Das Smartphone ist heutzutage ein allgegenwärtiger Begleiter. Es summt, es pingt und fordert ständig unsere Aufmerksamkeit. Diese ständige Verfügbarkeit und die damit verbundene Dopamin-Ausschüttung bergen jedoch auch Gefahren: die Entstehung einer Handysucht. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen und Folgen der Dopamin-Abhängigkeit durch Handys und zeigt Wege auf, wie man einen bewussteren Umgang mit dem Smartphone erlernen kann.
Die Allgegenwärtigkeit des Smartphones und seine Folgen
Das Smartphone hat sich in den letzten Jahren rasant verbreitet und ist aus unserem Alltag kaum noch wegzudenken. Es dient als Kommunikationsmittel, Informationsquelle, Unterhaltungsmedium und vieles mehr. Diese ständige Verfügbarkeit und die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten haben jedoch auch ihre Schattenseiten.
Ablenkung und Konzentrationsmangel
Studien zeigen, dass die bloße Anwesenheit des Smartphones die Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigen kann. Forscher der Universität Paderborn fanden heraus, dass Probanden bei Konzentrationsübungen schlechter abschnitten, wenn sich ein Smartphone auf dem Tisch befand, selbst wenn es ausgeschaltet war. Gloria Mark von der University California Irvine beobachtet seit 2004 die menschliche Aufmerksamkeit und stellte fest, dass sich die Aufmerksamkeitsspanne deutlich verkürzt hat. Im Jahr 2004 widmeten sich die Teilnehmenden einer Aufgabe durchschnittlich 2,5 Minuten, während es 2019 nur noch 47 Sekunden waren.
Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche
Besonders bei Kindern und Jugendlichen kann die übermäßige Nutzung von Smartphones negative Auswirkungen haben. Neurobiologe Martin Korte warnt davor, dass ewiges "Gedaddel" die Empathiefähigkeit beeinträchtigen und soziale Beziehungen belasten kann. Zudem fehlten Kindern Reize, wenn sie immer am Bildschirm klebten. Bewegung, Umgang mit anderen Menschen und weitere Herausforderungen seien wichtig für die Entwicklung des Gehirns.
Widersprüchliche Ergebnisse bei Erwachsenen
Bei Erwachsenen sind die Studienergebnisse widersprüchlicher. Eine Metastudie der Universität Wien ergab, dass sich Erwachsene heute sogar etwas besser konzentrieren können als in zurückliegenden Jahrzehnten. Andere Studien deuten jedoch darauf hin, dass die Konzentrationsfähigkeit auch bei Erwachsenen abgenommen hat.
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Dopamin und das Belohnungssystem
Die Handysucht ist eng mit dem Belohnungssystem unseres Gehirns und dem Botenstoff Dopamin verbunden. Dopamin wird ausgeschüttet, wenn wir etwas Positives erleben oder erwarten, beispielsweise eine Nachricht erhalten, ein "Like" in sozialen Medien bekommen oder ein Level in einem Spiel erreichen. Dieses Dopamin-Hoch motiviert uns, das Verhalten zu wiederholen, um erneut diese positiven Gefühle zu erleben.
"The Magic of Maybe"
Der Verhaltensforscher Robert Sapolsky beobachtete bei Pavianen, dass nicht nur die Belohnung selbst, sondern auch die Erwartung einer Belohnung Dopamin freisetzen kann. Er nannte dies "The magic of maybe". Diese Erwartungshaltung hält uns am Bildschirm, in der Hoffnung auf den nächsten "Dopamin-Schuss".
Soziale Medien als "einarmige Banditen"
Neurobiologe Martin Korte vergleicht Smartphones mit "einarmigen Banditen am Spielautomaten in Las Vegas". Soziale Medien und Handys sind so programmiert, dass sie unser Belohnungssystem ständig in eine Erwartungshaltung bringen.
Toleranzentwicklung und Craving
Mit der Zeit gewöhnt sich unser Gehirn an die Dopamin-Ausschüttung und bildet mehr Rezeptoren, an die das Hormon andocken kann. Dadurch braucht es mehr Dopamin, um den gleichen Effekt zu erzielen. Dies führt zu einem Teufelskreis, in dem wir immer mehr Medien konsumieren müssen, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Bleibt die Belohnung aus, kann es zu "Craving" und Entzugserscheinungen kommen.
Ursachen der Dopamin-Abhängigkeit durch Handys
Die Entstehung einer Handysucht ist komplex und wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst.
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Psychologische Faktoren
- Gefühle und soziale Aspekte: Viele Inhalte oder Aktivitäten im Netz werden als angenehm erlebt und können zur Ablenkung von Problemen oder unangenehmen Tätigkeiten genutzt werden.
- Wertschätzung und Anerkennung: In sozialen Netzwerken oder bei Online-Rollenspielen erfährt man häufig Wertschätzung und Anerkennung und erlebt ein Gefühl der Zugehörigkeit.
- Psychische Probleme und Konflikte: Psychische Probleme und Konflikte können das Risiko für eine Internetsucht erhöhen.
- Wenig strukturierte, introvertierte und ängstliche Menschen: Altersübergreifend scheinen besonders wenig strukturierte, introvertierte und ängstliche Menschen anfällig zu sein.
Neurobiologische Faktoren
- Belohnungssystem: Das Belohnungssystem im Gehirn wird durch die Nutzung von Smartphones aktiviert und Dopamin ausgeschüttet.
- Toleranzentwicklung: Das Gehirn gewöhnt sich an die Dopamin-Ausschüttung, wodurch immer mehr Reize benötigt werden, um den gleichen Effekt zu erzielen.
- Genetische Faktoren: Es wird vermutet, dass auch genetische Faktoren bei der Neigung, ein süchtiges Internetverhalten zu entwickeln, eine Rolle spielen.
Soziale Faktoren
- Sozialisierung im Bezug auf Medien: Ob Eltern ihren Kindern Grenzen im Konsum setzten und diesen für die Kinder regulieren, spielt eine wichtige Rolle.
- Sozialer Druck: Wenn auf dem Tisch im Restaurant vor jedem Platz ein Handy liegt, wird es schwer, selbst keins zu zücken.
Folgen der Handysucht
Die Handysucht kann vielfältige negative Folgen haben, die sich auf die körperliche und psychische Gesundheit sowie auf das soziale Umfeld auswirken.
Körperliche Folgen
- Nacken- und Rückenschmerzen
- Augenbelastung, gereizte Augen, Verstärkung von Sehschwächen
- Schlafstörungen
Psychische Folgen
- Konzentrationsprobleme
- Aggressionen
- Depressive Verstimmungen oder Depressionen
- Erhöhte Wahrscheinlichkeit psychischer Erkrankungen
- Unrealistische Körperbilder oder hohe Ansprüche an das Selbst
- Zunahme von Stress und negativen emotionalen Zuständen wie Traurigkeit, Einsamkeit oder Gereiztheit
Soziale Folgen
- Soziale Isolation
- Beeinträchtigungen im privaten, beruflichen oder schulischen Umfeld
- Vernachlässigung von Hobbys und Interessen
Wege aus der Dopamin-Abhängigkeit
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Dopamin-Abhängigkeit durch Handys zu überwinden und einen bewussteren Umgang mit dem Smartphone zu erlernen.
Selbstreflexion und Bewusstmachung
- Überprüfung des eigenen Handyverhaltens: Wie viel Zeit verbringe ich täglich am Handy? Wofür nutze ich das Handy?
- Bewusste Handypausen: Zeiten einplanen, in denen man bewusst auf das Handy verzichtet.
- Beurteilung der eigenen Handynutzung anhand von Kriterien: Habe ich Schwierigkeiten, meine Handynutzung zu kontrollieren? Verbringst du mehr Zeit mit dem Handy als du eigentlich willst? Steht die Smartphone-Nutzung für dich im Alltag im Vordergrund? Verzichtest du für dein Smartphone auf Dinge, die dir einmal Spaß gemacht haben, wie beispielsweise Hobbys oder Rituale mit Freunden oder der Familie? Stellst du fest, dass sich aufgrund deiner intensiven Smartphone-Nutzung in deinem privaten, beruflichen oder schulischen Umfeld etwas negativ verändert hat?
Verhaltensänderungen
- Digital Detox: Richte dir Zeiten ein, in denen du bewusst auf dein Handy verzichtest. Das kann dabei helfen, die Abhängigkeit vom Smartphone zu verringern.
- Anpassen der Smartphone-Einstellungen: Unnötige Push-Nachrichten deaktivieren, Startbildschirm aufräumen, wichtige Apps priorisieren.
- Begrenzung der zeitlichen Nutzung: Ziel für Bildschirmzeit festlegen und einhalten.
- Reduzierung der "Aufgaben" des Handys: Wecker, Notizen, Kalender traditionell nutzen.
- Handy beim Arbeiten weglegen: Um konzentrierter zu arbeiten, solltest du das Smartphone weglegen.
- Sich äußeren Reizen der digitalisierten Welt entgegensetzen: Spazieren gehen, meditieren, schreiben, lesen, Quality Time mit Familie verbringen.
- Weniger interessantes vor dopaminlastiger Aktivität: Aufgaben erledigen, bevor man sich dem Smartphone widmet.
- Regelmäßige Phasen der Social Media-Abstinenz: Über das Jahr verteilt regelmäßige Phasen der Social Media-Abstinenz einplanen.
- Klare Regeln für den Social Media-Konsum aufstellen: Physische oder mentale Barriere zwischen sich und dem Konsum aufbauen.
- Aktivitäten wählen, die ein langanhaltendes Gefühl der Belohnung hervorrufen: Spielen eines Instruments, Kochen.
Professionelle Hilfe
- Hausarztpraxis: Eine gute Anlaufstelle kann deine Hausarztpraxis sein.
- Psychotherapie: In der Behandlung von Mediensüchten haben sich besonders kognitiv-verhaltenstherapeutische Ansätze bewährt.
- Selbsthilfegruppen: Von den anonymen Alkoholikern lernen, Gruppeneffekte nutzen, gemeinsame Vereinbarungen treffen.
Tipps zur Dopamin-Balance
- Abbau von chronischem Stress: Ständiger Stress hemmt die Produktion von Dopamin.
- Ausreichend Schlaf: 7-9 Stunden Schlaf von guter Qualität.
- Entspannung: Meditation und Yoga praktizieren.
- Regelmäßige Bewegung: Bereits nach 10 Minuten kommt es zur Ausschüttung von Dopamin und nach 20 Minuten ist die Konzentration an Dopamin am höchsten.
- Ausreichendes Verzehren von Proteinen: Hülsenfrüchte, Eier, Milchprodukte etc. führen zum Wachstum von Dopamin.
- Genießen von Musik: Die Hirnaktivität im Belohnungszentrum ist reich an Dopaminrezeptoren und wird dabei angesprochen.
- Sonne tanken: Sonnenstrahlen fördern die Herstellung von Dopamin.
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