz: Eine wichtige Unterscheidung
Es ist entscheidend, zwischen Muskelkrämpfen und Muskelschmerzen zu differenzieren. Muskelkrämpfe sind plötzliche, unwillkürliche Kontraktionen eines Muskels oder einer Muskelgruppe. Muskelschmerzen hingegen können vielfältige Ursachen haben, beispielsweise Muskelkater nach dem Sport oder Entzündungen. Training nach einer längeren Pause oder ungewohnte Bewegungen können zu Muskelkater führen. Dabei entstehen kleine Entzündungen in der Muskulatur. Ein Symptom sind Schmerzen.
Was passiert bei einem Muskelkater?
Der Mechanismus, der hinter einem Muskelkater steckt, ist ziemlich kompliziert. Ganz grob gesagt: beim Muskelkater sind Eiweißfäden in den einzelnen Muskelfasern aus ihrer eigentlichen Verankerung gerissen. Durch diese sehr kleinen Risse entstehen kleine Entzündungen. Und die verursachen dann etwa zwölf bis 36 Stunden später die klassischen Schmerzen eines Muskelkaters. Die zum Glück harmlosen Beschwerden lassen in den folgenden Tagen schrittweise nach. Ein leichter Muskelkater ist ein positiver Trainingseffekt und nicht schädlich: Die Muskulatur wird angeregt, sich auf stärkere Belastungen vorzubereiten - und wächst sogar dadurch. Muskelkater entsteht besonders bei exzentrischen Bewegungen. Im Unterschied zu konzentrischen Bewegungen (zum Beispiel Bizepstraining mit einer Hantel), wird bei exzentrischen Muskelkontraktionen eine Dehnung durch äußere Kräfte abgebremst. Dabei wird der Muskel während der Bewegung länger und spannt sich gleichzeitig an. Das passiert zum Beispiel bei Ausfallschritten im Tennis oder Hockey. Und vor allem auch beim Gehen oder Laufen bergab oder eine Treppe herunter kommt es zu dieser besonderen Muskelbewegung. Dehnen gehört vor dem Sport zum Aufwärmprogramm und kann dann einen starken Muskelkater durchaus verringern. Nach dem Training hat das Dehnen keinen entscheidenden Effekt. Direkt nach dem Training kann Kälte wirksam sein. Durch die Mikroverletzungen entsteht eine Schwellung im Gewebe. Die Kälte bewirkt, dass die Schwellung eingedämmt wird. Schmerzmittel sind dagegen keine gute Wahl. Entzündungshemmende Medikamente haben sogar eine negative Wirkung: Sie können die Anpassung der Muskelzelle an das Training, das Wachstum der Muskulatur, hemmen. Wärme hilft - zum Beispiel in der Sauna oder durch heißes Duschen. Ätherische Öle, zum Beispiel mit Rosmarin oder Pfefferminze, und Sportsalben können die Beschwerden bei Muskelkater lindern. Auch sie regen die Durchblutung an und helfen bei der Regeneration. Wer weiter trainieren will, sollte bei Muskelkater ein eher konzentrisches Training - wie beispielsweise Radfahren - umsatteln. Auch bestimmte Lebensmittel können den Körper bei Entzündungen unterstützen: Dunkelrotes Obst (wie zum Beispiel Kirschen) enthalten Anthocyane. Diese Pflanzenfarbstoffe können Entzündungen im Körper lindern. Ähnlich soll es bei Mandeln sein. Deren sekundäre Pflanzenwirkstoffe in der Hülle sollen helfen, oxidativen - also negativen - Stress zu kontrollieren. Das jedenfalls will eine US-Studie herausgefunden haben.
Magnesium und seine Rolle im Körper
Magnesium ist ein essentieller Mineralstoff, der an über 500 enzymatischen Reaktionen im Körper beteiligt ist. Magnesium ist essentieller Cofaktor von über 500 enzymatischen Reaktionen des Intermediärstoffwechsels. Es spielt eine wichtige Rolle bei der Thrombozytenaggregation (Zusammenlagerung (Aggregation) von Blutplättchen) - eine vermehrte Zusammenlagerung von Thrombozyten kann zur Entstehung eines Thrombus (Blutgerinnsel) und damit zur Thrombose bzw. Embolie Blutgefäßverschluss) führen. Ungefähr 50-60 % des im Körper vorkommenden Magnesiums sind im Knochengewebe und in den Zähnen eingelagert bzw. gespeichert. Dabei ist Magnesium an Hydroxylapatit (Calcium-Phosphat-Salze von hohem Härtegrad) gebunden. Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) brauchen erwachsene Frauen ab 25 Jahren im Durchschnitt rund 300 Milligramm Magnesium pro Tag, erwachsene Männer 350 Milligramm pro Tag. Magnesium kommt in jeder Körperzelle und im Blut vor und ist an hunderten wichtigen Prozessen im Körper beteiligt, die mit Enzymen verbunden sind. Magnesiummangel (Hypomagnesiämie) löst daher vielfältige Symptome aus: Muskuläre Symptome sind bekannter, aber Magnesiummangel kann auch neurologische Symptome auslösen oder die Psyche beeinflussen - und sogar gefährlich werden.
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Magnesium ist für eine normale und koordinierte Bewegung, also das Zusammenziehen (Kontraktion) und wieder Entspannen (Relaxation) unserer Muskeln, ist die Anwesenheit bestimmter Mineralstoffe notwendig. So führt ein erhöhter Einstrom von Calcium in den Muskel zur Muskelanspannung, während sein natürlicher Gegenspieler, das Magnesium, den Einstrom von Calcium verringert und wieder für Entspannung sorgt. Gerät dieses Zusammenspiel aus dem Gleichgewicht, können Verspannungen und Krämpfe die Folgen sein.
Es trägt zur Balance zwischen Anspannung und Entspannung des Skelettmuskels und damit zur Koordination unserer Bewegungen bei. Zudem sorgt es für die Weiterleitung von Impulsen an Nerven und Herzmuskeln und entspannt die Muskulatur der Blutgefäße, um das Herz-Kreislaufsystem zu stabilisieren. Darüber hinaus wirkt es beruhigend auf das zentrale Nervensystem, reduziert die Freisetzung von Stresshormonen und dämpft die Erregungsweiterleitung der Nerven, die für die Stresssymptome verantwortlich sind. Es unterstützt die Darmbewegung (Peristaltik) und hält die Verdauung in Schwung, ist als Bestandteil von Enzymen an Stoffwechselprozessen beteiligt und festigt zusammen mit Calcium Knochen und Zähne.
Magnesiummangel: Ursachen, Symptome und Diagnose
Magnesiummangel kann vielfältige Ursachen haben. Magnesiummangel ist oft nicht leicht zu erkennen, weil viele Symptome unspezifisch sind oder sich erst bei ausgeprägter Hypomagnesiämie zeigen. Die Ursachen eines Magnesiummangels sind vielfältig. Grundsätzlich kann ein solcher entstehen, wenn dem Körper entweder zu wenig Magnesium zugeführt wird, der Magnesiumbedarf erhöht ist oder zu viel Mineral verlorengeht. Auch die Magnesiumaufnahme aus dem Darm (Resorption) kann gestört sein. So ist es möglich, dass bei manchen Menschen und in bestimmten Situationen ein Magnesiummangel wahrscheinlicher ist als bei anderen.
Mögliche Ursachen:
- Reduzierte Zufuhr: Eine einseitige Ernährung oder Mangelernährung kann die Ursache sein, dass zu wenig Magnesium aufgenommen wird.
- Erhöhter Bedarf: Bei Stress oder schwerer körperlicher Arbeit, beim Sport oder in der Schwangerschaft und Stillzeit kann der Magnesiumbedarf erhöht sein.
- Erhöhte Ausscheidung: Erkrankungen, wie Diabetes mellitus, oder die Einnahme von harntreibenden (sogenannte Diuretika) oder abführenden Medikamenten können zu einer erhöhten Ausscheidung von Magnesium führen. Auch über den Schweiß (z. B. bei Leistungssportlern) verliert der Körper sehr viel Magnesium.
- Gestörte Resorption: Die Aufnahme des Mineralstoffs aus dem Darm kann beispielsweise bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen oder im fortgeschrittenen Lebensalter gestört sein. Normalerweise verfügt der Körper über Regulationsmechanismen, die verhindern, dass zu viel Magnesium ausgeschieden wird, und zudem die Magnesiumaufnahme aus dem Darm fördern. Aber auch diese können durch genetische Faktoren gestört sein. Mangel-Symptome treten dann bereits in der Kindheit oder noch früher auf.
Symptome eines Magnesiummangels können sein:
- Muskelsymptome: Nächtliche Wadenkrämpfe, Muskelkrämpfe (z. B. am Oberschenkel, in Füßen oder Zehen), Muskelverspannungen, Lidzucken, Muskelzucken (z. B. im Gesicht), Muskelschwäche, Kribbeln oder Taubheitsgefühle in Fingern und Füßen.
- Herz-Kreislauf-Symptome: Herzrhythmusstörungen, Durchblutungsstörungen, erhöhte Herzfrequenz (bis hin zu Herzrasen), Bluthochdruck.
- Symptome des Nervensystems: Müdigkeit oder Abgeschlagenheit, Erschöpfung, Spannungskopfschmerz, Migräne, Zittern, innere Unruhe, Stress, Schlafstörungen, Nervosität.
- Magen-Darm-Symptome: Verdauungsbeschwerden, Verstopfung.
- Weitere Anzeichen können ein positives Chvostek-Zeichen oder ein positives Trousseau-Zeichen sein - beide neurologischen Symptome deuten nicht ausschließlich auf Magnesiummangel hin, sondern generell auf neuromuskuläre Übererregbarkeit (Tetanie). Neben Magnesiummangel korrelieret diese auch mit Kaliummangel und/oder Calciummangel. Beim Trousseau-Zeichen wird die Blutversorgung zur Hand eingeschränkt - zum Beispiel mit einer Blutdruckmanschette, die für drei Minuten auf 20 mmHg über systolischem Blutdruck am Unterarm aufgeblasen wird. Getestet wird nun, ob eine neuromuskuläre Übererregbarkeit besteht, die zu Karpalspasmen führt. Magnesiummangel kann auch Auswirkungen auf die Psyche haben.
Diagnose:
Ein Magnesiummangel bleibt häufig unbemerkt. Erst bei einem sehr niedrigen Magnesiumspiegel (unter 0,5 mmol/l) im Blut kann sich dieser mit Mangelerscheinungen bemerkbar machen. Der Arzt stellt den Magnesiummangel anhand einer Blutuntersuchung fest. Die Magnesiumwerte im Körper werden in Millimol pro Liter gemessen. Von einem normalen Magnesiumwert spricht man bei 0,75 bis 1,1 mmol/l (1,7 bis 2,7 mg/dl). Ein Magnesiummangel liegt vor bei Werten unter 0,7 mmol/l. Wichtig zu wissen: Magnesiumwerte aus dem Blut bilden nur etwa ein Prozent des gesamten Körpermagnesiums ab, denn der größte Anteil an Magnesium befindet sich in Zellen, Muskeln und Knochen.
Magnesiummangel und Muskelkrämpfe: Der Zusammenhang
Tatsächlich kann Magnesiummangel Muskelkrämpfe auslösen. So führt ein erhöhter Einstrom von Calcium in den Muskel zur Muskelanspannung, während sein natürlicher Gegenspieler, das Magnesium, den Einstrom von Calcium verringert und wieder für Entspannung sorgt. Gerät dieses Zusammenspiel aus dem Gleichgewicht, können Verspannungen und Krämpfe die Folgen sein.
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Aber Achtung: Nicht jeder Muskelkrampf ist auf einen Magnesiummangel zurückzuführen! Es gibt viele andere Faktoren, die Muskelkrämpfe verursachen können.
Doch das ist nur ein Teil der Vorgänge, die am Muskel passieren, wenn das Gehirn das Signal für eine geplante Bewegung erhält. Weitere Faktoren, wie eine ausreichende Durchblutung, die intakte Weiterleitung von Impulsen zwischen Nerv und Muskel und eine natürliche Funktion unseres Skelettsystem tragen ebenfalls zu einer gesunden Muskelarbeit bei. Daher ist es nicht verwunderlich, dass es trotz ausreichenden Magnesiums zu Muskelkrämpfen kommen kann, die folglich nicht mit Magnesium behandelt werden können. Hierzu zählen beispielsweise Vorerkrankungen der Gefäße, Nerven- oder Muskelerkrankungen, Flüssigkeitsmangel oder orthopädische Probleme. Und nicht zuletzt gibt es auch Wadenkrämpfe, die ganz ohne erkennbare Ursache auftreten.
Behandlung von Magnesiummangel
Das Ausmaß des Mangels bestimmt die Maßnahme. Ist die Ernährung Ursache für den Magnesiummangel, können mehr magnesiumreiche Lebensmittel helfen - wie Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, grünes Gemüse oder Nüsse.
Magnesiumreiche Ernährung:
Die natürlichste Magnesiumquelle ist eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Bei einer leichten Hypomagnesiämie reicht es meist aus, magnesiumreiche Nahrungsmittel vermehrt auf den Speiseplan zu setzen und so den Magnesiumhaushalt wieder in Balance zu bringen. Magnesiumreiche Nahrungsmittel sind beispielsweise:
- Bananen
- Spinat, Brokkoli
- Hülsenfrüchte, wie Erbsen, Bohnen
- Weizenkleie, Haferflocken, Reis, Sesam, Mohn
- Nüsse, Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne, Mandeln
- Vollkornbrot
- Kartoffeln
- Schokolade, Marzipan
Magnesiumpräparate:
Kann der Bedarf nicht allein über die Nahrung gedeckt werden, dann sollte die Magnesiumzufuhr durch Einnahme eines speziellen Magnesiumpräparats ergänzt werden. So lässt sich der Magnesiumspeicher binnen weniger Wochen meist wieder auffüllen. Dabei ist zu beachten, dass die entsprechenden Präparate nicht gemeinsam mit Zink oder Calcium eingenommen werden, weil der Körper Magnesium sonst nicht verwerten kann. Weiterhin können Phosphate (z. B. in Schmelzkäse, Wurstwaren) und Oxalate (z. B. in Rhabarber) die Aufnahme von Magnesium hemmen, und häufiger Alkoholkonsum kann die Ausscheidung von Magnesium über den Urin fördern.
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Darüber hinaus stehen Magnesium und Vitamin D in enger Verbindung. Einerseits wird Magnesium benötigt, um Vitamin D in seine aktive Form umzuwandeln, andererseits fördert Vitamin D die Aufnahme von Magnesium aus dem Darm. Da die Vitamin- D-Produktion nur mithilfe von Sonnenlicht erfolgen kann, sollte der Aufenthalt im Freien auch unserem Magnesiumhaushalt guttun.
Wann zum Arzt?
Generell ist es ratsam und beruhigend, bei Verdacht auf einen Magnesiummangel zunächst mit einem Arzt zu sprechen. Dies gilt insbesondere dann, wenn schwere Mangelerscheinungen vorliegen, da das Mineral in diesem Fall intravenös zugeführt werden muss. Aber auch in besonderen Fällen, wie z. B. in der Schwangerschaft oder bei einem Nierenleiden, sollte der Mineralhaushalt regelmäßig von einem Arzt kontrolliert werden.
Die Rolle von Magnesium in der Prävention und Behandlung von Muskelkrämpfen
Magnesium spielt eine wichtige Rolle bei der Muskelkontraktion und -entspannung. Es hilft, den Kalziumspiegel in den Muskelzellen zu regulieren, was für eine normale Muskelfunktion unerlässlich ist. Ein Magnesiummangel kann zu einer Übererregbarkeit der Muskelzellen führen, was Muskelkrämpfe auslösen kann.
Eine ausreichende Magnesiumzufuhr kann daher dazu beitragen, Muskelkrämpfen vorzubeugen. Dies gilt insbesondere für Menschen, die einem erhöhten Risiko für Magnesiummangel ausgesetzt sind, wie z. B. Sportler, Schwangere und ältere Menschen.
Andere Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten von Muskelkrämpfen
Wie bereits erwähnt, sind Muskelkrämpfe nicht immer auf einen Magnesiummangel zurückzuführen. Andere mögliche Ursachen sind:
- Dehydration: Flüssigkeitsmangel kann die Muskelfunktion beeinträchtigen und Krämpfe verursachen.
- Elektrolytstörungen: Neben Magnesium spielen auch andere Elektrolyte wie Kalium, Kalzium und Natrium eine wichtige Rolle bei der Muskelfunktion. Ein Ungleichgewicht dieser Elektrolyte kann zu Krämpfen führen.
- Durchblutungsstörungen: Eine schlechte Durchblutung der Muskeln kann zu Sauerstoffmangel führen, was Krämpfe auslösen kann.
- Nervenerkrankungen: In seltenen Fällen können Nervenerkrankungen wie Multiple Sklerose oder Parkinson-Krankheit Muskelkrämpfe verursachen.
- Medikamente: Einige Medikamente, wie z. B. Diuretika und Statine, können als Nebenwirkung Muskelkrämpfe verursachen.
- Risikofaktoren umfassen: hohes Alter, Bewegungsmangel, Alkoholkonsum, venöse oder peripher-arterielle Gefäßerkrankungen, Kalzium-/Magnesiummangel, schwere Leber- und Niereninsuffizienz (Urämie, Hämodialyse), periphere neurogene Läsionen
- Auch Borreliose kann eine Ursache sein.
Die Behandlung von Muskelkrämpfen richtet sich nach der Ursache. In vielen Fällen können einfache Maßnahmen wie Dehnübungen, Massagen und die Einnahme von ausreichend Flüssigkeit und Elektrolyten helfen, die Beschwerden zu lindern. Im Akutfall wird der krampfende Muskel gedehnt bzw. die Antagonisten statisch angespannt. Bei nächtlichen Wadenkrämpfen sind regelmäßig Dehnübungen der Wadenmuskeln hilfreich.
In einigen Fällen kann es jedoch notwendig sein, einen Arzt aufzusuchen, um die Ursache der Krämpfe abzuklären und eine geeignete Therapie einzuleiten. Abzuklären sind zunächst symptomatische Muskelkrämpfe auszuschließen. Bei anhaltenden Muskelschmerzen und häufigen Krämpfen empfehlt der Mediziner einen Besuch in der Arztpraxis.
Magnesium als Nahrungsergänzungsmittel: Wann ist es sinnvoll?
Das Geschäft mit den Nahrungsergänzungsmitteln boomt. Ob Zink, Eisen, Vitamin D3, Vitamin B12 oder Magnesium - alles kann mittlerweile supplementiert werden. Wenn die Ergänzungsmittel nicht ärztlich angeordnet sind, kann der Konsum gefährlich werden. Ab einer bestimmten Menge kann Magnesium zu gesundheitliche Schäden führen. Das Nahrungsergänzungsmittel wird häufig von Sportlern genommen, um Muskelkater zu vermeiden oder die Leistung zu steigern. Typischerweise kommt es auch zum Einsatz, wenn sich ein Krampf andeutet. Der Allgemeinmediziner Dr. Christoph Specht warnt in einem Gespräch mit RTL vor einer Überdosierung. „Der Nutzen von Magnesium als Nahrungsergänzungsmittel nach dem Sport ist nicht belegt. Es geht viel um den Placebo-Effekt, man möchte sich etwas Gutes tun“, so Specht.
Eine Person hält Vitaminpräparate von Calcium, Vitamin D und Magnesium in der Hand. „Ein Fehler im Sportprogramm ist hier wahrscheinlicher als ein Magnesium-Mangel. In der Regel haben wir einen Muskel überlastet und es handelt sich nicht um einen Mangel“, erklärt der Mediziner. Ein Magnesium-Mangel sei generell sehr selten. Häufig komme er nur bei älteren oder kranken Menschen vor. Auch beim Einschlafen hilft Magnesium nicht. Es handelt sich schlichtweg um einen Placebo-Effekt, erklärt der Experte. Viel mehr sei es so, dass zu viel Magnesium schaden kann. Die Folge von einer Überdosis sind Durchfälle und Magen-Darm-Probleme. Auch die Aufnahme von anderen Mineralstoffen kann Magnesium im Körper behindern. „Bei massiver Überdosierung drohen sogar Herzprobleme“, warnt Specht. Vor Magnesium als Nahrungsergänzungsmittel rät er ab, denn es kann schnell überdosiert werden. Eine Untersuchung der Verbraucherzentrale zeigte, dass sich viele Hersteller nicht an die empfohlene Höchstmenge für Magnesium halten. Die Verbraucherzentrale empfiehlt eine abwechslungsreiche Ernährung, die den Bedarf problemlos decken würde. Gemüse, Vollkornprodukte und Nüsse sind eine gute Quelle. „Ein Glas alkoholfreies Weizenbier ist besser als jedes Nahrungsergänzungsmittel“, ergänzt Specht.
Die Wirksamkeit von Magnesium bei idiopathischen Krämpfen ist nicht ausreichend belegt. Ein Mangel sollte aber ausgeglichen werden. Doch eine Überdosierung kann zu Durchfall, Magen-Darm-Problemen oder auch zu Herzproblemen führen. Ein Mediziner warnt.
Weitere Tipps zur Vorbeugung und Behandlung von Muskelkrämpfen
Neben einer ausreichenden Magnesiumzufuhr und der Behandlung anderer Grunderkrankungen gibt es noch einige weitere Tipps, die helfen können, Muskelkrämpfen vorzubeugen und sie zu behandeln:
- Regelmäßiges Dehnen: Dehnübungen können helfen, die Muskeln flexibel zu halten und Krämpfen vorzubeugen.
- Ausreichend Flüssigkeit trinken: Dehydration kann Muskelkrämpfe begünstigen. Trinken Sie daher ausreichend Wasser oder andere elektrolythaltige Getränke.
- Elektrolyte ausgleichen: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung, die ausreichend Elektrolyte wie Kalium, Kalzium und Natrium enthält.
- Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige Bewegung kann die Durchblutung der Muskeln verbessern und Krämpfen vorbeugen.
- Vermeiden Sie Überanstrengung: Überanstrengung kann Muskelkrämpfe auslösen. Steigern Sie Ihre Trainingsintensität langsam und vermeiden Sie ungewohnte Belastungen.
- Kalziumhaltige Milchprodukte wie Joghurt stärken nicht nur die Knochen, sondern auch die Regeneration der Muskeln. Auch Tomaten wirken Wunder, denn sie enthalten viel Magnesium, das für den Regenerationsprozess der Muskeln sehr nützlich ist.Der in Tomaten enthaltene Farbstoff Lycopin hilft, die Muskulatur zu entspannen und es gar nicht erst zu schlimmeren Verletzungen kommen zu lassen. Das gilt auch für den Granatapfel mit seinen entzündungshemmenden Flavonoiden und Tanninen oder für grünen Tee. Regenerierend, weil stark kalium- und magnesiumhaltig, wirkt Kakaopulver.Auch Lebensmittel mit Omega- 3-Fettsäuren vor dem Sport sollen helfen, die für Muskelkater typischen Schmerzen zu minimieren. Trotzdem gilt: Besser in Maßen und regelmäßig Sport treiben, als unter schmerzenden Muskeln zu leiden.
Chinin: Eine Option bei therapieresistenten Krämpfen?
Chinin zur Behandlung ist ausreichend belegt. Allerdings ist Chininsulfat seit 2015 rezeptpflichtig und dessen Indikation auf andernfalls nicht behandelbare, sehr häufige oder schmerzhafte, nächtliche Wadenkrämpfe eingeschränkt. Chinin ist ein Wirkstoff, der in der Vergangenheit häufig zur Behandlung von Muskelkrämpfen eingesetzt wurde. Aufgrund von schwerwiegenden Nebenwirkungen ist die Anwendung von Chinin jedoch heute stark eingeschränkt. Chinin ist rezeptpflichtig und sollte nur unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden, wenn andere Behandlungen nicht erfolgreich waren.
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